Ghimbav

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Ghimbav
Weidenbach
Vidombák
Wappen von Ghimbav
Ghimbav (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Brașov
Koordinaten: 45° 40′ N, 25° 30′ O45.66333333333325.507777777778559Koordinaten: 45° 39′ 48″ N, 25° 30′ 28″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 559 m
Fläche: 28,08 km²
Einwohner: 4.698 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 167 Einwohner je km²
Postleitzahl: 507075
Telefonvorwahl: (+40) 02 68
Kfz-Kennzeichen: BV
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Dorel Toma (PSD)
Postanschrift: Str. Lungă, nr. 69
loc. Ghimbav, jud. Brașov, RO–507075
Webpräsenz:

Ghimbav [ˈgimbav] (deutsch Weidenbach, ungarisch Vidombák) ist eine Stadt im Kreis Brașov in Rumänien.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ghimbav im Kreis Brașov
Altes Wappen von Ghimbav (Weidenbach, Vidombák)

Ghimbav liegt im Südosten Siebenbürgens, an der Europastraße 68 in der Mitte des Burzenlandes. Die Kreishauptstadt Brașov (Kronstadt) befindet sich etwa sieben Kilometer östlich. Ghimbav besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Brașov–Făgăraș. Es bestehen gute Busverbindungen nach Brașov und nach Codlea (Zeiden).

Geschichte[Bearbeiten]

Weidenbach wurde im Jahr 1342 erstmals urkundlich erwähnt[2]. Es war vermutlich eine Gründung deutscher Siedler. Seit 1422 gehörte Weidenbach – wie das gesamte Burzenland – zum Königsboden.[3] Seine Bewohner waren über mehrere Jahrhunderte überwiegend Siebenbürger Sachsen.

In seiner Geschichte wurde Weidenbach mehrfach weitgehend zerstört; so 1422 und 1658 durch Türkeneinfälle, 1469 und 1586 durch Feuerkatastrophen, 1599 durch Truppen des walachischen Fürsten Michaels des Tapferen, 1602 durch Soldaten der habsburgischen Truppen Giorgio Bastas und 1611 durch den siebenbürgischen Fürsten Gabriel Báthory. Nach der Verwüstung und Entvölkerung im Jahre 1422 erließ König Sigismund dem Ort für zehn Jahre die Steuern, um den Zuzug neuer Bewohner zu fördern.[4].

Nachdem der Ort bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zum Königreich Ungarn, zum Fürstentum Siebenbürgen bzw. zu Österreich-Ungarn gehört hatte, ist es seitdem ein Teil des Staates Rumänien.

Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich die ersten Industriegebiete (eine Papierfabrik, eine Kammgarnspinnerei und eine Furnierfabrik) an. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Textil- und die Luftfahrtindustrie sowie ein Flugplatz hinzu.

2002 wurde Ghimbav zur Stadt erklärt[5]. Seit 2008 wird am Stadtrand der internationale Flughafen Brașov errichtet[6]. Anfang 2011 nahm der Flugzeugteilebauer Premium Aerotec in Ghimbav die Produktion auf.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Wie bereits erwähnt, war Weidenbach lange Zeit ein vorwiegend von Siebenbürger Sachsen bewohntes Dorf. Im Ort lebten im Jahr 1510 133 Hauswirte, sechs Hirten, ein Müller und je ein Amtsdiener, Glöckner und Schulmeister[4].

Erst ab dem 18. Jahrhundert, nachdem der Ort die Pestepidemie überstanden hatte, verdreifachte sich die Zahl der Wohnhäuser im Jahre 1898 auf 336, von denen 206 von Siebenbürger Sachsen bewohnt waren[8].

Bei der Volkszählung 1850 wurden 1163 Einwohner erfasst, davon 815 Deutsche, 225 Rumänen und 123 Roma. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1893 Bewohner im Jahr 1941) nahm die Bevölkerungszahl stark zu, obwohl die Anzahl der deutschen Bewohner durch Auswanderung immer geringer wurde. Ursache war vor allem der Zuzug vieler Rumänen aus der Moldau[9]. Im Jahr 2002 bezeichneten sich von den damals 5112 Bewohnern der Stadt 4795 als Rumänen, 237 als Magyaren, 56 als Deutsche, 13 als Zigeuner und 11 als Angehörige anderer Nationalitäten[10].

Im Jahre 2009 wurden noch 72 Mitglieder der evangelischen Gemeinde gezählt (Siebenbürger Sachsen) [11].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die von der Evangelischen Kirche ist eine Pfeilerbasilika mit westlichem Glockenturm und östlichem, polygonal geschlossenem Chor. Das Mittelschiff reicht noch teils bis in die romanische Zeit (13. Jahrhundert) zurück, die dortigen Gewölbe wurden 1775 erneuert. Aus gotischer Zeit (14. und 15. Jahrhundert) sind Seitenschiffe, Glockenturm und Chor. Im 15. Jahrhundert wurde die Anlage zur Kirchenburg umgebaut, erhielt eine ringförmige Wehrmauer mit sieben Türmen und innen an die Mauer ursprünglich angebauten Vorratshäuser (um 1940 weitgehend abgebrochen). Der ehemalige Wassergraben wurde vom Weidenbach gespeist. Der Zugang zur Kirchenburg erfolgte über eine im Südosten gelegene Zugbrücke. 1456 kam es zu einer erfolglosen Belagerung der Kirchenburg durch Vlad Tepes, 1599 durch Michael der Tapfere, 1611 durch Radu Șerban.[12] 1658 wurde die Kirchenburg von Tartaren eingenommen und stark verwüsten.

Die 16 Register-Orgel, welche zuerst im Chor aufgestellt war, wurde später auf die Empore versetzt.
1876 wurde anstelle der Torwehre an die Ringmauer der Kirchenburg das neue Rathaus gebaut[8].

Die Wehranlagen sind in den letzten Jahrzehnten teilweise verfallen[9].

In Ghimbav gibt es darüber hinaus eine neue, 2009 fertiggestellte Orthodoxe Kirche mit vergoldetem Dach (einzigartig in Rumänien), an der Verbindungsstrasse nach Cristian (Neustadt)[13].

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heimatortsgemeinschaft Weidenbach, Uwe Konst (Hrsg.): Weidenbach: eine siebenbürgisch-sächsische Gemeinde im Burzenland, Gundelsheim 1999, ISBN 3-929848-14-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ghimbav – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. www.genealogy.net
  3. http://www.honigberg.net/Honigberg/html/geschichte/geschichte1000.htm (Version vom 8. Februar 2009 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt bei web.archive.or
  4. a b www.siebenbürger.de
  5. www.ropedia.ro
  6. Website des Flughafens Braşov
  7. punkto.ro vom 19. Januar 2011, abgerufen am 19. Januar 2011
  8. a b Martin Rill: Das Burzenland. Städte, Dörfer, Kirchenburgen. Edition Wort und Welt, München 1999, ISBN 3-932413-03-2.
  9. a b Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hrsg.): Reisehandbuch Siebenbürgen. Kraft, Würzburg 1993, ISBN 3-8083-2019-2.
  10. Volkszählungen in Siebenbürgen 1850–2002 (ung.)
  11. Dieter Drotleff: Pfarrer, Kuratoren, Seelenzahlen. In: Allgemeine Deutsche Zeitung. Beilage: Karpatenrundschau, 4. März 2010, S. 3.
  12. Uwe Konst: Weidenbach: Eine siebenbürgisch-sächsische Gemeinde im Burzenland, Heimatortsgemeinschaft Weidenbach, 1999, ISBN 3-929848-14-7.
  13. Biserica aurită de la Ghimbav bei monitorulexpres.ro (rumänisch)