Weingut Anita und Hans Nittnaus

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Weingut Anita und Hans Nittnaus, Gols, 2012

Das Weingut Anita und Hans Nittnaus in Gols ist ein österreichisches Weingut im Weinbaugebiet Neusiedlersee im Burgenland.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach historischen Aufzeichnungen betreibt die Familie Nittnaus bereits seit 300 Jahren Weinbau in Gols. Im Jahr 1927 errichtete Johann Nittnaus (1888 bis 1960) das heutige Gebäude. Bereits in den 1930er Jahren wurden im Betrieb Weine in Flaschen gefüllt. Betriebsnachfolger war Johann Nittnaus (* 1924).

Dessen Sohn Hans („John“) Nittnaus (* 1955) hatte in den Jahren 1969 bis 1974 die Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg besucht. Nach Ablegung der Matura übernahm er im Jahr 1975 die alleinige Kellerverantwortung. Zugleich studierte er ab 1982 in Wien an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Komposition. Ab dem Jahr 1984 konnte er sein Studium wegen betrieblicher Unabkömmlichkeit nicht weiter fortsetzen. Seit 1985 steht das Weingut unter der Leitung von Hans („John“) Nittnaus und seiner Frau Anita.

In der folgenden Zeit entwickelte Hans Nittnaus einen ausgeprägten Gemeinschaftsgeist mit einer Reihe von Engagements. Nachdem er zunächst eine zeitlang in der burgenländischen Winzervereinigung „Renommierte Weingüter Burgenland“ (RWB) aktiv gewesen war, wurde er 1994 Gründungsmitglied der Golser Winzervereinigung „Pannobile“, in der er sich seit Beginn engagiert mit seinen Ideen einbringt. Der „Pannobile“-Gruppe trat er sogar den bis dahin von ihm geschützten Namen ab (zuvor firmierte in seinem Betrieb ein Rotwein unter der Bezeichnung „Pannobile“).

Seit 1999 bewirtschaftet Hans Nittnaus Flächen am Leithaberg. Im Jahr 2004 pachtete er in diesem Gebiet die gesamte Fläche des Joiser Weinbaubetriebes Ernst Winter. Infolge seiner Begeisterung für das Leithaberg-Terroir initiierte er im Jahr 2006 die Winzervereinigung „Leithaberg“, aus der im Jahr 2010 sogar eine gleichnamige Appellation hervorging. Bei der Herausarbeitung der sublimen Weinstilistik für die Appellation „Leithaberg DAC“ war Hans Nittnaus tonangebend.[1]

Als Leiter der Jazzgruppe „John Nittnaus Band“ absolviert Hans Nittnaus laufend Auftritte im kulturellen Rahmen. Diese finden zum Teil auch im Umfeld der Weinszene statt.

Rebfläche, Sorten[Bearbeiten]

Die Rebfläche beträgt 40 Hektar (Stand 2012), wovon 95 Prozent mit roten Rebsorten, hauptsächlich Zweigelt und Blaufränkisch, des Weiteren mit Sankt Laurent und Merlot bestockt sind. Weiße Rebsorten, die hauptsächlich in den Lagen am Leithagebirge im Weinbaugebiet Neusiedlersee-Hügelland angebaut werden, sind Chardonnay, Sauvignon Blanc, Grüner Veltliner und Weißburgunder. Aus diesen Sorten werden auch Trockenbeerenauslesen gewonnen.[2]

Wirtschaftsweise, Stilistik[Bearbeiten]

Die terroirgeprägten Weine werden seit 2007 in biodynamischer Bewirtschaftung erzeugt. Nittnaus ist einer der Wegbereiter puristischer Rotweinerzeugung in Österreich. Im Rahmen seines Engagements am Leithaberg begeisterte er mit seiner puristischen Gesinnung eine Reihe von aufstrebenden Erzeugern.

Am bekanntesten ist heute die Rotweinpalette des Weinguts Anita und Hans Nittnaus, die mit Comondor, Pannobile rot, Leithaberg DAC (Blaufränkisch) und Blaufränkisch Tannenberg gleich mehrere Premiumweine umfasst. Die Premiumweine weisen eine bemerkenswert unterschiedliche Stilistik auf. Die Cuvée Comondor, mit der Nittnaus Anfang der 1990er Jahre den Aufstieg zur burgenländischen Weinbauelite schaffte, ist für ihren Tiefgang und ihre Struktur bekannt. Der ehemalige Cuvéepartner Cabernet Sauvignon wurde mittlerweile durch Zweigelt ersetzt. Der Name Comondor bezieht sich auf eine ungarische Hirtenhunderasse. Pannobile rot ist eine aus Gols stammende Cuvée aus den autochthonen Sorten Zweigelt und Blaufränkisch, die vergleichsweise warmfruchtig und mediterran anmutet, wohingegen der kühlfruchtige Leithaberg DAC (ein reinsortiger Blaufränkischer von alten Reben) geradlinig, komplex und sehr strukturiert geprägt ist. Sein Gepräge bezieht dieser Wein aus dem kalk- und schieferdurchsetzten Boden des Leithabergs und der vorteilhaften nächtlichen Abkühlung, die der Berg während der Reifeperiode bietet. Eine Novität seit dem Jahrgang 2008 ist der mächtige und zugleich elegante Blaufränkische vom Joiser Tannenberg, der sein Volumen einer Kombination aus direkter Abwärme vom nahen Neusiedler See, alten Rebstöcken und einem Boden mit Schiefer- und Muschelkalkeinlagerungen verdankt. Bei all ihrer Verschiedenartigkeit haben diese Weine einiges gemeinsam: ihren moderaten Alkoholgehalt, ihre Lebendigkeit, ihre puristische Komplexität sowie ihren bestechenden Trinkfluss. Die Weine werden allesamt spontan vergorenen, auf Schönung wird verzichtet. Erfahrungsgemäß sind die Premiumweine von Nittnaus enorm langlebig.[3]

Das Weingut Anita und Hans Nittnaus hat eine Reihe von hochrangigen Auszeichnungen erhalten.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJohann Werfring: Die Kunst des Weinmachens. In: „Wiener Zeitung“ vom 2. März 2012, Beilage „Wiener Journal“, S. 38. Abgerufen am 2. März 2012.
  2. Peter Moser: Falstaff. Weinguide 2009/2010. Österreich. Südtirol. Falstaff Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-902660-03-9, S. 500f.
  3. Johann Werfring: Die Kunst des Weinmachens. In: „Wiener Zeitung“ vom 2. März 2012, Beilage „Wiener Journal“, S. 38–39.
  4. Auszeichnungen auf der Webseite des Weinguts

Literatur[Bearbeiten]

  •  Stuart Pigott, Andreas Durst, Ursula Heinzelmann, Chandra Kurt, Manfred Lüer, Stephan Reinhardt: Wein spricht Deutsch. 1. Auflage. Scherz Verlag, Frankfurt am Main, 2007, ISBN 978-3-502-19000-4.
  •  Peter Moser: Falstaff. Weinguide 2009/2010. Österreich. Südtirol. 1. Auflage. Falstaff Verlag, Wien, 2009, ISBN 978-3-902660-03-9, S. 500f..
  •  Klaus Egle: Der österreichische Wein. Das große Handbuch. 1. Auflage. Pichler Verlag, 2007, ISBN 978-3-85431-403-5.
  •  Vinaria. Weinguide 2011/12. Die 3500 besten Weine Österreichs. 1. Auflage. Edition LWmedia, 2011, ISBN 978-3-9502275-3-6, S. 320.
  •  Johann Werfring: Die Kunst des Weinmachens. In: „Wiener Zeitung“ vom 2. März 2012, Beilage „Wiener Journal“, S. 38–39.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weingut Anita und Hans Nittnaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.89722222222216.911111111111Koordinaten: 47° 53′ 50″ N, 16° 54′ 40″ O