Wassily Leontief

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Wassily Leontief (* 5. August 1905 in München[1][2]; † 5. Februar 1999 in New York; ursprünglich russisch Василий Васильевич Леонтьев/ Wassili Wassiljewitsch Leontjew) war ein russischer Wirtschaftswissenschaftler, der 1973 den Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel erhielt.

Leben[Bearbeiten]

Leontief wurde 1905 in München geboren und wuchs in St. Petersburg auf, wo sein Vater Professor für Wirtschaftswissenschaften war. 1921 begann er sein Studium der Philosophie und Soziologie, später auch der Ökonomie, an der Universität Leningrad.

Leontief fühlte sich politisch zu den sozialdemokratischen Menschewiki hingezogen und kritisierte offen den kommunistischen Bolschewiki, wofür er sogar für kurze Zeit im Gefängnis saß. Diese Zeit bezeichnete er selbst als „gute Schule“, sie soll auch seine wissenschaftliche Arbeit beeinflusst haben.

Später studierte Leontief auch Wirtschaftswissenschaften und machte 1924 seinen Abschluss. 1925 reiste er nach Deutschland und war von 1927-1928 Assistent am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Seine Dissertation schrieb er in Berlin bei Werner Sombart, einem deutschen Ökonomen. Diese erschien 1928 unter dem Titel Die Wirtschaft als Kreislauf. Die zentrale Idee seiner Arbeit war, alle Güterströme einer Gesellschaft in einem Modell abzubilden.

1931 wanderte Leontief in die Vereinigten Staaten aus. An der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) begann er seine Arbeiten an einer allgemeinen Gleichgewichtstheorie. Bisher wurden von Ökonomen nur einzelne Teile der Wirtschaft beleuchtet, zum Beispiel wie sich die Veränderung eines bestimmten Kapitaleinsatzes auf den Umfang einer bestimmten Produktion auswirkt. In Leontiefs Gleichgewichtstheorie hingegen wurde untersucht, was sich in der gesamten Volkswirtschaft in einem solchen Fall abspielt. Dabei erfasste er die Lieferbeziehungen zwischen unterschiedlichen Industrien in großen Input-Output-Tabellen. 1936 erschien sein erster Aufsatz über die Input-Output-Analyse.

1941 erschien sein Buch The Structure of American Economy, 1919-1929, das aufgrund der neuen Form der Darstellung ökonomischer Zusammenhänge berühmt wurde. Seine Methode lieferte eine exakte Beschreibung der Wirtschaftsstruktur und erlaubte sogar Vorhersagen über die Auswirkungen wirtschaftspolitischer Eingriffe in diese Struktur.

1946 wurde Leontief zum Professor ernannt.

Wassily Leontief starb 1999 in New York.

Wie auch Abba P. Lerner verbesserte Leontief die Berechnungen Wilhelm Launhardts zum Terms-of-Trade-Effekt.

Die Geburtsdaten von Leontief waren lange Zeit unklar. Er selbst nahm in seiner Autobiografie[3] an, am 5. August 1906 geboren zu sein. In späten Jahren fand er jedoch heraus, dass er schon 1905 geboren worden war. Seine Angehörigen konnten später seine Geburtsurkunde[1] erhalten, die als Geburtsort München ausweist und als Geburtsdatum den 5. August 1905. Die Nobelstiftung verwendet jedoch nach wie vor die Daten, die zum Zeitpunkt der Preisvergabe bekannt waren.

Forschung[Bearbeiten]

Leontief entwickelte die Input-Output-Analyse, für deren Ausarbeitung und Anwendung bei wichtigen wirtschaftlichen Problemen er 1973 den Nobelpreis erhielt. Im Rahmen seiner Input-Output-Studien entdeckte er 1953, dass die USA hauptsächlich Güter exportieren, die arbeitsintensiv hergestellt werden. Dies widersprach dem Heckscher-Ohlin-Theorem, aus dem gefolgert wurde, dass die USA als kapitalreiches Land Güter mit hohem Kapitalgehalt exportieren. Dieses sogenannte Leontief-Paradoxon wurde erst in den sechziger Jahren aufgelöst.

Nach Leontief ist die Leontief-Produktionsfunktion benannt. Er formulierte weiterhin das Paradies-Paradoxon.

Leontief-Preis[Bearbeiten]

Zu seinen Ehren wird der nach ihm benannte Wirtschaftswissenschaftenspreis, der Leontief-Preis, seit 2000 verliehen.

Ehrungen[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Nachricht und Link zur Geburtsurkunde
  2. Wassily Leontief im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Zitat auf der offiziellen Seite des Nobelpreises
  4. Bernhard-Harms-Preis. ifw-kiel.de, abgerufen am 15. Juni 2013.

Weblinks[Bearbeiten]