Deutsche Dienststelle (WASt)

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Deutsche Dienststelle (WASt)
für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht
Staatliche Ebene Land Berlin
Stellung Geschäftsbereich der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales
Aufsichtsbehörde Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Berlin[1]
Gründung 26. August 1939[1]
Hauptsitz Berlin-Borsigwalde
Website www.d-d-wast.de
Haupteingang zur Deutschen Dienststelle (WASt)

Die Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht nahm am 26. August 1939 als Dienststelle des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) unter der Bezeichnung Wehrmachtauskunftstelle für Kriegerverluste und Kriegsgefangene, woraus sich auch die in der heutigen Behördenbezeichnung enthaltene Abkürzung ableitet, ihre Tätigkeit auf (weitere Schreibweisen: Wehrmachts-Auskunftstelle, Wehrmachtsauskunftstelle, Wehrmachtauskunftsstelle).

Die Einrichtung war zur Registrierung sämtlicher Personalverluste der Wehrmacht infolge Verwundung, Krankheiten, Tod, Vermisstsein und Kriegsgefangenschaft bestimmt. Auch Personalien von Soldaten, die nach dem Krieg von ihren Angehörigen gesucht wurden, erhielten einen Eintrag in die Datei, die heute rund 20 Millionen Karteikarten umfasst. Diese Informationen dienten u. a. der Klärung der menschlichen Schicksale (etwa bei zivil-, personenstands- oder rentenrechtlichen Fragen) und zur Erfassung von Kriegsgräbern.[2]

Geschichte der Deutschen Dienststelle (WASt)[Bearbeiten]

Standorte[Bearbeiten]

Im August 1943 wurde ein Teil der Behörde nach Saalfeld/Saale, ein anderer Teil nach Meiningen verlegt. Nach der Besetzung Thüringens wurde sie am 12. April 1945 unter amerikanische Militärverwaltung gestellt. Kurz vor der sowjetischen Besetzung von Thüringen verlagerten die amerikanischen Behörden am 1. Juli 1945 die Dienststelle nach Fürstenhagen bei Kassel.[2] Im Januar 1946 wurde das Archiv nach Berlin verlegt und erhielt den Namen Deutsche Dienststelle. Am 14. Juni 1946 wurde der Betrieb der Dienststelle vom Alliierten Kontrollrat der französischen Besatzungsverwaltung übertragen.[3]

Durch Verwaltungsvereinbarung vom 9. Januar 1951 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Berlin wurde die ehemalige Wehrmachtauskunftstelle unter der Bezeichnung Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht als Behörde des Landes Berlin geführt und ist im Berliner Bezirk Reinickendorf am Eichborndamm 179 in einer ehemaligen Maschinenfabrik angesiedelt. Die Deutsche Dienststelle (WASt) ist heute eine Behörde des Landes Berlin und gehört zum Geschäftsbereich der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales.[1]

Aufnahme weiterer Archive[Bearbeiten]

In den ersten Nachkriegsjahren nahm die Deutsche Dienststelle (WASt) Dokumente aus weiteren militärischen und paramilitärischen Archiven auf. Im Dezember 1990 wurden Dokumente aus dem Potsdamer Militärarchiv und aus dem Außenmagazins des Staatsarchivs der DDR in Dornburg/Elbe zugeführt.[2]

Die Deutsche Dienststelle (WASt) besitzt heute ein umfangreiches Archiv aus verschiedenen ehemaligen Wehrmachts-, Marine- und sonstigen Quellen sowie personenbezogene Meldungen zu Verlusten, Kriegsgefangenen und ähnliches. Sie ist eine wichtige Quelle für wissenschaftliche Studien.

Vorhandenes Datenmaterial[Bearbeiten]

Die Deutsche Dienststelle (WASt) verfügt über folgende Datenbestände:[2]

Kriegsteilnehmer[Bearbeiten]

  • Alphabetisches Verzeichnis von mehr als 18 Millionen militärischen und paramilitärischen Teilnehmern des Zweiten Weltkrieges.

Versetzungen/Erkennungsmarken[Bearbeiten]

  • Versetzungen zu Truppenteilen und namentliche Zuordnung zu Erkennungsmarken.[4]

Land- und Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

  • 100 Millionen namentliche Angaben zu Versetzungen und Erkennungsmarken von Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte des Zweiten Weltkrieges.
  • 5 Millionen Personaldokumente, z. B. Wehrpässe, der Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte des Zweiten Weltkrieges.

Marine[Bearbeiten]

  • 2 Millionen Personalakten und Marinestammrollen der Marine mit Minenräumung aus den Zeiten von 1871 bis 1947.

Kriegsgräber[Bearbeiten]

  • Über 150 Millionen Angaben zu Verlusten der Wehrmacht und anderer militärischer Gruppierungen des Zweiten Weltkrieges.
  • Zentralregister der Kriegsgräber für 900.000 Gefallene des Ersten Weltkrieges und über 3 Millionen des Zweiten Weltkrieges.

Kriegsgefangene[Bearbeiten]

  • 15 Millionen Dokumente über deutsche, österreichische und verbündete Soldaten, die infolge des Zweiten Weltkrieges in französische, amerikanische oder britische Kriegsgefangenschaft gerieten. Entlassungsdokumente der Kriegsgefangenen, die aus der UdSSR zurückkamen.
  • 1,5 Millionen noch vorhandene Akten von ausländischen Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten.

Aufgaben der Deutschen Dienststelle (WASt)[Bearbeiten]

Die Bearbeitung von Anfragen läuft bei der Behörde unter Berücksichtigung der individuellen Fragestellung nach vorgegebenem Gang über folgende Stationen ab: alphabetische Zentraldatei – Kriegsgefangenendatei – Abteilung Kriegsmarine – Kriegsgräberdatei – Erkennungsnummer – weiterführende externe Recherchen – Benachrichtigung.[5]

Die Deutsche Dienststelle (WASt) spielt eine Rolle bei der Feststellung von Rentenansprüchen ehemaliger Wehrmachtsangehöriger oder ihrer Hinterbliebenen sowie bei Justizermittlungen wegen Kriegsverbrechen durch die Wehrmacht.

Die Dienststelle erteilt nach wie vor Auskünfte, insbesondere über das Schicksal deutscher und ausländischer Soldaten aufgrund von Artikel 77 des Genfer Abkommens über die Behandlung der Kriegsgefangenen vom 27. Juli 1929. Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und das Österreichische Schwarze Kreuz stützen sich bei der Suche nach Grablagen von Angehörigen der Wehrmacht auf Angaben der Behörde. Deutschstämmige Aussiedler (u. a. aus Polen) nutzen Informationen der Deutschen Dienststelle (WASt) zum Nachweis ihrer deutschen Abstammung, wenn Vorfahren in der Wehrmacht gedient haben.

Auch Kriegskinder (Besatzungskinder) können bei der Behörde das Schicksal ihrer deutschen Väter erfragen. Entsprechende Nachfragen, 2009 waren es etwa 500, erhält die WASt hauptsächlich aus Frankreich (2009: etwa 110), Norwegen, Dänemark, Finnland und den Niederlanden.[6] Von den Kindern ehemaliger ausländischer Wehrmachtssoldaten in Deutschland kommen ebenfalls Anfragen, ob vielleicht ein Kriegskind nach seinem französischen Vater sucht.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Remmers (Bearb.): Deutsche Dienststelle (WASt) 1939 – 1999: 60 Jahre im Namen des Völkerrechts. Berlin 1999.
  • Rüdiger Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg. Oldenbourg, Oldenbourg, München, 3. Auflage 2004, ISBN 3-486-20028-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsche Dienststelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDeutsche Dienststelle (WASt) – Geschichte. Abgerufen am 12.22.2010.
  2. a b c d  Laurent Guillet: La WASt. In: Amicale Nationale des Enfants de la Guerre (Hrsg.): Des fleurs sur les cailloux. Editions Laurent Guillet, 2010, ISBN 2918588016, S. 233–235.
  3.  Christian Taske: "Ich habe gedacht, die spinnen doch.". In: Spiegel Online. 4. Dezember 2009 (Er bewahrte die persönliche Geschichte Hunderttausender Deutscher: 1946 verwaltete Henry Sternweiler das Archiv der Wehrmacht. Als die Amerikaner den Befehl gaben, alles zu verbrennen, weigerte sich der US-Soldat und rettete so tonnenweise Dokumente. Nun erhält er dafür das Bundesverdienstkreuz., einestages.spiegel.de).
  4. Alexander Barthou: Millionen Namen – Millionen Schicksale: Deutsche Dienststelle unterstützt Österreichisches Schwarzes Kreuz bei Nachforschungen. Unter Aktuelles auf der Webseite [1], aufgerufen am 24. Juni 2014
  5. a b  Amicale Nationale des Enfants de la Guerre (Hrsg.): Entretien avec Marie-Cécile Zipperling. Berlin, le vendredi 26 février 2010 à la WASt. In: Des fleurs sur les cailloux. Editions Laurent Guillet, 2010, ISBN 2918588016, S. 238–240.
  6. Amitié Nationale des Enfants de la Guerre, Lettre ouverte no 4, Janvier 2009, S. 6