Weissagung der Cree

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Die Weissagung der Cree ist ein eingängiger Spruch der amerikanischen und westdeutschen Umweltbewegung, der auf die Umweltproblematik aufmerksam machen sollte. Er fand in den 1980er-Jahren weite Verbreitung, z.B. als Aufkleber und durch das Lied Rauchzeichen. Die häufigste Textversion ist:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“
(Englische Version: Only after the last tree has been cut down / Only after the last river has been poisoned / Only after the last fish has been caught / Then will you find that money cannot be eaten.)

Ursprünge[Bearbeiten]

Entgegen weit verbreiteter Annahmen ist die Weissagung der Cree zumindest nicht in dieser Form indianischen Ursprungs. Sie wurde oft mit einem ähnlichen Satz aus der Rede verwechselt, die Häuptling Seattle vom Stamme der Suquamish 1854 vor Isaac Ingalls Stevens, dem Gouverneur des Washington-Territoriums, hielt. Der amerikanische Journalist Henry A. Smith, Ohrenzeuge der Rede, gab den Satz 1887 (also 33 Jahre später) in der Zeitung „Seattle Sunday“ aus seiner Erinnerung wie folgt wieder:

„Und wenn der letzte rote Mann von der Erde verschwunden und die Erinnerung des weißen Mannes an ihn zur Legende geworden ist, dann werden diese Gestade übervoll sein von den unsichtbaren Toten meines Stammes, ... dann wimmeln sie von den wiederkehrenden Scharen, die einst dieses Land bevölkerten und es immer noch lieben.“

Der amerikanische Literaturhistoriker und Filmregisseur Ted Perry veränderte den optimistischen Sinn dieser Sätze, als er 1972 eine Version verbreitete, die seine ökologische Botschaft unterstützen sollte: „Wenn der letzte rote Mann mit seiner Wildnis verschwunden und die Erinnerung an ihn nur der Schatten einer Wolke ist, die sich über die Prärie bewegt, werden diese Küsten und Wälder dann noch da sein? Wird vom Geist meines Volkes etwas übrig bleiben?“

Der erste Teil des Satzes mit den Bäumen, Flüssen und Fischen kommt auch in einer Version der „Legende von den Regenbogenkriegern“ vor, die die amerikanischen Geographen William Willoya und Vinson Brown 1962 erstmals als Prophezeiung der Hopi veröffentlichten. Eine von Lelanie Stone überlieferte Version der Legende soll von einer alten Cree-Frau stammen. Auch dieses möglicherweise indianische Original endet ähnlich wie die Prophezeiung des Häuptlings Seattle nicht mit der Mahnung an die Gier der Menschen, sondern mit dem Erscheinen einer Armee von Regenbogenkriegern (Rainbow Warriors).

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Bands Ape, Beck & Brinkmann und Cochise veröffentlichten 1979 das Lied Rauchzeichen, dessen von Fred Ape verfasster Text auf der Weissagung basiert.[1] Das Lied erreichte eine Auflage von über 100.000 und wurde auch in Schulbüchern abgedruckt.[2]

Der Spruch wurde auf Aufklebern, Postern, T-Shirts und anderem meistens mit einem farbenfrohen, „indianisch“ anmutenden Totem-Ring darum abgebildet[3] und wurde unter anderem auch von Greenpeace in Umlauf gebracht. Er hat sich inzwischen zu einem bekannten Mem entwickelt und wird auch in vielen abgewandelten, teilweise satirischen, Versionen weiterverbreitet.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Golyr: Rauchzeichen – Cochise, abgerufen am 13. März 2013
  2. D-Radio: Deutschlandfunk-Nacht-Radio, 29. August 2012, abgerufen am 13. März 2013
  3. Weissagung der Cree (Aufkleber), abgerufen am 13. März 2013
  4. Weissagung des Satireministeriums, abgerufen am 13. März 2013