Warnow (Fluss)

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Warnow
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Ein Durchbruchstal der Warnow

Ein Durchbruchstal der Warnow

Daten
Gewässerkennzahl DE: 964
Lage Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Flusssystem Warnow
Flussgebietseinheit Warnow/Peene
Quelle Grebbin, Landkreis Ludwigslust-Parchim
53° 30′ 59″ N, 11° 51′ 45″ O53.5163111.8625765
Quellhöhe 65 mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung in Warnemünde in die Ostsee54.18016612.0929970Koordinaten: 54° 10′ 49″ N, 12° 5′ 35″ O
54° 10′ 49″ N, 12° 5′ 35″ O54.18016612.0929970
Mündungshöhe mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 65 m
Länge 155,4 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen 
Binnengewässer 143 km
Einzugsgebiet 3324 km²Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Abfluss am Pegel Rostock OP[1]
AEo: 3021 km²
NNQ (regelmäßig)
MNQ 1989-2002
MQ 1989-2002
Mq 1989-2002
MHQ 1989-2002
HHQ (1995)
0 l/s
72 l/s
12,7 m³/s
4,2 l/s km²
69,6 m³/s
104 m³/s
Linke Nebenflüsse Göwe, Brüeler Bach, Beke
Rechte Nebenflüsse Mildenitz, Nebel, Kösterbeck, Carbäk
Durchflossene Seen Barniner See, Mickowsee
Großstädte Rostock
Kleinstädte Bützow, Schwaan

Die 155 Kilometer lange und teils staugeregelte Warnow ist ein Fluss in Mecklenburg-Vorpommern, der in die Ostsee mündet. Das Einzugsgebiet der Warnow umfasst 3324 km².

Name[Bearbeiten]

Der Name wird [ˈvaʁnoː] ausgesprochen, ist aus dem Slawischen abgeleitet und bedeutet Krähen- oder Rabenfluss.[2] Manche Autoren vermuten andererseits einen Namenszusammenhang mit dem germanischen Stamm der Warnen, der wohl im westlichen Mecklenburg siedelte, bevor er im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. überwiegend nach Thüringen abwanderte. Der antike Geograf Claudius Ptolemäus wiederum, der als Erster geografische Koordinaten verwendete, erwähnt um 150 nach Chr. mit etwa zur Warnow passenden Daten die Mündung eines Flusses namens Χαλούσος (lat.: Chalusus).[3]

Flusslauf[Bearbeiten]

Oberwarnow[Bearbeiten]

Warnowquelle in Grebbin

Die Warnow entspringt in Mecklenburg im Landkreis Ludwigslust-Parchim etwa 30 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Schwerin in Grebbin.

Nördlich von Grebbin münden mehrere Gräben, unter anderem der Streitgraben, in die Warnow. Von hier aus fließt der Fluss in westlicher Richtung, dabei durch den Barniner See und dann weiter in Richtung Schweriner See, ohne aber diesen zu erreichen. Fünf Kilometer vor dessen Ostufer knickt sie in Richtung Norden ab. Hinter Karnin bildet die Warnow ein kleines, unter Naturschutz stehendes Durchbruchstal. Danach knickt der Fluss nach Nordosten ab und durchläuft nach wenigen Kilometern durch Wiesen später den Mickowsee. Anschließend macht die Warnow ihren Weg durch die wenig besiedelte Sternberger Seenplatte, ohne noch weitere Seen zu berühren. In Weitendorf fließt der Brüeler Bach in die Warnow. Östlich des Dorfes beginnt ein tief eingeschnittener Abschnitt des Flusslaufes mit schneller Strömung. Bei Groß Görnow nördlich von Sternberg durchschneidet sie in einem bis zu 40 Meter tiefen Durchbruchstal eine eiszeitliche Moräne und verliert zwischen Sagsdorf und Eickhof auf neun Flusskilometern acht Höhenmeter. In diesem Abschnitt nimmt sie das Wasser der Mildenitz auf, die kurz vorher den Sternberger See durchflossen hat.

Ehemalige Hubbrücke über die Warnow in Schwaan

Bei Eickhof wird das Tal wieder breit und bei dem Dorf Warnow liegt ihr Wasserspiegel nur noch 2,5 Meter über dem Meer. Anschließend erreicht sie Bützow, die erste Stadt auf ihrem bisherigen Weg, wo die Nebel in sie einmündet. Etwa 15 Kilometer weiter nördlich durchfließt die Warnow die Kleinstadt Schwaan. Links in Fließrichtung mündet hinter der Hubbrücke im Ortskern die Beke. Bis in die 1950er Jahre gab es Schiffsverkehr zwischen Rostock und Schwaan. Dieser wurde später wegen der unter Naturschutz stehenden Uferzone eingestellt.

Danach werden die Orte Damm, Pölchow und Papendorf passiert. Hier befinden sich mehrere ehemalige Ziegeleien, in denen für die Stadt Rostock und Orte in der Umgebung Ziegel gebrannt und verschifft wurden. An einigen Stellen kann man noch Reste der Verladestationen, so die sogenannte Warnow-Halle in Papendorf, sowie eine Vielzahl von Torf- und Tongruben erkennen.

Seit im Mittelalter am Mühlendamm in Rostock ein Wehr zum Betrieb von Wassermühlen angelegt wurde, bildet dieses die Grenze zwischen dem Süßwasserfluss Oberwarnow und dem Brackwasser der Unterwarnow.

Für eine im 19. Jahrhundert geplante Wasserstraßenverbindung von Rostock nach Berlin wurde 1882 am Mühlenstau in Rostock eine Schleuse eingebaut. 1895/96 wurden dann die fast 37 Kilometer lange Strecke der Oberwarnow von Rostock bis Bützow und der Unterlauf der Nebel von der Warnow bis Güstrow (Bützow-Güstrow-Kanal) zur Warnow-Nebel-Wasserstraße ausgebaut. Noch 1939 wurde die Oberwarnow zwischen Rostock und Bützow begradigt, doch weitere Planungen in Richtung Berlin wurden nie verwirklicht. Der ohnehin nicht starke Schiffsverkehr ging nach 1945 weiter zurück. Bis in die 1950er Jahre gab es noch Schiffsverkehr zwischen Rostock und Schwaan. Dieser wurde später wegen der unter Naturschutz stehenden Uferzone eingestellt.

Die Stadt Rostock bezieht aus der Warnow oberhalb des Mühlendamms das Trinkwasser, weshalb das Befahren der Oberwarnow nur mit batteriebetriebenen Motorbooten sowie Ruder- und Paddelbooten erlaubt ist. Eine touristische Warnow-Schifffahrt zwischen Bützow, Schwaan und Rostock wird deshalb vom Umweltministerium weiterhin abgelehnt.[4]

Unterwarnow[Bearbeiten]

Rostock 1625, links hinten der Mühlendamm mit Mühlenstau

Das letzte Stück des schmalen Flusslaufs unterhalb des Mühlendamms vom Zusammenfluss des Wehrarms und Schleusenkanals Mühlendamm bis zur Einmündung in das breite Ästuar nördlich des Petridamms wurde Kleine Unterwarnow genannt. 1915 wurde dieser Flussarm fast gänzlich zugeschüttet, nachdem 1912 östlich davon eine „Neue Unterwarnow“ geschaffen worden war. An den Ufern des heutigen i.M. nur 50 Meter breiten Gewässerabschnitts Mühlendamm-Rostocker Osthafen befinden sich die Boots- und Vereinshäuser einiger Ruder-, Segel-, Kanu- und Angelvereine.

Einmündung des Neuen Stroms in die Ostsee in Warnemünde

Hydrologisch ist die Unterwarnow kein Fließ- sondern ein inneres Küstengewässer [5] wie Förden, Bodden und Haffe [6][7] denn ihr Salzgehalt ist ebenso hoch wie der der Wismarbucht und höher als der der offenen Ostsee an der Darßer Schwelle und die meerwärts gerichtete Strömung gering gegenüber anderen. Ein erheblicher Teil der Unterwarnow ist auch mit hochseetüchtigen Schiffen befahrbar. Sie zieht sich zunächst in westliche, dann in nördliche Richtung bis hinauf zum haffartigen Breitling, wo sie sich von etwa 500 Meter auf etwa 3000 Meter verbreitert. Hier liegt der Überseehafen. Kurz vor dem Breitling wird die Unterwarnow zwischen der Hanse Messe und dem Hafengelände vom Warnowtunnel unterquert, dem ersten privat finanzierten, mautpflichtigen Tunnel Deutschlands.

Die Verbindung der Unterwarnow zur offenen Ostsee beim Rostocker Stadtteil Warnemünde heißt Neuer Strom (zeitweise auch Neue Warnow) und ist ein 1903 angelegter, 1958 erweiterter Kanal mit einer Fahrrinnentiefe von 14,30 m seit 1996. Auch der heute Alter Strom (zeitweise auch Alte Warnow) [8], genannte Mündungsarm, heute mit einem Damm verschlossen, war ein künstliches Fahrwasser. Es wurde 1423 ausgebaggert, nachdem 1420 eine Sturmflut das natürliche Seegatt unpassierbar gemacht hatte.[9]

Wasserscheide[Bearbeiten]

Die Warnow-Quelle liegt an der Nordsee-Ostsee-Wasserscheide. Dies bedeutet, dass die nur kurzen Bäche und Gräben, die auf der südlichen Seite des Höhenzugs zwischen Grebbin und Parchim entspringen, über die Elde und Elbe in die Nordsee fließen, während die Warnow in die Ostsee entwässert.

Bundeswasserstraße[Bearbeiten]

Die Oberwarnow (OWa) von der Eisenbahnbrücke Rostock – Stralsund (km 140,96)[10] bis zum Unterhaupt der Schleuse am Mühlendamm und die anschließende Flussstrecke Unterwarnow bis zum östlichen Ende des Stadthafens Rostock (km 143,00)[10] mit insgesamt gut zwei Kilometer sind Binnenwasserstraße des Bundes[11] der Klasse I. Von hier ab bis zur offenen Ostsee ist die Unterwarnow (UWa) eine Seewasserstraße des Bundes. Auf Oberwarnow und Unterwarnow gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung. Zuständig ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund.

Tourismus[Bearbeiten]

Die Warnow wird oft von Kanus und Paddelbooten befahren – sowohl auf Tagesausflügen als auch auf mehrtägigen Befahrungen, die sich auch auf die Zuflüsse ausdehnen lassen (z.B. nach Sternberg über die Mildenitz). Entlang der Warnow gibt es mehrere Wasserwanderrastplätze und Zeltplätze.

Die Unterwarnow dient vielen Seglern als Heimatrevier. Neben Jollenseglern sind durch zahlreiche kleine Vereine und Marinas etliche Kielschiffsegler an der Unterwarnow beheimatet.

Fauna[Bearbeiten]

Im Fluss leben u.a. Aale, Barsche, Hechte, Karpfen, Forellen, Welse und Zander. Nicht nur an der Unterwarnow sieht man alljährlich zahlreiche Angler an den Ufern des Flusses. Seit einigen Jahren haben sich auch Biber ihren alten Lebensraum zurückerobert.

Zuflüsse[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fred Ruchhöft: Von Grebbin nach Warnemünde. Eine kulturgeschichtliche Wanderung entlang der Warnow (= Geschichte, Architektur, Kunst. Beiträge zu den Kulturlandschaften Mecklenburg und Vorpommern Bd. 1). Thomas Helms Verlag, Schwerin 2011, ISBN 978-3-940207-00-5.
  • Martin Eckoldt (Hrsg.): Flüsse und Kanäle. Die Geschichte der deutschen Wasserstraßen. DSV-Verlag Busse Seewald, Hamburg 1998, ISBN 3-88412-243-6.
  • Susanne Menning und Dorit Gätjen: Links und rechts der Warnow. Ein Reiseführer durch eine norddeutsche Flußlandschaft. Hinstorff Verlag, Rostock 2000, ISBN 3-356-00852-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Warnow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bestandsaufnahme 2004 nach Wasserrahmenrichtlinie in der Flussgebietseinheit Warnow / Peene Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern; Güstrow 2005; Seite 5; Auf: ikzm-d.de (pdf; 1,7 MB)
  2. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 154.
  3. Claudius Ptolemaios: Geographike Hyphegesis, Kap. 11: Germania Magna. (analytischer Auszug, altgriech./lat./engl.)
  4. Hans-Jürgen Kowalzik: Aus für Warnow-Schifffahrt. SVZ, 27. Mai 2009 http://www.svz.de/home/top-thema/article/111/aus-fuer-warnow-schifffahrt.html
  5. [1] Gewässertypologie gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie: Nach Karte 1.5 zählt die Unterwarnow weder zu den Flüssen noch zu den Seen Mecklenburg-Vorpommerns.
  6. Abbildungen und Profilmessungen zum Küstengewässerbericht Januar bis Juli 2005
  7. Messung von Salzgehalt und Strömungen der Unterwarnow
  8. Pharus-Stadtplan 1925
  9. zur Geschichte des Alten Stroms in Deutsche Leuchtfeuer
  10. a b Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  11. Verzeichnis E, Lfd.Nr. 61 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes