Weißbuch

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Ein Neubauer in der DDR liest zur politischen Lektüre das Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus (1952)

Ein Weißbuch ist eine Sammlung mit Vorschlägen zum Vorgehen in einem bestimmten Bereich.

Historische Bedeutung[Bearbeiten]

Das Weißbuch im ursprünglichen Sinn ist eines der internationalen Bunt- oder Farbbücher. Darunter versteht man Dokumentensammlungen, die die Regierung eines Staates veröffentlicht, um Orientierung über politische Fragen zu geben, die meist die Außenpolitik betreffen. Oft dient es der Rechtfertigung des eigenen politischen Handelns.

Die Veröffentlichung solcher diplomatischer Akten erfolgt nach einer bis ins Mittelalter zurückreichenden Tradition in den verschiedenen Ländern in Büchern mit Umschlägen in bestimmten Farben: im Vereinigten Königreich sind sie blau, in Italien grün, in Frankreich gelb, in Deutschland weiß, in den USA und in Österreich rot, in Japan grau sowie in Russland (bis 1917) und in den Niederlanden orange.

Weißbuch zum angeblichen Röhm-Putsch[Bearbeiten]

1934 gab die damals bereits illegale KPD nach dem nationalsozialistischen Massaker wegen des angeblichen Röhm-Putschs ein „Weißbuch über die Erschießungen des 30. Juni“ im Pariser Verlag von Willi Münzenberg heraus. Ein Abdruck von ihm erschien im ebenfalls von Münzenberg verfassten „Blaubuch“, das eine Denkschrift oppositioneller Kreise an Reichspräsidenten von Hindenburg zu Gunsten eines präsidialen Direktoriums enthielt.[1]

Weißbücher der EU[Bearbeiten]

Die von der Europäischen Kommission veröffentlichten Weißbücher enthalten Vorschläge für ein gemeinschaftliches Vorgehen in einem bestimmten Bereich. Sie knüpfen zum Teil an Grünbücher an, die einen Konsultationsprozess auf europäischer Ebene in Gang setzen.

Beispiele: Die Weißbücher zur Vollendung des Binnenmarktes, zu Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sowie zur Angleichung der binnenmarktrelevanten Rechtsvorschriften der assoziierten Staaten Mittel- und Ost-Europas. Um die Bürgerferne zu überwinden, entstand 2006 auch ein Weißbuch zur EU-Öffentlichkeitsarbeit[2].

Wird ein Weißbuch vom Rat positiv aufgenommen, kann aus ihm ein Aktionsprogramm der Union für den betreffenden Bereich entstehen.

Weißbuch der Bundeswehr[Bearbeiten]

Hauptartikel: Weißbuch (Bundeswehr)

Das Weißbuch der Bundeswehr ist eine Veröffentlichung des Bundesverteidigungsministeriums, welche für die kommenden Jahre die sicherheitspolitische Lage der Bundesrepublik und ihrer Verbündeten schildert und daraus Schlussfolgerungen für die Aufgaben der Bundeswehr und deren Personalstärke, Ausrüstung und Ausbildung zieht.

White Papers in der Informationstechnik[Bearbeiten]

Hauptartikel: White Paper

Als White Papers (Englisch für Weißbuch) werden Überblicke über Leistungen, Standards und Technik zu IT-Themen bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine eigene Gattung von Schriften, die nichts mit offiziellen Weißbüchern zu tun haben, sondern vorwiegend für Zwecke von Public Relations oder Marketing verwendet werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Magnus Enzensberger: Hammerstein oder Der Eigensinn. Eine deutsche Geschichte. Frankfurt am Main, Suhrkamp 2008, ISBN 978-3-518-41960-1, S. 169
  2. Europäische Kommission: Weißbuch über eine europäische Kommunikationspolitik (PDF; 212 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Weißbuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: White papers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Beispiele öffentlicher Weißbücher[Bearbeiten]