Weischütz

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51.22138888888911.705555555556114Koordinaten: 51° 13′ 17″ N, 11° 42′ 20″ O

Weischütz
Wappen von Weischütz
Höhe: 114 m ü. NN
Fläche: 3,18 km²
Einwohner: 176 (31. Dez. 2007)
Eingemeindung: 1. Juli 2009
Postleitzahl: 06632
Vorwahl: 034462

Weischütz ist ein Ortsteil von Freyburg (Unstrut) im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Herrenhaus des Gutes

Geografie[Bearbeiten]

Weischütz liegt am linken Ufer der Unstrut im Naturpark Saale-Unstrut-Triasland zwischen Laucha an der Unstrut und Freyburg an der Unstrut.

Geschichte[Bearbeiten]

Die auf der Ortsflur von Weischütz gefundene Stielspitze aus Feuerstein aus der Zeit des Übergangs von der Alt- zur Mittelsteinzeit sowie die mehrfach entdeckte Schnurkeramik weisen auf eine frühe Besiedlung der flachen Lößunterhänge im unteren Unstruttal hin. Bereits um 840 tritt südlich des Dorfes der Ortsname Fizendorpf auf, eine spätere Wüstung. Weischütz hingegen wird urkundlich erstmals am 26. Juli 1268 als Wischicz erwähnt. Der Ortsname ist vermutlich eine Ableitung des slawischen Wortes für Ausbau (vysěč).

Die Ortsform gleicht dem eines typischen Sackgassendorfes, an dessen Südostrand die Kirche errichtet wurde, deren älteste Glocke aus dem Jahr 1325 stammt. Das Kirchenschiff hingegen wurde 1804 umgebaut und die Inneneinrichtung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erneuert.

Neben der Kirche war das Rittergut der Mittelpunkt des Ortes. Die Geschichte der Gutsbesitzer lässt sich anhand der Lehnbriefe der Landgrafen von Thüringen bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Es war zunächst im Besitz der Familie von Kannawurf auf Weißensee. Von 1365 bis 1468 gehörte das Rittergut der Familie von Rockhausen auf Kirchscheidungen[1] und gelangte dann in den Besitz derer von Thüna (1468 bis 1622), von Breitenbauch, von Nißmitz, von Wilcke und von Streit. Am historisierenden Erker des ehemaligen Rittergutes, das ehem. als Gemeindeamt genutzt wurde, befinden sich vier Wappenmedaillons der Vorbesitzerfamilien, und seitlich am Haus die Allianzwappen der Familien v. Thüna und v. Wiehe.

Nachdem das Gut 1945 mit seinem 213 Hektar umfassenden Grundbesitz durch die Bodenreform enteignet wurde, entstanden östlich der Kirche mehrere Neubauernhöfe.

Verwaltungstechnisch gehörte Weischütz bis 1815 zum sächsischen Amt Freyburg und gelangte dann an den Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen. Während der DDR-Zeit lag der Ort im Kreis Nebra.

Die vormals eigenständige Gemeinde wurde am 1. Juli 2009 nach Freyburg (Unstrut) eingemeindet.[2] Letzte ehrenamtliche Bürgermeisterin war die am 6. Mai 2001 gewählte Sabine Krämer.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche
Eintrag des Bundespräsidenten Köhler im Gästebuch der Kirche

Kirche[Bearbeiten]

Die romanische Kirche wurde um 1200 erbaut. Eine exakte Datierung liegt nicht vor. An der Südseite des Turmes ist deutlich eine waagerechte Mauerkerbe in einer Höhe von circa drei Meter zu erkennen. Es handelt sich dabei um die Einpassung eines sogenannten Gadens, eines Schleppdaches, das im Mittelalter verschiedenen Zwecken, wie zum Beispiel Notunterkunft für Pilger, diente. Auf Wirken des zur damaligen Zeit in Freyburg amtierenden Superintendent Polycarpus Keil erfolgte 1804 eine grundlegende Renovierung des Innenraumes. Im Zuge von Rekonstruktionsarbeiten im Jahre 1981 erhielten Kirchenschiff und Turm ein neues Dach. Gleichzeitig wurde der Westgiebel des Turmes abgetragen und neu gemauert. Am 31. Dezember 1981 wurde das neue Kreuz auf das Kirchenschiff aufgesetzt. 1991 erfolgte schließlich der Innenausbau in der heutigen Form. Die Gemeinde wird seit 1916 vom Evangelischen Pfarramt Laucha betreut. Die Kirchenorgel wurde 1861 von der Firma Wilhelm Heerwagen aus Klosterhäseler gebaut. Die Orgel hat neun Register und wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut. Im Ersten Weltkrieg mussten die Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben werden. Schwere bauliche Schäden am Gebäude führten in den 1970er Jahren dazu, dass die Orgel nicht mehr spielbar war. Von 2001 bis 2003 restaurierte der Orgelbauer Christoph Noetzel das Instrument, so dass der Gottesdienst heute wieder von Orgelmusik begleitet werden kann. Die Glocken wurden 1917 zur Kriegszwecken beschlagnahmt. Weischütz besaß damals ein Geläut aus drei Bronzeglocken und einer kleinen Schulglocke. Am 23. Mai 1917 wurden die beiden großen Glocken auf dem Kirchturm zerschlagen (eine von 1832, Durchmesser 95 cm, eine von 1862, Durchmesser 77 cm). Die jetzigen Stahlglocken wurden 1928 von Schilling und Lättermann in Apolda gegossen. Die kleinste Glocke des historischen Geläutes überlebte wegen ihres Altertumswertes beide Weltkriege. Sie hat einen Durchmesser von 62 cm und ist mit sechs Medaillons verziert. Die Glocke wurde um 1325 gegossen und war ursprünglich mit einer Krone versehen. Diese wurde jedoch beim Transport 1945 zur Sammelstelle nach Hamburg und nach Kriegsende zurück beschädigt. Die fünf großen Medaillons sind typisch für die gotische Entstehungszeit der Glocke. Sie symbolisieren das Jüngste Gericht. Das kleine sechste Medaillon zeigt die Auferstehung Jesu. Die kleine Schulglocke ist verschollen. Das hölzerne Joch im nördlichen Turmfenster ist jedoch noch vorhanden.

Der Bundespräsident Horst Köhler besuchte mit seiner Gattin im Jahr 2008 die Kirche.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rüdiger Bier: 1500 Jahre Geschichte und Geschichten der herrschaftlichen Sitze zu Kirchscheidungen und Burgscheidungen S. 145–181. Eigenverlag, Rittergut Kirchscheidungen 2009.
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Gebiet an der unteren Unstrut (= Werte unserer Heimat. Band 46). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1988, S. 147f.
  • Joachim Säckl: Zur Geschichte des Rittersitzes und Herrenhauses in Weischütz/Unstrut. In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 4, 1995, ISSN 0944-4157, S. 77–98.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weischütz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien