Weichering

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weichering
Weichering
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weichering hervorgehoben
48.71666666666711.316666666667374Koordinaten: 48° 43′ N, 11° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Neuburg-Schrobenhausen
Höhe: 374 m ü. NHN
Fläche: 24,6 km²
Einwohner: 2313 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 94 Einwohner je km²
Postleitzahl: 86706
Vorwahlen: 08454
08450 (Lichtenau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ND, SOB
Gemeindeschlüssel: 09 1 85 168
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kapellenplatz 3
86706 Weichering
Webpräsenz: www.weichering.de
Erster Bürgermeister: Thomas Mack (CSU)
Lage der Gemeinde Weichering im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen
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Über dieses Bild

Weichering ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort liegt in der Planungsregion Ingolstadt an der Bundesstraße 16 zwischen Neuburg an der Donau und Ingolstadt und verfügt auch über einen Bahnhof an der Donautalbahn. Zwei Kilometer nördlich von Weichering verläuft die Donau, an deren Südufer sich hier eine bewaldete Auen- und Moorlandschaft anschließt. Auch im Süden von Weichering befindet sich ein Waldgebiet, in dem sich der Weicheringer See befindet. Durch den Ort fließt das Flüsschen Ach, ab Ingolstadt als Sandrach bezeichnet, das das südlich gelegene Donaumoos entwässert.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Neben der Kerngemeinde Weichering gehört seit der Gemeindereform von 1978 auch die 3 km südöstlich gelegene Ortschaft Lichtenau zur Gemeinde Weichering.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde auf dem Gebiet der Gemarkung reichen zurück bis zur Zeit der Glockenbecher-Kultur 2000 v. Chr. Es folgte die Besiedelung durch die Kelten, die im nahen Manching ein wichtiges Oppidum erbauten, sowie ab 15 v. Chr. die Eroberung durch die Römer, die die Gegend der Provinz Raetia eingliederten. Nach 500 begann die bairische Landnahme, in deren Zuge auch die in den Urkunden zunächst Weyering genannte Gemeinde entstand. Der örtliche Adel baute hier ein stark befestigtes Schloss (mit hoher Mauer und mehreren Wassergräben); es gelangte später in den Besitz der Mufflinger-Dynastie. Als Folge des Ersten Bayerischen Erbfolgekrieges wurde 1505 das Herzogtum Neuburg geschaffen, dem die Weicheringer fortan lehnspflichtig waren. In der Folgezeit hatte der Ort unter den wiederholten Kriegen zu leiden, insbesondere der Dreißigjährige Krieg forderte hier viele Opfer; das älteste Wirtshaus des Ortes, der „Obere Wirt“, überstand die Kriegswirren bis heute. Der aktuelle Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1901. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete Weichering durch Flüchtlinge aus dem Osten einen starken Bevölkerungszuwachs und erreichte die 1.000-Einwohner-Marke.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Lichtenau eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten]

Im Gemeinderat mit 14 Mitgliedern sind in der Amtszeit 2008/2014 vertreten:

Erster Bürgermeister ist Thomas Mack (CSU).

Kirchengeschichte[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel Pfarrkirche St. Vitus (Weichering)

Mühlen in Weichering[Bearbeiten]

Entlang des Dorfes Weichering und durch den Ort schlängelt sich das Gewässer Ach. Am Bach befanden sich zwei Mühlen.

Dorfmühle[Bearbeiten]

Die einstige Dorfmühle von Weichering

Gegenüber dem Friedhof in Weichering befindet sich das mächtige Gebäude der Dorfmühle, was auch auf einer Inschrift zu lesen ist. Das Mühlengebäude war von 1347 bis 1917 in Betrieb. Die Ach trieb die Mühlräder an. In einer Chronik heißt es im Neuburger Kollektaneenblatt von 1952, dass sich der Mühlenbetrieb bis auf das Jahr 1214 zurückverfolgen lässt. 1908 ist die Mühlgerechtigkeit, also das Recht, eine Mühle zu betreiben, vom Staat abgelöst und 1917 der Müllereibetrieb eingestellt worden. 1579 soll das Gebäude in einem „üblen Zustand“ gewesen sein. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Mühle nieder, wurde aber später wieder aufgebaut, konnte aber 1655 erst auf zwei Gängen mahlen. 1775 wurde die Mühle von Grund auf neu erbaut. Dazu wurde noch eine Sägemühle ohne Baugenehmigung errichtet. Dafür musste sich der Besitzer rechtfertigen und führte aus, dass diese zweimal abgebrannt sei; zuletzt beim Dreißigjährigen Krieg, dann wurde sie nicht mehr erbaut. Zunächst wurde die Mühle gesperrt, aber am Ende ließ man Milde walten und forderte nur eine geringe Strafe.

In der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März im Jahre 1801, brach kurz nach 12 Uhr in der Mühle ein Brand aus. Innerhalb einer Viertelstunde brannte das ganze Haus. Die Schlafenden retteten sich durch einen Sprung aus dem zweiten Stockwerk. Eine Dienstmagd kam erst am nächsten Tag tot unter den Trümmern zum Vorschein.

Obere Mühle[Bearbeiten]

Kaum einen Kilometer vom Ort entfernt, heute in der unmittelbaren Nähe des Sportplatzes, stand die „Obere Mühle“. 1497 wird dieses Mahlgefährt erstmals erwähnt. Besitzer war damals Bernhard Obermüller und dessen Ehefrau Margaret. Die Schweden hausten auch hier im Dreißigjährigen Krieg und zerstörten 1633 das Anwesen völlig. Noch 1676 ist die Rede von einem „öden Mühlplatz“. 1678 überließ Herzog Philipp Wilhelm als Lehensherr das Gehöft unentgeltlich dem Freiherrn Friedrich Sittich von Hacke (Vater des kurpfälzischen Oberstjägermeisters Ludwig Anton von Hacke und Urgroßvater des bayerischen Finanzministers Johann Wilhelm von Hompesch zu Bolheim). Er baute die Mühle wieder auf und errichtete auf der anderen Bachseite ein Jagdhaus. Nach einer Steuerbeschreibung von 1727 hatte die Obere Mühle mit ihren drei Gängen den zweithöchsten Steuerwert nach der Dorfmühle.

1780 wollte der Mühlenbetreiber Josef Vogel sein Einkommen durch eine Weißbierzapferei aufbessern, aber dies wurde nicht genehmigt. 1794 wurde die Mühle zwangsversteigert. Dem neuen Besitzer Joseph Gietl setzten im Jahre 1800 die kriegerischen Ereignisse und Truppendurchmärsche stark zu. Zeitweise konnte überhaupt nicht gemahlen werden. 1802 wechselte die Mühle abermals den Besitzer. Es folgte die Donaumoos-Entwässerung und die Achregulierung. Der Staat löste 1811 die Mühle ab und ließ sie abbrechen. Ein Versuch im Jahre 1820, hier wieder eine Mühle zu errichten, fand keine Zustimmung. Noch heute steht das Jagdhaus.

Großbrand[Bearbeiten]

In Weichering ereignete sich ein Großbrand am 13. März 1856. Ein Maurer reparierte auf Hausnummer 52 einen schadhaften Kamin. Die Hausbesitzerin heizte stark ein und die Flammen verbreiteten sich vom inzwischen brennenden Haus im Wind auf den Ort. Es kamen die Feuerwehren aus der Umgebung, auch aus Neuburg und Reichertshofen. Von 79 Gehöften fielen 41 Häuser und 31 Nebengebäude zum Opfer. 50 Stück Vieh. Der Gesamtschaden wurde auf 100.000 Gulden geschätzt. In Euro umgerechnet wären dies 3,3 Millionen gewesen. Davon waren nur etwa ein Drittel durch die Versicherung gedeckt.

Ein Hilfswelle setzte nun von allen Seiten ein. Die Regierung von Schwaben und Neuburg genehmigte eine Naturalsammlung für die Brandgeschädigten. Das Neuburger Wochenblatt machte einen Aufruf zur Hilfeleistung. Ganze Wagenzüge mit Getreide, Stroh, Heu, Lebensmitteln, Betten, Kleidern rollten daraufhin in Weichering ein, dazu Geldspenden. In Neuburg standen zwei Theaterveranstaltungen zu Gunsten der Brandgeschädigten auf dem Programm. Der ehemalige König Ludwig I. überwies als Hilfe zweitausend Gulden. Auch der regierende König Max II. steuerte 500 Gulden bei.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Pfarrstadel (links) und das Rathaus, einst die Volksschule
  • Zentraler Platz des Ortes ist die Pfarrkirche St. Vitus.
  • Auf dem Kapellenplatz befindet sich das Rathaus, einst das Schulgebäude und direkt am Ufer der Ach der Pfarrstadl.
  • In Lichtenau ist die Kirche St.-Johannes-Baptist ein zentrales Gebäude.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Weichering

Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Grundschule
  • 2 Kindergärten
  • 1 Arzt, 1 Tierärztin
  • Filiale der Raiffeisenbank
  • Filiale der Sparkasse

Ortsneckname[Bearbeiten]

Ortsneckname der Weicheringer ist Ganskroong (mundartl.: Ganskragen; Gänsehals)

Literatur[Bearbeiten]

  • Neuburger Kollektaneenblatt 106 (1952) Jahresschrift des Historischen Heimatvereins Neuburg
  • Ludwig Wagner: Kirchengeschichte St. Vitus Weichering, Akzente der Vergangenheit und Gegenwart (Broschüre 2003)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 602.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weichering – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien