Wasserturm

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Dieser Artikel behandelt Wassertürme als Anlagen der Wasserversorgung. Für aus anderen Gründen Wasserturm genannte Bauwerke siehe Wasserturm (Begriffsklärung).

Wasserturm ist die Bezeichnung für ein Betriebsgebäude der Wasserversorgung, das einen Hochbehälter zur Speicherung von (Trink-)Wasser besitzt. Die erhöhte Lage des Hochbehälters sorgt für einen konstanten Druck im Wassernetz einer Stadt bzw. Gemeinde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Funktionsprinzip

Funktionsprinzip: 1. Pumpe, 2. Wasserspeicher, 3. Endverbraucher

Die Wasserversorgung der an das Wassernetz einer Stadt angeschlossenen Gebäude erfolgt allein mithilfe der Schwerkraft des Wassers im Hochbehälter. Dabei dient der Hochbehälter auch als Ausgleichsbehälter. Das aus dem Wassernetz entnommene Wasser bewirkt eine Verminderung der Wassermenge im Hochbehälter, was mit dem erneuten Befüllen des Hochbehälters ausgeglichen wird. Auf diese Weise wird der Wasserdruck im Netz konstant gehalten. In Wassernetzen mit Hochbehälter werden ausschließlich zum Befüllen des Hochbehälters Pumpen benötigt.

Damit das System funktioniert, darf kein Abnehmer höher als der Einspeisepunkt des Hochbehälters liegen (Prinzip der kommunizierenden Röhren bzw. Hydrostatisches Paradoxon).

[Bearbeiten] Konstruktion/Bauformen

Wassertürme unterscheiden sich sowohl in Hinblick auf die Behälter als auch in der äußeren Erscheinung. Es gibt massive Türme (aus Backstein oder Beton); im industriellen Bereich kamen allerdings hauptsächlich Stahl-Skelett-Konstruktionen zum Einsatz. Es gibt auch Wassertürme in Holzbauweise.

[Bearbeiten] Rechteckbehälter

Die ersten Wassertürme (ab 1830) besaßen rechteckige Wasserbehälter mit flachem Boden. Zur Verstärkung der Wände mussten innenliegende Zuganker eingesetzt werden, die anfällig für Korrosion waren und eine Reinigung des Behälters erschwerten. Später wurden die Behälter rund ausgeführt, so dass nur noch der weiterhin flache Boden zusätzlich durch eine Balkenlage unterstützt werden musste. Diese Bauform wurde fast ausschließlich in Gebäude integriert.

[Bearbeiten] Hängebodenbehälter

Eine konstruktive Verbesserung entstand ab 1860 in Frankreich. Die sogenannten Hängebodenbehälter besaßen einen Klöpperboden, dessen Verbindung mit der runden Behälterwand als Druckring fungierte. Die Ausdehnung des Druckrings führte aber immer wieder zu Beschädigungen der Anschlusskonstruktionen. Äußeres Erkennungsmerkmal dieser Bauart ist ein das Ständerbauteil nur wenig überragender Wasserbehälter.

[Bearbeiten] Intze-Behälter

Beispiel eines Intze-Behälters: Schornsteinbehälter in Bochum-Dahlhausen

Die Problematik der Ausdehnung des Druckrings löste der Ingenieur Otto Intze 1883 durch eine Konstruktion, die als das Intze-Prinzip bekannt wurde. Der Druckring wird weiter unter dem Behälter angeordnet und der Boden aus einem äußeren Kegelstumpf und einem inneren Klöpperboden zusammengesetzt. Hierdurch werden alle waagerecht wirkenden Kräfte ausgeglichen und können keine schädlichen Spannungen weiterleiten. Eine besondere Bauform waren die Schornsteinbehälter, die ab 1885 ringförmig um vorhandene oder neugebaute Industrieschornsteine gebaut wurden, z. B. beim Wasserturm in Bochum-Dahlhausen.

[Bearbeiten] Barkhausen-Behälter

Mit dem sogenannten Barkhausen-Behälter (Kugelbodenbehälter) entwickelte Georg Barkhausen 1898 einen Behälter mit halbkugelförmigem Behälterboden. Durch den stetigen Übergang zwischen Wandung und Boden wird der Stützring überflüssig. Die Barkhausen-Behälter wurden von der Dortmunder Firma Aug. Klönne gebaut.

[Bearbeiten] Klönne-Behälter

1898 erhielt August Klönne ein Patent auf einen kugelförmigen Behälter mit kegelförmiger Abstützung. Ab 1906 wurden dann hauptsächlich Wasserbehälter der Bauart Klönne gebaut. Die am Umfang des Kugelbehälters angreifenden Stützen sind in der Regel wie bei den Barkhausen-Behältern tangential mit der Behälterwand verbunden. Sie verjüngen sich zum Ständer hin. Ab 1926 wurden Wasserhochbehälter nur noch aus Stahlbeton oder Spannbeton gebaut.

[Bearbeiten] Geschichte

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Wasserturm von 1662 in Chrast (Mauerwerk aus Pläner)

Beginnend mit der Wasserversorgung der Dampflokomotiven auf dem sich ab 1840 rasant über den deutschen Staaten ausbreitenden Eisenbahnnetz entstanden die ersten Wasserhochbehälter. Diese waren noch keine selbstständigen Turmbauten, sondern als bloße Vorratsgefäße in Bahnhofsbauten integriert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden Wassertürme in Deutschland in großer Zahl, um die öffentliche Versorgung mit sauberem Trinkwasser in der Gründerzeit, in welches es zu einer zunehmenden Verstädterung kam, zu gewährleisten. Die in dieser Zeit errichteten Wasserwerke mit großen Reservoirs und Hochbehältern trugen in Verbindung mit Versorgungs- und Abwasserleitungen wesentlich dazu bei, Epidemien vorzubeugen. Ohne die Versorgung der Industriestädte mit ihren häufig sehr beengt lebenden Bevölkerungsmassen und große Mengen von Abwasser erzeugenden Betrieben kam es zuvor immer wieder zu Epidemien großen Ausmaßes.

In neuerer Zeit wurden Wassertürme zunehmend durch erdnahe Speicherbecken mit Pumpanlagen ersetzt.

Unter der Begründung, Wassertürme könnten auch als „Target Reference Points“[1] für Terroristen dienen bzw. als in der Landschaft stehende markante Punkte, die der Zielerfassung von Waffen z. B. Mörser dienen, wurden Wassertürme im Irak von der US-Armee zerstört.[2]

[Bearbeiten] Umnutzung und weitere Nutzung von Wassertürmen

Wasserturm von Otto Techow auf dem Fichtenberg in Berlin: Umnutzung als Wetterstation des Meteorologischen Instituts der FU
Alter Wasserturm auf der ostfriesischen Insel Juist
Wasserturm in Unterpörlitz
Reservoirturm in Berlin-Charlottenburg
Ehemaliger Wasserturm in Nauen
Kleiner Wasserturm aus Holz in Kornwestheim

Heute sind viele der noch erhaltenen Wassertürme bauliche und technische Denkmäler.

Eine Alternative zum Abriss alter und sanierungsbedürftiger Wassertürme ist deren Umnutzung. Zwar gehen dadurch oft die technischen Einbauten (Speicherbecken und Pumpenanlagen) verloren, aber so kann die Hülle erhalten werden.

Eine andere Möglichkeit ist, Wassertürme über ihre eigentliche Funktion hinaus auf andere Weise zu nutzen (Zusatznutzung).

Manche Wassertürme werden etwa als Aussichtsturm genutzt. Es gibt auch Wassertürme mit einem Turmrestaurant, wie dem Goldbergturm in Sindelfingen oder der Windrose in Viersen. Im Regelfall gelangen bei Wassertürmen mit Aussichtsplattform die Besucher mit einem Aufzug zur Aussichtsplattform.

Weit verbreitet ist auch die Nutzung von Wassertürmen als Standort von Sendeeinrichtungen im UKW-Bereich mit kleiner Leistung, wie für den nichtöffentlichen Landfunkdienst und den Mobilfunk. Der umgenutzte Heidelberger Fernsehturm diente ursprünglich als Wasserturm. Heute dient er noch als Grundnetzsender des SWRs für UKW und TV, nachdem 2002 auch seine Aussichtsplattform wegen einer nötigen Sanierung geschlossen wurde.

Auch der Sendeturm in Waldenburg wird als Wasserturm genutzt.

[Bearbeiten] Liste nicht umgenutzter Wassertürme

[Bearbeiten] Liste umgenutzter Wassertürme

[Bearbeiten] Literatur

  • Thomas Wieckhorst: Wassertürme neu genutzt. Meininger Verlag, 1996, ISBN 3-87524-112-6
  • Jan Werth: Ursachen und technische Voraussetzungen für die Entwicklung der Wasserhochbehälter. München 1971

Einen guten Überblick über die Geschichte, Funktion (und Zerstörung) vieler Wassertürme in Norddeutschland erhält man in den aktuellen Büchern:

Für Berlin siehe:

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Wassertürme – Bilder, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Wasserturm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

[Bearbeiten] Quellen

  1. http://www.globalsecurity.org/military/library/policy/army/fm/3-21-71/apph.htm
  2. LiveLeak.com Video – Zerstörung eines Wasserturms in Mosul
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