Wasserglacis

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Carl Wenzel Zajicek: Das Wasserglacis Mitte des 19. Jahrhunderts, links im Bild das Carolinentor in der Stadtmauer
Balthasar Wigand: Das Wasserglacis in Wien (um 1815)
Johann Strauß (Sohn), Denkmal im heutigen Stadtpark

Das Wasserglacis vor dem Carolinentor der Wiener Stadtbefestigung war ein im 19. Jahrhundert beliebter Erholungs- und Unterhaltungsort. Heute befindet sich auf dem Areal der 1862 angelegte Wiener Stadtpark.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Glacis, ursprünglich als freies Schussfeld vor der Wiener Stadtmauer eine Art Staubwüste, wurde schon zu Ende des 18. Jahrhunderts durch Rasen- und Baumpflanzungen zunehmend zu einem Naherholungsgebiet der Stadtbewohner. 1818 erhielt ein Wiener Bürger namens Pelikan die Genehmigung, im Glacisbereich vor dem Carolinentor ein Kaffeehaus samt „Trinkkuranstalt“ zu errichten. Der Name Wasserglacis ist auf diesen Kurpavillon zurückzuführen, in dem Mineralwasser ausgeschenkt wurde.

Rund um den Pavillon entwickelte sich ein buntes Treiben: Man verkaufte Ziegenmilch, Hohlhippen und andere Süßigkeiten, tagsüber spielten hier die Kinder, am Abend ergaben sich Rendezvous (auch solche käuflicher Art). Es gab Wohltätigkeitsfeste und Tanzkapellen konzertierten. Johann Strauß (Vater) stellte hier am 31. August 1848 seinen Radetzky-Marsch vor. Auch sein noch berühmter gewordene Sohn Johann Strauß hob an diesem Ort mehrere seiner Werke aus der Taufe. Bei einem Fest am 2. September 1846, bei dem zwei Kapellen auftraten und er sein Opus 27, den Walzer Die Sanguiniker vorstellte, sollen nach zeitgenössischen Berichten 5000 bis 6000 Besucher aufs Wasserglacis gekommen sein. Am 18. September 1847 präsentierte er die Fest-Quadrille, op. 44, und den Walzer im Ländlerstil Dorfgeschichten, op. 47. Anlässlich eines Siegesfestes kam am 17. September 1849 sein Walzer Aeols-Töne, op. 68, zur Uraufführung. Am 2. August 1852 führte er - wenngleich nicht als Uraufführung - die Annenpolka auf.

Das Wasserglacis als Ort der Unterhaltung und des Kokettierens kommt auch in der zeitgenössischen Literatur zur Sprache, etwa in Ferdinand Raimunds Der Barometermacher auf der Zauberinsel und Johann Nestroys Nur Ruhe (3. Akt, 13. Szene Couplet: „'s Madl kommt in die Dreißig, und ihre Physiognomie spricht niemand mehr an auf dem Wasserglacis“).

Nach dem Abriss der Basteien und der Schaffung der Wiener Ringstraße wurde 1862 an der Stelle des Wasserglacis der Wiener Stadtpark angelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Czeike: Historisches Wien-Lexikon, Kremayr&Scheriau, 6 Bände Wien 2004 (2. Aufl.)
  • Joseph Ritter von Seyfried: Der Gesellschafter am Wasserglacis − eine Reihe anmuthiger Erzählungen, Novellen und Humoresken, v.Hirschfeld'sche Bücherverlage, 1835 (bei Google Books: Der Gesellschafter am Wasserglacis)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wasserglacis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.20472222222216.380555555556Koordinaten: 48° 12′ 17″ N, 16° 22′ 50″ O