Weißrussischer Rubel

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Rubel
Staat: Weißrussland
Unterteilung: 100 Kapejek
ISO-4217-Code: BYR
Abkürzung: Br
Wechselkurs:
(4. Aug 2014)

EUR = 13.842 BYR
10.000 BYR = 0,72245 EUR

CHF = 11.476 BYR
10.000 BYR = 0,87135 CHF

Der Weißrussische Rubel (weißruss.: Беларускі рубель Belaruski rubel; ISO-4217-Code: BYR, Abkürzung auch Br) ist die Währung von Weißrussland. Er wurde im Jahr 2000 als neuer Rubel im Verhältnis 1 neuer = 1000 alte Rubel (BYB) eingeführt. Die theoretische Einteilung des Rubels in 100 Kapejek hat in der Praxis keine Bedeutung.[1]

Stückelung[Bearbeiten]

Es gibt Banknoten mit den Werten 50, 100, 500, 1000, 5000, 10.000, 20.000, 50.000, 100.000 und 200.000 Br; Münzen existieren nicht. Der erste Rubel von 1992 bis 2000 war in 100 Kapejka („Kopeken“) unterteilt. Bei der Währungsumstellung im Jahr 2000 wurden keine neuen Kopekenmünzen oder -banknoten produziert. Die Banknoten mit den Werten 1, 5, 10 und 20 Rubel sind nicht mehr im Umlauf.

Ehemalige Banknoten[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name der weißrussischen Währung stammt vom sowjetischen Rubel, der nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Währungssystem 1991 behalten wurde. Pläne, eine nationale Währungseinheit, die Taler heißen sollte, einzuführen, wurden nicht in die Tat umgesetzt.

Anfang 1992, während des Auseinanderbrechens des sowjetischen Währungssystem, wurde ein System von temporären Zahlungsbons eingeführt.

Am 1. Juni 1992 wurde die weißrussische Währung für Buchungen eingeführt. Ab Ende Juni 1993 wurden russische und sowjetische Rubel als Zahlungsmittel nicht mehr akzeptiert. Weißrussland trieb die Vorbereitungen zur Einführung einer eigenen Währung weiter voran, obwohl es im September 1993 zusammen mit Kasachstan, Armenien, Russland, Usbekistan und Tadschikistan ein Abkommen unterzeichnete, in dem das Ziel einer gemeinsamen postsowjetischen Währungszone explizit formuliert war.

Währungspolitik der Lukaschenka-Regierung[Bearbeiten]

Daneben wurde auch ein Anschluss an das russische Währungssystem erwogen. 1996 übernahm die Regierung von Aljaksandar Lukaschenka die Kontrolle über die zuvor unabhängige weißrussische Nationalbank. Diese verlor die Möglichkeit einer selbständigen Währungspolitik.

Zwei Nationalbankvorsitzende (Stanislau Bahdankewitsch und Tamara Winnikawa) traten aus Protest gegen die Unterordnung der Nationalbank gegenüber dem Ministerkabinett zurück. In der Folge wurde Pjatro Prakapowitsch Vorsitzender der Nationalbank.

In dieser Zeit beherrschten Rezession und zunehmender Schwarzmarkt die Wirtschaft des Landes. Die Regierung strebte an, die freie Preisbildung am nationalen Währungsmarkt zu beschränken und führte dazu Restriktionen im Währungshandel ein, die sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen betrafen.

1999 lag der offizielle Wechselkurs bei etwa einem Drittel des Kurses am Schwarzmarkt. Dieser Widerspruch wird als Grund angesehen, warum offizielle Berichte dieser Zeit von einem „gigantischen Wachstum“ der weißrussischen Wirtschaft sprachen, während Berechnungen nach dem Schwarzmarktkurs negative Entwicklungen zeigten.

Die Wirtschaftspolitik der Lukaschenka-Regierung erforderte einen hohen finanziellen Aufwand. Die Regierung ließ die Nationalbank immer mehr Geld drucken, sodass typische Inflationseffekte auftraten. Der Rubel entsprach einem immer geringeren Warenwert, die Preise stiegen.

Die Staatsverschuldung gegenüber Banken vervielfachte sich zwischen 1996 und 2000 um den Faktor 15, während die Banken entsprechend staatlichen Vorgaben vor allem Kredite an die unrentable Landwirtschaft vergaben. Von den 27 privaten Banken gingen bis Januar 2000 etwa ein Drittel in Konkurs. Das umlaufende Geld entsprach etwa dem 500-fachen des jährlichen Nationaleinkommens.

Im September 1999 gab die Notenbank die höchstwertige Banknote zu 5 Millionen Rubel aus. Wie die meisten Währungen isolierter und schwacher Volkswirtschaften wurde der weißrussische Rubel kaum noch für internationale Finanztransaktionen benutzt.

Währungsunion mit Russland[Bearbeiten]

Seit Beginn seiner Präsidentschaft arbeitete Lukaschenka auf eine Integration des Landes mit der Russischen Föderation hin, die unter anderem von Linkskonservativen in Weißrussland und Nationalisten in Russland unterstützt wird. Dazu unterzeichneten der russische Präsident Boris Jelzin und Aljaksandar Lukaschenka zwischen 1995 und 1999 mehrere Verträge über eine Russisch-Weißrussische Union. Von Anfang an war auch die Einführung einer gemeinsamer Währung vorgesehen. Artikel 13 des 1999 unterzeichneten „Vertrages über die Gründung des unierten Staates von Russland und Weißrussland“ sprach von einer Währungseinheit für die Union.

Der Standort und die Kontrolle über die neue gemeinsame Notenbank wurden zunächst nicht verbindlich geklärt. Als mögliche Standorte wurden Moskau und Minsk gehandelt. Jelzins Nachfolger Wladimir Putin bremste den Vereinigungsprozess ab und drang auf mehr Einfluss für Russland in der Union.

2000 passte die Nationalbank den offiziellen Kurs der Währung an den Schattenkurs an und liberalisierte den Währungshandel. Die russische Seite fordert seitdem Stabilität des Wechselkurses als oberste Priorität der Notenbank.

Im Dezember 2002 wurde auf dem Treffen von Ministerpräsidenten von Weißrussland und Russland erklärt, dass am Anfang der russische Rubel die gemeinsame Währung sein wird. Es war geplant, dass ab 1. Juli 2003 der russische Rubel in Weißrussland für den bargeldlosen Verkehr eingeführt wird und ab 1. Januar 2004 die weißrussische Währung komplett ersetzen würde. 2007 oder 2008 sollte eine neue übernationale Währung eingeführt werden. Seither wurden verbindliche Schritte mehrfach verschoben. Es ist unter Beobachtern umstritten, ob beide Länder nach wie vor ernsthaftes Interesse an einer gemeinsamen Währung und an weiterer Integration in der Union haben. Auf russischer Seite wurde zuletzt vermutet, dass die Regierung in Minsk die geplante Union lediglich als Vorwand nutze, um Russland zur Stützung der weißrussischen Wirtschaft zu zwingen.[2]

Gegenwärtige Situation[Bearbeiten]

Weißrussland befindet sich seit Ende 2010 in einer Devisenkrise, die nach Einschätzung von Experten wenigstens indirekt auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen am 19. Dezember 2010 zurückzuführen ist.[3] Hartnäckige Gerüchte, dass das Land am Rande eines Staatsbankrotts stehe, haben dazu geführt, dass sich die Bevölkerung aus Angst vor einer drastischen Abwertung des weißrussischen Rubels mit ausländischen Devisen eindeckt.[4] Zwar versucht die weißrussische Regierung dieser Entwicklung durch Ankaufbeschränkungen entgegenzuwirken,[5] muss allerdings den Bedarf an Valuta weiterhin durch ausländische Kredite decken. Da Minsk jedoch auf der anderen Seite versucht, am bisherigen System einer staatlich gelenkten Wirtschaft festzuhalten, zeigen selbst östliche Partnerländer geringes Interesse, Weißrussland die benötigten Finanzhilfen zu gewähren.[6]

Im März 2011 scheiterten schließlich Kreditverhandlungen mit den Partnern der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG).[7] Das Ausbleiben der dringend benötigten Devisen verschärfte die latente Wirtschaftskrise im Land und führte zu einem weiteren Ansturm auf ausländische Währungen. Während der Staat aus psychologischen Gründen versuchte, die Wechselkurse für Privatpersonen stabil zu halten, lagen die Kurse im Interbankenhandel schon Anfang Mai 2011 bis zu 100 % über den offiziell veröffentlichten. So mussten Geschäftsleute für einen US-Dollar bereits bis zu 6.500 Rubel zahlen, obwohl der amtliche Kurs an den Schaltern immer noch mit etwa 1:3.100 angegeben wurde.[8]

Nach Einschätzung der Wirtschaftspresse ist ein Ende des Währungsverfalls nicht abzusehen,[9] der am 24. Mai 2011 faktisch auch von Staatsseite eingestanden wurde: Mit einem der radikalsten Einschnitte in der jüngeren Geschichte der Währung wertete die Notenbank den Rubel über ein Wochenende um etwa 35 % ab — lagen die Kurse von Dollar und Euro am Freitag, 20. Mai noch bei 1:3155 bzw. 1:4516, wurde der offizielle Dollarkurs am Dienstag, 24. Mai bereits mit 4930 BYR und der Eurokurs mit 6914 BYR angegeben.[10] Presseberichten zufolge lägen allerdings die Kurse im Interbankenhandel und auf dem Schwarzmarkt noch immer weit über den offiziellen, so dass es sich bei der Abwertung um eine relativ geringe Anpassung an die Marktrealitäten handele.[11]

Um dem anhaltenden Devisenmangel zu begegnen, genehmigte die Weißrussische Zentralbank am 26. Mai 2011 den Zahlungsverkehr in Fremdwährungen. Demnach dürften ausländische Staatsbürger in Weißrussland ab sofort an Tankstellen, in Hotels oder medizinischen Einrichtungen direkt in ihren Heimatwährungen bezahlen. Es sei geplant, die neue Regelung auch auf andere Wirtschaftsbereiche auszudehnen.[12] Nachdem auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung jegliches finanzielles Engagement im weißrussischen Staatssektor verweigerte und ein Ersuchen um neue Kredite ablehnte,[13] scheint die Regierung in Minsk nun doch Hilfe von der EAWG zu bekommen: Die Wirtschaftsgemeinschaft wird Weißrussland offenbar einen Rettungskredit über 3 Mrd. US-Dollar gewähren. Die getroffene Vereinbarung sehe vor, dass Minsk in den nächsten drei Jahren insgesamt Staatseigentum im Wert von 7,5 Mrd. Dollar privatisiere, während die EAWG die Auszahlung der einzelnen Tranchen des Kredits von der Einlösung der Privatisierungszusagen abhängig machen wolle. So sollen zwar in Kürze 1,24 Mrd. Dollar zur Stützung der Währung nach Weißrussland fließen, der nächste Betrag jedoch erst nach der Privatisierung von Staatsvermögen im Wert von 2,5 Mrd. Dollar. Die Übereinkunft wurde am 4. Juni offiziell 2011 bekannt gegeben.[14]

Infolge der anhaltenden Währungskrise wurde am 20. Juni der Präsident der Notenbank Pjatro Prakapowitsch durch dessen bisherigen Stellvertreter Yury Alymov ersetzt. Präsident Lukaschenka kommentierte diese Entscheidung mit der Aussage, Prakapowitsch habe Fehler gemacht, die Regierung habe Fehler gemacht und er (Lukaschenka) müsse darauf reagieren.[15]

Vom 20. auf den 21. Oktober 2011 wertete die weißrussische Nationalbank den Rubel erneut um diesmal 34 % ab, von einem US-Dollar für 5712 Rubel auf einen Dollar für 8680 Rubel.[16][17]

Aufgrund der Inflation gab die weißrussische Bank im Jahre 2012 den 200.000 Rubel-Schein raus. 200.000 Rubel betrugen zu der Zeit rund 19 Euro. [18]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weißrussischer Rubel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. z.B. National Bank of the Republic of Belarus : Nach Angaben der weißrussischen Zentralbank wurde die 50-Kopeken-Banknote am 1. Januar 2001 aus dem Verkehr gezogen; Metallgeld existiert derzeit nur in Form von Gedenkmünzen (aufgerufen am 26. Juli 2011).
  2. Stimme Russlands: Politstreit: Russlands Finanzminister wirft Weißrussland Erpressungsversuche vor (aufgerufen am 26. Juli 2011).
  3. RIA Novosti: Währungskrise in Weißrussland ist Folge der jüngsten Präsidentenwahl, abgerufen am 24. Mai 2011.
  4. RIA Novosti: Inflation in Weißrussland höher als erwartet (aufgerufen am 1. November 2011).
  5. RIA Novosti: Devisenkrise in Weißrussland: Einschränkungen nun auch für Kreditkarten (aufgerufen am 12. Mai 2011).
  6. Stimme Russlands: Währungskrise: Moskau verweigert Weißrussland Rettungskredit (aufgerufen am 12. Mai 2011).
  7. RIA Novosti: Erst Reformen, dann Kredit - fordert Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft von Minsk (aufgerufen am 12. Mai 2011).
  8. Wall Street Journal vom 16. Mai 2011: Belarus's Isolation Hammers Ruble, abgerufen am 17. Mai 2011 (s. auch Charta 97 vom 17. Mai 2011).
  9. Wall Street Journal vom 19. April 2011: Authoritarian Belarus Rolls Out Schizophrenic Ruble Policy und Belarus Scraps Currency Restrictions, abgerufen am 17. Mai 2011.
  10. RIA Novosti: Notenbank Weißrusslands wertet Nationalwährung um 50 Prozent ab, abgerufen am 23. Mai 2011. Anmerkung: es handelt sich bei den genannten Zahlen um eine Abwertung des Rubels um 36 % zum US-Dollar und um 34,7 % zum Euro.
  11. RIA Novosti: Notenbank Weißrusslands wertet Nationalwährung um 50 Prozent ab (Zusammenfassung), abgerufen am 24. Mai 2011.
  12. RIA Novosti: Weißrusslands Zentralbank genehmigt Zahlungsverkehr in Fremdwährungen, abgerufen am 26. Mai 2011.
  13. Stimme Russlands: EBWE verwehrt Minsk finanzielle Hilfe, Meldung vom 25. Mai 2011.
  14. Stimme Russlands: Wegen Rettungskredit: Weißrussland muss Vermögen für 7,5 Milliarden Dollar privatisieren, Meldung vom 24. Mai 2011.
  15. Bloomberg.com: Lukashenko Replaces Belarus Central Bank Chief With His Deputy, Meldung vom 23. Juni 2011, abgerufen am 24. Juni 2011.
  16. Wechselkurse der weißrussischen Nationalbank
  17. Weißrussland vor dem Bankrott in: Der Standard vom 20. Oktober 2011, abgerufen am 20. Oktober 2011.
  18. http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/nach-hyperinflation-weissrussland-gibt-200-000-rubel-schein-aus/6322922.html