Wasserbüffel

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Wasserbüffel
Flickr - Rainbirder - Water Buffalo (1).jpg

Wasserbüffel (Bubalus arnee)

Systematik
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Tribus: Rinder (Bovini)
Gattung: Asiatische Büffel (Bubalus)
Art: Wasserbüffel
Wissenschaftlicher Name
Bubalus arnee
(Kerr, 1792)

Der Wasserbüffel (Bubalus arnee) gehört zu den Rindern (Bovinae) und ist die am weitesten verbreitete und bekannteste Art der Asiatischen Büffel (Bubalus). Er ist vielerorts zum Haustier geworden, wilde Wasserbüffel hingegen sind heute eine Seltenheit. Für wilde Büffel wird oft die indische Bezeichnung Arni verwendet; damit werden sowohl echte Wild- als auch verwilderte Hausbüffel bezeichnet.

Merkmale[Bearbeiten]

Schädel eines Wasserbüffels (auch als Hausbüffel bezeichnet)

Ein Wasserbüffel bringt es auf eine Kopfrumpflänge von fast 3 Metern, eine Schulterhöhe von 180 Zentimetern und ein Gewicht von mehr als einer Tonne. Diese Maße werden fast nur von wilden Büffeln erreicht. Die domestizierten Exemplare sind für gewöhnlich sehr viel kleiner und selten schwerer als 500 Kilogramm. Der Rumpf ist rindertypisch tonnenförmig, der etwa 60 bis 80 Zentimeter lange Schwanz hat eine Endquaste. Die Farbe der wilden Tiere ist grau, braun oder schwarz. Bei domestizierten Büffeln gibt es auch schwarz-weiß gescheckte oder ganz weiße Tiere.

Der Kopf ist meist lang und nach vorne hin verhältnismäßig schmal, die Ohren sind vergleichsweise klein. Beide Geschlechter tragen Hörner, die entweder geradlinig zur Seite weisen oder sich halbkreisförmig nach innen krümmen. Sie erreichen eine Spannweite von 2 Metern, mehr als bei jedem anderen lebenden Paarhufer; die Hörner der Weibchen sind allerdings meist etwas kürzer. Daneben existieren aber auch Büffelrassen mit kleineren Hörnern.

Die weit auseinander gespreizten Hufe geben den Tieren in ihrem sumpfigen Lebensraum sicheren Halt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Wasserbüffel im Yala-Nationalpark, Sri Lanka

Das Verbreitungsgebiet des wilden Wasserbüffels ist seit der Eiszeit kontinuierlich geschrumpft. Noch im späten Pleistozän gab es Wasserbüffel auch in Nordafrika. Zur Zeit der frühen Hochkulturen Mesopotamiens waren sie zwischen Euphrat und Tigris noch häufig und von hier ostwärts über Indien bis nach China und Südostasien verbreitet. Durch Ansiedlung durch den Menschen gibt es Wasserbüffel heute auch in Nordaustralien und im Amazonasgebiet Brasiliens.

Heute ist es oft schwierig zu bestimmen, welche Wasserbüffel echte Wildbüffel und welche bloß Nachkommen verwilderter Hausbüffel sind. In Kambodscha, Laos und Vietnam gibt es offenbar keine reinen Wildbüffel mehr. Dagegen sind einige kleine Gruppen über Nepal, Bhutan und die indischen Bundesstaaten Assam, Madhya Pradesh, Meghalaya und Arunachal Pradesh verstreut. Umstritten ist, ob es sich bei den Büffeln des westlichen Thailands und der Insel Sri Lanka um echte Wildbüffel handelt.

Den Lebensraum des Wasserbüffels bilden offene Feuchtgebiete, Sumpfwälder und dicht bewachsene Flusstäler. Zum Schutz vor Insekten und zur Abkühlung hält er sich oft im Wasser oder im Schlamm auf. Anschließend ist die Haut von einer dichten Schlammschicht bedeckt, die kein blutsaugendes Insekt durchdringen kann.

Lebensweise[Bearbeiten]

Wasserbüffel in Indien

Da es in Asien fast nur noch domestizierte Wasserbüffel gibt, hat man das Verhalten dieser Tiere vor allem bei ausgewilderten Büffeln im Norden Australiens studiert. Wie weit dies dem ursprünglichen Verhalten entspricht, ist unbekannt. Wasserbüffel leben hier in Familiengruppen von dreißig Individuen, die von einer alten Kuh angeführt werden. Die Herden bestehen aus Weibchen und ihren Jungen. Junge Weibchen bleiben für gewöhnlich bei der Herde; jüngere Männchen werden dagegen im Alter von zwei Jahren aus der Herde vertrieben. Die Bullen werden nach einer Übergangszeit in Junggesellenverbänden, die jeweils etwa zehn Individuen umfassen, zu temporären Einzelgängern, schließen sich aber alljährlich zur Paarungszeit (in Nordindien im Oktober, weiter südlich zu keiner festgelegten Jahreszeit) einer Herde an. Die dominante Kuh behält auch in dieser Zeit die Führung der Gruppe und jagt nach dem Ende der Paarungszeit die Bullen davon. Alte Bullen, die sich nicht mehr paaren können, leben bis zu ihrem Tod als dauerhafte Einzelgänger. Meistens sondern sie sich freiwillig ab, gelegentlich werden sie von einem jüngeren Bullen gewaltsam vertrieben.

Eine Kuh trägt etwa alle zwei Jahre ein Junges aus. Dies wird nach einer Tragzeit von 333 Tagen geboren und wiegt zunächst etwa 40 Kilogramm. Es wird etwa ein halbes Jahr gesäugt, ehe es selbständig grasen kann. Im Alter von zwei bis drei Jahren erlangen die Tiere die Geschlechtsreife. Die Lebensdauer eines wilden Wasserbüffels beträgt 25 Jahre; in der Obhut des Menschen werden Wasserbüffel noch einige Jahre älter.

Die Nahrung des Wasserbüffels sind in erster Linie Gräser, daneben auch fast jede Art von Ufervegetation. Neben dem Menschen sind Tiger und Krokodile die einzigen Fressfeinde des Wasserbüffels. Tiger attackieren bevorzugt Jungtiere oder Einzelgänger, da eine geschlossene Herde durch koordiniertes Vorgehen oft in der Lage ist, die Raubkatzen zu vertreiben oder in Einzelfällen durch den Einsatz der Hörner sogar zu töten.

Menschen und Wasserbüffel[Bearbeiten]

Bedrohung[Bearbeiten]

Wilder Wasserbüffel im Udawalawe-Nationalpark, Sri Lanka
Wilde Wasserbüffel im Kaziranga-Nationalpark

Der wilde Wasserbüffel wird von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) in der Roten Liste gefährdeter Arten als „stark gefährdete“ Art (Endangered)[1] geführt. Wegen der oben angeführten Schwierigkeiten, ausgewilderte Hausbüffel von echten Wildbüffeln zu unterscheiden, schwanken die Bestandsangaben zwischen 200 und 4000 Exemplaren.

Indien beherbergt heute mit über 3000 Exemplaren die meisten Wilden Wasserbüffel. Aber auch hier kommen sie nur noch in wenigen Reservaten in Assam, Arunachal Pradesh und im Bastar-District in Chhattisgarh vor. Ihre Reinblütigkeit steht allerdings praktisch überall im Zweifel. In Assam kommen Wilde Wasserbüffel im Gebiet des Manas-Nationalparks, im Kaziranga-Nationalpark, im Laokhowa-Schutzgebiet und im Dibru-Saikhowa-Nationalpark vor. Im Manas-Gebiet bewohnen die Tiere auch angrenzende Teile Bhutans. In Arunachal Pradesh leben Wilde Wasserbüffel im Namdapha-Nationalpark-Gebiet, während in Chhattisgarh zwei Populationen vorkommen. Eine im Indravati-Nationalpark, die andere im Udanti-Reservat. Letztere könnte sich bis in angrenzende Gebiete Orissas ausdehnen. Die einzige nepalesische Population lebt im Kosi-Tappu-Wildreservat im Südosten des Landes und besteht aus etwa 150 Tieren.[1]

In Südostasien existieren darüber hinaus nur noch winzige, versprengte Restbestände. Die einzige Population Wilder Wasserbüffel in Thailand lebt im Huai-Kha-Kaeng-Reservat und besteht aus etwa 50 Tieren, die zudem mit Hauswasserbüffeln vermischt sein könnten. Einige dutzend halten sich darüber hinaus in Kambodscha im Osten der Provinz Mondulkiri. In Vietnam und Laos sind die letzten Bestände erloschen, für Myanmar liegen keine aktuellen Schätzungen vor.[1]

Unklar ist, ob die wildlebenden Wasserbüffel Sri Lankas auf wilde Büffel oder auf importierte Hauswasserbüffel zurückgehen. Heute tragen sie mit großer Wahrscheinlichkeit ein hohes Maß an Hausbüffelgenen in sich, da die Bestände in der jüngeren Vergangenheit durch den Ausbruch der Rinderpest am Ende des 19. Jahrhunderts stark zusammengeschmolzen sind und sich die überlebenden Populationen vor ihrer Erholung mit Hausbüffeln gekreuzt haben dürften.[1]

Domestikation[Bearbeiten]

Heller Wasserbüffel mit Kälbern in Souro, Osttimor

Weltweit gibt es 150 Millionen domestizierte Wasserbüffel. Wann der Wasserbüffel domestiziert wurde, ist schwer zu sagen, da sich die Knochen wilder und domestizierter Tiere nicht unterscheiden lassen. Eventuell wurde die Art mehrfach unabhängig voneinander domestiziert.

Die Domestikation erfolgte zuerst in China um etwa 4000 v. Chr. In Fundstellen der indischen Harappa-Kultur tauchen Knochen des Wasserbüffels nur spärlich auf. Für Dholavira, wo sehr viele Wasserbüffelknochen gefunden wurden, nimmt man eine Herdenhaltung an, wie auch für Shikapur in Gujarat. Kurz darauf wurde der Büffel auch in Mesopotamien domestiziert. Von Indien und China gelangten Hausbüffel nach Südostasien. Lange vor der Zeitenwende gab es im gesamten Verbreitungsgebiet domestizierte Büffel.

In historisch jüngerer Zeit gelangten Wasserbüffel auch in andere Regionen: In Südeuropa, Nord- und Ostafrika, Australien, Mauritius, Hawaii, Südamerika und Japan werden heute in unterschiedlichem Maße Wasserbüffel gehalten. In Europa wird er in Italien, Rumänien und Bulgarien in größerem Stil genutzt. In Australien, wo die Büffelhaltung weitgehend aufgegeben wurde, verwilderten die Tiere und besiedelten den Norden, wo sie heute in etwa 200.000 Exemplaren vorkommen. Verwilderte Wasserbüffel gibt es in kleinerer Zahl auch in Neuguinea, Argentinien und Tunesien.

Die Büffel verhalten sich gegenüber Menschen friedlich und lassen sich sogar von Kindern dirigieren. Wilde Büffel ergreifen in der Regel vor dem Menschen die Flucht. Allerdings werden die einzelgängerischen alten Bullen gelegentlich sehr aggressiv und greifen dann Menschen und selbst Elefanten an. Sie sollen gelegentlich durch die Farben Gelb und Orange provoziert werden, weshalb z. B. die thailändischen Mönche mit ihrer orangen Robe oft einen größeren Bogen um sie machen.

In Deutschland gibt es heute etwa 1800 Wasserbüffel.[2][3][4] Hatte die Büffelzucht noch bis vor kurzem wenig Bedeutung, so gibt es inzwischen einige Höfe, auf denen Wasserbüffel gezüchtet werden; es bleibt jedoch ein eher exotischer Wirtschaftszweig.

Nutzen[Bearbeiten]

Domestizierter Wasserbüffel auf Sumatra

Wasserbüffel werden zum Pflügen von Reisfeldern und als Lasttiere verwendet. Milch, Fleisch und Leder werden ebenfalls genutzt. Aufgrund der Umstellung auf maschinelles Pflügen ist der Einsatz und dadurch auch die Verbreitung in den letzten ca. 25 Jahren drastisch zurückgegangen (besonders z. B. in Thailand). Ein weiterer Vorteil des Wasserbüffels liegt darin, dass er von BSE nicht betroffen ist; Büffel in China erkranken gelegentlich an der Maul- und Klauenseuche.

Milch[Bearbeiten]

Mit den heutigen Hausrindern können Wasserbüffel bei der Menge von Fleisch und Milch je Tier noch nicht mithalten. Büffelmilch hat verglichen mit Kuhmilch einen doppelt so hohen Fettgehalt (8 %) und längere Haltbarkeit. Jährlich werden in Asien 45 Millionen Tonnen Büffelmilch gewonnen. Durch gezielte Zucht immer ergiebigerer Büffelrassen konnte die Milchproduktion je Tier in den letzten Jahrzehnten beträchtlich gesteigert werden. Noch 1970 wurde ein Wert von 3000 Litern je Tier und Laktationsperiode (etwa 300 Tage) für einen Rekord gehalten; heute gibt es hochgezüchtete Büffelrassen, die 5000 Liter Milch im gleichen Zeitraum abgeben. Der Murrah gilt als die Büffelrasse, die in der Milchwirtschaft am meistversprechenden ist; Züchter gehen davon aus, in naher Zukunft mit Wasserbüffeln ebenso viel Milch produzieren zu können wie mit Milchkühen.

Büffelmilch enthält je Gramm 0,19 mg Cholesterin (Rindermilch: 0,14 mg).[5] Sie ist außerdem reicher an Kalzium, Eisen, Phosphor und Vitamin A.

Mozzarella wurde ursprünglich aus Büffelmilch gewonnen – heute wird meistens aus Rindermilch hergestellter Mozzarella verkauft, der geschmacksärmer und von anderer Konsistenz ist.

Büffelrassen[Bearbeiten]

Domestizierter Wasserbüffel in Thailand

74 Rassen von Hausbüffeln sind bekannt. Sie werden grob in Sumpf- und Flussbüffel unterteilt. Sumpfbüffel dienen vor allem als Arbeitstiere, Flussbüffel in erster Linie als Nahrungs- und Rohstofflieferanten.

Die Sumpfbüffel werden überwiegend in China und Südostasien gezüchtet. Sie helfen bei der Bewirtschaftung der Reisfelder und werden, wenn sie als Arbeitstiere wegen ihres Alters nicht mehr geeignet sind, geschlachtet und gegessen. Für die Milchproduktion spielen sie so gut wie keine Rolle.

Flussbüffel werden hingegen für Milch- und Fleischproduktion gezüchtet. Das Zentrum der Flussbüffelzucht liegt ohne Zweifel in Indien, wo es die meisten Rassen und die ergiebigsten Tiere gibt. Inzwischen wird die Zucht auch in Nordamerika und Europa fortgesetzt.

Einige der wichtigsten Büffelrassen sind:

  • Baladi, Unterägypten; Zugtier, Milch
  • Saidi, Oberägypten; Zugtier, Milch
  • Kundi, Sindh; Milch; schwarzes Fell, besonders schwer und massig
  • Murrah, Haryana, Punjab; Milch; gilt als ergiebigste aller Milchbüffelrassen, weltweit exportiert
  • Nili-Ravi, Punjab; Milch; schwarzes Fell mit weißer Zeichnung im Gesicht, sehr kurze Hörner
  • Pandharpuri, Maharashtra; Milch; schwarzes Fell, erkennbar an den schwertartigen, riesigen Hörnern (jeweils bis 150 cm lang)
  • Malaiischer Büffel, Südostasien; Zugtier; graues Fell, mittellange, halbmondförmige Hörner
  • Carabao, Philippinen und Guam, Zug- und Arbeitstier, graues oder schwarzes Fell, halbmondförmige Hörner

Büffel in Volksglauben und Mythologie[Bearbeiten]

Mahnmal an der Straße in Osttimor

Ein so eng mit dem Menschen verbundenes Tier wie der Wasserbüffel taucht naturgemäß in vielen Märchen und Sagen der mit ihm assoziierten Völker auf.

In der indischen Mythologie verkörpert der Wasserbüffel unter anderem den Dämon Mahishasura, ein Mischwesen aus Büffel und Mensch, das von keinem der Götter besiegt werden konnte, bis die Kriegsgöttin Durga ihn zuletzt doch niederrang. Im Hinduismus erinnern das bengalische Durgapuja sowie das nepalesische Dashain-Fest an diesen Kampf zwischen Gut und Böse. In Nepal ist es ein staatlicher Feiertag. Zu diesem Fest wird in einer Prozession ein Büffelkopf durch die Straßen getragen, der Mahishasura symbolisieren soll.

Der Büffel taucht noch in einer anderen, ebenfalls nicht sehr positiven Rolle auf: Yama, im Hinduismus der Herr der Unterwelt, wird oft auf einem Wasserbüffel reitend dargestellt. Zu bestimmten Gelegenheiten nimmt der Gott selbst die Gestalt eines Büffels an.

Kein Teil der indischen Mythologie, aber doch ein bekanntes, fabelhaftes Werk über Indien ist das Dschungelbuch von Rudyard Kipling. Hier wird Mogli nach seiner Rückkehr zu den Menschen zu einem Büffelhirten. Die Büffel sind es, die letztlich den bösartigen Tiger Shere Khan zu Tode trampeln.

In der chinesischen Astrologie ist der Büffel eines der zwölf Sternzeichen. 2009/10 ist das Jahr des Büffels.

"Büffel" (khwaai) ist in Thailand eine der abfälligsten Bezeichnungen zur Charakterisierung eines Menschen, auch im Sinne einer Beleidigung, und in der Ausdrucksstärke vergleichbar mit "Schwein" im Deutschen. Gemeint ist damit jemand, der stur, dumm, lernunfähig, stumpf oder unbeweglich ist.

Der chinesische Philosoph Laozi wird meistens auf einem Wasserbüffel reitend dargestellt.

In Osttimor ist der Wasserbüffel ein Symbol von Macht. Seinen Hörnern ist die Kaibauk, eine Art Krone und Herrschaftssymbol nachempfunden. Obwohl die Bevölkerung nahezu vollständig katholisch ist, werden nach animistischer Tradition neben Kreuzen auch Büffelhörner und -schädel auf Gräber aufgestellt.

Wasserbüffel in Australien[Bearbeiten]

Die Einführung der Wasserbüffel in Australien[Bearbeiten]

Zwischen 1823 und 1840 wurden durch den Menschen 80 Wasserbüffel zur Fleischproduktion im Northern Territory in Australien eingeführt. Einzelne Tiere und Herden verwilderten und vermehrten sich unter ihren neuen Lebensbedingungen so schnell, dass nach Schätzungen der australischen Regierung zwischen 1880 und 1970 insgesamt 700.000 Tiere erlegt werden mussten. 1985 lebten mit einem Bestand von 350.000 Tieren mehr als die Hälfte der weltweit nicht als Haustiere gehaltenen Wasserbüffel in Australien.

Ökologische Probleme[Bearbeiten]

Die verwilderten Wasserbüffel stellten in den Marschregionen an Australiens Nordküste ein gravierendes ökologisches Problem dar. Sie verstärkten durch ihre Trampelpfade und ihr Suhlen die Bodenerosion, veränderten durch ihr Fressverhalten die Zusammensetzung der lokalen Flora und erleichterten durch ihr Suhlen das Eindringen von Salzwasser in Süßwasserhabitate. Sie veränderten damit ihren Lebensraum so nachhaltig, dass die Anzahl der dort lebenden Australien-Krokodile, des australischen Süßwasserfisches Barramundi und ähnlicher einheimischer Arten drastisch zurückging. Zu diesen gravierenden ökologischen Auswirkungen trug wesentlich bei, dass sich in den Trockenzeiten auf einem Quadratkilometer Marschland bis zu 35 Tiere aufhielten. Wasserbüffel sind außerdem Überträger von Rinderkrankheiten wie der Tuberkulose und der Rinderbrucellose. Besonders Letztere hat dazu beigetragen, dass der Wasserbüffelbestand sowohl von der Regierung als auch von der Mehrheit der australischen Bevölkerung als zu bekämpfende Plage angesehen wird.

Das Abschussprogramm der australischen Regierung[Bearbeiten]

Von 1979 bis 1997 wurde von der australischen Regierung ein Abschussprogramm verwilderter Wasserbüffel durchgeführt, wobei die Tiere, die im unzugänglichen Marschland lebten, zum Teil vom Helikopter aus abgeschossen wurden. Die Anzahl der verwilderten Wasserbüffel ist seitdem deutlich zurückgegangen. In dem zum Weltnaturerbe gehörenden Kakadu-Nationalpark beispielsweise wurde die Anzahl der dort lebenden Tiere von 20.000 im Jahre 1988 auf 250 im Jahre 1996 reduziert und damit erreicht, dass die Bestände einheimischer Pflanzen wie bestimmte Eukalyptus-Arten und die Rote Wasserlilie sich wieder erholten.

Taxonomie[Bearbeiten]

Ursprünglich wurde der wilde Wasserbüffel als Bubalus arnee, der Hausbüffel aber als Bubalus bubalis geführt. Heute werden sie zu einer Art zusammengefasst, laut Entscheidung des ICZN (Opinion 2027)[6] ist arnee der gültige Name. Umstritten ist allerdings, ob wirklich alle Wasserbüffel einer Art angehören. So sehen manche in den chinesischen Büffeln, deren wilde Vorfahren vor etwa 3500 Jahren ausstarben, eine eigene Art Bubalus mephistopheles. Als Unterart des Wasserbüffels wird gelegentlich der philippinische Tamarau geführt, der heute häufig den Rang einer eigenständigen Art erhält.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Säugetiere Band 13. dtv, München 1970. ISBN 3-423-03207-3
  • Ronald Nowak: Walker's Mammals of the World. Bd 2. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999. ISBN 0-8018-5789-9
  • The Water Buffalo. New Prospects for an Underutilized Animal. Books for Business. Washington 1981, 2002. ISBN 0-89499-193-0
  • Tim Low: Feral future. The untold story of Australia's exotic invaders. Penguin Books Australia Ltd, Ringwood 2001. ISBN 0-14-029825-8 (Dieses Buch beschreibt u. a. die ökologischen Probleme, die die Verwilderung der Wasserbüffel in Australien nach sich zog.)
  • Dorian Fuller: An agricultural perspective on Dravidian historical linguistics, archaeological crop packages, livestock and Dravidian crop vocabulary. In: Peter Bellwood, Colin Renfrew: Examining the farming/language dispersal hypothesis. Macdonald Institute for Archaeological Research, Cambridge 2002, 191–213. ISBN 1-902937-20-1 (zur Domestikation)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wasserbüffel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wasserbüffel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Bubalus arnee in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012. Eingestellt von: Hedges, S., Sagar Baral, H., Timmins, R.J. & Duckworth, J.W., 2008. Abgerufen am 16. Februar 2013
  2. Karte der deutschen Büffelhöfe
  3. Der Büffel als Gärtner, Der Tagesspiegel Brandenburg, 3. September 2008
  4. www.albbueffel.de, Albbüffel-Website
  5. Deutsches Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (DEBInet)
  6. International Commission On Zoological Nomenclature: Opinion 2027 (Case 3010). Usage of 17 specific names based on wild species which are pre-dated by or contemporary with those based on domestic animals (Lepidoptera, Osteichthyes, Mammalia): conserved. In: Bulletin of Zoological Nomenclature. 60, Nr. 1, 2003, S. 81-84.
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Dieser Artikel wurde am 15. Dezember 2004 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.