Wechselbalg

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Ein Wechselbalg ist ein durch böse Geister untergeschobener Säugling (veraltet „Balg“). Die genaue Herkunft des Begriffes ist ebenso wie seine Entstehungsgeschichte unbelegt.

Teufel tauscht gewickeltes Baby (St. Laurenz) gegen Wechselbalg aus und übergibt das Kind einem Dämon, ca. 1425 – 1450, Kalkmalerei, Kirche in Undløse, Dänemark, (Nationalmuseet, Kopenhagen)

In der Vergangenheit wurden auch Missbildungen und Behinderungen des Neugeborenen als Zeichen für das Vorliegen eines Wechselbalges fehlgedeutet. Wechselkinder wurden oft nicht als menschliche Wesen angesehen und ihre Tötung wurde deswegen nicht unbedingt als ein Verstoß gegen das offizielle Verbot der Kindstötung angesehen. Auch Martin Luther glaubte an Wechselbälger; er hielt sie für Kinder des Teufels ohne menschliche Seele, die „nur ein Stück Fleisch“ seien und deren Tötung er in einem Fall empfahl.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Mythologie

Ein Wechselbalg ist in der Mythologie das Kind eines Elfen, Naturgeistes, Gnomes oder ähnlichem, welches gegen ein Menschenkind ausgetauscht wurde. Hexen und andere mythologische Wesen werden je nach Volksglauben ebenfalls des Balgwechselns verdächtigt.

Der Wechselbalg hat angeblich einen unfreundlichen Charakter und besitzt unschöne Verhaltensweisen. So soll er sehr viel schreien und Unmengen an Nahrung vertilgen. Der Wechselbalg wird oft als verkrüppelt beschrieben. So könnte durch Abneigung gegen behindert geborene Kinder, wirtschaftliche Not und einen daraus resultierenden Wunsch nach Entfremdung der Glaube an den Wechselbalg entstanden sein.

Es gibt je nach Region verschiedene rituelle Abwehrmechanismen, um das Auswechseln des Balges (Säuglings) zu verhindern. So sollen zum Beispiel die Plazenta unter der Wiege liegen gelassen, das Kind nach seinem wahren Alter befragt oder drei Lichter im Kinderzimmer entzündet werden.

Der Teufel tauscht ein Baby gegen einen Wechselbalg aus, Anfang 15. Jh., Ausschnitt aus der Legende des heiligen Stephanus von Martino di Bartolomeo

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Walter Bachmann: Das unselige Erbe des Christentums: Die Wechselbälge. Zur Geschichte der Heilpädagogik. Gießen 1985, ISBN 3-922346-13-8
  • Christine Lavant: Das Wechselbälgchen. Otto Müller Verlag, Salzburg 1998, ISBN 3-7013-0983-3
  • Selma Lagerlöf: Das Wechselbalg. In: Die schönsten Sagen und Märchen. 7. Auflage, DTV 1992
  • Nils Petersen: Geistigbehinderte Menschen in Kirche Diakonie und Gesellschaft, Münster 2003, ISBN 3-8258-6645-9

[Bearbeiten] Weblinks

 Wikisource: Wechselbalg – Quellen und Volltexte

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. WA Tischreden 4513 und 5207
  2. Eine von sieben Sagen vom Wechselbalg. In: Wilhelm Kuehs: Die Saligen. Sagen aus Kärnten. Band 1. Verlag Hermagoras, Klagenfurt 2006, ISBN 3-7086-0059-2, S. 258–262.
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