Weißensee (Thüringen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Weißensee
Weißensee (Thüringen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Weißensee hervorgehoben
51.20055555555611.065277777778143Koordinaten: 51° 12′ N, 11° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sömmerda
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 46,55 km²
Einwohner: 3417 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99631
Vorwahl: 036374
Kfz-Kennzeichen: SÖM
Gemeindeschlüssel: 16 0 68 058
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 26
99631 Weißensee
Webpräsenz: www.weissensee.de
Bürgermeister: Peter Albach (CDU)
Lage der Stadt Weißensee im Landkreis Sömmerda
Alperstedt Andisleben Beichlingen Bilzingsleben Büchel Buttstädt Buttstädt Eckstedt Ellersleben Elxleben Eßleben-Teutleben Frömmstedt Gangloffsömmern Gebesee Griefstedt Großbrembach Großmölsen Kölleda Großneuhausen Großrudestedt Günstedt Guthmannshausen Hardisleben Haßleben Henschleben Herrnschwende Kannawurf Kindelbrück Kleinbrembach Kleinmölsen Kleinneuhausen Kölleda Mannstedt Markvippach Nöda Olbersleben Ollendorf Ostramondra Rastenberg Riethgen Riethnordhausen (bei Erfurt) Ringleben (bei Gebesee) Rudersdorf Schillingstedt Schloßvippach Schwerstedt Sömmerda Sprötau Straußfurt Udestedt Vogelsberg Walschleben Weißensee Werningshausen Witterda Wundersleben ThüringenKarte
Über dieses Bild

Weißensee ist eine Stadt im Landkreis Sömmerda im deutschen Bundesland Thüringen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Weißensee liegt im nördlichen Thüringer Becken, 35 km von Erfurt entfernt, und ist von fruchtbarem Ackerland umgeben.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Gemeinden grenzen an Weißensee (von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn aufgeführt): Herrnschwende, Günstedt, Riethgen, Griefstedt, Sömmerda, Wundersleben, Straußfurt, Gangloffsömmern und Greußen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Weißensee gehören die eingemeindeten Dörfer Ottenhausen, Scherndorf, Waltersdorf und Schönstedt.

Geschichte[Bearbeiten]

Weißensee um 1650
Weißensee - Rathaus
Runneburg zu Weißensee - Palas, Wohnturm und Marstall von Süden
Ehemaliges preußisches Landratsamt Weißensee auf der Runneburg

Die Errichtung einer landgräflichen Burg am Westrand der heutigen Stadt kann als Keimzelle der städtischen Entwicklung betrachtet werden. Es gibt keine archäologischen Funde oder historischen Quellen, die eine vorangehende Besiedlung an diesem Ort belegen. Die heutige Burg war die Hauptburg und die heutige Altstadt Weißensees kann als Vorburg bezeichnet werden. Letztere erhielt erst nach dem Aussterben der Landgrafen von Thüringen eigene städtische Rechte, während die Hauptburg in landesherrlichem Besitz blieb. Ab 1168 ließ die Ländgräfin Jutta Claricia von Thüringen, eine Halbschwester von Kaiser Friedrich Barbarossa, die Burg in Weißensee zu einer Residenz der Landgrafen von Thüringen ausbauen. Erstmals wurde der Ort und die Burg als „Wyssense“ 1174 in einer Urkunde von Landgraf Ludwig III., dem Frommen von Thüringen erwähnt. In den Blickpunkt deutscher Geschichte geriet Weißensee 1180, als Heinrich der Löwe in der Schlacht bei Weißensee den thüringischen Landgrafen Ludwig III. und seine Ritter besiegte. In diesem Zeitraum besaß Weißensee auch schon eine Münzstätte.[2] Nach dem hessisch-thüringischen Erbfolgekrieg fielen die thüringischen Landesteile und somit auch Weißensee an Markgraf Heinrich III. von Meißen. 1198 wurde das Markt- und 1265 das Stadtrecht verliehen. Die Wettiner Markgrafen weilten häufig und regelmäßig auf der Burg und in der Stadt. 1382 kam Weißensee wieder in den Besitz der Thüringer. Im Mai 1440 starb der letzte Landgraf von Thüringen, Friedrich IV., der Friedfertige auf der Burg zu Weißensee, die danach in den Besitz der Herzöge von Sachsen kam. Während des Bauernkrieges wurde 1525 den aufständischen Bauern der Einlass in die Stadt und die Burg verweigert. Von 1656 bis 1746 gehörten Weißensee und die Burg zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels. In dieser Zeit, als die eigentliche landgräfliche Geschichte von Burg und Stadt vergessen war, wurde zum ersten Mal in Akten der Verlegenheitsname „Runneburg“ (runde Burg) verwendet.

Weißensee war 1593-1702 von Hexenverfolgung betroffen. 26 Menschen gerieten in Hexenprozesse. Sechs Frauen wurden verbrannt, eine Frau starb in der Haft, zwei Frauen wurden mit Landesverweis bestraft.[3]

Nach dem Wiener Kongress kamen Stadt und Burg 1815 an das Königreich Preußen. Die Stadt wurde Verwaltungssitz für den preußischen Landkreis Weißensee.

Die früher in der Umgebung existierenden Seen (Ober- und Niedersee) spielten eine große Rolle für den Adel und den Ort. Sowohl im Nieder- als auch im Obersee fand jährlich im Herbst alle 14 Tage der Entenfang gemeinsam mit den Bürgern statt. Als der Entenfang nicht mehr rentabel war, legte der Herzog 1709 den Obersee trocken. 1788 bis 1796 wurde auch der Niedersee in Ackerland umgewandelt. Auf Grund der guten Fruchtbarkeit der so gewonnenen Flächen konnten gute landwirtschaftliche Erträge erzielt werden.[4]

1434 wurde in der damaligen Landgrafenstadt eine Statuta thaberna (Wirtshausgesetz) genannten Verordnung verfasst. Deren zwölfter Artikel legte unter anderem fest, dass zum Brauen lediglich Hopfen, Malz und Wasser zu verwenden sind. Für den Fall der Zuwiderhandlung werden zwei Mark Strafe und ein vierwöchiges Verbot, die Stadt zu betreten, angedroht. Aufgrund seiner Ähnlichkeit zum späteren bayerischen Reinheitsgebot wird dieses Schriftstück auch als Weißenseer Reinheitsgebot bezeichnet. Es wurde 1998 bei den Vorbereitungen für den 800. Jahrestag des Weißenseer Marktrechts im historischen Teil des Stadtarchivs gefunden.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zwischen 1937 und 1944 im damaligen Kreis Weißensee 181 Frauen und Männer Opfer von Zwangssterilisation. Die Opfer kamen aus Weißensee, Waltersdorf, Scherndorf, Gangloffsömmern, Großrudestedt, Günstedt und Riethnordhausen. Während des Zweiten Weltkrieges mussten mehr als 500 Kriegsgefangene aus Polen, Frankreich, Kroatien, Serbien und Russland sowie Frauen und Männer aus diesen Ländern sowie der Slowakei, den Niederlanden und der Ukraine Zwangsarbeit verrichten: bei der Rheinmetall Borsig AG, bei Meliorationsarbeiten, auf dem Stadtgut Luthersborn und auf dem Gut Weißenburg, bei der Gräflich von Werthern'schen Gutsverwaltung Schönstedt sowie auf dem Rittergut Ottenhausen. Drei Frauen wurden wegen verbotenen Umgangs mit Gefangenen öffentlich auf dem Marktplatz kahl geschoren und anschließend in das KZ Ravensbrück deportiert.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1994 - 4056
  • 1995 - 4012
  • 1996 - 4016
  • 1997 - 4008
  • 1998 - 4030
  • 1999 - 3946
  • 2000 - 3884
  • 2001 - 3846
  • 2002 - 3819
  • 2003 - 3770
  • 2004 - 3716
  • 2005 - 3674
  • 2006 - 3614
  • 2007 - 3601
  • 2008 - 3540
  • 2009 - 3509
  • 2010 - 3471
  • 2011 - 3429
  • 2012 - 3397
  • 2013 - 3417

Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009 (Nachwahl)
Wahlbeteiligung: 61,9 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
64,4 %
18,4 %
10,8 %
6,4 %

Der Rat hat 16 Sitze und ex officio eine Stimme des Bürgermeisters. Er setzt sich seit der Nachwahl[6] am 29. November 2009 wie folgt zusammen[7]:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau zwei aufgerichtete, gegeneinander gekrümmte silberne Fische, zwischen ihnen schwebend ein siebenstrahliger goldener Stern.“

Das Wappen in der heutigen Form führt Weißensee seit dem 19. Jahrhundert, doch zeigen bereits die frühesten Siegel seit dem 13. Jahrhundert neben anderen Figuren einen Fisch. Die zwei Fische (Hechte) symbolisieren den Ober- und den Niedersee; der goldene Stern symbolisiert Burg und Stadt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Denkmal für Walther von der Vogelweide auf dem Marktplatz

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Im Musikförderverein engagieren sich zahlreiche Jugendliche der Stadt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Steinschleuder (Blide, auch Trébuchet) auf der Runneburg

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Städtisches Freibad
  • Jugendclub Weißensee
Chinesischer Garten mit Treppenanlage zum Wasser-Pavillon

Parks[Bearbeiten]

  • Chinesischer Garten[11]
  • Jordan
  • Freilichtbühne am Gondelteich
  • „Promenade“; Kastanienallee, die sich um die gesamte Stadtmauer zieht

Sport[Bearbeiten]

  • Sportanlage Ulmenallee
  • Sportplatz am Fischertor
  • Drei-Felder-Halle

Lokalitäten[Bearbeiten]

  • Ratsbrauerei Weißensee, Brauerei mit angeschlossener Gaststätte im historischen Rathaus

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Im Sommer finden auf dem historischen Marktplatz unregelmäßig Festspiele statt. 2012 wird die 800-Jahr-Feier der ersten Erwähnung als civitas durch Kaiser Otto IV. ausgerichtet.

Eine überregionale Veranstaltung ist das alljährlich zu Pfingsten stattfindende Bierfest, welches zu Ehren der 'Statuta Taberna', dem Weißenseer Reinheitsgebot für Bier, stattfindet. Jeweils am 3. Oktober findet der Volkslauf „Cross der Deutschen Einheit“ statt. Am 3. Adventswochenende findet jährlich der traditionelle Weihnachtsmarkt statt, welcher vom örtlichen Handwerkerverein organisiert und ausgerichtet wird. Mitte Januar wird traditionell der „Tag des Tapferen“ zu Ehren Wilhelms III. gefeiert, der durch den Thüringer Landtag am 9. Januar 1446 in Weißensee die erste Landesordnung in Kraft setzte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Neben vielen mittelständischen und Kleinbetrieben gibt es im Gewerbegebiet einige größere Unternehmen:

  • B. Muhr und Bender (Mubea)
  • König + Neurath (Büromöbelfabrikant); Schließung bis Juni 2014 geplant
  • BBW Abwassertechnik Weißensee
  • RC-Umwelttechnik (GFK-Teile Lieferant)
  • Phönix Metallbau
  • Glas Wiedemann
  • TOTAL Tanklager Weißensee.
  • Agrargenossenschaft Weissensee mit HISTA Tankstellen, Fahrzeug- und Agrartechnik GmbH

Verkehr[Bearbeiten]

Weißensee liegt an der Bundesstraße 86 zwischen Straußfurt und Artern. Die Entfernung zur Bundesautobahn 71 beträgt elf Kilometer.

Weißensee liegt an der Eisenbahnlinie Straußfurt–Sömmerda, der Pfefferminzbahn, auf der allerdings seit dem 9. Dezember 2007 keine Personenzüge mehr verkehren. Für den Güterverkehr spielt die Eisenbahnstrecke, insbesondere auch für die ansässigen Unternehmen eine wichtige Rolle. Es wurde extra ein neuer Verladebahnhof gebaut.

Medien[Bearbeiten]

Regelmäßig wird der Weißenseer Stadtanzeiger, das Amtsblatt für die Gemeinde, herausgegeben.

Bildung[Bearbeiten]

In Weißensee gibt es sowohl die staatlichen Regelschule „Geschwister Scholl“ als auch die neugebaute Grundschule „Traumzauberbaum“. Daneben befindet sich im historischen Rathaus die öffentliche Stadtbibliothek.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg Sauerbier: Ein Rundgang durch die Stadt Weissensee. ISBN 3-86189-028-3.
  • Michael Kirchschlager u. a.: Die Geschichte der Stadt Weissensee von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hartmann, Günter, 2001, ISBN 3-932875-18-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weißensee (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Weißensee (Thüringen) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. W. MägdefrauThüringer Städte und Städtebünde im Mittelalter Verlag Rockstuhl Bad Langensalza 2002 S. 93 ISBN 3-936030-34-0
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 627-633; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 250.
  4. H. Laß: Jagd- und Lustschlösser des 17. und 18. Jahrhunderts in Thüringen. Micael Imhof Verlag, 2006, S. 396, ISBN 3-86568-092-5
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 279 f., ISBN 3-88864-343-0
  6. Amtsblatt vom 25. September 2009 mit Ankündigung der Nachwahl
  7. Stadt Weißensee: Der Stadtrat von Weißensee; gesichtet am 30. November 2009
  8. http://www.weissensee.de/fileadmin/weissensee-de/amtsblatt/2009-12.pdf
  9. http://www.kirchberg-jagst.de/data/zahlenFakten.php
  10. W. Sieler: Zeitzeugen – die Weißenseer Postmeilensäule. In: Stadtanzeiger, 7/2012, S. 7 (PDF; 1,5 MB)
  11. http://www.weissensee.de/35.html
  12. http://www.stadtkirchen-weissensee.de/lang_de/de_peterpaul/peterpaul_zeittafel.php
  13. Michael Kirchschlager u. a.: Die Geschichte der Stadt Weissensee von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hartmann, Günter, 2001.
  14. Freistaat Thüringen