Weiach

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Weiach
Wappen von Weiach
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Dielsdorfw
BFS-Nr.: 0102i1f3f4
Postleitzahl: 8187
Koordinaten: 675179 / 26799147.5583278.437506390Koordinaten: 47° 33′ 30″ N, 8° 26′ 15″ O; CH1903: 675179 / 267991
Höhe: 390 m ü. M.
Fläche: 9.64 km²
Einwohner: 1077 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 112 Einw. pro km²
Website: www.weiach.ch
Karte
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Weiach ist eine politische Gemeinde im Bezirk Dielsdorf, Kanton Zürich, Schweiz. Von den Einheimischen wird sie Weyach oder Weych genannt (ey bzw. [ɛɪ̯] wird als Diphthong mit Betonung auf dem e ausgesprochen).

Die Gemeinde liegt etwa 25 km Luftlinie nördlich des Stadtzentrums von Zürich. Sie ist seit 1962 vor allem durch die Weiacher Kies AG bekannt, das erste Unternehmen in der Schweiz, welches den Kiesabbau mit industriellen Verfahren betrieb. Die Ausbeutung des einzigen in nennenswerten Quantitäten vorhandenen Bodenschatzes der Schweiz liess die Gemeinde zum ersten Mal in ihrer Geschichte ihre Finanzprobleme vergessen. 1995 machte Weiach als steuergünstigste Gemeinde des Kantons Schlagzeilen.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der nordwestlichen Ecke des Zürcher Unterlandes, an der Kantonsgrenze Zürich-Aargau. Der Rhein, der einige hundert Meter nördlich des Dorfes vorbeiströmt und die natürliche Grenzlinie zur Bundesrepublik Deutschland bildet, markiert den tiefsten Punkt im Kanton Zürich (332 m ü. M.). Den höchsten Punkt auf Gemeindegebiet bildet das Plateau des Haggenbergs (Stadlerberg) mit 615 m ü. M.

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen: Fisibach und das Städtchen Kaiserstuhl im Kanton Aargau, Hohentengen am Hochrhein im Landkreis Waldshut (Bundesrepublik Deutschland), sowie Glattfelden, Stadel (Ortschaft Raat) und Bachs im Kanton Zürich.

Zur Gemeinde gehören die Kernsiedlung im Zentrum des Territoriums, einige Einzelhöfe (Felsenhof an der Strasse nach Raat, Ofen an der Hauptstrasse 7 nach Glattfelden und der Rheinhof am Flussufer), sowie zwei Industrie- und Gewerbegebiete im Bereich des alten Bahnhofs und des Kieswerks.

Die Kernsiedlung liegt geschützt zwischen bewaldeten Hügelzügen, in einer noch bis vor wenigen Jahren dicht mit Obstbäumen bestandenen Mulde eingebettet, die sich nach Norden gegen den Rhein hin öffnet. Waldungen im Umfang von 461 ha bedecken fast die Hälfte des gesamten Gemeindebanns. Grosse Teile des Waldes gehören der Gemeinde.

Im Jahr 1996 waren von der Gemeindefläche 36.9 % landwirtschaftlich genutzt, 49.1 % waren mit Wald bestockt, die Verkehrsflächen betrugen 2.8 %, die Gewässer umfassten 2.0 % und die Siedlungsfläche betrug 8.8 %.

Die Ebene im nordöstlichen Gemeindegebiet gehört zu den im Vorland des würmeiszeitlichen Rheingletschers abgelagerten Schotterterrassen des Rafzerfeldes, die seit Anfang der 1960er Jahre im industriellen Massstab ausgebeutet werden. (siehe Abschnitt Industrie)

Wappen[Bearbeiten]

Weiach.svg

Blasonierung

Schräggeteilt von Silber und Blau, mit achtstrahligem Stern in verwechselten Farben

Der Stern steht in keinem bestimmten Verhältnis zum Zürcherschild (schrägrechts von Silber und Blau geteilt)

Abb. 1: Logo der Gemeinde

Das 1719 erstmals urkundlich belegte Gemeindewappen zeigt eine Verbindung zum einzigen ehaften (das heisst obrigkeitlich konzessionierten) Gasthof mit Beherbergungsrecht in der Gemeinde, der alten Taverne «zum Sternen». Unklar ist, ob Name und Schild des Gasthofs von einem älteren Zeichen der Gemeinde übernommen wurden oder umgekehrt der Stern als Wirtshauszeichen später auf die Gemeinde überging.

Im 19. Jahrhundert war auch ein sechsstrahliger goldener Stern auf blauem Grund gebräuchlich (ähnlich dem heutigen Wappen von Dietlikon). In seiner heutigen Form wurde das Weiacher Wappen vom Gemeinderat Ende November 1931 offiziell anerkannt.

Das seit dem 1. Mai 2000 auf Gemeindedrucksachen und dem Internetauftritt gebräuchliche Logo zeigt in stilisierter Form das Gemeindegebiet mit Rhein und Waldbestockung, wie es sich aus grosser Höhe auf Satellitenfotos ausnimmt.

Geschichte[Bearbeiten]

Abb. 2: Weiach im Siegfriedatlas von 1880

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Zahlreiche archäologische Fundstellen machen deutlich, dass das Territorium der heutigen Gemeinde Weiach wegen seiner Lage am Rhein und seiner Topographie seit dem Ende der letzten Eiszeit ein bedeutendes Siedlungsgebiet war.

An den Rheinterrassen wurden an verschiedenen Orten Inventare von Feuersteinsplittern entdeckt, welche auf die Mittel- bis Jungsteinzeit datiert werden. Zu den Einzelfunden auf Gemeindegebiet gehört auch ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit. Mögliche neolithische Höhensiedlungen werden auf den Plateaus des Stein und Stadlerberg vermutet. Grosse Wallanlagen (Refugien), die auf Grund der Fundlage schon seit prähistorischer Zeit bestehen müssen, können auf einem Felssporn des Wörndel (genannt: Leuechopf) und im Ebnet oberhalb der Fasnachtflue festgestellt werden. Grabungen auf dem Leuechopf brachten ausserdem Fundamente eines mittelalterlichen Rundturmes zum Vorschein.

Zu den archäologischen Funden gehören weiter Grabbeigaben wie Bronzespangen und -nadeln sowie ein zweinietiger Dolch aus der Mittelbronzezeit (ca. 1500–1300 v. Chr.). Sie stammen aus mehreren frühbronzezeitlichen Grabhügeln, die in der Ebene des Hard liegen. Sieben von ihnen wurden 1855 erstmals inventarisiert und drei im Jahre 1866 durch Ferdinand Keller, den Präsidenten der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, untersucht. Im Verlaufe des Kiesabbaus wurde im Frühjahr 2001 bei Notgrabungen durch die Kantonsarchäologie im Gebiet Winkelwiesen am nordöstlichen Dorfausgang eine bronzezeitliche Siedlung entdeckt. Neben verschiedenen Hausgrundrissen fand man auch einen gepflästerten Weg (Dorfstrasse aus Bollensteinen), welcher auf die Spätbronzezeit (ca. 1300-800 v. Chr.) datiert wird.

An die Römerzeit erinnern zwei Wachtturmfundamente (im Hard gut erhalten und 1969 konserviert (KGS-Nr. 11679), im Gebiet Leebern/Heidenbuck stark zerfallen (KGS-Nr. 11678); vgl. die Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung). Die Türme wurden unter dem weströmischen Kaiser Valentinian I. um 370 n. Chr. entlang des Hochrheins zwischen dem Bodensee und dem Rheinknie bei Basel als Teil eines Abwehrsystems (Donau-Iller-Rhein-Limes) gegen die von Norden her vordringenden Alamannen errichtet. Neben mehreren Mammutzähnen förderte der Kiesabbau im Jahre 1979 auch ein frühmittelalterliches Gräberfeld zutage. Als Grabbeigabe fand man u.a. einen Skramasax (Kurzschwert).

Während der heutige Dorfkern in den Bachtälern am südlichen Rand der Rheinebene liegt, sind die seit längerem bekannten bronzezeitlichen Gräber mitten in der Ebene zu finden. Die 2001 ausgegrabene bronzezeitliche Siedlung im südwestlichen Abbaugebiet der Weiacher Kies AG war zudem in unmittelbarer Nähe des Dorfbaches angelegt. Sie lag damit angrenzend an die früher als Viehweide begehrten Sumpfwiesen, die bis Ende des 19. Jahrhunderts bewirtschaftet und danach drainiert wurden.

Ortsnamenkunde[Bearbeiten]

Auf das Jahr 1271 ist die älteste noch erhaltene urkundliche Erwähnung des Ortes datiert: in Wiâch. Über die Bedeutung des Namens besteht heute weitgehende Einigkeit: Im 19. Jahrhundert vermutete man noch einen Zusammenhang mit dem alemannischen Wortstamm wey als Bezeichnung für die Weihe, einem kleinen Greifvogel, mit dem zweiten Bestandteil aha (für: Bach, Fluss, siehe: Aa). Die jüngere Forschung rechnet mit einem in römischer Zeit gebildeten Namen eines hier befindlichen Gutshofes: dieses nicht bezeugte *Veiacus oder *Veiacum (ergänze: fundus oder praedium, d.h. Landgut) enthält den Namen des ersten Besitzers (Veius) und das im gallorömischen Siedlungsbereich übliche besitzeranzeigende Suffix -acus/-acum; Veiacus (fundus) bzw. Veiacum (praedium) bedeutet also Landgut des Veius. Überreste eines solchen antiken Gutshofes wurden bis heute zwar keine gefunden, doch fügt sich der Name in eine ganze Reihe von im Norden des Kantons Zürich bestehenden Ortsnamen ein, die alle auch aus Gutshofbezeichnungen entstanden sein dürften (vgl. Windlach, Bülach, Flaach und Neerach) und die zur Versorgung römischer Ansiedlungen wie des vicus Vitudurum (Oberwinterthur) bzw. des Legionslagers Vindonissa (Windisch) gegründet worden waren.

Politische Zugehörigkeit[Bearbeiten]

1295 verkaufte der Minnesänger Jakob von Wart die niederen Gerichte seines Meierhofs in Wiach sowie die des Dorfes Wiach an den Bischof von Konstanz, dem die niedere Gerichtsbarkeit bis zur Auflösung des Fürstbistums mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 zustand. Im 15. Jahrhundert verpfändete Konstanz seine Rechte zur Hälfte und kaufte sie 1605 wieder zurück.

Die hohen Gerichte gingen 1424 mit der Verpfändung der Grafschaft Kyburg an den Stadtstaat Zürich. 1442 gaben die Zürcher den Habsburgern grosse Teile der Grafschaft wieder zurück, sie behielten jedoch deren Gebiete westlich des Flüsschens Glatt, die fortan Obervogtei Neuamt genannt wurden und im Gegensatz zu den übrigen Teilen der 1452 erneut an Zürich übergegangenen Grafschaft ununterbrochen unter Zürcher Herrschaft standen.

Die zürcherische Obrigkeit war in Weyach durch einen Untervogt, der Bischof durch einen Dorfmeier vertreten. Erst in der Helvetik kam Weyach mit allen Rechten an Zürich. Im Jahre 1798 wurde die Gemeinde dem Distrikt Bülach zugeteilt, nach dem Ende der Mediationsverfassung im Jahre 1814 dem Oberamt Regensberg. Mit der Staatsverfassung von 1831 wurde das Oberamt zum Bezirk Regensberg, mit der Verlegung des Hauptorts ins Tal im Jahre 1871 zum Bezirk Dielsdorf.

Kirchliche Verhältnisse[Bearbeiten]

Abb. 3: Historisches Ensemble mit Kirche und Pfarrscheune

Wiach gehörte im Mittelalter zur Pfarrei Hohentengen (eigentlich: Dengen bei der hohen Kirch) und hatte wahrscheinlich schon früh eine Filialkapelle (1594 erstmals erwähnt). Mit der Zürcher Reformation wurde Weyach aus dem alten Pfarreiverband herausgelöst und erhielt seine Prädikanten ab 1520 von Zürich aus zugeteilt. Nur die Verbindlichkeiten (Kirchen-Zehnten auf neu gerodetem Land) an den Bischof als Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit blieben. 1540 verlangten die Dorfbewohner ultimativ nach einem eigenen Leutpriester, den sie auch erhielten, weil die seit 1525 unter Ulrich Zwingli protestantisch-reformierte Zürcher Obrigkeit nicht riskieren wollte, dass ihre Untertanen ins rekatholisierte Kaiserstuhl in die Messe gingen. In späteren Jahren (so z.B. 1602) wurden mehrfach Einwohner von Weyach bestraft, weil sie dem Bischof von Konstanz gehuldigt hatten: Ausdruck eines klassischen Machtkampfes zwischen den Inhabern der hohen und der niedern Gerichtsbarkeit.

Weyach wurde erst 1591 per Ratsbeschluss zu einer eigenen Kirchgemeinde mit residentem Pfarrer. Die Kollatur lag deshalb bei der Stadt Zürich. Die 1705/1706 an einem neuen Platz erbaute reformierte Pfarrkirche – das Wahrzeichen der Gemeinde – wurde mit Hilfe von Bund, Kanton und vielen Spendern letztmals 1966 bis 1968 total restauriert und am 8. Dezember 1970 unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt. Zusammen mit dem Pfarrhaus, der Pfarrscheune, dem Friedhof und dem alten Gemeindehaus bildet die Kirche eine harmonische Baugruppe im Zentrum des Dorfes (vgl. KGS-Nummer 10339).

Die seit 1942 bestehende enge Zusammenarbeit der Kirchgemeinde Weiach mit der evangelisch-reformierten Kirchgenossenschaft Kaiserstuhl/Fisibach wurde durch die Kündigung des Pastorationsvertrags per 31. Dezember 2005 beendet.

Befestigter Kirchhof[Bearbeiten]

Abb. 4: Der Kirchhof von Weyach um 1716

Als an der Grenze des Zürcher Herrschaftsgebietes gelegener Ort diente Weyach als Korpssammelplatz eines Teils der Unterländer Truppen. Der bei der Kirche erstellte Friedhof wurde durch den Festungsingenieur Hans Caspar Werdmüller gleichzeitig mit dem Bau der Kirche zu einem militärischen Stützpunkt ausgebaut, der auch die Pfarrscheune und das Pfarrhaus in das Verteidigungsdispositiv integrierte. Die noch gut erhaltenen Schiessscharten in den Friedhofmauern, der Kirche, dem Pfarrhaus und der Pfarrscheune erinnern heute noch an die Zeit religiöser Auseinandersetzungen. Erst seit wenigen Jahren sind die konfessionellen Differenzen mit den Nachbarn kein Hindernis mehr für eine gute ökumenische Zusammenarbeit.

Grosse Schäden im Zweiten Koalitionskrieg[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime der Alten Eidgenossenschaft und der Besetzung der Schweiz durch französische Truppen begann für die Gemeinde eine der schlimmsten Zeiten ihrer Geschichte. Mehrmals zog die Frontlinie im Verlauf des Zweiten Koalitionskrieges über Weiach und das Zürcher Unterland hinweg und jedes Mal mussten Tausende von Soldaten – helvetische Truppen und Franzosen auf der einen, Österreicher und Russen auf der anderen Seite – verpflegt und mit Brennholz versehen und Futter für ihre Pferde gestellt werden. Im Verlaufe einer dieser Einquartierungen brannte auch das Gemeindehaus ab. Der Eichenwald, der nach zeitgenössischen Berichten einer der schönsten im Kanton Zürich war, wurde weitgehend verwüstet und abgeholzt. Die Zeit des Mangels zog sich bis weit ins zweite Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hinein. 1817 konnten nach einer Missernte im Vorjahr viele Einwohner nur dank öffentlichen Suppenküchen vor dem Verhungern bewahrt werden. Ursache war das Jahr ohne Sommer 1816, das durch den Ausbruch des Tambora 1815 ausgelöst wurde.

Übervölkertes Bauerndorf[Bearbeiten]

Das Zürcher Unterland ist eine traditionelle Ackerbauregion, die noch bis ins 19. Jahrhundert hinein am mittelalterlichen Flurzwang und der Haufendorfsiedlung festhielt. Im Gegensatz zu den Streusiedlungen im Zürcher Oberland konnte sich keine starke Heimindustrietradition entwickeln. Bereits im 17. Jahrhundert war die Kapazität des landwirtschaftlichen Bodens erreicht. Viele Weiacher mussten daher temporär oder für immer auswandern (siehe Abschnitt Bevölkerung). 1850 besassen nur 2 Bauern über 10 Hektar Acker- und Wiesland, alle anderen mussten mit wesentlich weniger auskommen. Beinahe 60 % der Landwirte besassen lediglich 5 Juchart (1.8 ha) oder noch weniger. Gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden – besonders nach der Staatsumwälzung von 1831 (Ustertag) – vielfältige Anstrengungen unternommen, um den Ertrag der landwirtschaftlichen Produktion zu steigern. Dennoch blieb die Abhängigkeit von der Scholle stark, was nach dem Wiener Börsenkrach von 1873 viele Kleinbauern die Existenz kostete. Andere Verdienstmöglichkeiten gab es kaum, auch die früher dank Monopol florierende herrschaftliche Ziegelhütte litt schwer unter Konkurrenz und Krise. Es ist daher kein Zufall, dass es damals in Hohentengen ein Anwerbebüro der Schweizertruppen in Diensten des Königreichs beider Sizilien gab. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass die Gemeinde sich 1877 trotzdem eine für damalige Verhältnisse teure Druckwasserversorgung leistete.

Krise des Ersten Weltkriegs[Bearbeiten]

Nach der langen Depression im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ging es anfangs des 20. wirtschaftlich aufwärts, jäh unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, welcher die Schweiz an den Rand eines Bürgerkriegs trieb. Für die klassenkämpferischen Ideen der fremden Bauarbeiter, welche das Kraftwerk bei Rheinsfelden erstellten, hatten die Weiacher Bauern kein Verständnis. Da sie aber durch die Grenzlage und den kriegsbedingt unterbrochenen Austausch im kleinen Grenzverkehr mit badischen Gemeinden litten, bildeten sich dennoch für kurze Zeit politische Gruppierungen in der Gemeinde (Jungbauernbewegung), welche sich nach dem Ende des Krieges aber wieder auflösten.

Kollateralschäden im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg berührten die Kampfhandlungen die Gemeinde nicht, auch im Zweiten Weltkrieg blieb die Gemeinde im Wesentlichen verschont. Es waren jedoch fast ständig Grenzschutzeinheiten in Weiach stationiert. Sie bauten Befestigungswerke und Bunker, um den Durchgang nach Süden notfalls sperren zu können – das Rheinufer wurde zum stacheldrahtbewehrten Bollwerk gegen Hitlerdeutschland. Trotz weitgehend geschlossener Grenzen wurde der Bau des schweizerisch-deutschen Kraftwerks bei Rekingen mitten im Krieg vollendet, was den Rhein auch im Abschnitt Rekingen-Rheinsfelden in einen trägen Strom verwandelte. In der Endphase des Krieges attackierten 1944 alliierte Jagdflugzeuge mehrmals Züge, Bahninfrastruktur und Kraftwerkanlagen in der Gemeinde und ihrer nächsten Umgebung. Nach dem offiziellen Ende des Krieges litten die deutschen Nachbarn in Hohentengen unter der französischen Besetzung, was den Schmuggel von dort raren und hohen Tauschwert aufweisenden Gütern (wie z. B. Kaffee) aus der Schweiz nach Deutschland begünstigte.

Aufschwung im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach Kriegsende hatte die weitgehend unzerstörte Schweiz einen Startvorteil. Auch die Weiacher Bauern konnten ihre Zugtiere nun weitgehend durch die früher für viele unerschwinglichen Landmaschinen ersetzen. Viele Junge wanderten trotzdem nach Zürich und in andere städtische Zentren ab, weil dort der Verdienst wesentlich besser war. Dieser Strukturwandel wurde durch die Gründung der Weiacher Kies AG im Jahre 1961 noch verstärkt. Grosse Flächen wurden der landwirtschaftlichen Nutzung für Jahrzehnte entzogen. Im Voll- oder Nebenerwerb tätige Kleinbauern gibt es heute de facto keine mehr, was letztlich auch die Landarrondierung (Melioration) vereinfachte. Am meisten profitierte die Gemeindekasse vom Kiesabbau. Vor allem weil die politische Gemeinde in den Abbaugebieten selber Grundbesitzerin ist, aber auch dank stetig fliessender Steuereinnahmen des Kiesunternehmens. Diese erlaubten es, längst fällige Investitionen in die Infrastruktur vorzunehmen.

Flugzeugabsturz vom 14. November 1990[Bearbeiten]

Am 14. November 1990 prallte eine Douglas DC-9-32 der italienischen Fluggesellschaft Alitalia während des Landeanflugs auf die Piste 14 des Flughafens Zürich im Gebiet Surgen auf 520 m ü. M. in den Haggenberg. Alle 46 Flugpassagiere und Besatzungsmitglieder des Fluges AZ 404 fanden den Tod. Es handelt sich um das schlimmste Unglück auf Gemeindegebiet seit Menschengedenken. An der Absturzstelle erinnert ein schlichter Gedenkstein an die fatale Novembernacht. Die Absturzursache war ein Instrumentendefekt, der dazu führte, dass die Piloten sich auf dem Leitstrahl wähnten, tatsächlich jedoch über 300 Meter zu tief anflogen.[2] (siehe auch: Abschnitt Position in der Fluglärmdebatte).

Siehe auch: Alitalia-Flug 404

Bevölkerung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1634 361 1850 716
1640 428 1860 720
1650 483 1870 737
1670 624 1880 743
1689 767 1888 643
1695 583 1900 601
1711 668 1910 583
1754 547 1920 655
1759 573 1930 642
1790 530 1941 610
1793 540 1950 590
1799 548 1960 646
1820 550 1970 688
1824 671 1980 692
1827 700 1990 719
1836 675 2000 994

Historische Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Abb. 5: Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Weiach von 1630 bis 2000

In den Zürcher Steuerbüchern ist nur für 1470 ein vollständiger Eintrag für die Gerichtsherrschaft Weiach erhalten. Damals zählte das Dorf 16 Haushalte mit zusammen 48 steuerpflichtigen Erwachsenen über 15 Jahren. Ab 1634 bis 1760 erstellten die Pfarrer im Auftrag der Zürcher Obrigkeit in unregelmässigen Abständen detaillierte Bevölkerungsverzeichnisse. Spätere Zahlen sind folgenden Quellen entnommen: 1790 Werdmüllers Memorabilia Tigurina, 1799 der Pfarrer-Enquête der Helvetischen Regierung, 1820 Ernis Memorabilia Tigurina, 1827 Lutz’ Vollständiger Beschreibung des Schweizerlandes. Die Zahl von 1836 basiert auf der Zürcher Kantonalen Volkszählung, alle Daten ab 1850 wurden in der Eidgenössischen Volkszählung erhoben. (Über die Jahrhunderte haben sich die Kriterien zur Erfassung der Wohnbevölkerung stark verändert. Je nach Auslegung kann die Einwohnerzahl merklich variieren. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen. Für die Jahre 1710 bis 1820 sind kaum Daten verfügbar.)

Während Jahrhunderten war die Bevölkerungsentwicklung eng an die Ertragskraft des Bodens gekoppelt, exportierendes Handwerk existierte kaum. Die Wohnbevölkerung bewegte sich zwischen 500 und 750 Personen, womit Weiach eine der grösseren Gemeinden im Neuamt war. Ab Ende des 17. Jahrhunderts suchten sich viele Weiacher ihr Auskommen ausserhalb ihrer Heimatgemeinde, manche wanderten aus. Ziel ihrer Reise waren häufig die USA. Die Vorfahren vieler US-Bürger mit Namen wie Bombgardner stammen ursprünglich aus Weiach.

Schon in den 1960er- und 1970er Jahren wurden vereinzelt neue Wohnblöcke gebaut. In den Sog der Agglomeration Zürich geriet Weiach aber erst ab Mitte der 1980er Jahre. Mittels Quartierplänen wurden neue Baugebiete für Wohnzwecke erschlossen, was zuerst an der Flanke des Sanzenberges, dann unter der Fasnachtflue einen wahren Bauboom auslöste. 30 Prozent der im Jahre 2000 bestehenden Wohnungen wurden in den vorangegangenen zehn Jahren gebaut. Mit den 80 von 1991 bis 2000 neu erstellten Wohngebäuden wuchs die Bevölkerung um über 35 Prozent. Noch nie in der Geschichte wohnten so viele Menschen gleichzeitig auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Weiach. Die beginnende Verstädterung ist auch an der ab 1990 explosionsartig um 132 Prozent zunehmenden Zahl der Einpersonenhaushalte abzulesen.

Am 31. Dezember 2005 lebten 959 Personen in Weiach (Zivilrechtlicher Wohnsitz; ohne Wochenaufenthalter, Asylbewerber usw.). Ein Ende 2007 geplantes Gross-Bauprojekt mit 55 Wohnungen im Bereich des Bedmen verzögert sich mehrere Jahre. Trotzdem stieg die Bevölkerungszahl seither wieder deutlich über die 1000er-Marke.

Sprachen[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung vom Dezember 2000 wurde ein Ausländeranteil von 9.7 % ermittelt, etwas weniger als in den Jahrzehnten davor. Der Ausländeranteil liegt damit weit unter dem kantonalen Durchschnitt von 22 %. Die Verteilung der von den Einwohnern hauptsächlich verwendeten Sprache gibt Hinweise auf die Herkunft: Häufigste Hauptsprache war bei der Volkszählung im Jahr 2000 Deutsch (93.56 %), am zweit- und dritthäufigsten waren Albanisch (1.51 %) und Serbokroatisch (1.21 %).

Religion[Bearbeiten]

Die Weiacher waren früher fast ausschliesslich protestantisch-reformierten Glaubens. Durch die Einwanderung aus der übrigen Schweiz und dem Ausland nahm seit 1800 der Anteil der Einwohner mit protestantischer Konfession ab. Trotzdem ist immer noch die Mehrheit reformiert. Der Anteil der Reformierten nahm zwischen 1990 und 2000 sogar markant zu. Bei der Eidgenössischen Volkszählung 2000 waren von den rund 1000 Einwohnern 65.6 % reformiert und 17.5 % katholisch; als konfessionslos bezeichneten sich 9.1 %, weitere 1.3 % gaben keine Konfession an.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Seit dem frühen Mittelalter waren Viehzucht und Ackerbau die Haupterwerbsquellen der Einwohner. In den Jahren ab 1846 arbeitete der Landwirthschaftliche Verein unter der Leitung des damaligen Pfarrers intensiv an der «Hebung der Verhältnisse». Der Verein förderte unter anderem die Einführung der Seidenraupenzucht, liess beim Schulhaus einen Obstbaumgarten pflanzen und beteiligte sich rege an den Wettbewerben des kantonalen landwirtschaftlichen Vereins. 1855 wurde auf Anregung des Vereins eine gemeindeeigene Leihkasse gegründet.

Während sich die Seidenmanufaktur nicht halten konnte und auch andere Versuche mit Hopfen- und Tabakanbau im Sande verliefen, war dem Obstbau mehr Erfolg beschieden, wie man noch heute rund um den Dorfkern sehen kann. Auch der Weinbau spielte bis ins 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Viele Rebbauern führten nach der Liberalisierung um 1831 nebenbei eine kleine Schenke, in der sie ihre eigenen Produkte feilbieten durften.

Heute wird an den Hängen des Stein und der Fasnachtflue durch eine Firma aus Wil ZH wieder professioneller Weinbau betrieben. Die Produkte Weiacher Fluetröpfli (Rotwein) und Weiacher Weissherbst (Rosé) werden aus Blauburgunder-Trauben gekeltert.

Gastwirtschaften[Bearbeiten]

Abb. 6: Ehemaliger Gasthof Sternen

Der seit den 1830er-Jahren an der Verzweigung der Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur und der Staatsstrasse nach Raat und Stadel gelegene «Sternen» hat seinen Betrieb im Jahre 1991 eingestellt. Von den ehemals bestehenden Gastwirtschaften sind damit seit 2004 nur noch zwei übrig: Die «Linde» an der Staatsstrasse nach Stadel und das «Wiesental» an der Hauptstrasse Nr. 7 nach Kaiserstuhl.

Der «Bahnhof», ebenfalls an dieser Hauptstrasse vis-à-vis des stillgelegten Bahnhofs gelegen, stand seit 2003 zum Verkauf und wurde nicht mehr aktiv betrieben, nachdem diverse Partyclub-Projekte gescheitert waren. Im März 2008 wurde das 1876 erstellte Gebäude abgerissen und das Gelände einplaniert. Seit 2007 existiert auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein in Containern untergebrachtes Imbiss-Lokal.

Ende August 2008 wurde im Speicher des Baumgartner-Jucker-Hauses an der Büelstrasse 18 die «Caffè-Bar Lounge Chamäleon» eröffnet. Das Nichtraucherlokal besetzt eine Nische, die durch das Wiesental und die Linde nicht abgedeckt wird.

Handel[Bearbeiten]

Von den ehemals drei Handlungen ist heute nur noch die Filiale des VOLG im Dorfzentrum übrig. Das Depot der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Weiach mit einer Agentur der Zürcher Kantonalbank liegt in der Nähe der früheren Bahnstation Weiach-Kaiserstuhl. Eine Bäckerei gibt es seit 1958 nicht mehr, der letzte Metzger gab 2003 auf, nachdem eine Ladengemeinschaft mit dem VOLG nicht den gewünschten Erfolg brachte.

Gewerbe[Bearbeiten]

Gewerbebetriebe (KMU) prägen das wirtschaftliche Bild der Gemeinde. So gibt es einen Filialbetrieb eines Holzhändlers (Heinrich Benz AG), einen Zweigbetrieb eines Reifenhändlers (Pneu Müller AG, heute FirstStop), sowie diverse kleinere Technologie- und Handwerksbetriebe. Entlang der Hauptstrasse finden dank der Grenznähe zwei Tankstellen ihr Auskommen, eine beim Dorf und eine beim früheren Bahnhof. Die seit 1970 in den Räumlichkeiten der früheren Schäftenäherei Walder (1920–1965) bei der Station Weiach-Kaiserstuhl eingerichtete Sattlerei Fruet AG, welche die Schweizer Armee mit Lederwaren belieferte, musste im Jahre 2000 den Betrieb mangels Aufträgen einstellen. Dafür sind einige kleine Dienstleistungsunternehmen mit teilweise starker Internet-Basierung entstanden.

Industrie[Bearbeiten]

Ab 1962 entstand im Hard, der zwischen Rheinsfelden und dem Dorf Weiach gelegenen Ebene, das grossangelegte Kieswerk der Weiacher Kies AG, dessen Schüttgüter- und Aushubwagen heute den Namen der Gemeinde in die weitere Umgebung der Schweiz hinaustragen. Das Unternehmen ist der einzige Industriebetrieb und grösste Steuerzahler auf Gemeindegebiet. Nicht zuletzt dadurch war Weiach eine der steuergünstigsten Gemeinden im Zürcher Unterland. Der jeweilige Gemeindepräsident fungiert als Vizepräsident des Verwaltungsrates.

Auf dem Areal der Weiacher Kies AG sind weitere kleinere Betriebe der Baustoffindustrie angesiedelt (u. a. die Fixit AG). Die Weiacher Kies AG hat 2001 die Hauptstrasse Basel-Winterthur nach Süden an den Hangfuss verlegen lassen, um weitere Kiesreserven abbauen zu können. Sie plant darüber hinaus die Erschliessung neuer Gebiete im Hasli, einer in Richtung Kaiserstuhl und Fisibach gelegenen Ebene nordwestlich des Dorfes.

Nach dem Kiesabbau und der Wiederauffüllung entstand im Gebiet Rüteren nördlich der Bahnlinie Landwirtschaftsland aber auch unbewirtschaftete, naturnahe Zonen. So wurden grosse Flächen mit kiesig-steinigen Böden brach liegen gelassen. Darauf können sich Ersatzlebensräume für die mit der 5. Bauetappe des Flughafens Zürich überbauten Biotope schützenswerter Pflanzen und Tiere entwickeln. In Absprache mit Kanton und Gemeinde entstehen auf dem Areal der Weiacher Kies AG insgesamt rund 23 Hektaren ökologische Ausgleichsflächen (Weiher, Biotope, Trockenstandorte, Wiesen und Hecken). Die renaturierten Flächen werden zu Lebensräumen seltener Pionierpflanzen sowie bedrohter Vogel- und Insektenarten. Erste Bruterfolge des Flussregenpfeifers sind zu verzeichnen. Das genannte Gebiet ist allerdings gemäss Kantonalem Richtplan langfristig als mögliche Abfalldeponie vorgemerkt, was im Rahmen der Richtplanrevision 2007 zu Einsprachen durch Naturschutzorganisationen führte. Anfang Februar 2008 wurde ein Komitee Pro Kiesgruben-Biotop Weiach gegründet.

Sondierbohrungen[Bearbeiten]

In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre war Weiach der Standort einer Sondierung der NAGRA (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle). Die vom Januar bis November 1983 bis in eine Endtiefe von 2482 m vorgetriebene Bohrung löste in der Gemeinde heftige Kontroversen aus und war Anlass zur Gründung der Bürgerinitiative WAG (Weiacher Aktions Gruppe). Sie kämpfte gegen eine mögliche Wahl von Weiach als Endlagerstandort.

Dank der NAGRA-Bohrungen wurde das Vorhandensein des mit Sedimentgesteinen des Erdaltertums verfüllten Nordschweizer Permokarbontrogs nachgewiesen (bei Weiach beginnt das kristalline Grundgebirge erst in einer Bohrlochtiefe von 2112 m und nicht - wie erwartet - in rund 1000 m Tiefe)

Die Bohrergebnisse ermutigten die texanische Firma Forest Oil, Sondierbohrungen zur Suche nach Erdgas-Lagerstätten vorzunehmen. Namhafte Erdgas-Vorkommen im benachbarten Süddeutschland liessen auf weitere Funde in Weiach hoffen. In grosser Tiefe liegt nämlich auch ein Kohle-Flöz. Nach der im Jahre 2000 von Forest Oil abgebrochenen Bohrung hat im Mai 2004 ein Konsortium unter der Führung der SEAG Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl einen weiteren Bohrversuch begonnen, der Aufschluss über die Grösse der erwarteten Erdgas-Lager bringen sollte. Im Juni 2004 wurden die Erdgas-Tests eingestellt. Eine kommerziell lohnende Förderung ist wegen zu dichter Gesteinsschichten nicht möglich.

Position in der Fluglärmdebatte[Bearbeiten]

In jüngster Zeit ist die Gemeinde aktiv involviert in die Auseinandersetzungen um die Verteilung des durch den internationalen Flughafen von Zürich verursachten Fluglärms. Die Gemeinde liegt seit Fertigstellung der 3. Ausbauetappe im Jahre 1976 in der Anflugschneise der Piste 14. Durch ihre Grenzlage wird die Nachtruhe von spät startenden Jets gestört, die über dem Gemeindegebiet abdrehen, um den deutschen Luftraum nicht zu verletzen. In den ersten Jahren der IG-Nord, einem Zusammenschluss mehrerer Gemeinden nördlich des Flughafens (UNIQUE Zurich Airport), spielte ein früherer Gemeindepräsident von Weiach eine massgebende Rolle, weshalb sich bis Ende 2002 auch das Sekretariat der IG-Nord in Weiach befand. Die IG-Nord kämpft unter anderem gegen die Verhängung von Bauverboten, welche durch die Kanalisierung von Starts und Landungen im Norden des Flughafens nötig würden (siehe auch: Abschnitt Flugzeugabsturz vom 14. November 1990).

Vom Bauerndorf zur Agglomerationsgemeinde[Bearbeiten]

Abb. 7: Altes Haus an der Oberdorfstrasse, vor 1812

Weiach konnte seinen Charakter als Bauerndorf bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts bewahren. An den Sonnenhängen wurden ab 1990 jedoch viele Einfamilienhäuser gebaut, was der Gemeinde heute nur noch einen halbagrarischen Charakter verleiht. Die Erschliessung weiterer Baugebiete war durch die Fluglärmzonierung und Gerichtsverfahren während Jahrzehnten blockiert, hat aber mit dem Quartierplan See-Winkel im Gebiet südlich des ehemaligen Bahnhofs eine starke Bautätigkeit ausgelöst (v.a. Mehrfamilienhäuser). Mit dem Abschluss der landwirtschaftlichen Melioration entstanden erstmals Aussiedlerhöfe – eine Entwicklung, die in anderen Gemeinden schon Jahrzehnte früher ablief.

Der massive Einfluss der Agglomeration Zürich wird immer stärker spürbar. Viele Einwohner pendeln zur Arbeit in die Grossregion Zürich. Seit kurzem gehört Weiach auch offiziell dazu: Die Resultate der Eidgenössischen Volkszählung 2000 haben nach den Kriterien des Bundesamtes für Statistik die Zuteilung zum sechsten Vorortsgürtel der Agglomeration Zürich zur Folge (Neue Zürcher Zeitung, 25. Juli 2003).

Versorgung mit öffentlichen Diensten[Bearbeiten]

Kirche und Friedhof[Bearbeiten]

Abb. 8: Fuori le mure, Neuer Friedhofsteil 2004

Von 1977 bis 2010 existierten auf dem Gebiet der Gemeinde zwei Gotteshäuser: die alte evangelisch-reformierte Kirche von 1706 und eine neuapostolische Kapelle. Letztere wurde jahrelang nicht mehr benutzt und 2010 im Rahmen eines Neubauprojekts abgerissen. Die Erweiterung des Friedhofs ausserhalb der historischen Befestigungsmauern (Projektname Fuori le mure) wurde im Sommer 2004 abgeschlossen und setzt landschaftsarchitektonisch neue Akzente im Dorfbild. Im März 2006 war die Friedhofserweiterung eines von acht für den Europäischen Preis für Landschaftsarchitektur nominierten Projekten. Bei einem massgebenden Teil der Dorfbevölkerung stösst das neue Friedhofkonzept jedoch auf Ablehnung [3].

Schulen und Bibliotheken[Bearbeiten]

In Weiach gibt es seit 1966 einen Kindergarten. Das Gebäude wurde von der Weiacher Kies AG gesponsert. Die Primarschule Weiach führt die ersten sechs Klassen der Zürcher Volksschule. Für den Abschluss der obligatorischen Schulzeit besuchen die Weiacher Jugendlichen die Oberstufenschule in Stadel, bzw. die Kantonsschule in Bülach.

Abb. 9: Altes Schulhaus, Baujahr 1836

Ein Schulhaus bestand schon vor 1799. Es wurde in der französischen Besatzungszeit zusammen mit dem Gemeinde- und dem Spritzenhaus eingeäschert. Im Jahre 1836 erstellte die Gemeinde einen vergrösserten Neubau – das nach dem Brand erbaute Schulhaus wurde zur Armenwohnung. 1862 wurde die Jugend- und Volksbibliothek Weiach gegründet, sie besteht als Gemeindebibliothek bis heute und ist im Schulhaus von 1836 (Altes Schulhaus) untergebracht.

Eine neue Schulanlage mit Turnhalle konnte 1976 fertiggestellt werden, der Rohbau des ursprünglich geplanten Hallenschwimmbads im Untergeschoss des Turnhallentraktes wurde 1994/95 zum Gemeindesaal ausgebaut.

Post/Telefon/Telegraph/Kabelnetz[Bearbeiten]

Schon zur Zeit der kantonalen Post, um etwa 1840, wurde in Weiach eine Postablage errichtet (Boten nach Zürich gab es bereits um 1800). Im Jahre 1895 wurde die erste öffentliche Telefonstation sowie ein Anschluss an den eidgenössischen Telegraphendienst (PTT) erstellt. In den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Gemeinde ans Kabelfernsehnetz der Cablecom angeschlossen, dessen Verbindungen bis nach Hohentengen reichen. In jüngster Zeit musste die Poststelle ums Überleben kämpfen, blieb aber als Filiale mit reduzierten Öffnungszeiten bestehen. Am 1. März 2009 wurde das Postbüro geschlossen und durch eine Postagentur im VOLG-Laden ersetzt.

Eisenbahn und Postauto[Bearbeiten]

Im Jahre 1876 eröffnete die Nordostbahn die Bahnstrecke Winterthur–Bülach–Koblenz mit dem Bahnhof Weiach-Kaiserstuhl. Diese Bahnlinie konnte bereits im Jahre 1945 elektrifiziert werden. 1995 wurde der zwischen den Siedlungsschwerpunkten auf Weiacher Boden gelegene Bahnhof von den Schweizerischen Bundesbahnen aufgehoben und als Haltestelle nach Kaiserstuhl verschoben. Die Linie S41 der S-Bahn Zürich von Winterthur über Bülach und Eglisau nach Waldshut wird heute durch das Bahnunternehmen THURBO betrieben.

Seit 1974 besteht eine Bus-Verbindung nach Bülach. Sie wird heute als Postauto-Linie 515 des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) geführt – mit Umsteigemöglichkeit auf die Linie 510 zum Flughafen Zürich in Stadel. Es besteht den ganzen Tag über jede Stunde eine Verbindung Richtung Bülach bzw. Flughafen, an Werktagen verkehren die Busse zwischen 06:00 und 20:30 Uhr im Halbstundentakt.

Wasserversorgung/Abwasserreinigung[Bearbeiten]

1877 erhielt die Gemeinde ein Drucknetz für die Trink- und Löschwasserversorgung mit Hausanschlüssen und Hydranten. Das bis heute parallel bestehende System der privaten und öffentlichen Brunnen wird als Notwassernetz weiterbetrieben.

Nach 1950 wurde sukzessive die Erstellung einer Kanalisation an die Hand genommen, welche schliesslich an die 1970 gebaute Abwasserreinigungsanlage Weiach angeschlossen wurde. Von einer Sanierung dieser ARA wurde im November 2004 abgesehen. Als Ersatz hat sich die Gemeinde im April 2006 dem grenzüberschreitenden Verbund von Kaiserstuhl und Hohentengen mit Grosskläranlage auf der Nordseite des Rheins angeschlossen.

Elektrizitätsgenossenschaft Weiach[Bearbeiten]

Nachdem Vorabklärungen für ein eigenes Kleinkraftwerk gezeigt hatten, dass ein solches nicht rentabel wäre, liess die am 23. August 1912 ins Handelsregister eingetragene Elektrizitäts-Genossenschaft Weiach (EGW) elektrische Hausanschlüsse und eine Strassenbeleuchtung erstellen. Auf Weihnachten 1912 erhielt die Gemeinde erstmals elektrischen Strom ab dem öffentlichen Netz. Den Strom liefern seit Betriebsbeginn die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), die zur Axpo-Gruppe gehören.

Fernwärmenetz[Bearbeiten]

Seit dem Spätherbst 1995 verfügt die Gemeinde über ein Fernwärmenetz, das von einer holzschnitzelbefeuerten Anlage gespeist wird. Die Holzschnitzel stammen aus dem gemeindeeigenen Wald. Dies ist der wichtigste materielle Beitrag der Gemeinde Weiach zu einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen der lokalen Agenda 21.

Feuerwehr und Zivilschutz[Bearbeiten]

Die Ortsfeuerwehr Weiach ist seit 1998 mit den Wehrdiensten von Stadel und Glattfelden in einem Sicherheitszweckverband zusammengefasst. Das ist umso nötiger, seit 1991 im Kanton Zürich die allgemeine Wehrpflicht im Bereich Feuerwehr abgeschafft wurde. Der Zweckverband mit Glattfelden und Stadel ergab sich aus der bereits gut funktionierenden Zusammenarbeit im Rahmen der Zivilschutzorganisation Glattfelden-Stadel-Weiach.

Vereine[Bearbeiten]

Wegen der etwas abgelegenen Lage war das Vereinsleben traditionell gut entwickelt. Es bestehen noch folgende grösseren Vereine:

  • Frauenverein Weiach. Er hat eine gemeinnützige Zielsetzung, veranstaltet Basare und pflegt die Gemeinschaft unter den Frauen. Der Verein entwickelte sich aus dem Frauenverein der Arbeitsschule Weiach, der die Handarbeitsklassen unterstützte. Er existiert in der heutigen Form seit 1929.
  • Schützengesellschaft Weiach. Sie wurde 1904 gegründet mit dem Ziel, an den diversen Schiessanlässen bessere Sektionsränge zu erreichen. Die Gesellschaft verfügt seit 1907 über eine eigene Schiessanlage im Hasli.
  • Turnverein Weiach. Er wurde 1917 gegründet und umfasst heute die aktiven männlichen Turner. Die älteren Herren turnen in der Männerriege, die Frauen in der Damenriege.

Sport[Bearbeiten]

Aus der Gemeinde kommen immer wieder erfolgreiche Radrennfahrer und -fahrerinnen. 2004 gewann die Weiacherin Sereina Trachsel überraschend die Schweizer Strassenmeisterschaft in der Kategorie Elite. Im Juni 2005 konnte sie ihren Titel erfolgreich verteidigen. Seit 2003 ist Weiach jeweils anfangs Juli Austragungsort eines durch den Veloclub Steinmaur organisierten Nationalen Kriteriums. Der ca. 1 km lange Rundkurs führt durch die Strassen von Oberdorf und Bühl.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Albert Meierhofer-Nauer (1887–1967), Kantonsrat, Gemeindepräsident von 1941 bis 1966, Oberstleutnant der Schweizer Armee, Präsident der Schützengesellschaft Weiach, Initiator für den Kiesabbau im Hard durch die Weiacher Kies AG. Zu seinen Ehren wird seit 1969 in den ungeraden Jahren auf dem Schiessplatz Weiach das Albert Meierhofer-Erinnerungsschiessen abgehalten, an dem jeweils ca. 800 Schützen teilnehmen.
  • Marie Meierhofer (1909–1998), Bürgerin von Weiach, Schweizer Kinderärztin und Gründerin des Institutes für Psychohygiene im Kindesalter (seit 1978: Marie Meierhofer-Institut für das Kind).
  • Fritz Näf (* 1943), Dirigent, künstlerischer Leiter des Schweizer Kammerchors und der Basler Madrigalisten.
  • Walter Baumgartner (* 1953), Radrennfahrer
  • Sereina Trachsel (* 1981), Radrennfahrerin, Schweizermeisterin Damen Elite auf der Strasse, 2004, 2005 und 2007.

Offizielles Publikationsorgan[Bearbeiten]

Das Publikationsorgan Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, herausgegeben vom Gemeinderat, erscheint seit Juni 1982 monatlich und wird in alle Haushaltungen verteilt. Es hat eine Auflage von 500 Exemplaren und wird im Format A4 doppelseitig xerokopiert und mit einfacher Klammerheftung versehen. Das Titelbild wird seit der Gründung vom ortsansässigen Künstler Hans Rutschmann gezeichnet.

Politik[Bearbeiten]

Charakteristisch für die Gemeinde Weiach ist das bis vor wenigen Jahren völlige Fehlen von Ortsparteien. Parteipolitik spielt für die Ortspolitik de facto keine Rolle, sämtliche Ämter sind durchwegs mit Parteilosen besetzt.

Wahl- und Abstimmungsverhalten[Bearbeiten]

In Weiach wird traditionell konservativ gewählt und abgestimmt. Europapolitische Vorlagen werden jeweils besonders wuchtig abgelehnt, meist im krassen Gegensatz zu den wirtschaftsfreisinnig geprägten Gebieten am Zürichsee und den eher sozialdemokratisch dominierten grossen Städten. Beispiele sind die eidgenössischen Volksabstimmungen vom 5. Juni 2005 über den Beitritt der Schweiz zu den Vertragswerken von Schengen/Dublin (64.3 % Nein-Stimmen) sowie über die Ausdehnung des Personenfreizügigkeitsabkommens auf die neuen EU-Mitgliedländer vom 25. September 2005 (64.6 % Nein-Stimmen).

Diese Grundhaltung widerspiegelt sich auch in den Wähleranteilen der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2007: SVP 54.8 % (2003: 51.5 %), SP 12.8 % (2003: 15.9 %), FDP 8.0 % (2003: 7.7 %), GP 5.8 % (2003: 6.3 %), Grünliberale 5.1 %, CVP 4.7 % (2003: 4.5 %), EVP 4.3 % (2003: 6.8 %), EDU 1.88 %, PS/AP 0.88 % und SD 0.87 %.

Ähnlich das Bild bei den Zürcher Kantonsratswahlen 2003: SVP 52.8 %, SP 15.1 %, FDP 9.3 %, GP 6.7 %, CVP 3.1 %, EVP 8.0 %. Die Ergebnisse der Kantonsratswahlen 2007: SVP 45.4 %, SP 14.6 %, FDP 11.3 %, GP 6.8 %, CVP 3.6 %, EVP 7.3 %, EDU (Eidgenössisch-demokratische Union) 3.4 %, SD (Schweizer Demokraten, vormals: Nationale Aktion) 2.49 %, AL (Alternative Liste) 0.05 %, GLP (Grünliberale) 4.93 %, bestätigen das bekannte Bild.

Bei den Nationalratswahlen 2011 war die SVP erstmals nicht mehr mit absoluter Mehrheit der abgegebenen Stimmen vertreten: SVP 49.9 %, SP 10.3 %, FDP 9.7 %, GP 1.9 %, CVP 3.7 %, EVP 4.4 %, EDU 3.1 %; SD 0.3 %; die Grünliberalen erhielten 5.9 %, die neue Mittepartei BDP (Abspaltung von der SVP) erzielte 7.1 % der Stimmen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Abb. 10: Evangelisch-reformierte Pfarrkirche Weiach von der Staatsstrasse nach Stadel aus gesehen, rechts das Baumgartner-Jucker-Haus
Abb. 11: Das Baumgartner-Jucker-Haus
Abb. 12: Der Speicher des Baumgartner-Jucker-Hauses
  • Von besonderem Interesse ist das kompakte Ensemble aus Kirche, Pfarrhaus, Pfarrscheune (2000–2001 zum Begegnungszentrum umgebaut), der Friedhofmauer mit Schiessscharten und dem alten Gemeindehaus im Dorfkern. In unmittelbarer Nähe findet man auch das in den 1990er Jahren renovierte Baumgartner-Jucker-Haus, welches der politischen Gemeinde gehört (siehe Abb. 11).
  • Südlich davon liegt im Oberdorf ein stattliches Doppelbauernhaus im Privatbesitz aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit bemalter Fassade (1950er-Jahre).
  • Ein Kleinbauernhaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das Liebert-Haus im Oberdorf wurde von der Gemeinde 1966 gekauft und beherbergt heute das Ortsmuseum. Dieses wurde 2008 mit einem neuen Dach versehen.
  • Neueren Datums sind der Skulpturen-Weg entlang beider Rhein-Ufer zwischen Kaiserstuhl, Hohentengen und Glattfelden, sowie der
  • Gottfried-Keller-Dichterweg, der von Glattfelden dem linken (südlichen) Rheinufer entlang zum Platz des früheren Schlosses Schwarzwasserstelz führt.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Zollinger: Weiach 1271–1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. Gemeinderatskanzlei Weiach (1. Auflage, Dielsdorf 1972; 2. Auflage, Weiach 1984).
  • U. Brandenberger: Weiacher Geschichte(n). Lokalhistorische Artikel. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach. Weiach 1999–2009.
  • U. Brandenberger: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271–1971». Gemeinderatskanzlei, Weiach 2003.
  • U. Brandenberger: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706–2006. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach und der Ortsmuseumskommission Weiach. Weiach 2006.
  • W. Baumgartner-Thut: 100 Jahre Elektrizitätsgenossenschaft Weiach. Die Chronik 1912–2012. Herausgegeben von der Elektrizitätsgenossenschaft Weiach, Weiach 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weiach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission (PDF, 3.61 MB)
  3. Weiacher Friedhof: Die Fachwelt lobt, die Bevölkerung kritisiert
Dies ist ein als exzellent ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 13. Januar 2005 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.