Wasserkraftschnecke

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Aufbau einer Wasserkraftschnecke, Ausschnitt der Informationstafel an der Stadtbachstufe in München
Das Prinzip einer Wasserkraftschnecke: Das Wasser (hier der rote Ball) versetzt die Schnecke beim Abwärtsfließen (hier Rollen) in Drehung.
Video einer Wasserkraftschnecke an der Schwarzen Lacke, München

Eine Wasserkraftschnecke ist eine Wasserkraftmaschine, d. h. eine technische Anlage zur Energiegewinnung mittels Wasserkraft.

Prinzipiell kann man eine Wasserkraftschnecke als energetische Umkehr der Archimedischen Schraube bezeichnen. Dabei können Wasserläufe (Wassermenge je Schnecke bis 15 Kubikmeter pro Sekunde), die einen geringen Höhenunterschied zu überwinden haben (bis ca. 10 Meter), zur Energiegewinnung genutzt werden. Die Schnecke, die mit einer riesigen Schraube vergleichbar ist, wird schräg, in Wasserfließrichtung nach unten gerichtet, im Flussbett eingebracht. Das Wasser versetzt dann, während es den Gewindegang hinunterfließt, die Schnecke in eine Drehbewegung. Da die Steigung der Schnecke relativ gering ist, dreht sich die Schnecke verhältnismäßig langsam (20 bis 80 Umdrehungen pro Minute). Am oberen Ende der Schnecke befindet sich ein elektrischer Generator, gegebenenfalls noch mit einem zwischengeschalteten Getriebe.

Der Vorteil von Wasserkraftschnecken liegt in guter Verträglichkeit von Wassermengenschwankungen (ab 0,1 Kubikmeter pro Sekunde), Treibgutverträglichkeit und fischschonender Wasserförderung. Im Gegensatz zu Turbinen bei Laufwasserkraftwerken reicht ein geringer Höhenunterschied der beiden Wasserstände aus. Es sind keine Feinrechenanlagen nötig. Im Vergleich zum Wasserrad kann ein besserer Wirkungsgrad erzielt werden.

Die weltgrößte Wasserkraftschnecke steht im österreichischen Kindberg.[1] Weitere Wasserkraftschnecken stehen im bayerischen Kiefersfelden und Mühlen in Taufers, im schweizerischen Hirschthal, im obersteirischen Niklasdorf und niederösterreichischen Lunz am See sowie in Freiburg im Breisgau an der Dreisam (seit 2008).[2] Auch die 2006 errichtete Stadtbachstufe in München arbeitet nach dem Prinzip der Wasserkraftschnecke. Seit 2012 deckt eine Wasserkraftschnecke am Fluss Diemel den Strombedarf einer Brauerei in Warburg.[3][4]

Die vielleicht älteste Beschreibung einer Wasserkraftschnecke in der Patentliteratur stammt von William Moerscher.[5]

Eine Wasserkraftschnecke wurde 1995/1996 an der TU Prag getestet und danach vom Förderverein Wind- und Wasserkraft Ostalb e. V. eingesetzt.[6] Sie läuft seit 1997 an der Oberen Schlägweidmühle in Bopfingen-Aufhausen.

Literatur [Bearbeiten]

  • Nuernbergk, D. and Rorres, C. An Analytical Model for the Water Inflow of an Archimedes Screw Used in Hydropower Generation, Journal of Hydraulic Engineering, Published: 23 July 2012
  • Dirk M. Nuernbergk, Wasserkraftschnecken - Berechnung und optimaler Entwurf von archimedischen Schnecken als Wasserkraftmaschine, Verlag Moritz Schäfer, Detmold, 1. Aufl. 2012, 272 Seiten, ISBN 978-3-87696-136-1

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Weltweit größte Wasserkraftschnecke errichtet, oekonews.at.
  2. Quelle: BEA Electrics
  3. Deutschland today Kraftakt für die Wasserkraft, 26. Juni 2012.
  4. nw-news.de: Wasserkraft-Schnecke besteht Testlauf, 23. Juli 2012.
  5. Patent US1434138: Angemeldet am 24. November 1916, veröffentlicht am 31. Oktober 1922, Anmelder: William Moerscher, Erfinder: William Moerscher (http://www.google.com/patents/US1434138).
  6. Förderverein Wind- und Wasserkraft Ostalb e. V. Beschreibung dieser Wasserkraftschnecke

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Wasserkraftschnecken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien