Was vom Tage übrig blieb (Roman)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Was vom Tage übrigblieb (engl. Originaltitel: The Remains of the Day) ist ein Roman des britischen Schriftstellers Kazuo Ishiguro aus dem Jahre 1989. Im gleichen Jahr wurde Ishiguro für das Buch mit dem Booker Prize ausgezeichnet.

Der Roman wurde im Jahr 1993 unter der Regie von James Ivory mit Emma Thompson und Anthony Hopkins in den Hauptrollen unter demselben Titel verfilmt.

Inhalt[Bearbeiten]

Stevens, der auf Schloss Darlington Hall als Butler eingestellt ist, begibt sich 1956 auf die Reise nach Cornwall, um dort seine ehemalige Arbeitskollegin Miss Kenton zu besuchen und sie zu bitten, nach Darlington Hall zurückzukehren. Diese Fahrt erweist sich als eine Reise in Stevens Vergangenheit. Allmählich erscheinen ihm die Erinnerungen an sein bisheriges Leben in Rückblenden. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Lord Darlington, der mittlerweile verstorben ist, in Besitz des riesigen Landsitzes. Dort fanden von etwa 1920 bis 1938 teils geheime Treffen bedeutender europäischer Politiker statt. Lord Darlington setzte sich für eine Lockerung der im Friedensvertrag von Versailles festgeschriebenen deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg ein und war später ein Vertreter der Appeasement-Politik des britischen Premiers Chamberlain. In der Nachkriegszeit galt Darlington deshalb als „Nazifreund“, verlor eine Klage gegen eine Zeitung, die dieses nachdrücklich behauptet hatte und starb als gebrochener Mann.

Stevens erlaubte sich als loyaler und seinem Herrn ergebener, perfekter Butler nie, die Motive seines Herrn in Frage zu stellen oder dessen Verstrickungen in den Nationalsozialismus überhaupt wahrzunehmen. Auch seine Gefühle für Miss Kenton, die ihn liebt und ihm dies durchaus zu verstehen gibt, lässt er nicht zu. Er erkennt die möglichen Chancen, die er ungenutzt hat verstreichen lassen. Am Ende seiner Reise sieht er angesichts des hereinbrechenden Abends ein, dass er nur versuchen kann, das Beste aus dem zu machen, „was vom Tage übrig bleibt“.

Rezeption[Bearbeiten]

„In ihrer Analyse des Romans referiert Bettina Steinhage zwei Lesarten: entweder als ein Werk, das "mit der Wahrnehmung und Darstellung von Vergangenheit befasst ist und daraus die Frage entwickelt, in welchem Zusammenhang Geschichte mit der Gegenwart steht", oder als "universales Lehrstück über fehlgeleiteten Idealismus und die persönliche Tragödie eines Menschen" (190). Vermutlich trifft beides zu: The Remains of the Day ist eine allgemeine Charakterstudie über verzerrte Wahrnehmung, aber auch eine historisch exakte Auseinandersetzung mit der Kehrseite vielgepriesener britischer Tugenden wie Reserviertheit, Diskretion, Würde und Loyalität. Dass der in Nagasaki gebürtige, jedoch früh in England sozialisierte Ishiguro den Leser mit Hilfe einer subtilen Erzählweise in die Interpretation seiner Figuren einbezieht, macht die eigentliche Stärke des Romans aus.“

Johann N. Schmidt[1]

Ausgaben[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann N. Schmidt: Großbritannien 1945-2010: Kultur, Politik, Gesellschaft, Kröner, 2011, ISBN 978-3520305015, S. 351