Weinheimer Senioren-Convent

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Weinheimer Senioren-Convent
Das Symbol des Weinheimer Senioren Convents ist die Wachenburg in Weinheim an der Bergstraße. Sie wurde in den Jahren 1907-13 eigens als Tagungsstätte durch den WVAC erbaut.
Gründung
7. April 1863 in
Frankfurt am Main
Mitglieder
58 Weinheimer Corps
an 23 Hochschulorten (2012)
Grundsätze
Wahlspruch
Jemer bereit stan!
Altherrenverband
Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten (WVAC)
Kartellvertrag
Verbandsorgan
CORPS - Das Magazin
(vier Ausgaben pro Jahr)
Geschäftsstelle
Büro des WVAC
Friedrichstraße 32
69469 Weinheim
Homepage

Der Weinheimer Senioren-Convent (WSC) ist der Dachverband von Corps an Technischen Hochschulen in Deutschland. Derzeit gehören dem WSC 60 Corps an den Hochschulorten Aachen, Bayreuth, Berlin, Bielefeld, Bochum, Braunschweig, Clausthal, Darmstadt, Dresden, Freiberg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Kaiserslautern, Karlsruhe, Kiel, Köln, Magdeburg, Mannheim, München und Stuttgart an. Die Corps im WSC tragen Couleur und stehen zur Mensur. Der WSC und seine Mitgliedscorps vertreten das Toleranzprinzip; die Mitgliedschaft ist nicht an eine bestimmte Nationalität, Hautfarbe oder Konfession gebunden. Es werden nur männliche Personen aufgenommen. Mehr als 1.200 Studenten und rund 8.000 berufstätige Akademiker bezeichnen sich als Weinheimer Corpsstudenten.

Leitung[Bearbeiten]

Der WSC wird durch den jährlich wechselnden Vorort geleitet. In einer festgelegten Reihenfolge wechseln sich die SC des WSC bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe ab. Dem Vorort steht wiederum ein Vorortsprecher vor, dieser wird durch den 2. und den 3. Vorortsprecher sowie durch die Ausschüsse des WSC wie auch des Altherrenverbandes WVAC (s. u.) unterstützt.

Hauptaufgaben des Vororts sind die Vertretung des WSC nach außen und die Führung des Verbandes im Innenverhältnis. Die Vorortsprecher sind gehalten, während ihres Amtsjahres möglichst alle SC zu besuchen und die Verbandstagung durchzuführen. Auch die Organisation von Fechtseminaren, die Erhebung von Statistiken über den Verband sowie die Bündelung der Hochschulpolitischen Interessen der SC und der Corps des WSC zählen zu den Aufgaben des Vororts.

Die Satzungen des Verbandes und der ihm angehörenden Corps schließen ein Allgemeinpolitisches Mandat aus, so dass weder der Verband, noch die Seniorenconvente und die Einzelcorps zu politischen Fragen des außeruniversitären Bereichs Stellung nehmen. Wie der KSCV betreibt auch der WSC nur eine sehr zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit. Diese beschränkt sich im Wesentlichen auf die Eigendarstellung zum Zwecke der Nachwuchsgewinnung.

Gliederung[Bearbeiten]

Senioren-Convente der Corps
des WSC und KSCV in Europa

Der WSC ist ein Zusammenschluss von einzelnen Corps als direkten Mitgliedern des Dachverbandes. Diese sind auf Hochschulortebene in örtlichen Senioren-Conventen zusammengeschlossen und müssen aus wenigstens zwei Corps bestehen. An Hochschulorten mit nur einem Corps hat sich dieses dem SC eines benachbarten Hochschulortes anzuschließen.

Mit diesen Strukturen unterscheidet sich der WSC vom Kösener Senioren-Convents-Verband, der ein Zusammenschluss von örtlichen SC ist. Im KSCV können auch Einzelcorps an einem Hochschulort einen SC bilden. Aufgrund dieser unterschiedlichen Strukturen haben in der Verbandspolitik die örtlichen SC im WSC eine weniger bedeutende Rolle als im KSCV.

Im WSC gibt es sechs größere Freundschaftskartelle:

Geschichte[Bearbeiten]

Das Wappen des Weinheimer Senioren-Convents mit den Farben schwarz-weiß-rot und dem Wahlspruch des WSC: Jemer bereit stan!
Antrag des SC zu Freiberg auf Aufnahme in den WSC (1873)

Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Gegründet wurde der Verband in Frankfurt am Main am 7. April 1863 von den Corps an der TH Karlsruhe, der TH Hannover, TH Stuttgart und der ETH Zürich als „Allgemeiner Senioren-Convent“ (ASC). Die Bezeichnung Weinheimer A.S.C oder Weinheimer SC kam erstmals 1867 auf. Seit 1875 wird sie ausschließlich verwendet.

Seit 1864 ist Weinheim der Tagungsort des Verbandes. Hier findet seitdem jedes Jahr am Himmelfahrtswochenende die Jahrestagung des WSC und seiner Unterorganisationen statt.

Unzufriedenheit mit der Organisation und der Wunsch nach einem Verband alleine der Corps auf den Technischen Hochschulen führte 1883 zu einer vorübergehenden Auflösung des WSC. Im darauffolgenden Jahr 1884 wurde der Verband von den Corps an den Hochschulen Stuttgart, Hannover und Braunschweig jedoch wieder erneuert. Der Senioren-Convent zu Freiberg und der SC zu Clausthal wurden erst 1902 und 1905 wieder aufgenommen.

Mit dem Beitritt des Polytechnischen SC an der Technischen Hochschule München (1912), des SC zu Breslau (WSC) (1920) und des Danziger Senioren-Convents war dann die Sammlung der Corps an den Technischen Hochschulen im damaligen Reichsgebiet abgeschlossen. Der WSC war zum Interessenvertreter aller Corps an diesen Hochschulen und den Bergakademien geworden.

Zwischenkriegszeit und Deutscher Senioren-Convent[Bearbeiten]

Um in der Frage der Straffreiheit der Mensur auf breiterer Basis agieren zu können, trat der WSC 1920 dem Allgemeinen Deutschen Waffenring (ADW) bei. Dieser sollte die Interessen der schlagenden Verbindungen in geeigneter Weise bündeln.

Unter dem nationalen und großdeutschen Eindruck des Ersten Weltkrieges entstand 1921 der Allgemeine Deutsche SC-Verband, ein Zweckverband von KSCV und WSC. Die Geschäftsführung wechselte zwischen Berlin und München. Ein zentrales Thema waren die Ausdehnungsbestrebungen des Rudolstädter Senioren-Convents von den tierärztlichen auf die technischen Hochschulen. Da der Rudolstädter Vertrag vom 7./8. Oktober 1922 daran nichts änderte, wurde er wieder gelöst.

Auf der Weinheimtagung 1933 forderten der Aktiven- und der Altherrenverband des WSC die Verbindung mit dem KSCV. Ideengeber war angeblich die Spinnstube, der AHSC Hannover. Unter dem Druck der Gleichschaltung standen die Corps aller Verbände im Abwehrkampf gegen den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Zugleich versuchte der RSC – seit Jahrzehnten im Kampf um „akademische“ Anerkennung – mit aller Macht zu expandieren. Dem WSC waren solche Absichten fremd. Wie im Abkommen von 1921 vereinbart, wollte er sich auf Technische Hochschulen und Bergakademien beschränken.[1]

„Während der KSCV seine Identität wahrte, wurde der WSC zum Auffangbecken für den Rudolstädter SC und einzelne Corps des Naumburger SC. Da sich die Vollversammlung des WSC bereits 1933 ihrer Rechte weitgehend entledigt hatte, war die Vereinigung eine Angelegenheit der Verbandsführer.“

Herbert Scherer

Von diesen (nationalsozialistischen) Verbandsführern am 25. März 1934 beschlossen, war die Vereinigung ein „Zusammenschluss der Aufsteiger“, nämlich der Corps an den (nichtuniversitären) technischen, veterinärmedizinischen und landwirtschaftlichen Hochschulen und Fachhochschulen.[1] Ihre Speerspitze war Hans Heinrich Lammers, Angehöriger des Miltenberger Rings. Die Eingliederung der schließlich 27 Rudolstädter Corps bescherte dem WSC und seinen Senioren-Conventen größte Probleme (die zum Teil erst in den 1950er Jahren gelöst wurden). Das Erscheinen von Rudolstädter Einzelcorps an Universitäten brachte auch Konflikte mit dem KSCV.

Es bestanden

  • reine Weinheimer SC in Karlsruhe, Stuttgart, Braunschweig, Freiberg, Aachen, Danzig und Clausthal
  • SC mit WSC- und RSC-Corps in Dresden, Berlin, München und Breslau
  • Weinheimer SC mit zugeordneten Corps in Hannover, Darmstadt und Berlin
  • Rudolstädter SC in Bonn, Halle und Leipzig (mit jeweils drei Corps).

„Nun gab es eine Kösener-Weinheimer Zweisamkeit nicht nur in Berlin und München, sondern auch in Bonn, Köln (wo die dem Bonner SC zugehörige Guestphalia beheimatet war), Halle, Leipzig, Hamburg, Frankfurt, Marburg und Breslau. Zwar fielen nach Kriegsende die mittel- und ostdeutschen Hochschulorte Halle, Leipzig und Breslau als Corpsstandorte aus, dafür wuchsen dem WSC als Erbe der Auflösung von 1934/35 noch Corps an den Kösener Sitzen Kiel, Heidelberg und Göttingen zu. Bis 1953 war die Lage chaotisch, weil Einzel-SC in der Zeit der Wiedergründung SC-Rechte wahrnahmen und damit Corps bei sich renoncieren lassen konnten.“

Herbert Scherer

Schließlich kam das vorläufige Ende für den WSC im Wintersemester 1935/36: auf einer außerordentlichen Tagung des WSC wurde am 20. Oktober 1935 die Auflösung des WSC beschlossen. Viele Corps existierten zwar als Kameradschaften im NSDStB weiter, ein verbindungsstudentisches Leben war jedoch aus damaliger Sicht für die Zukunft unmöglich geworden. Wegen eines Formfehlers bei der Zwangsauflösung erstand der WSC nochmals von 1936 bis 1938, da jedoch die meisten Corps bereits aufgelöst waren oder sich in Auflösung befanden, war das Wirken während dieser "Galgenfrist" sehr eingeschränkt. 1940 war die Liquidation auch des WVAC endgültig abgeschlossen.

Vom Zweiten Weltkrieg bis heute[Bearbeiten]

In der Nachkriegszeit in Deutschland erklärte der WVAC seine Zwangsauflösung von 1938 für nichtig. In der Folge wurde der WSC 1949 als Dachverband der deutschen Corps vor allem an Technischen Hochschulen wiederbelebt. Die erste Verbandstagung des Altherrenverbandes WVAC nach dem Zweiten Weltkrieg fand vom 18. bis 21. Mai 1950 statt.

Nachdem eine zunächst angestrebte Vereinigung mit dem KSCV gescheitert war, wurde der WSC in Weinheim am 23. Mai 1952 rekonstituiert. Lediglich auf örtlicher Ebene gelang es in einem Fall, die Vereinigung der beiden Verbände dauerhaft voranzutreiben. In München bildete sich der Münchner Senioren-Convent mit 11 Corps des KSCV, 7 Corps des WSC und einem verbandsfreien Corps. Ein WSC-Corps aus München (Rheno-Palatia) war in Erwartung einer baldigen deutschlandweiten Vereinigung vom WSC zum KSCV übergetreten. Rheno-Palatia ist daher das einzige Kösener Corps, dessen Wappen am Tor der Wachenburg angebracht ist.

Der WSC ist seit 1955 mit dem Kösener Senioren-Convents-Verband der Corps an den Universitäten durch einen Kartellvertrag verbunden. Bereits 1921 kam es zu einem Zweckverband mit dem KSCV. Unter dem Namen Allgemeiner Deutscher SC-Verband wurde in hochschulpolitischen Fragen und in Fragen der corpsstudentischen Anschauungen kooperiert.

Allgemein kam es in vielen Corps nach dem Zweiten Weltkrieg zu Diskussionen über die Beibehaltung oder Abschaffung des Fechtens von Mensuren. Die einen sahen es als erhaltenswertes Erziehungs- und Auswahlmittel, die anderen sahen es als überholtes Relikt einer vergangenen Zeit an. Die Diskussionen verdichteten sich in vielen Corps in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und führten dazu, dass zahlreiche Verbindungen, darunter auch Corps, das Fechten abschafften. Dies führte im WSC 1965 zum Austritt des Corps Bavaria Karlsruhe, einem der Gründungscorps des WSC. Trotz mancher Streitigkeiten - auch innerhalb der Corps selbst - hielt aber die überwiegende Mehrzahl der Corps am Mensurprinzip fest.

Nach der sog. Wiedervereinigung gelang es, an vier Hochschulorten in den neuen Ländern (Dresden, Freiberg, Magdeburg und Greifswald) wieder WSC-Corps zu etablieren. Das Corps Saxo-Borussia Freiberg war das erste WSC-Corps, das nach der Wiedervereinigung in den neuen Ländern restituiert wurde.

Interne Verbandspolitik[Bearbeiten]

Die starke Aufteilung in Kreise wie bei den Kösener Corps ist beim WSC weniger verbreitet. Der Fünferbund ist der größte Zusammenschluss von Corps innerhalb des WSC und nimmt daher innerhalb des Dachverbandes eine besondere, führende Stellung ein. Bei den Sitzungen anlässlich der WSC-Tagung nach Errichtung der Wachenburg 1913 bis 1930 hatte der Fünferbund an der Mitteltafel des Festsaals seinen Platz. Der Fünferbund legte unter anderem fest, bei welchem Corps Angehörige von Fünferbundcorps zu verkehren hatten, wenn sie den Hochschulort wechselten. Die zuletzt 1929 revidierte Liste legte folgende Corps fest: Dresden – Teutonia, Freiberg – Saxo-Borussia, Aachen – Montania, Danzig – Borussia, Clausthal – Borussia, Breslau – Montania, Darmstadt – Rhenania und bis 1954 München – Rheno-Palatia. Nach 1980 wurden die Verkehrslisten nicht mehr erstellt. [2]

Die Fünferbundecke auf der Wachenburg (um 1910)

In der Burgschänke der Wachenburg befindet sich seit ihrer Einweihung im Jahre 1909 rechts neben dem Eingang die Fünferbundecke, die den Angehörigen des Bundes als Treffpunkt dient und mit deren Couleur geschmückt ist. Zu dem Fünferbund gehören Corps Franconia Karlsruhe, Rhenania ZAB in Braunschweig, Stauffia Stuttgart, Slesvico-Holsatia Hannover und Saxonia-Berlin zu Aachen.

Am 12. März 1863, also bereits 26 Tage vor Gründung des Weinheimer Senioren Convents, schlossen Franconia Karlsruhe und Rhenania Zürich, heute in Braunschweig ansässig, ein Kartell ab, das ununterbrochen bis in die Gegenwart Bestand hat. Durch Abschluss eines Freundschaftsvertrages zwischen Franconia und Rhenania, die mittlerweile nach Aachen verlegt worden war, auf der einen Seite sowie Stauffia Stuttgart und Slesvico-Holsatia auf der anderen Seite kam es am 4. Juli 1874 zur Gründung eines .[3]

In dem Freundschaftsvertrag wurde vereinbart, in Fragen des WSC gemeinsam vorzugehen, sich gegenseitig in Notfällen durch Abgabe von Corpsburschen zu unterstützen, Corpslisten (Listen der Corpsangehörigen), CC-Meldungen (Meldungen über personelle Veränderungen im Corps wie Aufnahmen, Entlassungen, Ämterbesetzungen) sowie wichtige Beschlüsse der örtlichen Senioren-Convente mitzuteilen. Im Sommersemester 1892 schloss der Viererbund mit Saxonia-Berlin ein Vorstellungsverhältnis ab, nachdem die Corps des Berliner Senioren-Convents – die Corps der Technischen Hochschule Charlottenburg – am 1. Januar 1892 vollberechtigte Mitgliedscorps des WSC geworden waren. Am 2. Juni 1897 wurde der Viererbund aufgelöst und am selben Tage der Fünferbund, bestehend aus den Corps des aufgelösten Viererbundes und Saxonia-Berlin, neu gegründet. [4] Im Nachgang der Aufnahme der Angehörigen des Freien Corps Saxonia durch das Corps Saxonia-Berlin am 10. Mai 1930, die von einigen Corps als ein Verstoß gegen den Grundsatz, den Fünferbund nicht zu erweitern hörte der Fünferbund zunächst auf zu bestehen, während das Kartell zwischen Rhenania und Franconia fortbestand. 1964 wurde von allen fünf Corps des früheren Fünferbundes ein Arbeitsvertrag abgeschlossen und 1980 der Fünferbund durch Abschluss eines neuen Freundschaftsvertrages wiederbegründet.[4]

Weinheimtagung auf der Wachenburg[Bearbeiten]

Weinheimer Corpsstudenten auf der Weinheimtagung 2010
Weinheimer Haus mit Corpsfahnen (2012)

Wachenburg[Bearbeiten]

Von 1907 bis 1928 erbaute sich der WSC nach Plänen des Architekten Arthur Wienkoop Saxoniae Karlsruhe eine eigene Tagungs- und Begegnungsstätte in Weinheim. Die Wachenburg, eine moderne Höhenburg oberhalb Weinheim sollte auch bauliches Symbol der Gleichrangigkeit mit dem KSCV sein.

Die Einweihung der Wachenburg erfolgte zum 50. Gründungsfest des Verbandes im Jahr 1913. Das Ehrenmal, ein wesentlicher Bestandteil der Burg, wurde 1928 eingeweiht und 1963 erweitert. In ihm wird auf Tafeln der Tausenden von Weinheimer Corpsstudenten gedacht, welche in den Kriegen von 1866 und 1870/71 sowie den beiden Weltkriegen ihr Leben im Felde verloren haben.

Die Burg befindet sich mitsamt dem dazugehörigen Gelände seit 1964 wieder im Besitz des Altherrenverbandes WVAC.

Weinheimtagung[Bearbeiten]

Das höchste Gremium des WSC ist der ordentliche Weinheimer Senioren-Convent (oWSC), der traditionell am Freitag nach Christi Himmelfahrt stattfindet und auf dem jedes Corps Sitz und Stimme hat. Die zu diesem Convent gestellten Anträge werden anlässlich des tags zuvor stattfindenden Ältestenrat letztmals vorbereitet und vor der Diskussion und Abstimmung mit den Antragstellern besprochen. Der Verband der Alten Herren (WVAC) trifft sich ebenfalls am Freitag zu seiner Vollversammlung.

Am Samstagmorgen gedenken die Weinheimer Corpsstudenten am Ehrenmal der Wachenburg mit einer zeremoniellen Trauerfeier der toten Verbandsbrüder. Im anschließenden Festakt im Festsaal der Wachenburg werden Corpsstudenten aus den beiden Dachverbänden KSCV und WSC, die mit hohem Einsatz für ihren jeweiligen Bund herausragende Studienleistungen zu verbinden wussten, mit der Klinggräff-Medaille des Stiftervereins Alter Corpsstudenten e.V. ausgezeichnet.

Organe[Bearbeiten]

Altherrenverband[Bearbeiten]

Klaus DeParade (2009)

Zu Beginn war der WSC ein reiner Verband der aktiven Corps, erstmals wurden ab 1877 auch Alte Herren zu den Verbandstagungen nach Weinheim eingeladen. Der Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten (WVAC) wurde erst im Jahr 1903 auf maßgebliche Initiative von Aute Bode gegründet, damals noch unter dem Namen Weinheimer Altherren-Verband (WAHV); die Umbenennung erfolgte 1928.

Der WVAC wird durch einen Vorstand geführt, der alle zwei Jahre neu gewählt wird. Im Gegensatz zum Vorort des WSC gibt es hierbei keine festgelegte Reihenfolge der örtlichen WVAC, vielmehr findet sich in freier Zusammensetzung eine Vorstandsmannschaft, welche sich auf der WVAC-Mitgliederversammlung zur Wahl stellt. Diese wurde bis Ende 2011 von Klaus DeParade als Vorstandsvorsitzendem geführt. Sein Nachfolger ist seit dem 1. Januar 2012 Marcel Hattendorf.

Archiv und Verbandszeitschriften des WSC[Bearbeiten]

Das 1930 gegründete WSC-Verbandsarchiv befindet sich im Institut für Hochschulkunde an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Von 1895 bis 1921 gab der WSC die Corpsstudentischen Monatsblätter als Verbandszeitschrift heraus. 1922 wurden sie in WSC-Nachrichten umbenannt. Von 1932 bis 1935 kehrte man nochmals zum alten Titel zurück, bevor mit der Auflösung des WSC auch das zwischenzeitliche Ende für die Verbandszeitschrift gekommen war.

1953 entstand Die Wachenburg, die nach der Vereinigung mit der Deutschen Corpszeitung (DCZ), der Zeitschrift des KSCV, zunächst unter dem Titel Der Corpsstudent und seit 2000 unter dem Namen CORPS - das Magazin herausgegeben wird. Es erscheint vierteljährlich in Bad Kösen (ISSN 1615-8180).[5]

Einst und Jetzt, das Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, erscheint jährlich und ist im Buchhandel erhältlich.[6]

Stifterverein Alter Corpsstudenten[Bearbeiten]

Der Stifterverein Alter Corpsstudenten ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein mit Sitz in Würzburg. Der Altherrenverband des Weinheimer Senioren-Convents ist dem Verein im Jahre 1991 beigetreten. Er fördert junge Corpsstudenten, die außergewöhnliche Studienergebnisse erzielt und überdurchschnittliches soziales Engagement bewiesen haben. Die Medaille wird im Rahmen eines Festaktes abwechselnd auf den Tagungen des Kösener Senioren-Convents-Verband (in Bad Kösen auf der Rudelsburg) und des Weinheimer Senioren-Convent (in Weinheim auf der Wachenburg) verliehen. Seit der Gründung des Stiftervereins wurden 130 Preisträger mit der Medaille ausgezeichnet (Stand Ende 2012).[7]

Beziehungen zu anderen Verbänden[Bearbeiten]

Der WSC ist Mitbegründer der 1951 ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft Andernach der mensurbeflissenen Verbände (AGA). Seit 1955 ist er zudem durch einen Kartellvertrag mit dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) verbunden, dem vor allem die Corps an den klassischen Universitäten angehören. Dieser Vertrag ermöglicht es Corpsstudenten aus beiden Verbänden, Mitglied in Corps beider Verbände zu werden.

Ab den 1950er Jahren engagierte sich der WSC in der Hochschulpolitik und im Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK). Nach einem Eklat beim Festakt der Korporationen 1998 in der Frankfurter Paulskirche trat der WSC 1999 aus dem CDK aus. Nach Meinung der beiden Corpsverbände KSCV und WSC hatte die Deutsche Burschenschaft einen zu großen und negativen Einfluss auf die Veranstaltung genommen. Die Corps beschlossen daher, nicht mehr länger mit Burschenschaften zu kooperieren. Dies wurde ausdrücklich damit begründet, dass es in den Reihen der Burschenschaften zu enge personelle und ideelle Verbindungen zu rechtsextremistischem und nationalistischem Gedankengut gibt. Weinheimer Senioren Convent (WSC) bei Corps-Berlin Nur mit dem Coburger Convent (CC) als drittem pflichtschlagendem Verband finden auch heute noch die sog. „Dreiverbändegespräche“ auf Vorortebene statt, in denen die jeweiligen Belange geklärt werden. Eine darüber hinausgehende Zusammenarbeit mit dem CC ist derzeit nicht angedacht.

Seit einigen Jahren finden gegenseitige Besuche mit Vertretern der amerikanischen Hochschulverbindung (Fraternity) Tau Kappa Epsilon[8] statt. Deren Organisation unterscheidet sich wesentlich vom deutschen System. Trotzdem gibt es viele Gemeinsamkeiten, vor allem zum Ehrenstandpunkt und in Fragen der politischen und religiösen Toleranz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schüler: Weinheimer S. C. Chronik, Darmstadt 1927
  • Michael Doeberl u. a. (Hg.): Das akademische Deutschland, Bd. 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger, Berlin 1931, S. 277-286
  • Adolf Julius Fillibeck: Vor 40 Jahren. Denkschrift des Vorsitzenden des Philisterausschusses der Suevia München [von 1951]. Einst und Jetzt 36 (1991), S. 213–228.[9]
  • Paulgerhard Gladen: Der Weinheimer Senioren-Convent und die in ihm aufgegangenen Verbände, in: Die deutschsprachigen Korporationsverbände, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. WJK-Verlag, Hilden 2008. ISBN 978-3-933892-28-7, S. 51-77.
  • Vorstand des WVAC (Hg.): Das Brauchtum des Weinheimer Senioren-Convents. Weinheim ohne Datum
  • 100 Jahre Weinheimer Senioren-Convent. Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Weinheimer Senioren-Convents, Bochum 1963.
  • Werner Nützel: Die Rekonstitution des Weinheimer SC nach der Nationalsozialistischen Verbotszeit. Einst und Jetzt 37 (1992), S. 203–210.
  • Herbert Scherer: Die WSC-Corps in der Verbotszeit (1933-1945). Einst und Jetzt 5 (1960), S. 82–93.
  • Herbert Scherer: Die Wiedereinführung der Bestimmungsmensur. Der WSC als waffenstudentischer Verband nach 1945. Einst und Jetzt 42 (1997), S. 111–119.
  • Herbert Scherer: Ein Deutscher Senioren-Convent. Idee und Wirklichkeit zwischen 1934 und 1954. Einst und Jetzt 42 (1997), S. 49–61, Digitalisat (PDF-Datei; 57 kB)
  • Herbert Scherer: Wiedergründung im Widerstreit. Der Restitutionsprozeß studentischer Korporationen nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel des Weinheimer SC. Einst und Jetzt 43 (1998), S. 135–151.
  • Rudolf Wohlleben: Der Weinheimer Senioren-Convent und die Achtundsechziger. Einst und Jetzt 55 (2010), S. 417–445. ISBN 978-3-87707-781-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b H. Scherer
  2. Carl Weigandt: Geschichte des Corps Saxonia-Berlin zu Aachen 1867–1967. Aachen 1968
  3. Bernd-A. Kahe: Corps Franconia Karlsruhe 1839–1989, eine Chronik. Karlsruhe 1989
  4. a b Joachim Grub: Beiträge zur Geschichte des Corps Saxonia-Berlin zu Aachen 1967–1992. Aachen 1993
  5. CORPS - das Magazin
  6. VfcG
  7. Preisträger der „Friedrich-von-Klinggräff-Medaille“ - Internetauftritt des Stiftervereins Alter Corpsstudenten
  8. en:TKE
  9. A. J. Fillibeck (corpsarchive.de)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weinheimer Corps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien