Weltdokumentenerbe in Österreich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der UNESCO
Logo des Weltdokumentenerbe

Das Weltdokumentenerbe ist ein Verzeichnis im Rahmen des Programmes Memory of the World (MOW) der UNESCO. Mit der Auszeichnung verpflichtet sich – wie bei den anderen Welterbe-Programmen – der Heimatstaat, im Dienste der Weltgemeinschaft für die „Erhaltung und Verfügbarkeit“ des jeweiligen dokumentarischen Erbes zu sorgen.[1]

Memory of the World in Österreich[Bearbeiten]

Aufgenommen werden sollen wertvolle Buchbestände, Handschriften, Partituren, Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente, „die das kollektive Gedächtnis der Menschen in den verschiedenen Ländern unserer Erde repräsentieren“.[2] Aus dem umfangreichen Erbe Österreichs, das auf die Sammlungen und Nachlässe der kunstinteressierten Habsburger, in Kirchen- und Klosterschätzen und zahlreicher Akteure der österreichischen Kultur zurückgeht, sind erst einige Einzelstücke in die Weltliste aufgenommen.

Betreut werden die nationalen Dokumentenerbe von der Österreichischen UNESCO-Kommission. Internationale Zentrale ist das World Heritage Committee.

Das Programm Memory of the World wird mit der Charta zum Erhalt des Digitalen Kulturerbes 2003[3] fortgesetzt, zur Frage der Langzeitarchivierung digitalisierter Dokumente sowie von ausschließlich digital vorhandenen Materialien. Hier wird in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Nationalbibliothek oder dem Arbeitskreis Digital Preservation der Österreichischen Computer Gesellschaft intensiv an der Umsetzung in Österreich gearbeitet.

Liste des Weltdokumentenerbe in Österreich[Bearbeiten]

Bild Kulturerbe Ort/Institution Beschreibung
Thalassa (Personifikation des Meeres), Carmen de viribus herbarum, fol 391 verso (Ausschnitt), vor 512 n. Chr 1997 Wiener Dioskurides-Manuskript Wien, Österreichische Nationalbibliothek Spätantike Sammelhandschrift, vor 512 n. Chr angefertigt.
Der Dioskurides ist ein pharmakognostisches Lexikon der Spätantike, und war durch Mittelalter und Renaissance bis in die Frühe Neuzeit als Nachschlagewerk für Heilmittel und als therapeutische Basis als Standardwerk in Verwendung.
1997 Schlussdokument des Wiener Kongresses 1815 (Kongressakte) Wien, Österreichisches Staatsarchiv Sammelakte aller wichtigen Separat- und Generalbeschlüsse und -verträge von 1815, umfasst 121 Artikel.
Der Wiener Kongress beendete als paneuropäisches Gremium die Zeit der Napoleonischen Kriege, die Europa über zwei Jahrzehnte in Instabilität versetzt hatten, und die lange Friedensperiode des Biedermeier bzw. der Restauration ermöglichten. Die Abschussakte wurde am 9. Juni 1815 von den Signatarmächten Österreich, Russland, Preußen, Großbritannien, Frankreich, Portugal, Spanien und Schweden, beim einzigen Mal, als der Wiener Kongress vollständig zusammentrat, unterzeichnet.
Kaiser Franz Joseph I., Stimmporträt, Aufnahme: Fritz Hauser, Bad Ischl, 2. 8. 1903, Österreichisches Phonogrammarchiv (Hörprobe, ram-Datei) „Es hat mich sehr gefreut …“[4]
1997 Historischen Sammlungen (1899–1950) des Phonogrammarchivs Wien, Österreichische Akademie der Wissenschaften 4000 Tondokumente (aus dem Gesamtbestand von 50.000 Aufnahmen mit etwa 7000 Stunden Material).
Das Phonogrammarchiv ist die älteste Phonothek der Welt, von der Kaiserliche Akademie der Wissenschaften 1899 gegründet. Es sammelte insbesondere ethnographische und zeitgeschichtliche Tondokumente. Zusammen mit dem Phonogrammarchiv Berlin ist es die bedeutendste Quelle für Oral History und akustische Originale
Totenbuch des „(Rinder-)Schreibers“ Sesostris, 15. Jh. v. Chr./18. Dynastie 2001 Papyrussammlung (Kollektion Erzherzog Rainer) Wien, Österreichische Nationalbibliothek 180.000 Papyri aus Ägypten, zwischen 1500 v. Chr. (Ägyptisches Totenbuch) and 1500 v. Chr. (gedruckte Haggadah). Beispiele für Hieroglyphen, Hieratisch, Demotisch, Koptisch wie auch Altgriechisch, Latein, Hebräisch and Aramäisch, Syrisch, Pahlewi und Arabisch.
Die wohl umfangreichste und umfassendste Sammlung von Schriftwerk auf Papyrus wurde von Erzherzog Rainer aufgebaut. 1883 erwarb er auf Anraten Joseph von Karabacek, 10.000 Papyri des 1. Fayyumer Funds, und erweiterte die Sammlung laufend; heute mit Museum, das in 53 Schaukästen etwa 400 repräsentative Exponate zeigt.
2001 Schubert-Sammlung Wien, Wienbibliothek im Rathaus Musikalien: Autographen und alle Erstausgaben, Dokumente und Zeitzeugnisse.
Nikolaus Dumba, Kunstmäzen und -sammler, begann sie Sammlung über den Komponisten und Musiker Franz Schubert in den 1850ern, und erwarb über 200 Handschriften, die er testamentarisch der Stadt Wien vermachte. Heute ist sie die weltgrößte Sammlung von Schubertiana, und bedeutendes Quellenarchiv der Musikforschung ebenso wie Fundus für Schubert-Ausstellungen.
Kaart van Puerto Rico, Atlas Blaeu–Van der Hem, handkolorirter Druck, 17. Jh. 2003 Atlas Blaeu–Van der Hem[5] Wien, Österreichische Nationalbibliothek 50–bändige Kartensammlung mit kolorierten Handzeichnungen und Stichen, 1662–1678.
Laurens Van der Hem, Richter zu Amsterdam, erwarb den Atlas Maior des Joan Blaeu, das teuerste Buch des 17. Jahrhunderts, und kompilierte auf dieser Basis einen Atlanten, die die ganze Erdoberfläche erfasst, und neben Karten und Plänen auch Stadtansichten, Architekturzeichnungen, Portraits und anderes erfasst, im Besonderen handgezeichnete Karten und topographische Skizzen der holländischen Ostindien-Companie. Das Werk ist aufwändig gedruckt und von bekannten kontemporären Malern ausgestattet.
2005 Brahms-Sammlung Wien, Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Musikalien: Autographen, Erstausgaben, Dokumente und Zeitzeugnisse.
Kern der Sammlung ist der Nachlass von Johannes Brahms. Von der Gesellschaft der Musikfreunde, deren Mitglied Brahms als Konzertdirektor 1872–1875 war, wurde der Bestand erweitert, und ist heute nicht nur eine ausnehmend komplette Sammlung zum Musiker selbst, sondern zur ganzen Wiener Musikgeschichte der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
2005 Gotische Baurisse Wien, Akademie der bildenden Künste 425 gotische Architekturzeichnungen.
Die Sammlung umfasst originale Pläne, Entwürfe und Detailzeichnungen aus den mittelalterlichen Bauhütten. Die Bedeutung liegt Sammlung liegt darin, dass es von diesem Genre weltweit insgesamt nur etwa 500 Expemplare gibt, den Wiener Bestand eingeschlossen: In der Gotik wurde noch primär am Reißboden baugezeichnet. Damit ist die Wiener Sammlung Hauptquelle der Wurzeln des modernen Bauzeichnens
2005 Bibliotheca Corviniana Wien, Österreichische Nationalbibliothek (zusammen mit Belgien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien) 39 Bände von handschriftlichen Kopien bedeutender mittelalterlicher Werke.
Die Büchersammlung des ungarischen Königs Matthias Corvinus war nach der Vatikanbibliothek die größte Schriftensammlung ihrer Zeit (man nimmt an, dass sie 2000 Bände umfasste), und repräsentierte den Stand das Wissen der Renaissance. Sie zerfiel nach Tod des Königs, von den etwas über 200 nachgewiesenen Corvinen hat Österreich nach Ungarn des zweitbesten Bestand.
2007 Tabula Peutingeriana Wien, Österreichische Nationalbibliothek Kartensammlung, Pergamentkopie Ende 12. Jahrhundert, Einzelbild in 11 Teilen.
Das Kartenwerk umfasst das komplette römische Straßennetze im spätrömischen Reich. Die Mappa mundi, ein nicht flächen- und himmelsrichtungstreuer Streckenplan, zeigt den geographischen Stand der Spätantike, und reicht von Thule im Westen bis an den Ganges und China im Osten. Die Originalkarte wurde wohl nach 330 angefertigt, und ist nur in einer mittelalterlichen Kopie erhalten. Nach dieser Erwerbung von Konrad Peutinger um 1507 erschien 1598 ein Druck von Ortelius, Peutingers Exemplar war verschollen, und kam im 18. Jh. über Prinz Eugen und Karl VI. in die Kaiserliche Hofbibliothek.
2011 Nachlass von Arnold Schönberg Wien, Arnold Schönberg Center Umfangreiche Sammlung, rund 20.000 Musik- und Textmanuskriptseiten, historische Fotografien, persönliche Dokumente, Tagebücher, Konzertprogramme, Schönbergs Bibliothek, Memorabilia und Instrumente
Arnold Schönberg war neben Musik auch an Malerei, Pädagogik, Ästhetik, Judaismen, Politik, Philosophie und Religion interessiert. In den 1970er Jahren wurde Wien für den Standort der Schönbergiana ausgewählt, und das Arnold Schönberg Center dafür begründet.
Mainz Psalter, Druck Peter Schöffer, Johannes Fust, 1457 (Exemplar Royal Collection) 2011 Mainzer Psalter Wien, Österreichische Nationalbibliothek Psalmen-Sammlung in Latein von 1457, mehrfarbiger Druck in Schwarz, Rot und Blau.
Der Frühdruck von Peter Schöffer und Johannes Fust, als Inkunabel ausgeführt, dürfte nach der Gutenberg-Bibel für die Entwicklung des Buchdrucks das mitbedeutenste Werk sein. Es sind nur 13 Originale erhalten, nur sieben unversehrt, und von diesen nur das Wiener und das Dresdner Exemplar in Pergament.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weltdokumentenerbe in Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitat Webseite der Österreichischen UNESCO-Kommission
  2. Vgl. Das Gedächtnis der Menschheit. Das Dokumentenerbe der UNESCO. Kunth-Verlag, München 2010, S. 5
  3. Charta zum Erhalt des Digitalen Kulturerbes. (Volltext deutsch, pdf, unesco.at; 82 kB)
  4. hörBar - Ausschnitte von Aufnahmen, phonogrammarchiv.at; weitere Aufnahmen: Stimmportrait hergestellt bei der Vorführung des Poulsen´schen "Telegraphons" in Wien (Aufnahme auf Tondraht), 1901. und „Rede zugunsten des k. k. Österreichischen Militär-Witwen- und Waisenfonds“, Kaiser Franz Joseph 14. 12. 1915, beide mediathek.at
  5.  Commons: Atlas Blaeu-Van der Hem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien