Weiße Rose

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Weiße Rose (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die Weiße Rose war der Name einer christlich motivierten Widerstandsgruppe in München während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Juni 1942 wurde die Gruppe gegründet und bestand bis zum Februar 1943. Die Mitglieder der Weißen Rose verfassten, druckten und verteilten unter Lebensgefahr insgesamt sechs Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde.

Die Geschwister Hans und Sophie Scholl gelten als die profiliertesten Mitglieder der Widerstandsorganisation Weiße Rose (DDR-Briefmarke von 1961)

Mitglieder

Mitglieder der Weißen Rose waren die beiden Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie deren Kommilitonen Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell, außerdem der Universitätsprofessor Kurt Huber.

Im weiteren Sinne können zur Gruppe auch die vielen mitarbeitenden Sympathisanten, wie Traute Lafrenz, Hans Conrad Leipelt, Marie-Luise Jahn, Hans Hirzel, Susanne Hirzel, Heinz Brenner, Franz J. Müller, Eugen Grimminger, Jürgen Wittenstein, Lilo Ramdohr, Gisela Schertling und der später auch als Regisseur bekannt gewordene Falk Harnack gezählt werden. Hinzu kamen Harald Dohrn, der Schwiegervater von Christoph Probst, der Architekt Manfred Eickemeyer, in dessen Atelier sich die Weiße Rose getroffen hatte, der Kunstmaler Wilhelm Geyer, der Eickemeyers Atelier mietete und Hans Scholl den Schlüssel zu den Räumen überlassen hatte, sowie der Buchhändler Josef Söhngen, dessen Keller als Versteck für die Flugblätter diente.

Außerdem gab es ein größeres Umfeld von Unterstützern, wie etwa die Brüder Wilhelm und Heinrich Bollinger, Rudolf Alt, Helmut Bauer, August Sahm, Hellmut Hartert, Michael Brink (Emil Piepke), Lilo Dreyfeldt, Hubert Furtwängler, Werner Bergengruen, Josef Furtmeier, Fritz Leist, Günter Ammon, Fred Thieler u. v. a. Mehrere Mitglieder kamen aus der Bündischen Jugend, so aus der dj.1.11, dem Bund Neudeutschland oder dem Grauen Orden. In Berlin wurden Flugblätter von der Gruppe Onkel Emil verbreitet, in Hamburg hatten sich Studenten um Heinz Kucharski und Margaretha Rothe zu einer Gruppe zusammengefunden, die nach 1945 als Weiße Rose Hamburg bezeichnet wurde.

Herkunft und Motive

Der Widerstand bestimmter Mitglieder des studentischen Freundeskreises um die Weiße Rose war in starkem Maße christlich motiviert. So wuchsen z.B. von der später als „Ulmer Abiturienten“ bezeichneten Gruppe[1], die zum Sympatisantenkreis der Weißen Rose gehörte, Hans und Susanne Hirzel in einem evangelischen Pfarrhaus auf; ihr Vater gehörte der Bekennenden Kirche an. Franz J. Müller, Heinrich Guter, Heinz Brenner und Walter Hetzel waren katholisch und gingen in einen freiwilligen Religionsunterricht, nachdem der reguläre in Schulräumen 1941 verboten worden war. Dieser wurde erteilt von Adolf Eisele, einem Pater des Missionsordens der Weißen Väter, der antinationalsozialistisch eingestellt war.[2] Er unterrichtete z.B. mit Texten von Thomas von Aquin und diskutierte mit den Jugendlichen kritische Texte wie z.B. die gegen die NS-Euthanasie gerichteten Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August von Galen und ein Protestschreiben von Galens an die Reichskanzlei.[3] Hans und Sophie Scholl wurden liberal und mit Idealen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstständigkeit erzogen und waren deshalb empört über die Deportation und Behandlung von sowohl Juden als auch Regimegegnern. Außerdem waren sie durch die Frömmigkeit ihrer Mutter geprägt. Die Beschäftigung mit Literatur, Kunst und Musik war ein selbstverständlicher Teil ihrer Kindheit. Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf hatten 1942 bei ihrem Fronteinsatz Massenermordungen in Polen und das Elend im Warschauer Ghetto beobachtet, was sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zusätzlich zum Widerstand bewegte.

Aktionen

Nach den Erfahrungen an der Front des Zweiten Weltkriegs und den Berichten von Freunden über Massenmorde in Polen und Russland genügten ihnen Lesen und Diskutieren allein nicht mehr. Im Juni 1942 handelten Alexander Schmorell und Hans Scholl. Die ersten vier Flugblätter wurden von Ende Juni bis Mitte Juli 1942 verfasst und anonym mit der Post an Intellektuelle im Raum München verschickt. Im Winter desselben Jahres wurde die Gruppe um Sophie Scholl und Willi Graf erweitert.

Vom 23. Juli bis 30. Oktober 1942 mussten Graf, Scholl und Schmorell als Sanitäter an die Ostfront. Nach ihrer Rückkehr nahmen die Studenten ihre Widerstandstätigkeit wieder auf. Das fünfte Flugblatt „Aufruf an alle Deutsche!“ (mit einer geschätzten Auflage zwischen 6000 und 9000) wurde zwischen 27. und 29. Januar 1943 durch Kurierfahrten in mehreren süddeutschen und auch in einigen österreichischen Städten verteilt. Die Weiße Rose zielte ab Sommer 1942 vor allem darauf ab, „auf die breite Volksmasse“ einzuwirken, wie es Sophie Scholl nach ihrer Verhaftung am 18. Februar 1943 sagte.[4] Dieses Ziel wird dadurch deutlich, dass das Flugblatt in einer klar verständlichen Sprache verfasst ist. Nach ihrer Fronterfahrung im Osten waren die Studenten davon überzeugt, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden könne („Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern.“). Sie riefen dazu auf, sich vom „nationalsozialistischen Untermenschentum“, Imperialismus und preußischen Militarismus „für alle Zeit“ zu trennen. Ihre Zukunftsvision war ein föderalistisches Deutschland in einem vereinten Europa nach dem Krieg.

Lichthof der LMU

Ende Januar 1943 ging die Schlacht um Stalingrad verloren. Etwa 230.000 Soldaten waren allein auf deutscher Seite gefallen; über 1.000.000 Menschen starben auf russischer Seite. Stalingrad wurde der Auftakt zum verstärkten Widerstand in den besetzten europäischen Ländern. Die deutsche Bevölkerung war durch diese Niederlage verunsichert. Im Deutschen Museum kam es anlässlich der 470-Jahr-Feier der Münchner Universität am 13. Januar zu Studentenprotesten gegen die Rede des Gauleiters Paul Giesler. Für die Teilnehmer der Weißen Rose wurde das Zusammenkommen dieser Ereignisse der Anstoß zu ihrem sechsten Flugblatt „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“ Durch Helmuth von Moltke gelangte dieses Flugblatt über Skandinavien bis nach England. Hunderttausende davon wurden von britischen Flugzeugen Ende 1943 über Deutschland abgeworfen. Sie waren jetzt überschrieben: „Ein deutsches Flugblatt – Manifest der Münchner Studenten.“

In anderen Städten arbeiteten Freunde in kleinen Gruppen, verteilten Flugblätter und hielten Kontakt. „Nieder mit Hitler“ und „Freiheit“ stand am 3., 8. und 15. Februar an den Mauern der Universität und zahlreicher anderer Gebäude in München. Alexander Schmorell, Hans Scholl und Willi Graf hatten die Parolen nachts mit schwarzer Teerfarbe und grüner Ölfarbe angeschrieben.

Die Gestapo leitete bereits im Sommer 1942 Untersuchungen zu den Flugblättern der Weißen Rose ein, die als „staatsfeindliche Bestrebungen“ gesehen wurden. Diese Nachforschungen blieben zunächst erfolglos und wurden bald eingestellt. Ab Ende Januar setzte die Gestapo wegen der erneut verteilten Flugblätter eine Sonderkommission in München ein und beauftragte im Februar 1943 Professor Richard Harder als Spezialist für Rhetorik und klassische Philologie, ein Täterprofil aus den bisher erschienenen Flugblättern zu erstellen.

Verhaftung und Verurteilung

Grab von Sophie und Hans Scholl sowie von Christoph Probst
Verfolgung und Widerstand: Deutsche Briefmarke von 1983

Bei der Verteilung des sechsten Flugblattes wurden sie schließlich gestellt und verhaftet. Es war von Kurt Huber verfasst worden und wandte sich gegen die Kriegspolitik des „Dritten Reiches“. Hans Scholl und Alexander Schmorell strichen im Nachhinein eine Passage über die „herrliche Wehrmacht“. Ziel war erneut, sich „an die Masse des Volkes zu wenden“. In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar verteilte die Gruppe 800 bis 1200 Flugblätter in München. Nachdem noch Exemplare übrig waren, beschlossen Hans und Sophie Scholl, diese in der Universität München zu verteilen.

Noch in der Nacht vom 17. auf den 18. Februar legte die Gestapo die beiden letzten Flugblätter dem Münchner Gräzisten Richard Harder vor, mit dem Auftrag, ein Gutachten zu ihnen abzugeben; wenig später erhielt er auch die vier älteren.[5]

Am 18. Februar 1943 legten die Geschwister Scholl die Blätter im Lichthof der Universität aus. Sie erreichten gegen 10.45 Uhr den Haupteingang. Sie trugen einen rotbraunen Koffer und eine Aktentasche, beide gefüllt mit dem sechsten Flugblatt und einer kleinen Menge des fünften. Die Geschwister Scholl legten vor den noch geschlossenen Hörsälen und in den Gängen die Flugblätter stoßweise aus. Als sie schon am rückwärtigen Ausgang Amalienstraße waren, kehrten sie um und liefen in den ersten Stock, wo sie nochmals Flugblätter ablegten. Dann rannten sie in den zweiten Stock, wo Sophie den Rest der Flugblätter über die Brüstung in den Lichthof warf. Dabei wurden die beiden vom Hörsaaldiener Jakob Schmid entdeckt und von diesem (und anderen) so lange festgehalten, bis die Gestapo eintraf.

Erster Prozess

Hans und Sophie Scholl wurden nach ihrer Festnahme zunächst zum Wittelsbacher Palais, der Gestapo-Zentrale, transportiert und dort getrennt bis zum 21. Februar stundenlang vernommen. Hans Scholl hatte bei seiner Festnahme einen Flugblattentwurf von Christoph Probst bei sich, sodass auch dieser festgenommen und angeklagt wurde. Die Geschwister Scholl und Christoph Probst wurden vom sogenannten „Blutrichter“ Roland Freisler am Volksgerichtshof zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Das „gleichgeschaltete“ Gericht nannte als Gründe für dieses Urteil „Wehrkraftzersetzung“, „Feindbegünstigung“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“.[6] Das Urteil wurde am 22. Februar vollstreckt. Kurz vor der Vollstreckung sahen die Geschwister Scholl ihre Eltern ein letztes Mal.

Zweiter Prozess

Kurt Huber, Willi Graf und Alexander Schmorell wurden am 19. April 1943 in einem zweiten Prozess vor dem Volksgerichtshof ebenfalls zum Tode verurteilt. Kurt Huber und Alexander Schmorell wurden am 13. Juli 1943 im Gefängnis München-Stadelheim enthauptet, die Hinrichtung Willi Grafs erfolgte am 12. Oktober 1943 ebenfalls durch das Fallbeil, nachdem die Gestapo über Monate hinweg versucht hatte, aus Willi Graf Namen aus dem Umfeld der Weißen Rose herauszupressen.

Weitere Prozesse

Falk Harnack wurde zunächst aus „Mangel an Beweisen“ freigesprochen. Als er im Dezember 1943 erneut verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht werden sollte, gelang ihm die Flucht. Andere Helfer und Mitwisser erhielten in weiteren Prozessen Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.[7]

Name

Die Herkunft des Namen Weiße Rose – abgeleitet von der Überschrift Weiße Rose über den ersten vier Flugblättern der Gruppe – ist letztendlich unklar. Einige sehen einen Bezug zum Buch Die weiße Rose von B. Traven. Nach seiner Verhaftung am 18. Februar 1943 gab Hans Scholl an, den Namen „willkürlich gewählt“ zu haben:

„Zurückkommend auf meine Schrift ,Die Weiße Rose‘ möchte ich […] folgendes erklären: Der Name ,Die Weiße Rose‘ ist willkürlich gewählt. […] Es kann sein, daß ich gefühlsmäßig diesen Namen gewählt habe, weil ich damals unmittelbar unter dem Eindruck der spanischen Romanzen von Brentano ,Rosa Blanca‘ gestanden habe. Zu der ,Weißen Rose‘ der englischen Geschichte bestehen keine Beziehungen.“

Es ist jedoch nicht sicher, ob diese Aussage richtig ist: Möglicherweise wollte Hans Scholl seine Motive geheim halten, um die anderen Mitglieder der Gruppe zu schützen. Als sicher kann gelten, dass Hans Scholl das Buch von Traven kannte und schätzte.

In einem Brief vom 27. Juni 1938 an seine Schwester Inge hatte Hans Scholl geschrieben:

„In meiner Brusttasche trage ich die Knospe einer Rose. Ich brauche diese kleine Pflanze, weil das die andere Seite ist, weit entfernt von allem Soldatentum und doch kein Widerspruch zu dieser Haltung.“

Das Symbol der weißen Rose könnte auch von der Kirschblüte beeinflusst worden sein, einem Symbol der dj.1.11, der Hans und Sophie Scholl beigehörten. Möglicherweise geht der Name aber auf die Zeichnung einer weißen Rose auf einer Postkarte aus dem Verlag Max Baur zurück. Dies veranlasste im Oktober 1941 den Soldaten Fritz Rook zu einem Text darüber, was eine weiße Rose für ihn bedeutet. Dieser Text wiederum gefiel Alexander Schmorell so gut, dass er die Adressatin, Lilo Ramdohr, bat, diesen kopieren zu dürfen, um ihn Hans Scholl zu zeigen.

Der Historiker Sönke Zankel führte die Namensgebung hingegen auf eine angebliche Grundhaltung der Gruppe von begabten Studenten gutbürglicher Herkunft zurück:

„[…] Sie dachten elitär, besonders im Sommer 1942, als ihre Flugblätter noch mit die ,Weiße Rose‘ überschrieben waren. Sie benannten sich nach den verbannten Adeligen während der französischen Revolution. Der Name ,Weiße Rose‘ stand insofern gerade nicht für Demokratie […].[8]

Erinnerung und Gedenken bis heute

Erinnerung an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Bodendenkmal für die „Weiße Rose“ vor der LMU München

Heute sind die beiden Plätze vor dem Universitätshauptgebäude in München nach den Geschwistern Scholl und Prof. Huber benannt, vor dem Eingang erinnern in den Boden eingelassene, steinerne Flugblätter an die Weiße Rose. Diese wurden in der Nacht auf den 4. April 2006 von Unbekannten zerstört, eine Erneuerung der Flugblätter war jedoch sowieso vorgesehen.

Innerhalb des Hauptgebäudes der Universität erinnern eine steinerne weiße Rose und ein Relief mit dem Bild der Mitglieder der Weißen Rose in der südwestlichen Ecke des Lichthofs mit darüber eingemeißelten Namen der Mitglieder. Am Lichthof befindet sich die 1997 vom Verein Weiße Rose Stiftung e. V. errichtete DenkStätte Weiße Rose mit der Dauerausstellung Die Weiße Rose. Der Widerstand von Studenten gegen Hitler, München 1942/43. Am 22. Februar 2005 wurde in der nordwestlichen Ecke eine von Nikolai Tregor Jr. angefertigte Bronze-Büste von Sophie Scholl enthüllt. Sie und die beiden Herrscher König Ludwig I. und Prinzregent Luitpold sind die einzigen Menschen, denen in diesem Bereich der LMU ein Denkmal gesetzt wurde.

Das Institut für Politische Wissenschaften der Universität trägt seit 1968 den Namen Geschwister-Scholl-Institut.

In der in den 1960er Jahren errichteten Studentenstadt Freimann wurden mehrere Straßen nach Mitgliedern der Weißen Rose benannt.

Zusätzlich dazu strebten die Fachschaften und der AStA der Ludwig-Maximilians-Universität vergeblich eine Umbenennung der Ludwig-Maximilians-Universität in „Geschwister-Scholl-Universität” an.

Erinnerung im Münchener Justizpalast

Münchner Justizpalast, Südostseite

Der erste Prozess gegen Sophie und Hans Scholl sowie gegen Christoph Probst fand am 22. Februar 1943 im Schwurgerichtssaal des Münchener Justizpalastes, Prielmayerstraße 7, statt, der zweite Prozess gegen weitere 14 Angeklagte, darunter gegen Professor Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf, am 19. April 1943 im Sitzungssaal 216 (heute: 253). Dieser Sitzungssaal ist heute als Gedenkstätte ausgestattet und kann werktags von 9 Uhr bis 16 Uhr besichtigt werden, nicht aber vom 10. April bis 31. Mai und vom 10. Oktober bis 30. November (wegen der zu diesen Zeiten stattfindenden Juristischen Staatsprüfungen).

Ehrengrab und Gedenkstätte Willi Graf

1946 wurden Willi Grafs sterbliche Überreste nach Saarbrücken auf den Friedhof St. Johann überführt und ruhen seitdem in einem Ehrengrab.[9] Am 12. Oktober 2009, anlässlich des 66. Todestages, wurde eine Gedenkstätte in Form eines kleinen Gebäudes in Nähe des Grabes errichtet. Darin finden sich Bilder und Zitate von Willi Graf und eine Zusammenfassung seiner Lebensgeschichte. Bei der Gestaltung der Texte half seine Schwester Anneliese Knoop-Graf, die kurz vor der Eröffnung der Ausstellung verstarb.

Heiligsprechung von Alexander Schmorell

Die russisch-orthodoxe Kirche im Ausland hat im Jahr 2007 die Heiligsprechung von Alexander Schmorell beschlossen. Der Festakt zur Heiligsprechung fand am 4. Februar 2012 in der Münchner Kathedralkirche, nahe den Grabstätten der Geschwister Scholl, Christoph Probsts und Alexander Schmorells auf dem Friedhof am Perlacher Forst, statt.[10]

Erinnerung in Orenburg (Russland)

In Orenburg, Russland, werden seit 2000 alljährlich von der Stiftung Weiße Rose finanzierte Alexander-Schmorell-Stipendien an vier Studenten vergeben. Seit 2004 besteht das Orenburger Memorialzentrum Weiße Rose (zweisprachige, deutsch-russische Dauerausstellung in der Orenburger staatlichen pädagogischen Universität).

Geschwister-Scholl-Preis

Seit 1980 wird der mit 10.000 Euro dotierte Geschwister-Scholl-Preis vergeben. Der Literaturpreis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern gemeinsam mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München ausgelobt. Sinn und Ziel des Geschwister-Scholl-Preises ist es, jährlich ein Buch jüngeren Datums auszuzeichnen, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.

Weiße Rose Stiftung

1987 gründeten Mitglieder der Weißen Rose und Verwandte der hingerichteten Mitglieder der Weißen Rose in München die Weiße Rose Stiftung e. V. als einen eingetragenen gemeinnützigen Verein. Die Geschäftsstelle befindet sich im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität. Die Gründung wurde unterstützt von Städten und Gemeinden, in denen die Mitglieder der Weißen Rose lebten und Widerstand leisteten. Ziel der spendenfinanzierten Weiße Rose Stiftung ist es, im In- und Ausland die Erinnerung an den Widerstand der Weißen Rose wach zu halten und Zeichen für die Zukunft zu setzen. Sie betreut zudem die DenkStätte am Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität sowie mehrere Wanderausstellungen im In- und Ausland mit über 20 Stationen jährlich.

Ulmer DenkStätte Weiße Rose

Die Dauer- und Wanderausstellung der Ulmer DenkStätte Weiße Rose mit dem Titel „wir wollten das andere“ – Jugendliche in Ulm 1933 bis 1945 entstand auf Initiative von Franz J. Müller (Ehrenvorsitzender der Weißen Rose Stiftung). Sie ist ein Projekt der Weißen Rose Stiftung, Ulmer Volkshochschule (vh Ulm) und des Deutschen Volkshochschul-Verbandes – gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung. Die DenkStätte befindet sich in der Ulmer Innenstadt im EinsteinHaus der vh am Kornhausplatz. Die vh wurde 1946 von Inge Aicher-Scholl im Geiste der „Weißen Rose“ in der Martin Luther Kirche neu gegründet.

Neben den Ulmer Mitgliedern der Weißen Rose Hans und Sophie Scholl, Franz J. Müller, Hans und Susanne Hirzel sowie Heiner Guter werden in der Dauerausstellung der Ulmer DenkStätte Weiße Rose 22 Ulmer porträtiert, die zwar nicht zur „Weißen Rose“ gehörten, aber ebenfalls als Jugendliche Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten oder sich auf andere Art dem Regime verweigerten.

Weiße Rose Institut e. V.

Im Mai 2003 gründeten Angehörige der Mitglieder der Widerstandsgruppe das Weisse Rose Institut, das die Leistung der Gruppe wissenschaftlich untersuchen und würdigen soll. Der Verein initiiert und fördert die Durchführung von Forschungsvorhaben.

Gedenkstein in Wehrsdorf im heutigen Zustand

DDR

In der DDR wurden zahlreiche Straßen und Einrichtungen nach den Geschwistern Scholl benannt, obwohl die Gruppe einen christlichen Hintergrund hatte, während die DDR-Führung den kommunistischen Widerstand herausstellte. Ein Beispiel war die Betriebsberufsschule „Geschwister Scholl“ in Wehrsdorf, welche die Hauptausbildungsstätte für den Lehrberuf „Facharbeiter für Holztechnik“ war und auch von Orgelbauern besucht wurde. Vor dem Eingang des Lehrlingswohnheims befand sich ein Gedenkstein zwischen zwei weißblühenden Rosenbäumchen. Nach 1990 wurde der Betrieb nicht weitergeführt. Der Gedenkstein befindet sich heute hinter dem Gebäude, wo er zur Hälfte eingegraben wurde.

Asteroid

Im Gedenken an die Weiße Rose gab Freimut Börngen als Entdecker eines Asteroiden diesem den Namen (7571) Weisse Rose.

Platz der Weißen Rose in Marburg

Denkmal auf dem Platz der Weißen Rose Marburg-Tannenberg

Im Marburger Stadtteil Ockershausen wurde auf dem Gelände der ehemaligen Tannenbergkaserne eine Gedenkstätte errichtet. Auf dem sogenannten Platz der Weißen Rose findet sich ein abstraktes Denkmal, das auf einem Brunnen steht. In Verlängerung der Rampe des Brunnens finden sich einige dutzend Meter entfernt Gedenktafeln.

Medien

Ausstellungen zur Weißen Rose

  • In der DenkStätte Weiße Rose kann die Dauerausstellung „Die Weiße Rose. Der Widerstand von Studenten gegen Hitler. München 1942/43“ besucht werden. Zusätzlich wird jedes Jahr eine aktuelle Einzelausstellung zu einem Mitglied der Weißen Rose gezeigt.
  • Ulmer DenkStätte Weiße Rose (Dauerausstellung im Foyer der Ulmer Volkshochschule, Wanderausstellung in deutscher Sprache ausleihbar)
  • Die Weiße Rose – Gesichter einer Freundschaft (Wanderausstellung der Kulturinitiative Freiburg)

Theater

  • „My Dark Sky“, von Tim Nunn. Das Schauspiel wurde im September 2006 in englischer Sprache im Tramway (Glasgow) uraufgeführt, wobei die Schauspieler mit schottischem Akzent sprachen, um dadurch eine größere Nähe zu den schottischen Jugendlichen herzustellen, die die Zielgruppe dieser Theaterproduktion waren. Anschließend tourte das Stück mit dessen pädagogischem Begleitprogramm durch ganz Schottland. Das gesamte Schauspielprojekt wurde von der schottischen Regierung gefördert. Es thematisiert die Aktionen, Anliegen und Konflikte, die die Mitglieder der Weißen Rose in den letzten Tagen vor ihrer Verhaftung in München erlebten.
  • „Die Weiße Rose – Aus den Archiven des Terrors“, von Jutta Schubert, erschienen im Theaterstückverlag Brigitte-Korn Wimmer, München. Das Schauspiel wurde am 30. September 2004 vom Jungen Schauspiel Ensemble München in der Reithalle München uraufgeführt. (Regie: Michael Stacheder)
  • „Die Weiße Rose“, von Lillian Groag, deutsch von Constanze Hagelberg, erschienen im Pegasus Theater- und Medienverlag, Berlin.
  • „Die weiße Rose – Die letzte Stunde der Geschwister Scholl“, von Patric Tavanti, hatte unter der Regie des Autors am 19. November 2004 beim Weimarer Kulturexpress Premiere und ist seitdem ohne Unterbrechung auf Tournee. Als Zwei-Personen-Stück für den Tourneebetrieb konzipiert, haben es schon über 35.000 Schülerinnen und Schüler in über 200 Vorstellungen gesehen.

Oper

  • Weiße Rose, von Udo Zimmermann, Szenen für zwei Sänger und Instrumentalensemble, nach Texten von Wolfgang Willaschek

Filme

Lieder

Musikvideo

Konzertstücke

  • Hans Werner Henze In memoriam: Die Weiße Rose. Doppelfuge für 12 Instrumente. UA am 16. März 1965 in Bologna (Teatro Comunale; Rassegna della Resistenza Europea; Mitglieder des Orchestra Comunale di Bologna, Dirigent: Bruno Maderna)

Hörspiel

  • Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten. Die Geschichte der Weißen Rose, CD-ROM für PC. von Ulrich Chaussy, Systhema Vlg., München (1995), nach der Kassetten-Edition Best.Nr. 27288 von 1993, TR-Verlagsunion München
  • Sophie Scholl – Das Verhör, Oskar Verlag 2006. In diesem Hördokument werden die bisher unveröffentlichten Vernehmungsprotokolle ungekürzt nachgesprochen. Sprecher: Anna Clarin (Sophie Scholl) und Konstantin Wecker (Robert Mohr)
  • Harter Geist und weiches Herz. Das intellektuelle Umfeld der Weißen Rose, Hörbuchverlag auditorium maximum 2007. Eine Hörcollage über die Auseinandersetzung der Weißen Rose mit philosophischen und theologischen Themen und über das Umfeld der Weißen Rose. (Autorin: Barbara Ellermeier)
  • Wagnis Weiße Rose, Dokumentarhörspiel in zwei Teilen Es lebe die Freiheit! und Ihr Geist lebt weiter, Katrin Seybold/Michael Farin, BR 2012.

Literatur

  • Detlef Bald (Hrsg.): „Wider die Kriegsmaschinerie“ Kriegserfahrungen und Motive des Widerstandes der „Weißen Rose“. Klartext, Essen 2005, ISBN 3-89861-488-3.
  • Detlef Bald: Die Weiße Rose. Aufbau, Berlin 2003, ISBN 3-351-02546-7 (Taschenbuchausgabe: Aufbau, Berlin 2004, ISBN 3-7466-8116-2).
  • Detlef Bald, Jakob Knab (Hrsg.): Die Stärkeren im Geiste. Zum christlichen Widerstand der Weißen Rose. Klartext Verlag, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0660-0.
  • Heinz A.Brenner: Dagegen. Bericht über den Widerstand von Schülern des Humanistischen Gymnasiums Ulm/Donau gegen die deutsche nationalsozialistische Diktatur. Roth, Leutkirch 1992, ISBN 3-9800035-4-X.
  • Barbara Ellermeier: Hans Scholl Biographie. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2012, ISBN 978-3-455-50244-2.
  • Lilo Fürst-Ramdohr: Freundschaften in der Weißen Rose. Verlag Geschichtswerkstatt Neuhausen, München 1995, ISBN 3-93123-100-3.
  • Thomas Hartnagel (Hrsg.): Sophie Scholl und Fritz Hartnagel. Damit wir uns nicht verlieren. Briefwechsel 1937-1943. S. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-000425-6.
  • Michael Jaeger: Lektüre und „Hochverrat“. Literaturgeschichtliche Anmerkungen zur „Weißen Rose“. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft, ISSN 0070-4318, Bd. 47 (2003), S. 303-328.
  • Michael Kißener, Bernhard Schäfers (Hrsg.): „Weitertragen“. Studien zur „Weißen Rose“. Festschrift für Anneliese Knoop-Graf zum 80. Geburtstag. UVK, Konstanz 2000, ISBN 3-87940-727-4.
  • Rudolf Lill (Hrsg.): Hochverrat? Neue Forschungen zur Weißen Rose. UVK, Konstanz 1999, ISBN 3-87940-634-0.
  • Inge Scholl: Die Weiße Rose. Frankfurt am Main 1955 (Erw. Neuausgabe: Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11802-6).
  • Barbara Schüler: „Im Geiste der Gemordeten…“ Die „Weiße Rose“ und ihre Wirkung in der Nachkriegszeit. Schöningh, Paderborn u. a. 2000, ISBN 3-506-76828-X (Digitalisat).
  • Harald Steffahn: Die Weiße Rose. Rowohlt, Reinbek 1992, ISBN 3-499-50498-7.
  • Sönke Zankel: Die „Weisse Rose“ war nur der Anfang. Geschichte eines Widerstandskreises. Böhlau, Köln u. a. 2006, ISBN 3-412-09206-1.
  • Sönke Zankel: Mit Flugblättern gegen Hitler. Der Widerstandskreis um Hans Scholl und Alexander Schmorell. Böhlau, Köln u. a. 2008, ISBN 3-412-20038-7.
  • Igor Chramow: Die russische Seele der „Weißen Rose“. Helios Verlag, Aachen 2013, ISBN 978-3-86933-099-0.
  • Gregor Fernbach (Hrsg.): „Vergesst Gott nicht!“ - Leben und Werk des heiligen Alexander (Schmorell) von München. Edition Hagia Sophia, Wachtendonk, 2013.
  • Jutta Schubert: Zu blau der Himmel im Februar. Kulturmaschinen, Berlin, 2013, ISBN 978-3-943977-01-1.

Weblinks

 Commons: Weiße Rose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Benedikt Samuel Pfister: „Den Nazis die Stirn bieten!“ Die Ulmer Abiturienten im Nationalsozialismus, Saarbrücken 2008
  2. https://www.gew-bw.de/Binaries/Binary32729/b&w_UP5_2013.pdf
  3. Vgl. Heinz A.Brenner: Dagegen. Bericht über den Widerstand von Schülern des Humanistischen Gymnasiums Ulm/Donau gegen die deutsche nationalsozialistische Diktatur. Roth, Leutkirch 1992, S. 9-16 und 20-29. ISBN 3-9800035-4-X und http://www.schwaebische.de/home_artikel,-Zivilcourage-ist-seine-Staerke-_arid,1508046.html
  4. Auszüge aus den Verhörprotokollen von Sophie Scholl. In: Bundeszentrale für politische Bildung, 20. April 2005.
  5. Gerhard Schott: Richard Harder, Klassischer Philologe, erster Interpret der Flugblätter der »Weißen Rose« und das »Institut für Indogermanische Geistesgeschichte«. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze, Bd. 2., Utz, München 2008 (Beiträge zur Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München, Bd. 4) ISBN 978-3-8316-0727-3, S. 413-500.
  6. Das Todesurteil und die Begründung. In: Bundeszentrale für politische Bildung, 20. April 2005.
  7. Peter Steinbach, Johannes Tuchel: Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur 1933 – 1945, Band 243 in der Informationenreihe zur politischen Bildung, Bonn 2004.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlexander Schwabe: "Hören wir endlich auf, das Bild von Halbgöttern zu zeichnen" - SPIEGEL ONLINE. Widerstandskreis Weiße Rose. 14. September 2006, abgerufen am 11. Januar 2014.
  9. Friedhof St. Johann. In: saarbruecker-friedhoefe.de.
  10. Jakob Wetzel: Alexander von München. In: Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2012.