Wasserturm

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Dieser Artikel behandelt Wassertürme als Anlagen der Wasserversorgung. Für aus anderen Gründen Wasserturm genannte Bauwerke siehe Wasserturm (Begriffsklärung).

Wasserturm ist die Bezeichnung für ein Betriebsgebäude der Wasserversorgung, das einen Hochbehälter zur Speicherung von (Trink-)Wasser besitzt. Die erhöhte Lage des Hochbehälters sorgt für einen konstanten Druck im angeschlossenen Wassernetz.

Inhaltsverzeichnis

Funktionsprinzip [Bearbeiten]

Funktionsprinzip: 1. Pumpe, 2. Wasserspeicher, 3. Endverbraucher
Wasserturm in Basel, Querschnitt

Die Wasserversorgung der an das Wassernetz angeschlossenen Gebäude erfolgt allein mit Hilfe der Schwerkraft des Wassers im Hochbehälter. Dabei dient der Hochbehälter auch als Ausgleichsbehälter. Das aus dem Wassernetz entnommene Wasser führt zu einer Verminderung der Wassermenge im Hochbehälter. Daher wird der Hochbehälter regelmäßig nachgefüllt, sodass der Wasserpegel möglichst auf gleicher Höhe bleibt. Auf diese Weise wird der Wasserdruck im Netz konstant gehalten. In Wassernetzen mit Hochbehälter werden Pumpen ausschließlich zum Befüllen des Hochbehälters benötigt.

Damit das System funktioniert, darf kein Abnehmer höher als der Hochbehälter liegen (Prinzip der kommunizierenden Röhren).

Die größten Wassertürme in Deutschland hatten Fassungsvermögen bis zu knapp 5000 m3, wie z. B. der Schanzenturm in Hamburg mit 4.600 m3, der zu seiner Zeit als der größte in Europa galt. Zu den heute weltweit größten Wassertürmen zählt unter anderen der 1977 fertiggestellte Turm in Roihuvuori bei Helsinki, Finnland, mit 12.600 m3 Fassungsvermögen.

Konstruktion/Bauformen [Bearbeiten]

Wassertürme unterscheiden sich sowohl in Hinblick auf die Behälter als auch in der äußeren Erscheinung. Es gibt massive Türme (aus Backstein oder Beton); im industriellen Bereich kamen allerdings hauptsächlich Stahl-Skelett-Konstruktionen zum Einsatz. Es gibt auch Wassertürme in Holzbauweise.

Eine eigene Konstruktionsform stellt der Aquaglobus dar. Diese Art von metallenen Wassertürmen wurde Ende der 1960er Jahre in Ungarn entwickelt. Dabei handelt es sich um einen kugelförmigen Wasserbehälter auf einem säulenartigen Ständer. Häufig kam diese Bauart in der DDR zum Einsatz.

Rechteckbehälter [Bearbeiten]

Die ersten Wassertürme (ab 1830) besaßen rechteckige Wasserbehälter mit flachem Boden. Zur Verstärkung der Wände mussten innenliegende Zuganker eingesetzt werden, die anfällig für Korrosion waren und eine Reinigung des Behälters erschwerten. Später wurden die Behälter rund ausgeführt, sodass nur noch der weiterhin flache Boden zusätzlich durch eine Balkenlage unterstützt werden musste. Diese Bauform wurde fast ausschließlich in Gebäude integriert.

Hängebodenbehälter [Bearbeiten]

Eine konstruktive Verbesserung entstand ab 1860 in Frankreich. Die sogenannten Hängebodenbehälter besaßen einen Klöpperboden, dessen Verbindung mit der runden Behälterwand als Druckring fungierte. Die Ausdehnung des Druckrings führte aber immer wieder zu Beschädigungen der Anschlusskonstruktionen. Äußeres Erkennungsmerkmal dieser Bauart ist ein das Ständerbauteil nur wenig überragender Wasserbehälter.

Intze-Behälter [Bearbeiten]

Beispiel eines Intze-Behälters: Schornsteinbehälter in Bochum-Dahlhausen

Die Problematik der Ausdehnung des Druckrings löste der Ingenieur Otto Intze 1883 durch eine Konstruktion, die als das Intze-Prinzip bekannt wurde. Der Druckring wird weiter unter dem Behälter angeordnet und der Boden aus einem äußeren Kegelstumpf und einem inneren Klöpperboden zusammengesetzt. Hierdurch werden alle waagerecht wirkenden Kräfte ausgeglichen und können keine schädlichen Spannungen weiterleiten. Eine besondere Bauform waren die Schornsteinbehälter, die ab 1885 ringförmig um vorhandene oder neugebaute Industrieschornsteine gebaut wurden, z. B. beim Wasserturm in Bochum-Dahlhausen. Der erste Intze-Behälter wurde 1883 in Remscheid errichtet.

Barkhausen-Behälter [Bearbeiten]

Mit dem sogenannten Barkhausen-Behälter (Kugelbodenbehälter) entwickelte Georg Barkhausen 1898 einen Behälter mit halbkugelförmigem Behälterboden. Durch den stetigen Übergang zwischen Wandung und Boden wird der Stützring überflüssig. Die Barkhausen-Behälter wurden von der Dortmunder Firma Aug. Klönne gebaut. Als erster Behälter dieser Bauart entstand 1899 der Wasserturm der Zeche Minister Stein. Nach diesem Konstruktionsprinzip wurde unter vielen anderen der Wasserturm in Darmstadt erbaut.

Klönne-Behälter [Bearbeiten]

1898 erhielt August Klönne ein Patent auf einen kugelförmigen Behälter mit kegelförmiger Abstützung. Ab 1906 wurden dann hauptsächlich Wasserbehälter der Bauart Klönne gebaut. Die am Umfang des Kugelbehälters angreifenden Stützen sind in der Regel wie bei den Barkhausen-Behältern tangential mit der Behälterwand verbunden. Sie verjüngen sich zum Ständer hin. Ab 1926 wurden Wasserhochbehälter nur noch aus Stahlbeton oder Spannbeton gebaut.

Geschichte [Bearbeiten]

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Wasserturm von 1662 in Chrast (Mauerwerk aus Pläner)

Bahnwassertürme [Bearbeiten]

Beginnend mit der Wasserversorgung der Dampflokomotiven auf dem sich ab 1840 über den deutschen Staaten ausbreitenden Eisenbahnnetz entstanden die ersten Wasserhochbehälter. Diese waren noch keine selbstständigen Turmbauten, sondern als bloße Vorratsgefäße in Bahnhofsbauten integriert wie beispielsweise bei dem Bahnwasserturm Büchen oder in neuerer Zeit auch der Wasserturm im Bahnbetriebswerk Dortmund-Betriebsbahnhof. Später gab es konstruktiv erkennbar als Türme ausgeführte Bahnwassertürme wie z. B. den Wasserturm (Bahnbetriebswerk Hamburg-Altona). Das typische Fassungsvermögen von größeren Bahnwassertürmen liegt bei circa 400 m3, mit dem etwa zehn Tender von großen Lokomotiven ohne neuerliche Auffüllung des Turmbehälters betankt werden konnten.

Trinkwasserversorgung [Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden Wassertürme in Deutschland in großer Zahl, um die öffentliche Versorgung mit sauberem Trinkwasser in der Gründerzeit, in welcher es zu einer zunehmenden Verstädterung kam, zu gewährleisten. Die in dieser Zeit errichteten Wasserwerke mit großen Reservoirs und Hochbehältern trugen in Verbindung mit Versorgungs- und Abwasserleitungen wesentlich dazu bei, Epidemien vorzubeugen. Ohne die Versorgung der Industriestädte mit ihren häufig sehr beengt lebenden Bevölkerungsmassen und große Mengen von Abwasser erzeugenden Betrieben kam es zuvor immer wieder zu Epidemien großen Ausmaßes.

In neuerer Zeit wurden Wassertürme zunehmend durch erdnahe Speicherbecken mit Pumpanlagen ersetzt.

Unter der Begründung, Wassertürme könnten auch als „Target Reference Points“[1] für Terroristen dienen bzw. als in der Landschaft stehende markante Punkte, die der Zielerfassung von Waffen z. B. Mörser dienen, wurden Wassertürme im Irak von der US-Armee zerstört.[2]

Umnutzung und weitere Nutzung von Wassertürmen [Bearbeiten]

Wasserturm von Otto Techow auf dem Fichtenberg in Berlin: Umnutzung als Wetterstation des Meteorologischen Instituts der FU
1904 errichteter Wasserturm mit Pumpenwindrad und Intze-Behälter bei Willegassen
Alter Wasserturm auf der ostfriesischen Insel Juist
Wasserturm in Unterpörlitz
Reservoirturm in Berlin-Charlottenburg
Ehemaliger Wasserturm in Nauen
Kleiner Wasserturm aus Holz in Kornwestheim
Ehemaliger Wasserturm in Oberkrämer-Schwante
Wassertürme am Roten Tor in Augsburg. Im Vordergrund das Untere Brunnenmeisterhaus
Wasserturm in Löderburg bei Staßfurt
Wasserturm in Athensleben bei Staßfurt

Heute sind viele der noch erhaltenen Wassertürme bauliche und technische Denkmäler.

Eine Alternative zum Abriss alter und sanierungsbedürftiger Wassertürme ist deren Umnutzung. Zwar gehen dadurch oft die technischen Einbauten (Speicherbecken und Pumpenanlagen) verloren, aber so kann die Hülle erhalten werden.

Eine andere Möglichkeit ist, Wassertürme über ihre eigentliche Funktion hinaus auf andere Weise zu nutzen (Zusatznutzung).

Manche Wassertürme werden etwa als Aussichtsturm genutzt. Es gibt auch Wassertürme mit einem Turmrestaurant, wie dem Goldbergturm in Sindelfingen oder der Windrose in Viersen. Im Regelfall gelangen bei Wassertürmen mit Aussichtsplattform die Besucher mit einem Aufzug zur Aussichtsplattform.

Weit verbreitet ist auch die Nutzung von Wassertürmen als Standort von Sendeeinrichtungen im UKW-Bereich mit kleiner Leistung, wie für den nichtöffentlichen Landfunkdienst und den Mobilfunk. Der umgenutzte Heidelberger Fernsehturm diente ursprünglich als Wasserturm. Heute dient er noch als Grundnetzsender des SWR für UKW und TV, nachdem 2002 auch seine Aussichtsplattform wegen einer nötigen Sanierung geschlossen wurde. Auch der Wasserturm in Waldenburg wurde bis 2009 als Sendeturm genutzt.

Der Wasserturm im Wolfsburger Ortsteil Fallersleben wird als Standort und Clubheim von Funkamateuren genutzt.

Viele Wassertürme werden von Naturschützern mit wenig Aufwand zu Brutplätzen für Vögel und andere Tiere umgebaut.[3][4]

Liste nicht umgenutzter Wassertürme [Bearbeiten]

Liste umgenutzter Wassertürme [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Jens U. Schmidt, Günther Bosch, Albert Baur: Wassertürme in Baden-Württemberg. Regia-Verlag, Cottbus 2009, ISBN 978-3-86929-002-7.
  • Thomas Wieckhorst: Wassertürme neu genutzt. Meininger Verlag, Neustadt an der Weinstraße 1996, ISBN 3-87524-112-6.
  • Jan Werth: Ursachen und technische Voraussetzungen für die Entwicklung der Wasserhochbehälter. In: Bernhard Becher, Hilla Becher: Die Architektur der Förder- und Wassertürme. Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts (= Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts. Bd. 13). Prestel, München 1971, ISBN 3-7913-0323-6, S. 325–428 (Werth = zugleich: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 1969).

Einen guten Überblick über die Geschichte, Funktion (und Zerstörung) vieler Wassertürme in Norddeutschland erhält man in den aktuellen Büchern:

  • Jens U. Schmidt: Wassertürme in Hamburg. Die Geschichte Hamburgs im Spiegel seiner ungewöhnlichsten Bauten. Aschenbeck und Holstein, Delmenhorst u. a. 2003, ISBN 3-932292-44-8.
  • Nils Aschenbeck, Jens U. Schmidt: Wassertürme im Nordwesten. Isensee, Oldenburg 2003, ISBN 3-89995-006-2.
  • Jens U. Schmidt: Wassertürme in Schleswig-Holstein. Geschichte und Geschichten um die Wasserversorgung im Norden und ihre auffälligsten Bauten. Regia-Verlag, Cottbus 2008, ISBN 978-3-939656-71-5.

Für Berlin siehe:

  • Stefan Karner, Peter J. Wichniarz: Berliner Wassertürme. Ernst, Berlin 1987, ISBN 3-433-02100-7.
  • Stefan Woll: Berliner Wassertürme (= Berliner Kaleidoskop. Bd. 31). Haude und Spener, Berlin 1986, ISBN 3-7759-0281-3.
  • Jens U. Schmidt: Wassertürme in Berlin. Hauptstadt der Wassertürme. Regia-Verlag, Cottbus 2010, ISBN 978-3-86929-032-4.

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Wassertürme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Wasserturm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen [Bearbeiten]

  1. [1] Globale Sicherheit.org; APPENDIX H: RANGE CARDS AND SECTOR SKETCHES (eng.)
  2. LiveLeak.com Video – Zerstörung eines Wasserturms in Mosul
  3. Brutstätte Wasserturm.
  4. Trafohäuschen oder Wasserturm zum Tierhotel umbauen.
  5. Kreis Guide-RE
  6. Homepage des Betreibers vom Wasserturm Stromeyersdorf