Wartberg-Kultur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Wartberg-Kultur (auch Wartbergkultur, Wartberg-Gruppe), ist eine Kultur der späten Jungsteinzeit (Spätneolithikum), benannt nach ihrem eponymen Fundort, dem in Nordhessen beim Niedensteiner Stadtteil Kirchberg gelegenen Wartberg (306 m ü. NN). Der Verbreitungsschwerpunkt der der Wartberg-Kultur liegt in Nordhessen (in der Fritzlarer Börde und der Gudensberger Kuppenschwelle) Ostwestfalen und Westthüringen. Ein südliches Ausgreifen des Verbreitungsgebiets bis in die Rhein-Main Region ist bislang nicht sicher belegt.

Wartberg bei Kirchberg

Definition[Bearbeiten]

Die Wartberg-Kultur ist eine Kulturgruppe des nordwestdeutschen Jungneolithikums. Sie datiert von 3500 v. Chr. bis 2800 v. Chr., zeitgleich zur Walternienburg-Bernburger Kultur des östlichen Nachbargebietes und zur Megalithbauphase der nördlich angrenzenden Trichterbecherkultur. Fundorte sind der Wartberg bei Kirchberg, der Hasenberg bei Lohne, sowie der Güntersberg und der Bürgel bei Gudensberg. Hinzu kommen die Ringwallanlage am Burgberg bei Niedenstein und das Erdwerk von Calden (jeweils in Nordhessen).

Befunde[Bearbeiten]

Siedlungen[Bearbeiten]

Bei allen bekannten Siedlungen handelt es sich um Höhensiedlungen. Hausreste sind, wie meist im Jungneolithikum spärlich.

Auf dem Wartberg fand man zertrümmerte Knochen, die überwiegend von Rindern, Hirschen, Schweinen, Pferden, Bären, Rehen, Schafen, Ziegen und Bibern stammen. Außerdem fand man zerschlagene menschliche Gebeine. Ursprünglich hatte man eine Opferstätte am Wartberg vermutet, doch handelt es sich aufgrund der zahlreichen Scherben und den Resten von Wandbewurf um Spuren einer Höhensiedlung.

Am Hasenberg bei Lohne wurden Pfeilspitzen und am Güntersberg bei Gudensberg Kragenflaschen der Wartberg-Kultur entdeckt.

Bestattungen[Bearbeiten]

Das Galeriegrab von Züschen

Gräber dieser Kultur sind u.a. die Galeriegräber aus Megalithen. Es handelt sich um Kollektivgräber, d.h. ausgewählte Tote der Gemeinschaft wurden in einem Grab bestattet. So fanden sich in den Galerien zwischen 25 und 300 Tote. Die Beigabensitte ist uneinheitlich, die Gräber unterscheiden sich in Beigabenreichtum und Beigabenarten.

Beispiele solcher Galeriegräber sind das Steinkammergrab von Züschen bei Fritzlar, die Steinkiste von Lohra, das Galeriegrab von Warburg-Rimbeck und das Steinkammergrab von Altendorf. Weitere Steinkammern findet man in Hadamar-Niederzeuzheim und in Hachenburg (Westerwald,Rheinland-Pfalz). Letzteres wurde im Nachbarort von Niederzeuzheim, in Oberzeuzheim, abgebaut und im Schlosspark von Hachenburg rekonstruiert. Der enge Zusammenhang zwischen Grab und Siedlungsplatz ist eine Besonderheit. Vielen nordhessischen Siedlungsplätzen konnte in Sichtweite ein Grab zugeordnet werden. So liegt das Steinkammergrab von Züschen in unmittelbarer Nähe der Siedlung auf dem Hasenberg. Auf das Erdwerk in Calden beziehen sich zwei Megalithgräber.

Die Galeriegräber deuten auf einen nicht zu belegenden Einfluss der westeuropäischen Megalithik.[1]

Erdwerke[Bearbeiten]

Wie in der vorangehenden Michelsberger Kultur werden unterbrochene Erdwerke genutzt. Als Beispiel kann die Anlage von Calden gelten, bei der zwei Gräben und eine Palisade eine Fläche von 14 ha umschließen. C14-Daten belegen den Bau dieses Monuments um 3700 v. Chr. in der Spätphase der Michelsberger Kultur und eine daran anschließende Nutzung in der älteren Wartbergkultur.

Materielle Kultur[Bearbeiten]

Keramik[Bearbeiten]

Flaschen der Wartberg-Kultur

Die Keramik ist meist sehr dickwandig und grob gemagert.

Steingeräte[Bearbeiten]

Stein- und Knochengeräte der Wartberg-Kultur

Die Silex-Pfeilspitzen sind gestielt, die Seiten der Pfeilspitzen bilden neben dem Stiel kleine „Flügel“. Ein beliebtes Rohmaterial für Beile ist Wiedaer Schiefer, neu treten unter den Steingeräten Schiefermesser auf.

Aufbewahrungsorte der Funde[Bearbeiten]

  • Hessisches Landesmuseum in Kassel
  • Regionalmuseum Fritzlar
  • Regionalmuseum Wolfhager Land

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Raetzel-Fabian: Calden. Erdwerk and Bestattungsplätze des Jungneolithikums. Habelt, Bonn 2000. ISBN 3774930228.
  • Dirk Raetzel-Fabian: Die ersten Bauernkulturen. Jungsteinzeit in Nordhessen. 2. Aufl. Vor- u. Frühgeschichte im Hessischen Landesmuseum in Kassel. Bd 2. Kassel, 2000, S. 105-138. ISBN 3931787117.
  • Waldtraut Schrickel: Westeuropäische Elemente im neolithischen Grabbau Mitteldeutschlands und die Galeriegräber Westdeutschlands und ihre Inventare. Katalog der mitteldeutschen Gräber mit westeuropäischen Elementen und der Galeriegräber Westdeutschlands. Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes 4-5. Bonn 1966.
  • Waldtraut Schrickel: Die Funde vom Wartberg in Hessen. Kasseler Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Bd 1. Elvert, Marburg 1969.
  • Waldtraut Schrickel: Die Galeriegrab-Kultur Westdeutschlands. Entstehung, Gliederung und Beziehung zu benachbarten Kulturen. In: Fundamenta A3. Die Anfänge des Neolithikums vom Orient bis Nordeuropa. Teil 5b: Westliches Mitteleuropa. Köln, Wien 1976, S. 188-239.
  • Winrich Schwellnus: Wartberg-Gruppe und hessische Megalithik. Ein Beitrag zum späten Neolithikum des Hessischen Berglandes. Materialien zur Vor- und Frühgeschichte von Hessen 4. Selbstverlag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1979.

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Waldtraut Schrickel: Die Funde vom Wartberg in Hessen. Kasseler Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Bd 1. Elvert, Marburg 1969.

Weblinks[Bearbeiten]