Weimarer Bildhauerschule

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Die Weimarer Bildhauerschule wurde am 1. November 1905 von Großherzog Wilhelm Ernst (Sachsen-Weimar-Eisenach) im sogenannten „Kunstgewerbeschulbau“, damals Kunstschulstraße 7, zur Ausbildung von Bildhauern und Bildhauerinnen gegründet. Bis 1910 stand sie unter der Leitung des Bildhauers Adolf Brütt (1855–1939). Ein 1905/06 südlich angebauter zweiter Gebäudeflügel für die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar, unter der Leitung von Henry van de Velde (1863–1957), konnte erst am 1. April 1908 eröffnet werden.

Die Weimarer Bildhauerschule für Bildhauer- und Bildhauerinnen (damals einzige staatliche Ausbildungsstätte im Deutschen Reich) ist ein Teilvorhaben des Projektes, gegenüber der Berliner Kunstpolitik der Moderne der Sezessionen einen Ort zu geben (Neues Weimar), wenngleich in gewissem Sinne wiederaufgegriffen wurde, was Reinhold Begas in der Gründungsphase der Großherzoglichen Kunstschule Weimar nach 1860 hätte leisten sollen, nämlich die Idee des von Asmus Carstens eingebrachten Räumlich-Plastischen wachzuhalten.

Als zunächst eigenständiges Lehr- und Werkstattgebäude enthielt die „Bildhauerschule“ neben dem Hauptatelier, in dem u.a. Brütts Theodor Mommsendenkmal für Berlin entstand, vier Meisterschülerateliers, eine Bildgießerei unter Leitung des Gießermeisters Emil Schmidt sowie eine Modellierwerkstatt mit einem keramischen Brennofen. Einige der hier entstandenen Schülerarbeiten wurden von den Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst vervielfältigt, für die neben Brütt und seinen Schülern Wolfgang Schwartzkopff, Franziska v. Seeger und Bernhard Sopher eben auch Ernst Barlach und Gerhard Marcks Modelle lieferten. Bildhauerschule und Kunstgewerbeschule wirkten zusammen und verfügten gemeinsam über einen Ziseleur, den Werkmeister Egon Dinkloh.

„Die jungen Bildhauer sollen nicht nur in Ton modellieren lernen, sie sollen auch mit dem eigentlichen Material und der Ausführung vertraut werden. Aus einem dazu vorhandenen Fonds soll Stein angeschafft werden und gelungenen Entwürfe sollen dann in dem Material ausgeführt werden. Die Schaffenslust wird dadurch bedeutend gesteigert, zumal Arbeiten mit schönen künstlerischen Qualitäten - wenn auch nur in Sandstein - im Weimarer Park aufgestellt werden sollen.“

Programm der Weimarer Bildhauerschule (Brütt, 1905)

1910 übernahm Gottlieb Elster die Bildhauerschule, die mit ihrer jetzt von Gießermeister Köhler geführten Bronzegießerei bis zum Kriegsbeginn bestand.

Die Bildhauerausbildung wurde im Rahmen der institutionellen Weiterentwicklung der Weimarer Künstlerausbildung weitergeführt u.a. von Richard Engelmann und Gerhard Marcks.

Werke der Weimarer Bildhauerschule[Bearbeiten]