Web.de
| Web.de | |
|---|---|
| www.web.de | |
| Beschreibung | Portal, Suchmaschine und E-Mail-Dienst |
| Eigentümer | 1&1 Mail & Media GmbH |
| Erschienen | 1999 |
Web.de (Eigenschreibweise: WEB.DE) ist ein 1999 gegründetes deutsches Internetportal, welches als redaktionell betreuter Webseitenkatalog gestartet und nach und nach zu einem Internetportal ausgebaut wurde. Daneben werden zahlreiche verschiedene Dienste angeboten. Im Jahr 2005 war Web.de nach Branchenangaben das reichweitenstärkste Internetportal und lag insgesamt auf dem zweiten Platz hinter T-Online.
Inhaltsverzeichnis |
Geschäftsmodell[Bearbeiten]
Besonders bekannte Dienste von Web.de sind zum einen der kostenlose E-Mail-Dienst FreeMail, zum anderen das kommerzielle Pendant Web.de Club. Beide Dienste tragen die Kennzeichen des Unified Messaging. Das heißt, dass neben E-Mails unter anderem auch Faxe und Sprachnachrichten über eine eigene Nummerngasse 03212 empfangen und versendet werden können. Ein anderes Produkt ist der Web.de Multimessenger, der auf dem freien XMPP-Instant-Messaging-Protokoll aufbaut. Web.de Multimessenger und GMX Multimessenger sind bis auf das Aussehen identische Instant-Messaging-Programme von United Internet, die unter zwei verschiedenen Marken veröffentlicht werden.[1]
Das Geschäftsmodell der Web.de GmbH basiert auf Online-Werbung und digitalen Diensten, wie zum Beispiel der genannte Web.de Club. Im Rahmen der Stärkung der Säule Online-Werbung wurde 2004 mit AD Europe ein Netzwerk mehrerer Internetportale gegründet, das mittlerweile führende Portale in 60 Ländern umfasst.
Geschichte[Bearbeiten]
Die Brüder Michael und Matthias Greve gründeten die Cinetic Medientechnik GmbH. Das Unternehmen beschäftigte sich mit Medientechnik für Kino. Aus dieser Gesellschaft wurde Web.de im Januar 1999 ausgegliedert, im Februar 2000 erfolgte der Börsengang. Im Juni 2000 wiederum gliederte Web.de die vorher eigenständige Agentur websolute new media AG zu 100% in sein Konsortium ein und erweiterte sein Angebot um E-Commerce und Kunden aus dem B2B-Bereich.[2] Zu den Kunden gehörten z. B. Siemens, BASF oder das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Gründer Urs Keller und Lars Bauer verblieben zunächst in der Firma als Manager. Sie haben Web.de aber 2004 schon wieder verlassen, um die neue Firma solute GmbH zu gründen. Diese betreibt das Preisvergleichsportal billiger.de.[3]
1995 ging das Deutsche Internet Verzeichnis mit 2500 redaktionell bearbeiteten Eintragungen online. In den folgenden Jahren wurde das Portal um weitere Dienste erweitert, wobei einige (wie ein "Trustcenter" für kostenpflichtige Mail-Adressen) auch wieder eingestellt wurden. Im Oktober 2002 führte die Web.de AG das Produkt Com.Win mit der Zielsetzung ein, das Telefonieren zu revolutionieren. Mäßige Abonnentenzahlen und ein weit hinter den Erwartungen zurückgebliebener Umsatz führten dazu, dass Com.Win nach zwei Jahren nicht mehr weiterentwickelt und mit dem Design eines Nachfolgeprodukts begonnen wurde. Dieses Nachfolgeprodukt ComBOTS ist im Juli 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt worden.
Im Mai 2005 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme des Internetportals in Form der Web.de GmbH, einer vollständigen Tochter der Web.de AG durch die United Internet AG. Der Kaufpreis betrug 330 Millionen Euro, davon 130 Millionen in Aktien. Mit Wirkung zum 31. Oktober 2005 vollzogen die United Internet AG und Web.de AG die angekündigte Transaktion.
Die Web.de AG als alte Besitzerin firmiert – nach einem Intermezzo als ComBOTS AG – mittlerweile als Kizoo AG.
Am 8. Dezember 2006 kündigte Web.de die Einstellung des IP-Telefonie-Services Web.de Freephone zum 22. Dezember an. Den Kunden wurde nahegelegt, zum IP-Telefonie-Service von GMX zu wechseln.[4]
Im August 2010 firmierte die Web.de GmbH in die 1&1 Mail & Media GmbH um, unter deren Dach auch GMX geführt wird. Die Marke Web.de blieb erhalten.
Kritik[Bearbeiten]
Wegen irreführender Blickfangwerbung wurde Web.de die als Geschenkaktion angepriesene dreimonatige kostenlose Web.de-Club-Mitgliedschaft mit sich nahtlos anschließendem kostenpflichtigen Abonnement untersagt. Am 18. März 2009 gab das Oberlandesgericht Koblenz einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) gegen Web.de statt. Das Urteil (Az. 4 U 1173/08) ist inzwischen rechtskräftig.[5] Einer weiteren Klage vor dem Landgericht Koblenz in einem weitgehend identischen Fall wurde am 25. Juni 2009 ebenfalls stattgegeben.[6] Die Methoden von Web.de, offene Rechnungen von Mitgliedern einzutreiben, bewegen sich laut einigen Anwälten und Verbraucherschützern am Rande der Legalität.[7]
Kritik erfährt Web.de zudem durch einen sehr rauen Umgangston bei der Kündigung von Verträgen. Dabei kennt das Unternehmen, auch bei klarer Rechtslage zugunsten des Kunden, wenig Nachsicht. Aufsehen erregte auch die Einschaltung eines Inkassobüro zur Beitreibung einer Forderung gegen eine Minderjährige.[8]
Weiterhin wird Web.de für die strenge Größenbeschränkung des Postfachs beim kostenfreien (Freemail-)Angebot kritisiert: Im Februar 2000 war der Speicherplatz auf acht Megabyte erhöht worden[9], später auf zwölf Megabyte mit gleichzeitiger Beschränkung auf 500 Nachrichten im Postfach. Seit November 2011 lässt sich der verfügbare Speicher durch Installation einer Webbrowser-Symbolleiste ("Toolbar") dauerhaft auf 500 MB erhöhen, auch die maximale Zahl der gespeicherten Nachrichten wird dabei auf 1500 erhöht.[10] Ursache für die Anhebung des Speicherplatzes ist die Konkurrenz anderer Anbieter, wie z. B. Google Mail.[11]Im Frühjahr 2013 kam eine Option hinzu, durch Installation eines entsprechenden Zugriffsprogramms auf einem Mobiltelefon und auf einem Windows-Rechner den Online-Speicher um je vier Gigabyte dauerhaft (d.h. wie bei der erwähnten Symbolleiste kann man die beiden Programme bei Nichtgefallen wieder entfernen) zu vergrößern.
Seit einiger Zeit werden die Benutzer des Freemail-Dienstes aufgefordert, sich regelmäßig über die Web-Oberfläche, d.h. im Browser, anzumelden, da ansonsten das Mailkonto deaktiviert werde. Dies stellt eine erhebliche Einschränkung dar, da man bisher den Dienst auch ausschließlich über POP/SMTP nutzen konnte und ein regelmäßiges Anmelden im Webbrowser nicht erforderlich war. Seit der letzten Umstellung der Web-Oberfläche ist es für Bestandskunden nicht mehr möglich, selbständig die vertraglich vereinbarte Erweiterung des Online-Speichers vorzunehmen. Auch wurden die bei Mitbewerbern problemlos einzurichtenden alternativen Absenderadressen bislang nicht wieder eingerichtet, was die Nutzung des Postfachs für professionelle Benutzer deutlich einschränkt.
Im August 2012 hat die Verbraucherzentrale Bundesverband eine Abmahnung gegen Web.de erlassen, da sie die Button-Lösung (gem. § 312g BGB) nicht korrekt umgesetzt sehen. Web.de hat zwar die Bezeichnung zahlungspflichtige Bestellung für den Bestellknopf übernommen, wichtige Vertragsbestandteile sind aber nicht direkt daneben platziert.[12] Die Abmahnung richtet sich auch an die Marke GMX.
Einen weiteren Kritikpunkt stellt die Vorgangsweise von Web.de bei der Behandlung von Nutzern dar, die keinen Internetzugang über eine deutsche IP-Adresse haben. Dies gilt sowohl für Kunden, die das kostenfreie (Freemail-)Angebot, als auch für jene, welche die kostenpflichtige Web.de-Club-Mitgliedschaft nutzen. Will man etwa das angepriesene „WEB.DE Club SmartFax“ als Nutzer außerhalb Deutschlands nutzen, so erfährt man erst nach der Installation und beim Versuch der ersten Nutzung: „Leider ist dieser Service derzeit nur für Mitglieder in Deutschland verfügbar.“ Ähnlich verhält es sich bei den angepriesenen „Zwei lebenslang beitragsfreien Kreditkarten mit Rabatten auf Ihre Online-Käufe und beim Tanken“.
Brandenburger Tor[Bearbeiten]
Das Logo von Web.de ziert eine vereinfachte Abbildung des Brandenburger Tors aus Berlin. Laut Aussage des Unternehmens stelle es das „Tor zur digitalen Welt in Deutschland“ dar.[13]
Beteiligungen[Bearbeiten]
- B.TV (Privater Fernsehsender, eingestellt)
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ GMX MultiMessenger Download. In: netzwelt. Abgerufen am 4. August 2012.
- ↑ Web.de übernimmt websolute new media. 30. Juni 2000, abgerufen am 4. August 2012.
- ↑ Ingrid Weidner: "Wir waren alle so naiv". In: ComputerWoche. 9. August 2001, abgerufen am 4. August 2012.
- ↑ Web.de stellt VoIP-Dienst FreePhone ein. In: teltarif. 8. Dezember 2006, abgerufen am 28. Januar 2008.
- ↑ Irreführende Geschenkwerbung für web.de Club-Mitgliedschaft. In: Verbraucherzentrale. 18. März 2009, abgerufen am 26. Dezember 2011.
- ↑ Web.de erneut wegen irreführender Treueaktion verurteilt. In: Verbraucherzentrale. 25. Juni 2009, abgerufen am 26. Dezember 2011.
- ↑ Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Berlin zur Web.de-Clubmitgliedschaft. Abgerufen am 6. August 2012.
- ↑ Verkehrte Welt – Vertrag mit einer Minderjährigen. In: c't. Heise Zeitschriften Verlag, 11. September 2010, abgerufen am 22. November 2010.
- ↑ Web.de erweitert Freemail-Service. In: heise online. 7. Februar 2000, abgerufen am 28. Januar 2008.
- ↑ Die 12 MB-Grenze fällt. In: PC Welt. 4. November 2011, abgerufen am 15. Dezember 2011.
- ↑ Yahoo bohrt Freemail-Dienst auf. In: heise online. 23. März 2005, abgerufen am 28. Januar 2008.
- ↑ Urs Mansmann: Verbraucherschützer mahnen GMX und Web.de ab. In: heise online. 28. August 2012, abgerufen am 29. August 2012.
- ↑ Web.de PressLounge. Abgerufen am 19. Februar 2008.
Marken: 1&1 | WEB.DE | GMX | united-domains | InterNetX | Fasthosts | Sedo | affilinet
Ehemals: Schlund+Partner | United Internet Team Germany
Gesellschafter: Ralph Dommermuth
48.9998578.385725Koordinaten: 48° 59′ 59″ N, 8° 23′ 9″ O