Wavellit

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Wavellit
Wavellite Arkansas.jpg
Wavellit-Kristallstufe aus Avant, Garland County, Arkansas, Vereinigte Staaten.
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Al3[(OH,F)3|(PO4)2]·5H2O
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate, Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.DC.50 (8. Auflage: VII/D.13)
42.10.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m[1]
Raumgruppe (Nr.) Pcmn[2] (Nr. 62)
Gitterparameter a = 9,621 Åb = 17,3630 Å; c = 6,994 Å[2][1]
Formeleinheiten Z = 6[2][1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5 bis 4
Dichte (g/cm3) 2,3 bis 2,4
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}; gut nach {101}; deutlich nach {010}
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, weiß, gelblich, grünlich
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlmuttglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,518 bis 1,535
nβ = 1,524 bis 1,543
nγ = 1,544 bis 1,561[3]
Doppelbrechung δ = 0,026[3]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 60 bis 72°[3]

Wavellit, synonym auch als Fischerit und Lasionit bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Al3[(OH,F)3|(PO4)2]·5H2O[4] und entwickelt überwiegend halbkugelige bis kugelige, traubige und radialstrahlige Mineral-Aggregate bis zu vier Zentimetern Durchmesser, aber auch krustige Überzüge und selten auch prismatische, isometrische bis langgestreckte Kristalle.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Grüner Wavellit aus Montgomery County, Arkansas

Reiner Wavellit ist farblos oder weiß. Er kann aber durch Fremdbeimengungen gelblich oder grünlich bis bläulich gefärbt sein, wobei die grünlichen Färbungen überwiegen. Auch zonare Färbungen ähnlich wie bei einigen Mineralen der Turmalingruppe sind möglich.

Wavellit ist vor der Lötlampe unschmelzbar und löslich in Salzsäure.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Wavellit 1805 vom britischen Physiker William Wavell († 1829) und beschrieben von William Babington, der das Mineral nach seinem Entdecker benannte.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde bei Nischne Tagilsk im Ural eine neue Varietät von Wavellit gefunden, die man zunächst für ein eigenständiges Mineral hielt und nach Gotthelf Fischer von Waldheim (1771–1853) als Fischerit bezeichnete. Der einzigen Beschreibung von R. Hermann nach bestand der Fischerit aus durchsichtigen, kristallinen Rinden und kurzen, prismatischen Kriställchen von grasgrüner bis olivgrüner und spangrüner Farbe, die auf Klüften von Sandstein und Toneisenstein gefunden wurden. Bei späteren Analysen stellte sich jedoch heraus, dass Fischerit mit Wavellit identisch ist. Nach Slavik wurde der Fischerit auch als Uhligit bezeichnet.[5]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der alten (8. Auflage) und neuen Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) gehört der Wavellit zur Abteilung der „wasserhaltigen Phosphate mit fremden Anionen“. Die neue Strunz'sche Mineralsystematik unterteilt hier allerdings präziser nach der relativen Größe der Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4). Dementsprechend ist das Mineral jetzt in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen, (OH, etc.):RO4 = 1:1 und < 2:1“ zu finden, wo er zusammen mit Allanpringit die „Wavellit-Gruppe“ mit der System-Nr. 8.DC.50 bildet.

Die im englischen Sprachraum gebräuchlichere Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Wavellit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in der Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc., mit Hydroxyl“ und auch hier findet er sich zusammen mit Allanpringit in der „Wavellitgruppe“ mit der System-Nr. 42.10.02 innerhalb der Unterabteilung „Hydratisierte Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)3 (XO4)2 Zq • x(H2O)

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

seltene langprismatische Kristallstufe aus dem Chester County, Pennsylvania (USA)

Wavellit bildet sich als Sekundärmineral in metamorphen Gesteinen und Phosphathaltigen Lagerstätten, seltener durch hydrothermale Vorgänge. Eine metamorphe Bildung ist jedoch ebenfalls möglich. Wavellit findet sich überwiegend auf Klüften, insbesondere von Sandstein, Ton- und Kieselschiefer, aber auch von Eisensteinen, Granit, Glimmerschiefer.

Bisher wurde Wavellit an 285 Fundorten entdeckt (Stand: 2009), so unter anderem in einigen Regionen von Australien; Lüttich, Luxemburg und Namur in Belgien; Departamento Oruro, Departamento Potosí und Departamento Santa Cruz in Bolivien; Bayern (Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald), Hessen, Nordrhein-Westfalen (Sauerland), Rheinland-Pfalz (Westerwald), Sachsen-Anhalt (Harz), Sachsen (Erzgebirge) und Thüringen (Gera, Vogtland) in Deutschland; mehreren Regionen in Frankreich; England und Wales in Großbritannien; einigen Countys in Irland; Katanga im Kongo; Jordansmühl/Schlesien in Polen; Böhmen (Cerhovice) und Mähren in Tschechien; sowie Arizona, Arkansas, Colorado, Nevada, Pennsylvania und vielen weiteren Regionen der USA.[6]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Wavellit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pcmn (Raumgruppen-Nr. 62) mit den Gitterparametern a = 9,621 Å, b = 17,3630 Å und c = 6,994 Å[2] sowie sechs Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wavellite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Webmineral - Wavellite (englisch)
  2. a b c American Mineralogist Crystal Structure Database - Wavellite (engl., 1968)
  3. a b c MinDat - Wavellite (englisch)
  4.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  5. E. Fischer: Über die Selbstständigkeit des Minerals Fischerit. In: Heidelberger Beiträge zur Mineralogie und Petrographie. Band 4 (1955), S. 522–525 doi:10.1007/BF01129858
  6. Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat