Wellheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Wellheim
Wellheim
Deutschlandkarte, Position des Marktes Wellheim hervorgehoben
48.81805555555611.083888888889400Koordinaten: 48° 49′ N, 11° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Eichstätt
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 33,81 km²
Einwohner: 2687 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91809
Vorwahlen: 08427
08426 (Aicha)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: EI
Gemeindeschlüssel: 09 1 76 166
Marktgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 2
91809 Wellheim
Webpräsenz: www.wellheim.de
Bürgermeister: Robert Husterer (CSU)
Lage des Marktes Wellheim im Landkreis Eichstätt
Landkreis Donau-Ries Landkreis Roth Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Regensburg Landkreis Kelheim Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Ingolstadt Haunstetter Forst Adelschlag Altmannstein Beilngries Böhmfeld Buxheim (Oberbayern) Denkendorf (Oberbayern) Dollnstein Egweil Eichstätt Eitensheim Gaimersheim Großmehring Hepberg Hitzhofen Kinding Kipfenberg Kösching Lenting Mindelstetten Mörnsheim Nassenfels Oberdolling Pollenfeld Pförring Schernfeld Stammham (bei Ingolstadt) Titting Walting Wellheim WettstettenKarte
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Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Wellheim (mundartlich Wöiha) ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Eichstätt.

Geographie[Bearbeiten]

Schutterquelle am Galgenberg
Der Dohlenfelsen bei Konstein

Der Ort liegt ungefähr in der Mitte des nach ihm benannten Wellheimer Trockentals, einem Urdonau-Tal, südlich von Dollnstein und nördlich von Rennertshofen. Hier entspringt mit mehreren Quellen die Schutter, die in Ingolstadt in die Donau mündet.

Marktgliederung[Bearbeiten]

Es existieren folgende Ortsteile: Wellheim mit dem Gutshof Espenlohe, Biesenhard, Gammersfeld, Hard, Konstein mit Aicha und Einöde Wielandshöfe.

Geschichte[Bearbeiten]

Wellheim wird 1121 erstmals mit Ortsadel urkundlich erwähnt. In der Erbauseinandersetzung um die Hirschberger Erbschaft nach dem Tod von Graf Gebhard VII. (1305) kam Wellheim 1309 zusammen mit Dollnstein an die Grafen von Oettingen, die ihren Besitz 1360 an die Herren von Heideck verkauften. Spätestens zu dieser Zeit war der Ort zum Markt erhoben. 1393 veräußerten die Heidecker das Patronatsrecht über die Pfarrei Wellheim an das Kloster Kaisheim. 1448 wurde die Herrschaft nach einer Fehde als Kriegsbeute dem Markgrafen von Ansbach-Brandenburg Albrecht Achilles übergeben, der Hipolyt von Seckendorff damit belehnte. Dieser verkaufte die Herrschaft, so dass Wellheim 1458 bis 1627 im Besitz der Grafen von Helfenstein war. 1525 bemächtigte sich mit List der Advokat und Bauernführer Zacharias Krell der Burg. Krell wurde bei der Belagerung der Burg durch die Neuburger noch im gleichen Jahr erschossen.

1548 wurde der Ort protestantisch, nachdem der Landesherr, Graf Sebastian von Helfenstein, zum evangelischen Glauben übergetreten war. 1567 kehrte mit seinem Bruder Sebastian Wellheim zum Katholizismus zurück. 1627 kam der Ort durch Heirat an die Grafen von Oettingen-Baldern.

Im Dreißigjährigen Krieg blieb Wellheim während des ersten Schwedeneinfalls noch verschont, aber im August 1646 fielen die Schweden ein. Die wenigen Bewohner Wellheims flüchteten nach Neuburg an der Donau und kehrten erst im Jahr darauf zurück, um gleich wieder vor den Schweden zu flüchten (bis 1648).

1681 wurde Wellheim markgräflich-ansbachisch und zwei Jahre später durch Verkauf fürstbischöflich-eichstättisch. Ab 1683 war der Ort Sitz eines Pflegamts des Hochstiftes Eichstätt, das 1803 mit dem größten Teil des Hochstiftes zugunsten des Fürstentums Eichstätt des Erzherzogs Ferdinand von Toskana säkularisiert wurde. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehört der Ort zum Königreich Bayern. 1818 entstand mit dem Bayerischen Gemeindeedikt die heutige politische Gemeinde, die seit der Gebietsreform 1972 zum oberbayerischen Landkreis Eichstätt gehört.

Wellheim ist ein staatlich anerkannter Erholungsort im Naturpark Altmühltal.

Im Gemeindeteil Aicha ist ein etwa 80 Grabhügel umfassendes Gräberfeld der Mittleren Bronzezeit (1600–1200 v. Chr.) nachgewiesen; einige der zum Teil über einen längeren Zeitraum mehrfach benutzten Gräber wurden in Grabungsaktionen 1982/1983 und 1996 erforscht.

Wellheim besaß einen Bahnhof an der 1916 eröffneten und bis 1993 befahrenen Bahnstrecke Dollnstein–Rennertshofen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Gammersfeld und Hard eingegliedert.[2] Am 1. Mai 1978 kam Konstein hinzu.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet des Marktes wurden im Jahr 1970 2.489, im Jahr 1987 2.452, im Jahr 2000 2.739 und im Jahr 2005 insgesamt 2.865 Einwohner gezählt. Die Einwohner verteilen sich auf die Gemeindeteile wie folgt (2005): Wellheim 1.080, Konstein 1.062, Biesenhard 325, Gammersfeld 173, Hard 225.

Politik[Bearbeiten]

Marktgemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat von Wellheim hat 14 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2008 Robert Husterer (CSU).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Am 21. September 2011 bildeten die acht Kommunen Dollnstein, Wellheim, Nassenfels, Egweil, Oberhausen, Burgheim, Rennertshofen und Neuburg an der Donau die ARGE Urdonautal, eine Arbeitsgemeinschaft, deren Zweck in der Förderung und Koordinierung des Tourismus im Urdonautal liegt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Oberhalb des Ortes steht die aus dem 12. Jahrhundert stammende, seit dem 18. Jahrhundert verfallene Burg Wellheim auf einem zerklüfteten Jurafelsen; am besten ist noch der Bergfried erhalten.

Der Unterbau des Turmes der katholischen Pfarrkirche St. Andreas und Teile der Südwand stammen aus der Vorgängerkirche des 11./12. Jahrhunderts, die um 1618 abgebrochen wurde. Die Kirche wurde um 1700 wahrscheinlich nach Plänen des Eichstätter Hofbaumeisters Jakob Engel im Barockstil neu gebaut, am 12. Dezember 1701 konsekriert und 1945 nach Westen erweitert. Kurz vor 1900 erhielt der Turm die Zwiebelhaube mit Laterne. Hochaltar und Seitenaltäre sind barock (um 1700); das Altarbild aus dieser Zeit zeigt das Martyrium des Kirchenpatrons. Der barocke Stuck, wohl das früheste Werk des Eichstätter Stuckateurs Jakob Egg, umrahmt Deckengemälde von 1700, im Langhaus zeigt das Mittelbild Mariä Himmelfahrt. Im Westteil stammt die neuzeitliche Deckengestaltung von dem Maler und Restaurateur Franz Kugelmann aus Kleinaitingen. An der Emporenbrüstung barocke Bilder. Der reich dekorierte Hochaltar mit Andreas-Gemälde und die beiden Seitenaltäre (mit Nazarener-Bildern des 19. Jahrhunderts von Gorg Lang aus Deining) stammen von 1700/1701; auch die mit reichem Schnitzwerk versehene Kanzel ist barock. Neben zahlreichen barocken Figuren, so der hll. Walburga, Sebastian, Joachim, Katharina, Anna mit Maria, birgt die Kirche barockzeitliches Gestühl und verschiedene Epitaphien. Neben der Kirche steht ein barocker Pfarrhof, 1709 bis 1712 erbaut. Die Pfarrei gehört zur Diözese Augsburg. Auf dem Friedhof dürfen statt Grabsteine nur Holzkreuze aufgestellt werden.

Die Kreuzelbergkapelle, südöstlich von Wellheim auf Dolomitfelsen gelegen, wurde in der Barockzeit 1654 erbaut; kurz danach siedelte sich ein Eremit an. Hier sind noch bis 1790 Einsiedler nachgewiesen. Es handelt sich um eine kleine Saalkirche mit südlich sich anschließender offener Kapelle. Im Innern Stuck im Régencestil (1720–1730) und Barockmalerein in Medaillons.

Am ehemaligen Brauhaus findet man das mit 1722 bezeichnete Wappen (Obereichstätter Guss?) des Eichstätter Fürstbischofs Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen.

Während das östliche Torhaus des Ortes 1719 abgebrochen wurde, ist das westliche erhalten. Darin befindet sich ein Heimatmuseum.

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Wellheim


Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Wellheim, Kirche und Pfarrhof.

Am Fuße des ca. 50 Meter hohen Galgenberges, einer waldbestandenen, länglichen Kuppe mit Wirtshaus, Umlaufberg der Urdonau, entspringt, aus den Klüften des Weißjura als Karstquelle emposteigend, die Schutter, die im Ortsbereich von weiteren Quellen gespeist wird. Der Berg war gemeinsame Richtstätte der hier angrenzenden Pflegeämter Wellheim (eichstättisch) und Konstein (pfalz-neuburgisch).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 6, im produzierenden Gewerbe 75 und im Bereich Handel und Verkehr 52 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 79 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 938. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 1 Betrieb, im Bauhauptgewerbe 2 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 47 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1084 ha, davon waren 801 ha Ackerfläche.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 1.090.000 Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 106.000 Euro.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2009):[4]

  • Kindergärten: 104 Kindergartenplätze mit 82 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 10 Lehrern und 119 Schülern

Literatur[Bearbeiten]

  • Burgruine Wellheim. In: Burgen und Schlösser. Hercynia, Kipfenberg 1983, S. 50f. (ohne ISBN)
  • Wellheim. In: Fritz Heidingsfelder (Einleitung), Felix Mader (Hrsg.), Kurt Müllerklein (Illustrationen): Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken. Bezirksamt Eichstätt. Band 5, Heft 2, München 1928. Nachdruck: Oldenbourg, München / Wien 1982, S. 348–358 (ohne ISBN).
  • Wellheim Markt. In: Hans Baier (Hrsg.): Der Eichstätter Raum in Geschichte und Gegenwart. Stadt und Kreissparkasse Eichstätt 1984, S. 300f.
  • Bert Braun: Chronik Marktgemeinde Wellheim. Mit den Ortsteilen Konstein, Bieshenard, Gammerfeld und Hard. Braun Selbstverlag, Spardorf 1981 (ohne ISBN).
  • Christina Grimminger, Edmund Hausfelder, Achim Bunz (Fotos): Die Kirchen der Pfarrei Wellheim. Fink, Lindenberg 2002, ISBN 3-89870-062-3.
  • Heinz Mittel (Hrsg.): Sagen und Geschichten aus dem Urdonautal. (aus alten Schriften und mündlicher Überlieferung gesammelt und von Kindern aus der Gegend illustriert), Mittel Selbstverlag, Ingolstadt 1978 (ohne ISBN).
  • Heinz Mittel: Führer durch das Wellheimer Tal und seine Geschichte. Wanderungen im Wellheimer Tal. Mittel Selbstverlag, Ingolstadt 1981 (ohne ISBN).
  • Karl Zecherle, Toni Murböck, Landkreis Eichstätt (Hrsg.): Sehenswerte Natur im Kreis Eichstätt. Landkreis Eichstätt, Eichstätt 1982, S. 60–70. (ohne ISBN).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Beölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 456.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 599.
  4. Amtliche Gemeinde-Statistik, Seiten 13 und 14

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wellheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien