Weiße Krone des Südens

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Weiße Krone des Südens in Hieroglyphen
S2

S1

Hedjet
Ḥḏt
Die weiße Krone (des Südens)

NarmerPalette-CloseUpOfNarmer-ROM.png
Narmer mit der weißen Krone des Südens

Die altägyptische weiße Krone des Südens wurde bislang seit der prädynastischen Zeit traditionell Oberägypten zugeordnet. Zweifelsfrei symbolisierte die weiße Krone des Südens erst in der 1. Dynastie unter Wadji mit geografischer Erweiterung insgesamt den Landesteil Oberägypten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Frühere Vermutungen[Bearbeiten]

Weiße Krone des Südens (Ägypten)
Helwan
Helwan
Tarchan
Tarchan
Edfu
Edfu
Qustul
Qustul
Karte von Ägypten

In der Ägyptologie basierte die Annahme, dass die weiße Krone schon in urzeitlichen Epochen für Oberägypten stand, auf den Darstellungen des Narmer bei seiner Reichseinigung. Während in prädynastischer Zeit die rote Krone des Nordens symbolisch jedoch noch für die oberägyptische Region Naqada steht, ist die weiße Krone des Südens in der Naqada-IIIA-Kultur im nubischen Qustul belegt.

Neue Erkenntnisse[Bearbeiten]

Jochem Kahl nimmt an, dass die nachgewiesenen engen Kontakte von Qustul und Hierakonpolis die Annahme wahrscheinlich machen, dass Hierakonpolis als „Heimat der weißen Krone“ angesehen werden kann. Erhärtet wird diese Annahme durch den Fund eines Messergriffs im Grab des U-j, auf welchem bereits die weiße Krone abgebildet ist.

Die Fundbelege zeigen, dass die rote und die weiße Krone in prädynastischer Zeit nur für den Landesteil Oberägypten standen, während Unterägypten kronenmäßig noch nicht in Erscheinung trat. Horus konnte seinem oberägyptischen Hauptkultort Hierakonpolis zugeordnet werden, während Seth ebenfalls in Oberägypten, jedoch in Naqada beheimatet war. Ergänzend erscheint die geografische Teilung Ägyptens auffällig, wobei sich Oberägypten mit den beiden Kronen zunächst auf das Niltal beschränkte und sich Unterägypten nur auf den fruchtbaren Kernbereich des Nildeltas bezog.

Die unter König Wadji (um 2880 bis 2870 v. Chr.) erstmals verwendete unterägyptische Gleichsetzung ist in der veränderten Erscheinungsform des Nebtinamens dokumentiert. Während auf einem Jahrestäfelchen des Wadji die Kronengöttin Nechbet zu sehen ist, die Oberägypten repräsentierte, wurde die aus Buto stammende Schlangengöttin Wadjit durch die rote Krone des Nordens ersetzt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bonnet: Kronen. In: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3., unveränderte Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6, S. 394f.
  • Wolfgang Helck , Eberhard Otto: Kronen. In: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4., überarbeitete Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 157f.
  • Jochem Kahl: Ober- und Unterägypten. Eine dualistische Konstruktion und ihre Anfänge. In: Rainer Albertz (Hrsg.): Räume und Grenzen. Topologische Konzepte in den antiken Kulturen des östlichen Mittelmeerraums (= Quellen und Forschungen zur antiken Welt. Bd. 52). Utz, München 2007, ISBN 978-3-8316-0699-3, S. 3–28.
  • Hubert Roeder: Der bringende König. Ansatz einer Neudefinition des Ensu (nisut) und der weißen Krone, ein Resümee. In: Rolf Gundlach, Ursula Rössler-Köhler (Hrsg.): Das Königtum der Ramessidenzeit. Voraussetzungen – Verwirklichung – Vermächtnis (= Ägypten und Altes Testament 36, 3). Harrassowitz, Wiesbaden 2003, ISBN 3-447-04710-0, S. 99–106.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter B. Emery, T. G. H. James : Great tombs of the first dynasty. Excavations at Sakkara (= Memoir of the Egypt Exploration Society. Vol. 46, ISSN 0307-5109). Band 2. Egypt Exploration Society, London 1954, S. 102, Abb. 105.