Wehrertüchtigungslager

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HJ beim Schießunterricht bei einem WE-Lager

Wehrertüchtigungslager, auch Reichsausbildungslager, waren Einrichtungen der Hitlerjugend (HJ) zur vormilitärischen Ausbildung und Indoktrination während des Zweiten Weltkrieges.

Allgemeines[Bearbeiten]

Innerhalb der Reichsjugendführung der Hitlerjugend gab es ein „Amt für körperliche Ertüchtigung“. Dieses veranstaltete seit 1939 in Lagern zur Wehrertüchtigung mehrwöchige Lehrgänge, in denen Jugendliche für den Kriegseinsatz „vormilitärisch“ vorbereitet werden sollten.

Während zu Beginn des Krieges hauptsächlich HJ-Führer die Ausbildung leiteten, unterrichteten später zunehmend fronterfahrene nicht mehr kriegsdienstfähige Soldaten. Neben sportlichen Wettkämpfen und körperlichem Training wurden militärische Fähigkeiten wie Tarnung und der Umgang mit Waffen vermittelt. Im Rahmen der politisch-weltanschaulichen Indoktrination wurden die Jungen mit Themen wie „Unsere Feinde“, „Das Judentum“, „Unsere Weltanschauung“ und „Der Rassengedanke“ zu Nationalismus, Antisemitismus und Militarismus aufgestachelt.

Zu den Lagern wurde amtlich einberufen. Sie dienten auch dazu, die Zeit bis zur Einberufung zur Wehrmacht zu überbrücken. Die Ausbildung dauerte meist nur 4 bis 6 Wochen.

Die Wehrertüchtigungslager dienten der Waffen-SS als Rekrutierungsstätten. In einem Beitrag des DHM beschrieb ein ehemaliger Hitlerjunge, wie er von der HJ über ein Wehrertüchtigungslager an die Front kam. Dort heißt es:

„..als wir ankamen, hieß es beim Antreten z. B. ‚Kriegsfreiwillige, rechts raus!‘ Der Haufen, der sich nicht freiwillig meldete, war […] immer sehr klein. Diese wurden mittags früher zum Exerzieren vom Tisch geholt. Auch nachts holte man sie oft aus den Betten. Da war es bald für die meisten vorbei mit ‚Verweigern‘. Auch beim Antreten mussten sie oft nach vorne treten und wurden als Muttersöhnchen usw. lächerlich gemacht.“[1]

In einer weiteren Quelle heißt es:

„Die Wehrertüchtigungslager waren Einrichtungen zur Vorbereitung auf den Militärdienst. In Gelände- und Schießübungen sowie Vorträgen wurden Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren für den Fronteinsatz geschult. Die Einberufung in die Lager erfolgte schriftlich, man war zur Teilnahme verpflichtet.“[2]

In vielen Erinnerungen berichten die damals jugendlichen Teilnehmer an diesen meist klassenweise durchgeführten und verpflichtenden Kursen von militärischem Drill, verbunden mit unangemessener Schikane durch die Ausbilder.

Standorte einiger Wehrertüchtigungslager[Bearbeiten]

Die Datumsangaben beziehen sich lediglich auf den durch Quellen belegten Zeitraum. Der tatsächliche Zeitraum ist vermutlich länger:

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Wehrertüchtigungslager der Hitler-Jugend 1942 - 1945 ein Dokumentarbericht - Ippesheim: Verl. d. Arbeitskreises für Geschichte und Kultur der Dt. Siedlungsgebiete im Südosten Europas, 1991. 115 S.: Ill. - ISBN 3-928389-03-3. - (Publikationen des Arbeitskreises für Geschichte und Kultur der Deutschen Siedlungsgebiete im Südosten Europas e.V. : Reihe 1, Band2, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften - Hans Holzträger).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kollektives Gedächtnis: Wehrertüchtigungs- und Reichsausbildungslager
  2. a b Erinnerungen von Hans Waibel (PDF; 273 kB), badische-zeitung.de, abgerufen am 18. August 2013
  3. a b Werner Heldmann: Kurt Thomas und das Musische Gymnasium Frankfurt am Main 1939 bis 1945. Überlegungen zu einer kritischen Würdigung der Person und der Schule (PDF; 124 kB), frankfurter-buergerstiftung.de, 30. August 2004, abgerufen am 18. August 2013
  4. Arbeitsgemeinschaft Ebringer Dorfgeschichte (Hrsg.): Ebringer Dorfgeschichte Nr. 2. Ebringen unterm Hakenkreuz. Zeitzeugenberichte, Ebringen 2008, S. 33 und 38
  5. Erinnerungen von Werner Glaubrecht (PDF; 82 kB), badische-zeitung.de, abgerufen am 18. August 2013

Weblinks[Bearbeiten]