Warren Farrell

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Warren Farrell (2011)

Warren Thomas Farrell (* 26. Juni 1943 in Queens, New York City) ist ein US-amerikanischer Autor und Bürgerrechtler. Farrell war zunächst Feminist, setzte sich aber seit den 1980ern zunehmend für Männerrechte ein. Farrell wird oft als prominentester Vertreter des Antifeminismus angesehen.[1] Er selbst versteht sich als Vertreter einer Bewegung, die für eine Modernisierung der Geschlechterrollen eintritt (gender transformation movement).

Werk und Biographie[Bearbeiten]

Farrell war bis in die 1970er Jahre ein Vertreter der Frauenbewegung und wurde drei Mal in den Vorstand der US-amerikanischen feministischen Organisation National Organization for Women (NOW) gewählt.[2]

Im Laufe der Zeit gelangte Farrell jedoch zu der Auffassung, dass der Feminismus die Geschlechterverhältnisse sehr einseitig zugunsten der Frauen interpretiere und darstelle, und beschrieb in Warum Männer so sind, wie sie sind (1986) und Mythos Männermacht (1993) die das männliche Geschlecht betreffenden Rollenzwänge und deren Folgen. Damit legte er einen der wichtigsten Grundpfeiler der internationalen Männerrechtsbewegung (Men´s Rights Activists).

Sein Buch Mythos Männermacht wurde von der damaligen Präsidentin der National Organization for Women kritisiert und zu Betty Friedan, einer der Gründerinnen der Organisation, hatte Farrell nach eigenen Angaben ein angestrengtes Verhältnis, seit er ihr von seinem Vorhaben berichtete, ein Buch über Inzest zu schreiben, das auch Geschichten über Menschen, die positive Erfahrungen damit gemacht hatten, enthalten sollte.[3]

Seinen Sinneswandel beschreibt Farrell so: „Die Jahre vergingen. Als die meisten meiner treuesten Anhängerinnen geschieden wurden, konnte ich nur annehmen, daß ihre Ehemänner das Problem waren. […] Dann fragte ich mich eines Tages (in einem der seltenen Augenblicke innerer Sicherheit), ob mein Einfluss, wie immer er auch ausgesehen haben mochte, gut war. Ich fragte mich, ob mir deswegen so viel mehr Frauen zuhörten als Männer, weil ich selber eher Frauen und kaum Männern zugehört hatte. Ich hörte einige der Tonbandaufnahmen aus den Hunderten von Frauen- und Männergruppen ab, die ich initiiert hatte. Ich hörte mich reden. Wenn Frauen Männer kritisierten, dann nannte ich das ‚Erkenntnis‘ oder ‚Selbstbehauptung‘, ‚Frauenbefreiung‘, ‚Unabhängigkeit‘ oder ‚entwickeltes Selbstbewußtsein‘. Wenn Männer Frauen kritisierten, dann sprach ich von ‚Sexismus‘, ‚männlichem Chauvinismus‘, ‚Abwehr‘, ‚Rationalisierung‘ und ‚Backlash‘. Ich tat das höflich – aber die Männer verstanden sehr wohl. Bald unterließen es die Männer, ihre Gefühle auszudrücken, und ich kritisierte sie wiederum.“[4]

Farrell bewarb sich als einer von mehreren Dutzend demokratischen Kandidaten um die Nachfolge auf das Amt des kalifornischen Gouverneurs in der vorzeitigen außerordentlichen Wahl 2003, die von Arnold Schwarzenegger gewonnen wurde. Schwarzenegger erhielt 4,2 Millionen Stimmen (48 %), Farrell 626 Stimmen (< 0,1 %, 97. Platz unter 135 Kandidaten).

Farrell war zehn Jahre lang mit einer IBM-Managerin verheiratet. Das Paar ließ sich scheiden, nachdem seine Frau angab, mehr Gemeinsamkeiten mit einem Manager als jemandem wie Farrell zu haben.[3][5]

Themen[Bearbeiten]

In seinen Büchern befasste sich Farrell mit den Geschlechterrollen vor allem des Mannes und kritisierte feministische Theorien. Unter anderem verwies Warren Farrell auf die feministische Interpretation der Statistik: Wären es Frauen statt Männern, die sich häufiger das Leben nehmen, häufiger kriminalisiert werden, häufiger von Obdachlosigkeit betroffen sind, häufiger drogenabhängig werden, würde dies im feministischen Diskurs als eine klare Symptomatik für die gesellschaftliche Benachteiligung der Frau gesehen werden. Weiterhin beklagte er, dass die Medien Männeranliegen keine Beachtung schenken würden. So hätte die New York Times jeden seiner eingesendeten Artikel gedruckt, als er noch – wie er sich selbstironisch bezeichnete – „Spitzenmann des Feminismus“ war, aber keinen einzigen mehr, als er Artikel über die Situation von Männern zu schreiben begann. Als die US-amerikanische Feministin und ehemalige Weggefährtin Gloria Steinem bemerkte, dass sich Farrell kritisch zu feministischen Thesen äußerte, brach sie die Aufnahmen für eine geplante Talkshow kurzerhand ab.

Die Person Warren Farell ist in der Geschlechterdebatte umstritten. Die Feministin Susan Faludi hat Farrell in ihrem populären Buch Backlash – Die Männer schlagen zurück[6] als einen Vertreter der sogenannten Backlash-Bewegung beschrieben und damit als Antifeminist oder Maskulist eingeordnet. Zur selben Einordnung kommt auch der bekennende profeministische US-Soziologie Michael Kimmel.[1][7] Marianne Grabucker, bayerische Landesvorsitzende des Deutschen Juristinnenbunds, widerspricht dieser Einordnung im Vorwort zur 2. Auflage der deutschen Ausgabe von Farrells Hauptwerk Mythos Männermacht.[8] Farrell selbst sieht sich als jemand, der sich das Anliegen der Gleichberechtigung und Überwindung traditioneller Geschlechterrollen aus männlicher Sicht zu eigen macht:[9]

„Ich werde oft als Anwalt für Männerprobleme bezeichnet, weil ich mich in der Geschlechterfrage auf das konzentriere, was meiner Meinung nach vergessen ging. Trotzdem unterstütze ich nach wie vor mit Vehemenz einige Aspekte der Frauenbewegung. Ich denke, wir hätten schon viel früher eine Bewegung gebraucht, die die alten Rollen von Männern und Frauen überdenkt und sich gemeinsam auf flexiblere Rollen und Ziele einigt, ein Gender Transition Movement.“

Begegnung mit Warren Farrell, Interview in Annabelle vom 28. Juni 2011

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten]

Englisch[Bearbeiten]

Deutsch[Bearbeiten]

  •  Warum Männer so sind, wie sie sind. Ernst Kabel Verlag, Hamburg 1989 (Originaltitel: Why men are the way they are, übersetzt von Hans-Joachim Maass), ISBN 3-8225-0097-6.
  •  Mythos Männermacht. Mit einem Vorwort von Marianne Grabrucker. 1. Auflage. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995 (Originaltitel: The myth of male power, übersetzt von Elisabeth Brock), ISBN 3-86150-108-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Warren Farrell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Michael S. Kimmel, Amy Aronson (Hrsg.): Men & Masculinities: A Social, Cultural, and Historical Encyclopedia. Vol. 1, ABC-CLIO, Santa Barbara, Kalif. 2004, ISBN 1-57607-774-8, Antifeminism, S. 37, LCCN 2003-020729.
  2. Murry Frymer: Once On The Now Board, Warren Farrell Is No Longer The `Liberated Man'. The Seattle Times, 26. September 1993, abgerufen am 3. Juni 2013.
  3. a b Pamela Warrick: A New Role for Men: Victim : Former feminist Warren Farrell says he's sick and tired of guys getting bashed. 'Male power,' he proclaims, is just a myth. In: Los Angeles Times, 9. August 1993.
  4. Warren Farrell:  The Myth of Male Power. Why Men Are the Disposable Sex. Neuauflage 2001. Berkley Publishing Group, 1993, ISBN 0-425-18144-8, S. 20, LCCN 2001-268012.
  5. Ellen Joan Pollock: Doubling Back: Dual-Career Couples, Those '70s Pioneers, Two Decades Later. In: The Wall Street Journal, Oktober 1998.
  6.  Susan Faludi: Die Männer schlagen zurück. Wie die Siege des Feminismus sich in Niederlagen verwandeln und was Frauen dagegen tun können. 1. Auflage. Rowohlt, Hamburg 1993, ISBN 3-498-02071-4, S. 403-409.
  7.  Michael Kaufman, Michael Kimmel: The Guy’s Guide to Feminism. Seal Press, Berkeley, Kalif. 2011, ISBN 978-1-58005-362-4, LCCN 2011-019017.
  8. Warren Farrell:  Mythos Männermacht. Mit einem Vorwort von Marianne Grabrucker. 1. Auflage. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995 (Originaltitel: The myth of male power, übersetzt von Elisabeth Brock), ISBN 3-86150-108-2, S. 9.
  9. Warren Farrell:  The Myth of Male Power. Why Men Are the Disposable Sex. Neuauflage 2001. Berkley Publishing Group, 1993, ISBN 0-425-18144-8, S. 19, LCCN 2001-268012.