Weather Report

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Joe Zawinul
Wayne Shorter
Jaco Pastorius
Weather Report 1980

Weather Report war eine der künstlerisch bedeutendsten und kommerziell erfolgreichsten Jazz- und Fusion-Bands in den 1970er und 1980er Jahren, an der sich bis heute viele Musiker verschiedener Stilrichtungen orientieren.[1]

Josef Woodard bezeichnete Weather Report in einem Artikel über die Gruppe in der US-Jazz-Fachzeitschrift Down Beat im Januar 2001 als die „beste Jazzband der letzten 30 Jahre des 20. Jahrhunderts“.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Phase: 1970–1975[Bearbeiten]

Gründer und Kern von Weather Report waren im Dezember 1970 Joe Zawinul (Keyboard) und Wayne Shorter (Saxophon), die sich bereits seit 1959 kannten[3] und bei der Aufnahme von Miles Davis' In a Silent Way darüber sprachen, eine gemeinsame Band zu gründen. Partner und Mitinhaber der Band war bis 1973 Miroslav Vitouš am Bass,[4] der an Zawinuls Solo-Album 1970 beteiligt war.[5] Zudem wurden Alphonse Mouzon am Schlagzeug und Airto Moreira engagiert. Diese Musiker hatten zuvor alle mit Davis gearbeitet und führten – gemeinsam mit den Perkussionisten Don Alias und Barbara Burton – das Konzept von In a Silent Way auf dem ersten, gleichnamigen Album der Gruppe weiter, als sie „in einem musikalisch sehr freien, improvisatorischen Fluss Rock, Jazz und Latin-Grooves verwoben.“[6]

Der Einsatz eines Schlagzeugers in Verbindung mit einem Perkussionisten förderte die Dynamik und das Spielen komplexer Polyrhythmen. Zawinul löste sich vom alten 32-Takte-System, brach mit dem Thema-Solo-Thema-Schema[7] und führte neue Formen ein.

Bei den ersten Studioaufnahmen war die Band sehr experimentell; ein Vorbild für das Zusammenspiel war Attila Zollers The Horizon Beyond.[8]

An die Stelle von Vitouš trat 1973 der Bassist Alphonso Johnson, Vitouš wurde als ehemaliger Partner ausgezahlt.[9] Mit dem Album Sweetnighter orientierte sich die Band an klareren Kompositionsstrukturen,[6] spielte melodischer und schaffte den Durchbruch auf dem Massenmarkt. Für Mouzon kam in den nächsten Jahren fast jährlich ein neuer Schlagzeuger, bis ab 1978 mit Peter Erskine bzw. Omar Hakim eine Stammbesetzung gefunden war. Auch die Perkussionisten wechselten bei fast jedem neuen Album, so beispielsweise Alex Acuña, Manolo Badrena, Dom Um Romão.

Hochphase: 1976–1981[Bearbeiten]

Mit dem Einstieg von Jaco Pastorius 1976, der bis 1982 in der Band blieb, und seinen Beiträgen als Komponist und Bassvirtuose begann der weltweite Erfolg der Band. „Die Jaco-Jahre“ (unter dem Titel The Jaco Years erschien 1998 auch eine Weather-Report-Compilation) gelten als die Hochphase der Gruppe.[10] Auf den Alben Black Market (1976) und Heavy Weather (1977) „wurde eine künstlerische Geschlossenheit gefunden, wie sie auf späteren Alben kaum noch zu hören war.“[11]

Die Band hatte große kommerzielle Erfolge mit den von Zawinul komponierten Titeln Black Market (1976) und Birdland (1977).

Die heutige Weltmusik wurde in Ansätzen schon damals von Weather Report gespielt, und umgekehrt beeinflusste Weather Report die afrikanische Musik. So etwa war das Intro von dem Stück Black Market mehr als 20 Jahre lang die Erkennungsmelodie von Radio Dakar im Senegal gewesen.[12] Insbesondere das Album Black Market fand einen großen Anklang unter Afrikanern.[13]

1978 kam der Schlagzeuger Peter Erskine zu Gruppe, der besser mit Jaco Pastorius harmonierte. Die Band verzichtete auf einen Perkussionisten, bis 1980 Bobby Thomas Jr. hinzukam. 1980 erschien das Album Night Passage.

Spätphase: 1982–1986[Bearbeiten]

1981 wurde das nach dem Debütalbum zweite Album mit dem Titel Weather Report aufgenommen. Es war als Schlusspunkt der Band gedacht. Sowohl Shorter als auch Zawinul wollten eigene Wege gehen.[14] Das Album erschien erst 1982.

Weather Report mussten 1981 ihre Tournee absagen, weil sowohl Zawinul als auch Shorter sich um ihre im Sterben liegende Mütter kümmern wollten.[15] Darauf mussten sie über 100.000 Dollar Schadenersatz zahlen.

Pastorius hatte 1981 sein Soloalbum Word of Mouth herausgegeben und Ende 1981 seine gleichnamige Big Band mit Erskine am Schlagzeug zusammengestellt; Konzerttermine in Japan waren für diese Band vereinbart. Pastorius ging davon aus, das Weather Report 1982 pausiert. In dieser Situation bestand die Plattenfirma 1982 auf der Option, eine weiteres Album zu fordern. Daher wurden Omar Hakim und Victor Bailey als Ersatz für Pastorius und Erskine engagiert. Sie blieben bis zum letzten Konzert der 1984 in der Band.

1986 wurde ein letztes Album erneut per Option von der Plattenfirma gefordert, als die Band schon nicht mehr existierte. Das Ergebnis war This is This mit Carlos Santana als Gastmusiker. Shorter hatte die Band bereits verlassen. Er hatte keine Komposition eingebracht und spielte nur bei drei von acht Titeln mit.[16] Die Tourband, die das Album unterstützen sollte, hieß bereits Weather Update. Statt Shorter spielte der Gitarrist Steve Khan.[17] Diese Band verwies bereits auf das bald darauf entstehende Zawinul Syndicate.

Diskografie[Bearbeiten]

Studio- und Livealben[Bearbeiten]

  • 1971: Weather Report
  • 1972: I Sing the Body Electric
  • 1972: Live in Tokyo
  • 1973: Sweetnighter
  • 1974: Mysterious Traveller
  • 1975: Tale Spinnin'
  • 1976: Black Market
  • 1977: Heavy Weather
  • 1978: Mr. Gone
  • 1979: 8:30
  • 1980: Night Passage
  • 1982: Weather Report
  • 1983: Procession
  • 1984: Domino Theory
  • 1985: Sportin' Life
  • 1986: This Is This

Nach Auflösung der Band[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

„Warum hast du deine Gruppe damals "Weather Report" getauft? Wir wollten Musik spielen, die man täglich hört – wie den Wetterbericht – und sich ständig ändert – wie das Wetter.

Joe Zawinul, 1996[18]

Die Musik von Weather Report entwickelte sich von relativ freien Experimenten mit elektronischen Effekten zu ziemlich festen Strukturen, wobei melodische Riffs und diffizile Rhythmen aus slawischer und anderer Folklore entlehnt und geschmeidig angepasst wurden. Frappierend schöne Akkordprogressionen reflektierten die global verstreuten Klangquellen wie in einem Fokus – soll heißen: im Keyboard von Joe Zawinul, wo er diverse Clips speicherte und zu Kaleidoskop-Songs umarbeitete. Sein überragendes Talent, aus exotischen Grooves, gesangsgeeigneter Melodik und typischer Jazzphrasierung stilistisch stimmige Synthesen zu formen, wirkte wie ein Katapult für den Erfolg von Weather Report.

JazzZeitung, 2001[19]

Wir haben lange herumgetechtelt in meiner Wohnung in New York, wie wir das nennen können. Unsere Namen können es nicht sein. Wir machen etwas, was Leute kennen, und was jeden Tag irgendwie im Ohr ist. 'News' oder 'Daily News' - das klingt nicht gut. Und Wayne sagt: "Weather Report - That’s it."

Joe Zawinul, 2007[20]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weather Report – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Peter Niklas Wilson (Hg.), Jazz Klassiker, Reclam Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-030030-4, S. 545 f.: "Mit ihrem enorm druckvollen Groove, der vielfarbig anmutenden 'ethnischen' Percussion und den von Shorter und Zawinul angeführten, wechselweise rasant oder introvertiert angelegten Kollektivimprovisationen geriet Weather Report zur einflussreichsten Fusion-Band weltweit."
  2. Josef Woodard Weather Report: Storm Surge, Down Beat, Januar 2001, S. 22-28
  3. Zawinul, "Ein Leben in Jazz", S. 100
  4. Zawinul, "Ein Leben in Jazz", S. 106
  5. Vgl. Hintergrund zur Entstehung des ersten Albums (engl.)
  6. a b Wolf Kampmann, Reclams Jazzlexikon Stuttgart 2005, S. 544
  7. Zawinul kommentierte dies in den Linernotes des ersten Albums: „We always solo, and we never solo“
  8. Für Zawinul hörte sich deren Musik nach einer Seelandschaft, Schneestürmen und Frühling an. "Deine Band klingt wie ein Wetterbericht", sagte er zu Zoller. Einige Monate später nannten er und Shorter dann ihre Band Weather Report. Nach Géza Gábor Simon, Immens gut. Attila Zoller. Sein Leben und seine Kunst. Budapest 2003, S. 83
  9. Zawinul, "Ein Leben in Jazz", S. 115
  10. In: Gunther Baumann: Zawinul. Ein Leben aus Jazz. Residenz Verlag, Salzburg 2002, S. 129
  11. W. Kampmann Reclams Jazzlexikon Stuttgart 2005, S. 545
  12. Interview mit Zawinul 2003, „I hob' mein eigenen Rhythmus“, Kölner Stadt-Anzeiger, 11. September 2007
  13. Das ist die Kunst, Weltwoche, 2006, Nr. 12 (Interview)
  14. Zawinul, "Ein Leben in Jazz", S. 144
  15. Zawinul, "Ein Leben in Jazz", S. 144
  16. allmusic: Review by Richard S. Ginell
  17. musicianguide.com: Weather Report Biography
  18. „Interview“, Der Neue Tag, 7. Dezember 1996
  19. „Hochdruck-Hits. Joe Zawinul im Großformat“, JazzZeitung, 2001, Nr. 1
  20. „Keyboardkönig des Jazz-Rock. Zum Tod des Pianisten und Weltmusikers Joe Zawinul“, Deutschlandfunk, 11. September 2007, auch als mp3-Datei