Wergeld

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Wergeld (ahd. weragelt, wergelt, zu ahd. wer „Mann“; vgl. Werwolf)[1] war im germanischen Recht das Sühnegeld. Bei einem Totschlag musste der Totschläger eine Entschädigung leisten, und zwar an diejenigen Angehörigen des Erschlagenen, die sonst die Blutrache hätten ausüben müssen. Daher ging das Wergeld an die nächsten männlichen Verwandten; gab es diese nicht, auch an Frauen. Wergeld wurde aber auch auf andere Vergehen angewandt.

Andere Bezeichnungen waren Manngeld, Friedegeld, Wiedergeld oder im altfriesischen Strafrecht (Lex Frisionum, 8. Jahrhundert) weregildus und compositio.

Wergeldhöhe[Bearbeiten]

Das Wergeld und seine Höhe wird in vielen mittelalterlichen Quellen erwähnt, so in der frühmittelalterlichen Lex Frisionum oder dem Sachsenspiegel des Eike von Repgow aus dem 13. Jahrhundert. Das Wergeld wurde ab dem 12. Jahrhundert zunehmend durch öffentliche Strafen der Landfriedensgesetze abgelöst.

Sachsenspiegel[Bearbeiten]

Im dritten Buch des Sachsenspiegels werden Wergelder in Artikel 45 festgelegt; in Artikel 51 auch Wergelder für die Tötung von Tieren. Neben dem Wergeld musste bei einem trotz dessen Zahlung erforderlichen Gerichtsverfahren ein Wettgeld oder Buße an den Fürsten gezahlt werden, um den öffentlichen Friedensbruch wettzumachen.

Folgende Tarife gab es im Sachsenspiegel:[2]

  • Wergeld
    • für einen Freien Mann: 18 Pfund (damals der Gegenwert von 18 Reitpferden)
    • für einen freien Pächter und landfremde Freie: 10 Pfund
    • für eine Frau das halbe Wergeld ihres Mannes, war sie nicht verheiratet, ihres Vaters.
  • Buße
    • für einen Freien Mann: 30 Pfund
    • für einen freien Pächter und landfremde Freie: 15 Pfund
    • für eine Frau die halbe Buße ihres Mannes, war sie nicht verheiratet, ihres Vaters.
  • Wergeld für Tiere
    • für ein Huhn: ein halber Pfennig
    • für eine Gans oder Ente: ein Pfennig
    • für eine Brutgans oder -henne: drei Pfennig
    • für ein Ferkel oder eine Ziege: drei Pfennig
    • für ein Lamm oder Kalb: vier Pfennig
    • für ein Fohlen: 1 Schilling = 12 Pfennig
    • für einen Hofhund: 3 Schilling
    • für ein Schwein oder Rind 4 Schilling
    • für eine Muttersau oder einen Zuchteber: 5 Schilling
    • für Esel, Maultier, Zugochse oder Feldstute: 8 Schilling
    • für sonstige Arbeitspferde: 12 Schilling
    • für ein Reitpferd: 1 Pfund = 20 Schilling

Bei besonders wertvollen Pferden (z.B. einem Streitross) gab es kein feststehendes Wergeld, hier ging das Wergeld nach dem tatsächlichen Schaden.

Wergeld in der Kiewer Rus[Bearbeiten]

Einen ähnlichen Katalog von Wergeldern enthielt in der ostslawischen Kiewer Rus die Russkaja Prawda, die auf ein mündliches germanisches (warägisches) Gewohnheitsrecht zurückgeht. Hier hieß das Wergeld wira (kyrillisch вира) oder wirwnaja (kyrillisch вирьвная). Es betrug je nach Stand des Getöteten 40 oder 80 Griwna.[3]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Duden online: Wergeld. Ahd. wer ist verwandt mit mit lat. vir „Mann“.
  2. Sachsenspiegel, Buch 3: Artikel 45 und Artikel 51 (Textarchiv des Deutschen Rechtswörterbuch)
  3. Russkaja Prawda, Artikel 1 (altostslawisch mit neurussischen Erläuterungen).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]