Wayne LaPierre

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Wayne LaPierre (2011)

Wayne R. LaPierre (* 8. November 1948) ist ein US-amerikanischer politischer Aktivist und Lobbyist. Er wurde vor allem durch seine Tätigkeit als stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer der National Rifle Association bekannt.

Leben und Arbeit[Bearbeiten]

LaPierre, der aus Virginia stammt, besitzt einen Bachelor-Abschluss des Siena College in Erziehungswissenschaften und Politologie sowie einen Masterabschluss im Fach American Government and Politics des Boston College. 1977 begann LaPierre für die National Rifle Association (NRA), die einflussreichste und mitgliedsstärkste Organisation zur Wahrung der Interessen von Waffenbesitzern in den Vereinigten Staaten, zu arbeiten. Nachdem er seit 1986 als Executive Director der NRA in ILA fungiert hatte, stieg er 1991 zum Geschäftsführer und stellvertretenden Präsidenten dieser Organisation auf, zwei Funktionen die er bis in die Gegenwart (2012) ausübt. Als Executive Vice President der NRA obliegt ihm die Leitung des sechsundsiebzigköpfigen Aufsichtsrates der NRA. Medienberichten zufolge erhält LaPierre für seine Tätigkeit jährlich rund eine Million US-Dollar.[1]

Als führendes Mitglied der NRA wirbt LaPierre öffentlich für liberale Waffengesetze und insbesondere für das Festhalten am zweiten Verfassungszusatz, der jedem US-Bürger das Recht auf privaten Waffenbesitz zusichert. Bei Wahlen – etwa den Präsidentschafts-, Gouverneurs- oder Senatswahlen – spricht er sich dementsprechend regelmäßig bei Auftritten in der Öffentlichkeit und in Pressemitteilungen gegenüber der breiten Allgemeinheit, sowie in speziellen, hirtenbriefähnlichen, E-Mails und Briefen an den engeren Kreis der NRA-Mitglieder für diejenige Partei/denjenigen Kandidaten aus, der seinen/den Positionen der NRA am nächsten kommt. So warb er bei den Präsidentschaftswahlen 2004 gegen den demokratischen Kandidaten John Kerry unter Verweis darauf, dass dieser in seiner Eigenschaft als Senator in der Vergangenheit für Gesetzesvorlagen gestimmt habe, die ein restriktiveres Waffenrecht anstrebten. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2008 sprach er sich gegen die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton aus, wobei er sich auf die seiner Meinung nach waffenfeindliche Politik der Regierung ihres Ehemanns Bill Clinton in den 1990er Jahren berief. Während der Präsidentschaftswahlkampes 2011/2012 attackierte LaPierre wiederholt den Amtsinhaber Barack Obama, dem er vorwarf, ein Gegner des Rechtes auf Schusswaffenbesitz zu sein. Hinweise, dass Obama in seiner ersten Amtszeit keinerlei Verschärfung der Waffengesetze durchgeführt habe wies LaPierre dabei – so z.B. als Redner während der C-Pac-Konferenz 2012 – mit dem Verweis auf eine angebliche „heimliche Agenda“ (secret agenda) Obamas zurück: Dieser würde lediglich bis zu seiner Wiederwahl abwarten, um dann, in einer möglichen zweiten Amtszeit, wenn er sich keinem Wählervotum mehr zu stellen und keine Rücksicht auf die Zustimmung der Waffenbesitzer mehr zu nehmen brauche, Gesetze oder sonstige Maßnahmen zu implementieren, die das Recht auf Schusswaffenbesitz schrittweise erodieren würden. Insbesondere linke Kommentatoren und Komiker wie Jon Stewart nahmen diese Ausführungen zum Anlass, um LaPierre als paranoid oder von kruden Verschwörungstheorien geleitet zu verspotten.

Darüber hinaus hat LaPierre sich als Autor verschiedener Bücher hervorgetan, in denen er für seine Positionen wirbt und Ratschläge für den verantwortlichen Umgang mit und die technische Handhabung und Wartung von Waffen erteilt. Außerdem tritt er wöchentlich als Moderator der landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung Crime Strike auf.

Kritik[Bearbeiten]

Als offizieller öffentlicher Vertreter und „Gesicht“ der National Rifle Association ist LaPierre eine durchaus umstrittene Persönlichkeit.

Der politische Kommentator Lawrence O’Donnell attackierte LaPierre beispielsweise in seiner Sendung The Last Word im Programm des Fernsehsenders MSNBC seit 2011 wiederholt in schärfster Weise, indem er argumentierte, dass LaPierre und Leute wie er durch ihre Lobbyarbeit überhaupt erst die Voraussetzungen geschaffen hätten, die es vielen Mördern, die zu Schusswaffen greifen, ermöglichen, andere Menschen töten zu können. In der Sendung vom 24. Juli 2012 charakterisierte O’Donnell LaPierre in diesem Sinne explizit als blood-drenched lobbyist („blutgetränkten Lobbyisten“). In seiner Begründung führte er aus:

„Womöglich würde so mancher Massenmörder auch [ohne leichten Zugang zu automatischen Waffen] ein anderes Mittel gefunden haben, um reihenweise unschuldige Menschen zu töten. Aber wir werden dies niemals mit Gewissheit wissen. Und das liegt daran, dass Wayne [LaPierre] es so verteufelt leicht gemacht hat, kleine Kinder mit Schusswaffen zu töten. Dass Wayne es so verteufelt leicht gemacht hat, Väter und Mütter mit Schusswaffen zu töten; Söhne und Töchter mit Schusswaffen zu töten; Schwestern und Brüder mit Schusswaffen zu töten. Schusswaffen sind das bevorzugte Werkzeug des durchschnittlichen amerikanischen Massenmörders. Was wir niemals wissen können, ist, wie viele Massenmörder ihre Pläne erfolgreich hätten verwirklichen können, wenn Wayne es nicht durchgesetzt hätte, dass diese Menschen es so schrecklich leicht haben, an Kugeln ranzukommen? Wie viele unserer Massenmörder würden versuchen Bomben zu basteln, wenn sie nicht an Kugeln herankämen? Und wie viele von diesen würden sich dann aus Versehen selbst in die Luft sprengen, während sie versuchen, eine Bombe zu bauen, und niemals irgendeine andere Menschenseele verletzen? Sicher eine beträchtliche Anzahl. Wie viel Mühe sind unsere amerikanischen Massenmörder bereit, auf sich zu nehmen, um zur Tat schreiten zu können? Nun, wir werden es niemals erfahren - weil Wayne LaPierre dafür sorgt, dass diese Menschen es so schrecklich, schrecklich leicht haben.“[2]

LaPierres Stellungnahme zum amerikanischen Waffenrecht als Sprecher der National Rifle Association nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School am 21. Dezember 2012 löste in den USA überwiegend starke Kritik aus. Darin macht er unter anderem Filme und Spiele für Gewalttätigkeiten verantwortlich:

„And here's another dirty little truth that the media try their best to conceal: There exists in this country a callous, corrupt and corrupting shadow industry that sells, and sows, violence against its own people. Through vicious, violent video games with names like Bulletstorm, Grand Theft Auto, Mortal Kombat and Splatterhouse. And here’s one: it’s called Kindergarten Killers. It’s been online for 10 years. How come my research department could find it and all of yours either couldn’t or didn’t want anyone to know you had found it?

Then there’s the blood-soaked slasher films like "American Psycho" and "Natural Born Killers" that are aired like propaganda loops on "Splatterdays" and every day, and a thousand music videos that portray life as a joke and murder as a way of life. And then they have the nerve to call it "entertainment."

But is that what it really is? Isn't fantasizing about killing people as a way to get your kicks really the filthiest form of pornography?“

Wayne LaPierre: NRA Geschäftsführer, 21. Dezember 2012 NRA Presse Konferenz[3][4]

Michael Bloomberg konstatierte ein „beschämendes Ausweichen“ und kritisierte: „Eine paranoide Vision eines noch gefährlicheren und gewalttätigeren Amerikas, wo jeder bewaffnet und kein Ort sicher ist.“[5]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Guns, Crime, and Freedom, 1994.
  • Shooting Straight. Telling the Truth About Guns in America, 2002.
  • Guns, Freedom, and Terrorism, 2003.
  • The Global War on Your Guns, 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wayne LaPierre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Who is the NRA Leadership? – Wayne LaPierre (Executive Vice President and CEO) (englisch) Educational Fund to Stop Gun Violence. Abgerufen am 20. Dezember 2012: „meetthenra.org“ Zwischen 2008 und 2010 erhielt LaPierre eine Vergütung zwischen 948.858 und 1.263.101 US-Dollar.
  2. Im Original lautet der Monolog: “Maybe some of our mass-murderers would have found another way to kill a lot of people. But we will never know. Because Wayne has just made it so easy, so very easy, to kill babies with bullets. To kill fathers and mothers with bullets. To kill sons and daughters with bullets. To kill sisters and brothers with bullets. Bullets are the American mass-murderers first choice. And what we’ll never know is how many of them would be successful mass-murders today, if Wayne LaPierre didn’t make sure they could easily get bullets, unlimited supplies of bullets? How many of our mass-murders would switch to making bombs if they couldn’t get bullets? And how many of them would blow themselves up by mistake while making bombs and never hurt anyone else? Surely a few of them. Just how determined are American mass-murders? We’ll never know because Wayne LaPierre makes it so, so easy for mass-murderers.”
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNRA Press Conference December 21, 2012. In: nra.org. 21. Dezember 2012, abgerufen am 27. Dezember 2012 (PDF; 99 kB, englisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWilhelm Zsolt: Waffenlobby: Gewaltspiele sind "schmutzigste Form der Pornografie". In: derstandard.at. 27. Dezember 2012, abgerufen am 27. Dezember 2012 (deutsch).
  5. Kritik an Vorschlägen der US-Waffenlobby: "Unverantwortlich", "krank", "durchgeknallt" Tagesschau.de, 22.Dezember 2012. Abgerufen am 22. Dezember 2012