Wasseraufbereitung

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Die Wasseraufbereitung ist die zielgerichtete Veränderung der Wasserqualität. Sie umfasst im Wesentlichen zwei Gruppen der Behandlung:

  • Entfernung von Stoffen aus dem Wasser (z. B. Reinigung, Sterilisation, Enteisenung, Entmanganung, Enthärtung, Entsalzung);
  • Ergänzung von Stoffen sowie Einstellen von Parametern des Wassers (z. B. Dosierung, Einstellung von pH-Wert, gelösten Ionen und der Leitfähigkeit).

Die Wasseraufbereitung ist ein wesentlicher Verfahrensschritt bei der Produktion von Trinkwasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserversorgung).

Verfahren der Wasseraufbereitung[Bearbeiten]

Erfassung von Wasserwerten

Die Aufbereitungsverfahren können wie nachstehend beschrieben gegliedert werden:

  1. biologische Verfahren (biochemische Oxidation, Schlammfaulung, anaerobe Abwasserreinigung)
  2. chemische Verfahren (z. B. Oxidation, Desinfektion, Flockung, Entcarbonisierung, Ionenaustausch, Elektrodeionisation)
  3. Membranverfahren (z. B. Nanofiltration, Osmose)
  4. physikalische Verfahren (z. B. Belüftung, Verdüsung, Sedimentation, Flotation, Adsorption, Vakuumverfahren, thermische Einwirkungen), hierzu zählt im weiteren Sinne auch die mechanische Aufbereitung (z. B. Rechen, Siebe, Filter)

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene Aufbereitungs-Prozesse und deren Anwendungszwecke.

Prozess Anlagenkomponente Zweck
Siebung Rechen, Trommelsieb, Mikrosieb Entfernung von größeren Feststoffen und Schwimmstoffen
Sedimentation Sandfang, Absetzbecken Partikuläre Stoffe, Flocken aus der Flokkulation
Filtration Filter, Sandfilter, Kerzenfilter, Anschwemmfilter, Mikrofiltration,Ultrafiltration, Nanofiltration Entfernung von Schwebstoffen (Partikeln) u. a. Eisen oder Mangan
Adsorption Aktivkohlefilter Anlagerung von z. B. adsorbierbaren halogenierten Kohlenwasserstoffverbindungen (AOX) oder Farbstoffen
Flotation Flotationsbecken Entfernung von feinen Schmutzpartikeln durch Einblasen von Luft
Flockung Flockungsbecken Entfernung von Kolloidstoffen und feinen Schmutzpartikeln durch Zugabe von Flockungsmitteln (Entladung der Partikel) und Einstellung des pH-Wertes. Kann auch mit einer Filtration verbunden sein (Flockungsfiltration).
Fällung Fällungsbecken bzw. Fällungsfiltration Umwandlung gelöster Stoffe in ungelöste Stoffe und anschließende Sedimentation oder Flockung.
Oxidation Belüftungsanlagen und Kiesfilter Entfernung von gelösten Eisen- und Manganionen (Enteisenung und Entmanganung). Das oxidierte Eisen- und Mangan lagert sich am Kies an und wird durch Rückspülen der Filter wieder entfernt.
Entsäuerung Entsäuerungsanlage Entfernung der aggressiven Kohlensäure. Dient der Vermeidung von Korrosion im Rohrnetz.
Enthärtung Enthärtungsanlage, Nanofiltration Niederdruckumkehrosmose Entfernung von Calcium- und Magnesiumionen (Ca2+ und Mg2+; Bei der Nanofiltration eingeschränkt)
Entcarbonisierung Entkarbonisierungsanlage Reduzierung der temporären Härte zur Verminderung der Abscheidung von Calciumcarbonat auf Oberflächen der Rohrleitungen und Wärmeaustauscher
Entsalzung (Desalination) Entsalzungsanlage, Umkehrosmose Entfernung von Salzen z. B. zur Aufbereitung von Meerwasser zu Trinkwasser und zur Bewässerung
Vollentsalzung VE-Anlagen, Regenerierbare Mischbettaustauscher, Patronenaustauscher, Umkehrosmose, Elektrodeionisation Entfernung von Salzen z. B. zur Erzeugung von Rein- und Reinstwasser
Selektivaustausch Ionenaustauscheranlagen mit speziellen Harzen z. B. Entfernung von Uran und anderen Schwermetallen aus dem Abwasser, Recycling von Metallen
Strippen Strippbecken Entfernung durch Einblasen von Luft/Gasen. Damit werden in Entsprechung des Dampfdruckes gelöste Wasserinhaltsstoffe in die gasförmige Phase übergeführt und somit aus dem Wasser entfernt.
Desinfektion Sonderbecken, Zugabe in das Rohrnetz Zugabe von Chlor, Chlordioxid oder Ozon (früher teilweise auch Iod), UV-Bestrahlung oder Ultrafiltration
Dosierung Dosieranlagen für Feststoffe, Flüssigkeiten und Gase Zugabe von Chemikalien zur gezielten Beeinflussung der Wasserbeschaffenheit, z. B. der Ablagerungstendenz oder Korrosionsneigung
Biochemische Verfahren Beispiel: Denitrifikation Ausnutzung biochemischer Vorgänge. In der Denitrifikation wird der Nitrat-Gehalt belasteten Rohwassers entweder durch Kohlenstoffzugabe im Untergrund oder in einem Reaktor vermindert.
Spezielle Behandlung Sonderbecken für verseuchte Abwässer Spezielle Behandlung von Abwässern, welche mit zunächst unbekannten Stoffen oder Lebewesen verseucht sind. Beispiele: Unbehandelte Abwässer aus Galvanisierungsbetrieben oder Fadenwürmer.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

Die wichtigsten Verfahren sind vorstehend tabellarisch aufgelistet. Eine Anlage für die Aufbereitung von Wasser besteht aber selten aus nur einem einzelnen Verfahren sondern sehr häufig aus mehreren. Die erforderliche Anzahl und Typ der Verfahren ist bedingt durch:

  • Art und Qualität des Rohwassers und dessen gelösten und ungelösten Inhaltsstoffe
  • Verwendungsart und Anforderungen für das aufbereitete Wasser (Reinwasser)

Rohwasser: Die wichtigsten Rohwasserlieferanten in Mitteleuropa sind:

Oberflächenwasser, und davon besonders Fließwasser, enthält zumindest zeitweise (Hochwasserperioden) hohe Gehalte an ungelösten Partikeln. Organische Verunreinigungen können auch enthalten sein, obwohl diese durch die gesetzlichen Vorschriften für Direkteinleiter von Abwasser und für gereinigtes Abwasser inzwischen nur noch in geringer Höhe vorkommen. Bei See- und Talsperrenwasser ist dagegen der Gehalt an Ungelöstem und organischen Substanzen deutlich niedriger.

Grundwasser ist je nach Art der Bodenschichten aus denen es gefördert wird, häufiger mehr oder weniger belastet durch gelöste Eisen- und Manganverbindungen und höheren Gehalten an freiem Kohlenstoffdioxid (CO2). Gelöste oder kolloidale organische Verbindungen sind, falls überhaupt, nur in geringen Maße vorhanden. Oberflächennahes Brunnenwasser kann, besonders in Bereichen mit sumpfigen Bodenschichten und von Deponien, aber auch höhere Konzentrationen an organischen Verunreinigungen enthalten.

Verwendung des Reinwassers[Bearbeiten]

Sieht man von der Abwasseraufbereitung ab, auf die hier nicht näher eingegangen wird, gibt es im Wesentlichen zwei Arten für die Verwendung und zwar als:

  • Trinkwasser und
  • Brauchwasser für Industrie und Gewerbe sowie in der Landwirtschaft zum Bewässern, letzteres wird allerdings fast nie aufbereitet

Nachfolgende Angaben für die Art der Aufbereitung sind nur Beispiele für einige typische und häufigere Anlagekombinationen. Im Einzelfall können zur Erreichung der erforderlichen Reinwasserqualität weitere und auch von den angeführten abweichende Verfahrensstufen erforderlich sein. Andererseits kann im Einzelfall auch die Qualität des Rohwassers für die Verwendung ohne eine Aufbereitung ausreichen.

Bei der Erzeugung von Trinkwasser sind die gesetzlichen und normativen Vorgaben (z.B. dt. Trinkwasserverordnung, DIN 2000) und die Anforderungen des Verteilnetzes maßgebend.

Eine typische Aufbereitungsanlage für Oberflächenwasser als Rohwasser besteht aus:

  • Einer Filterstufe zur Abtrennung der ungelösten Substanzen einschließlich einer zusätzlichen Flockung[1] für die Verbesserung der Reinigungswirkung der Filterstufe und einer Desinfektion[2] des Reinwassers. Falls das Rohwasser zu hohe Gehalte an Carbonathärte enthält, kann auch eine zusätzliche Entcarbonisierungsanlage[3] vor der Filterstufe angeordnet sein. Bei Verwendung von Oberflächenwasser wird der Filterstufe noch eine mechanischen Vorreinigung mit Rechen und Trommelfilter oder Siebbandanlagen vorgeschaltet.

Bei Grundwasser aus Flach- oder Tiefbrunnen ist häufig eine Belüftungsstufe zur Oxidation und Ausfällung von Eisen- und Manganoxidhydraten[4] vor der Filterung erforderlich. Gleichzeitig wird hierdurch der Sauerstoffgehalt des Wassers erhöht und bei einer offenen Belüftung gleichzeitig überschüssige Kohlensäuere entfernt. Das ist für die Rohrnetze aus dem Werkstoff Eisen wichtig, um die Korrosion durch Bildung einer Kalkrostschutzschicht zu verringern.

  • Eine Sonderform, den Anforderungen an Trinkwasser bedingt vergleichbar, ist die Aufbereitung von Badewasser. Das Badewasser in öffentlichen Frei- und Hallenbädern wird entsprechend der deutschen DIN 19643 oder der Schweizer SIA 385/1 aufbereitet. Typische Verfahrensstufen hierfür sind die Standardverfahren für Flockung, Filtration und Desinfektion.

Brauchwasser wird für Kraftwerke (Kühl- und Speisewasser), Industrieanlagen, chemische Prozesse, Pharmazie, Nahrungsmittelindustrie, Wäschereien und v. m. in großen Mengen benötigt. Häufig sind sehr weitgehende Änderungen der Wassereigenschaften erforderlich. Weiterhin werden in einer Anlage oft unterschiedliche Qualitäten an Reinwasser benötigt. Beispielsweise werden an das Zusatzwasser für Kühlsysteme fast immer andere Anforderungen gestellt als an das Prozesswasser.

  • Aufbereitungsanlagen für Kühlwasser[5], sofern Oberflächenwasser aufbereitet wird, bestehen häufig aus einer mechanischen Vorreinigung über Rechen, Trommelfiltern oder Siebbandanlagen mit anschließender Flockung mit Filterstufe und bei hohen Carbonathärtegehalten, einer zusätzlichen Entcarbonisierungsstufe. Zusätzlich wird das Kreislaufwasser noch über Dosierstationen mit Härtestabilisierungs- und Antikorrosionschemikalien versetzt. Bei Verwendung von Brunnenwasser als Rohwasser kann meistens auf eine Filterstufe verzichtet werden, falls keine Entcarbonisierung notwendig ist.
  • Da die Anforderungen an die Qualität des Prozesswassers fast immer höher sind, wird ein Teil des aufbereiteten Wassers für die Kühlsysteme abgetrennt und weitergehend gereinigt. Zusätzliche Aufbereitungsverfahren wie Adsorptionsfilter[6] für die Entfernung org. Verunreinigungen, Umkehrosmose oder Ionenaustauscher für die Teil- oder Vollentsalzung und Entgaser für die Entfernung von gelösten Gasen, sind dafür erforderlich.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. B.Wricke, K.Bornmann, W.Bunnemann, H.Bernhardt: Flockung zur Aufbereitung von Elbeuferfiltrat, gwf Wasser·Abwasser, Jg.135, 1994, Nr.8, S.454-464
  2. Chlor und Chlorverbindungen für die Trinkwasseraufbereitung, bbr, 1980, Nr.8, S.351-354
  3. Heinz Befort: Zentrale Trinkwasserenthärtung, bbr, Jg.45, 1994, Nr.8, S.28-32
  4. Christoh Czekale: Biologische Enteisenung und Entmanganung, bbr, jg.48, 1997, Nr.4, S.22-26
  5. H.-J.Krabbe, M.Pietsch, H.-P.Werner: Kühlturmzusatzwasser-Aufbereitungsanlagen aus···, VGB Kraftwerkstechnik, Jg.73, 1993, Nr.7, S.631-633
  6. A.Weingartner, W.Urban: KSVA-Verfahren, Wasser·Abwasser, Jg.135, 1994, Nr.8, S.445-452

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]