Wehrda (Marburg)

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50.8361111111118.7602777777778185Koordinaten: 50° 50′ 10″ N, 8° 45′ 37″ O

Wehrda
Stadt Marburg
Wappen von Wehrda
Höhe: 180–290 m
Fläche: 8,12 km²
Einwohner: 6558 (31. Dez. 2010)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35041
Vorwahl: 0 64 21
Karte

Lage von Wehrda in Marburg

Wehrda aus Richtung Osten

Wehrda aus Richtung Osten

Wehrda ist ein Stadtteil von Marburg an der Lahn, der Kreisstadt des Landkreises Marburg-Biedenkopf in Hessen, Deutschland. Wehrda hat rund 6600 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Stadtteil Wehrda liegt unmittelbar nördlich der Kernstadt Marburg zwischen dem westlichen rechten Ufer der Lahn und dem Waldrand unterhalb des Mosenberges (356 m) und des Gebrannten Berges (340 m), die sich in den Marburger Rücken einreihen. Am östlichen linken Lahnufer gehört unterhalb einer Lahnschleife am Mittelhäuser Berg ein ausgedehntes Gewerbegebiet mit dem Messeplatz im Süden ebenfalls zu dem Stadtteil. Die Gemarkung Wehrda reicht von der Kammlinie des Marburger Rückens im Westen bis an den Fuß der Lahnberge im Osten und umfasst 812 Hektar, davon sind 318 Hektar bewaldet.

Geschichte[Bearbeiten]

Burgruine Weißenstein im nördlichen Ortsgebiet
Soldatendenkmal neben der Martinskirche

Erstmals wurde der Stadtteil Wehrda 1238 als Werthe erwähnt. Der Name des Ortes leitet sich von dem Begriff Werder ab, der eine leicht erhöhte Lage am Ufer bezeichnet. Nach dem ältesten erhaltenen Salbuch (Erbregister) des Amtes Marburg von 1374 war Wehrda neben Cappel, Marbach und Ockershausen ein Hausdorf der Landgrafen von Hessen. Dies bedeutete, dass die Bewohner dieser dem Marburger Schloss am nächsten gelegenen Dörfer zu zusätzlichen Hand- und Spanndiensten für die Landgrafen verpflichtet waren. Die evangelische Martinskirche wurde 1769–74 in ihrer heutigen Form erbaut. Ihr Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im Norden von Wehrda befinden sich an einem Bergsporn oberhalb der Lahn Reste der Burgruine Weißenstein, die um 1020 errichtet und noch vor 1200 wieder aufgegeben wurde. Im 16. Jahrhundert erfolgte die Einführung der Reformation, die Einwohnerschaft wurde evangelisch-lutherisch.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Juli 1974 durch Landesgesetz insgesamt 13 Gemeinden in die Stadt Marburg eingegliedert, darunter die Gemeinde Wehrda mit damals knapp 4000 Einwohnern.[1] In den 1970er und -80er Jahren wurden im Norden des Stadtteils große Neubaugebiete errichtet. Auf dem Ostufer der Lahn entstand nördlich der Bundesstraße 3 ein Einkaufszentrum.

Wappen[Bearbeiten]

Windkraftanlage auf den Weinbergen an der Grenze zu Goßfelden

Am 26. August 1965 wurde der Gemeinde Wehrda im damaligen Landkreis Marburg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In einem von Gold und Blau geteilten Schild ein gegengezinnter Balken in verwechselten Farben.[2]

Bedeutung

Das Wappen basiert auf dem Wappen der Familie von Wehrda genannt Nodung, die im silbernen (weißen) Schild einen schwarzen Wellenbalken führten. Die Farben sollen auf den hellen Sandstein am Weißenstein und das Wasser der Lahn verweisen.

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Der südliche Teil des Einkaufszentrums

Wehrda ist über die autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 3 mit der Ausfahrt „Wehrda/Cölbe“ an das Fernstraßennetz angeschlossen. Außerdem führen die Landesstraßen 3381 und 3089 durch das Ortsgebiet. Die Kreisstraße K 82 schneidet als Cölber Straße die Lahnschleife ab und verbindet über eine Lahnbrücke den Stadtteil mit dem Gewerbegebiet und der Bundesstraße und über eine weitere Lahnbrücke mit dem nahegelegenen Nachbarort Cölbe.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Die Main-Weser-Bahn verläuft durch das Einkaufszentrum, ein Haltepunkt ist geplant.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Die Martinskirche von der Seite

Den Öffentlichen Nahverkehr übernehmen die Linien 1 und 4, die am Sachsenring enden und zusammen einen 15-Minuten-Takt bilden. Die Linie 3 fährt am Wochenende alle 30 Minuten ins Einkaufszentrum. Die Linie 19 Ring Nord fährt ein Mal täglich und die Linie 19 Ring Süd zwei Mal täglich zum Universitätsklinikum auf den Lahnbergen. Außerdem halten in Wehrda die Überlandlinien 76 und 481.

Religion[Bearbeiten]

Die evangelische Martinskirche aus dem 17. Jahrhundert

Wehrda war bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein protestantisch geprägter Ort. Auch heute noch gehört die Mehrheit der Einwohner zu den beiden evangelischen Kirchengemeinden. Durch den Zuzug von Vertriebenen nach Kriegsende und die weitere starke Bevölkerungszunahme stieg der Anteil der Katholiken im Ort an. Im nordwestlichen Ortsgebiet leben auch eingewanderte Muslime.

Kirchen[Bearbeiten]

Insgesamt gibt es in Wehrda eine katholische und drei evangelische Kirchen. Die älteste ist die Martinskirche. Der Glockenturm diente ursprünglich als Schutz- und Wehrturm, der durch die heute noch vorhandene Schutzmauer abgesichert war. Die einstige Bestimmung lässt sich heute noch an den zahlreichen Schießscharten erkennen. Im 17. Jahrhundert wurde der Gottesdienstraum angebaut. In den 2000er Jahren wurde die Kirche innen und außen komplett saniert und am Glockenturm zwei Uhren angebracht, die zu jeder Stunde schlagen.

Weitere evangelische Gotteshäuser sind die neue Trinitatiskirche im nördlichen Neubaugebiet sowie die Evangeliumshalle des Diakonissen-Mutterhauses Hebron am Diakoniekrankenhaus. Sie wurden wie die katholische Kirche am Friedhof erst nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet. Weitere kirchliche Einrichtungen sind die evangelischen Gemeindezentren am Huteweg und in der Wehrdaer Straße.

Katholische Filialkirche St. Martin in Wehrda

Friedhöfe[Bearbeiten]

In Wehrda gibt es zwei Friedhöfe. Der Hauptfriedhof unterteilt sich in oberen, mittleren und unteren Friedhof, wobei letzterer der alte Diakonissenfriedhof ist. Der obere ist der größte. Dort steht auch die Kapelle.

Ein weiterer Friedhof liegt westlich des Diakoniekrankenhauses. Dort werden ausschließlich Diakonissen aus dem angrenzenden Mutterhaus beerdigt.

Gewerbe[Bearbeiten]

Wehrda besteht aus drei Ortsteilen. Dem Ortskern, dem Einkaufszentrum und einem Gewerbegebiet. Im Einkaufszentrum gibt es ca. 70 Geschäfte auf einer Fläche von 1 km². Außerdem gibt es dort eine Tennishalle mit Plätzen und einen Reitverein. Südlich davon gibt es ein Gewerbegebiet, das südlich des Messeplatzes in das Marburger Gewerbegebiet Nord übergeht.

Weitere Ansichten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Immel: Wehrda, Weinstraße, Burg Weißenstein, Wehrda 1974 (hrsg. von der Gemeindeverwaltung Wehrda)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg vom 12. März 1974 (GVBl. I S. 154)
  2. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 26. August 1965 (StAnz. S. 1070) Seite 2 der tif-Datei 3,9 MB

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wehrda (Marburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien