Weilbach (Bayern)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Weilbach
Weilbach (Bayern)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Weilbach hervorgehoben
49.6686111111119.2133333333333152Koordinaten: 49° 40′ N, 9° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 152 m ü. NHN
Fläche: 27,28 km²
Einwohner: 2239 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 63937,
63916 (Sansenhof)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 09373
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 165
Marktgliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Hauptstr. 59
63937 Weilbach
Webpräsenz: www.weilbach.de
Bürgermeister: Bernhard Kern (UL)
Lage des Marktes Weilbach im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Weilbach ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und liegt im bayerischen Teil des Odenwalds.

Geografie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Weilbach hat sieben amtlich benannte Ortsteile[2] auf drei Gemarkungen:

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Seinen Namen hat Weilbach vom gleichnamigen Weilbach[3], welcher der Mud im Gemeindegebiet zufließt.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1253 Wilinbach
  • 1272 Wilebach
  • 1336 Wilnbach
  • 1360 Welnbach
  • 1395 Wylnbach
  • 1498 Weylbach
  • 1570 Weilmbach
  • 1585 Weilbach

Geschichte[Bearbeiten]

Weilbach wurde im Jahre 1201 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Ritter Cunrat von Wilenbach war Zeuge bei einer Grundstückssache des Hauses Dürn, dem er dienstbar war. Die Herren von Dürn waren staufische Ministerialen und von 1171 – 1272 Schutzvögte des Klosters Amorbach.

Die meiste Zeit seiner Geschichte stand Weilbach unter Kurmainzer Herrschaft. 1803 wurde Weilbach dem Fürstentum Leiningen zugeschlagen und kam mit diesem kurz darauf zum Großherzogtum Baden. Wenige Jahre später (1810) gelangte Weilbach zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt, seit 1816 gehört es zu Bayern.

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Weilbach lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Weilbach war nun eine der 31 Gemeinden im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.

Weilbacher Kirche und alte Schule

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde der Ortsteil Reuenthal der Gemeinde Reichartshausen in die Gemeinde Weilbach umgegliedert. Bei der Gemeindereform, die am 1. Juli 1977 in Kraft trat, wurde Weckbach mit seinen Ortsteilen Gönz (im Jahr 1879 eingemeindet)[4], Ohrenbach (Name bis 1870 Ohrenbach-Wiesenthal, im Jahr 1892 eingemeindet)[5], Wiesenthal und Sansenhof mit Weilbach zusammengeschlossen.[6]

Politik[Bearbeiten]

Derzeit steht der Gemeinde Bürgermeister Bernhard Kern (Unabhängige Liste) in seiner dritten Amtsperiode vor. Im Jahr 2008 vereinigte Kern 93,55 % der Stimmen (Vergleich: 2002 94,13 %) auf sich (ohne Gegenkandidaten bei einer Wahlbeteiligung von 67,03 %).

Der Gemeinderat des Marktes Weilbach besteht aus 15 stimmberechtigten Mitgliedern. „Geborenes Mitglied“ ist Bürgermeister Bernhard Kern. Weiter entsenden in den Gemeinderat die Freien Wähler 5 Gemeinderäte (Wahl 2008 - 34,17 % der Stimmen), die CSU 5 Gemeinderäte (Wahl 2008 - 33,38 % der Stimmen) und die SPD 4 Gemeinderäte (Wahl 2008 - 32,45 %).

Es gibt sonst keine weiteren, aktiven Ortsgruppen von Parteien in Weilbach. Die SPD besitzt zudem eine Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten. Bürgermeister Kern ist im Kreisvorstand der Freien Wähler.

Kultur und Sehenswürdigkeiten, Bauwerke[Bearbeiten]

Die Kirche, das historische Ortszentrum mit dem Drei-Röhren-Brunnen. Von der Gotthardsruine, welche zur Hälfte auf Amorbacher Gemarkung steht, hat man einen Rundblick über den Odenwald, bis in den Spessart.

Gotthardsruine[Bearbeiten]

Rundblick von der Gotthardsruine

Die Gotthardsruine, eine gotische Pfeilerbasilika, steht auf einer Bergkuppe des nahe gelegenen Gotthardsberges. Von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick in sieben Täler und die umliegenden Berge. Der „Gotthard“, einst Frankenberg, hat eine bewegte Geschichte. Er war zeitweise Raubritterburg und später Nonnenkloster.

Die erste schriftliche Überlieferung geht auf das Jahr 714 zurück. Damals habe der Gaugraf Ruthard von Frankenberg die Missionare St. Pirmin und Amor auf den Gotthard gerufen. Während des Bauernkrieges (1525) legten die Aufständischen den Gotthard in Schutt und Asche. 1631 wurde die Kirche von Abt Erhard Landecker wieder aufgebaut. Am 8. Juni 1714 wurde die Gotthard-Basilika vom Blitz getroffen und zerstört. Die Ruine, in ihrem heutigen Zustand, wurde im Jahre 1956 restauriert.

Waldlehrpfad[Bearbeiten]

Rund um die Gotthardsruine erstreckt sich ein Waldlehrpfad, der zum spielerischen Erkunden des Waldes einlädt.

Dreiröhrenbrunnen[Bearbeiten]

Der Dreiröhrenbrunnen befindet sich in der Ortsmitte von Weilbach, direkt an einer Wegkreuzung. Er hat einen großen Sandsteintrog mit einem barocken Relief. Das Wasser sprudelt aus drei Röhren. Der Brunnen ist auch als eines der Wahrzeichen des Marktes im Gemeindewappen vertreten. Zur alljährlichen Faschingseröffnung der Carnevalsgesellschaft „Weilbacher Frösch“ am 11. November wird das Wasser grün eingefärbt.

Mudmühle[Bearbeiten]

Am nordwestlichen Ausgang von Weilbach steht die 1585 vom Mainzischen Hofbaumeister Ambrosius Brosamer umgebaute Mühle mit einem Renaissancegiebel.

Hallsteine[Bearbeiten]

Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von interessanten Ursteinen auf der Hallhöhe im Westen Weilbachs. Ein ausgeschilderter Wanderweg führt zu diesem Naturdenkmal.

Glockenspiel[Bearbeiten]

Das Glockenspiel wurde im Dezember 1991 mit 24 Glocken am Rathaus angebracht. Diese erklingen täglich um 9:10 Uhr, um 12:10 Uhr und um 18:10 Uhr. Finanziert wurde die Anlage durch eine Privatinitiative von Weilbacher Bürgern und Vereinen unter dem Dach des Heimatvereines Weilbach-Weckbach e. V.

Seit dem 25. Juni 2006 erklingt das Glockenspiel - inzwischen auf 37 Glocken erweitert - in einem eigens errichteten Turm im Alten Schulhof. Besonderheit: Das Glockenspiel kann auch von Hand gespielt werden und ist damit eine große Seltenheit in Bayern (aktuell nur fünf funktionierende Carillons in Bayern).

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die historisch zur Linde AG gehörige Fabrik der Eisenhammer gegründet. Linde stellte bis 2006 im Unternehmensbereich „Linde Material Handling“ (LMH) auch Flurfördergeräte und Lagertechnikgeräte her. Bekannt wurden unter anderem die Linde-Gabelstapler. Der Konzern war auch im Besitz der bekannten Marken Still und OM Pimespo. Zum 1. August 2006 wurde LMH zunächst aus der Linde AG in die neu gegründete Kion Group GmbH ausgegliedert. Anfang November 2006 wurde diese zur Gegenfinanzierung des Erwerbs von BOC für 4 Mrd. € an ein Konsortium der Finanzunternehmen Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und Goldman Sachs veräußert.

In der Folge des Betriebs des Eisenhammers, siedelten sich mehrere Modellbauunternehmen an, die Gussmodelle herstellen. Eine Palettenfabrik verarbeitet das Holz des Odenwalds. Auf dem neuen Gewerbegebiet-Süd siedelt ein Logistikunternehmen sowie Unternehmen aus dem Handwerk.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Bundesstraße 469 ist Weilbach an das Fernstraßennetz angeschlossen. Die Bundesstraße führt als Umgehung an der Gemeinde vorbei. Die nächsten Autobahnanschlüsse zur A3 sind Stockstadt (42 km) und Wertheim/Lengfurt (43  km). Die Kreisstraße MIL6 führt in den Odenwald nach Vielbrunn.

Weilbach ist ein Haltepunkt der Madonnenlandbahn Seckach–Miltenberg. In Seckach zweigt die Linie von der Bahnstrecke Neckarelz–Osterburken ab und in Miltenberg von der Maintalbahn. In Seckach besteht Anschluss an die S-Bahn Rhein-Neckar, die in den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) integriert ist. Der Bahnhof gehört außerdem zum Übergangs-Tarifgebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Der ÖPNV wird durch Verkehrsgemeinschaft am Bayerischen Untermain betrieben.

Radfernwege[Bearbeiten]

Durch den Ort führen folgende Radwanderwege:

Wanderwege[Bearbeiten]

Der Nibelungensteig, ein 124 Kilometer langer, mit dem Gütesiegel "Wanderbares Deutschland" zertifizierter Fernwanderweg, verläuft auf Weilbacher Gemarkung von der Gotthardsruine durch den Ortsteil Reuenthal in Richtung Miltenberg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Paul Breunig (* 6. Januar 1926; † 24. August 2006) trat im Jahr 1946 im Markt Weilbach als Gemeindesekretär ein. Von 1956 bis 1985 war er Bürgermeister der Marktgemeinde Weilbach. Ab 1966 war er Mitglied des Kreistages für drei Perioden. Von 1967 bis 1984 trug er als Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetags, Kreisverband Miltenberg, Verantwortung.

Aufgrund seiner überragenden Verdienste wurde ihm bereits 1981 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Außerdem war er Träger der Bürgermedaille in Gold des Marktes Weilbach. 1985 erhielt er die Ehrenbürgerwürde und 1991 die kommunale Verdienstmedaille in Silber. Am 24. August 2006 verstarb Paul Breunig in seinem Heimatort Weilbach.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Lorenz Breunig (* 11. August 1882 in Weilbach; † 15. Februar 1945), Reichstagsabgeordneter
  • Elisabeth Schüssler-Fiorenza (* 17. April 1938), katholische feministische Theologin
  • Karl Straub (* 7. Dezember 1898 in Weilbach/Unterfranken; † 1966), Kommunist, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, ehemaliger politischer Häftling im KZ Buchenwald
  • Norbert Walter, Chefvolkswirt a. D. der Deutsche Bank Gruppe (* 23. September 1944 in Weckbach; † 31. August 2012)

Kurioses[Bearbeiten]

Weilbach

Bis vor einigen Jahren lief "die Bach" noch offen durch die Gemeinde. Morgens und abends hörte man die Frösche im Ort quaken. So kamen die Weilbacher zu ihrem Spitznamen/Ortsnecknamen.[7]

Weckbach

Kienspäne, meist aus Kiefernholz, die man zum Beleuchten der Stuben verwendete, wurden von den Weckbachern „Steckerle“ genannt und selbst hergestellt. Die Nachbarn gaben ihnen dafür den Ortsnecknamen „Steckerlespitzer“.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weilbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. bayerische-landesbibliothek-online (abgerufen im Jan. 2013)
  3. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 236.
  4. Information zur Geschichte des Dorfes Gönz
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 523.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 751.
  7. a b Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Landkreis Miltenberg 2003