Weltladen

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Das neue Logo der Weltläden in Österreich, seit 2010
Das Logo der Weltläden in Österreich bis 2010
Weltladen in Mannheim
Weltladen in Meran

Weltläden sind die Fachgeschäfte für Fairen Handel. Ziel der Weltläden ist es, zu mehr Gerechtigkeit in den Handelsbeziehungen zwischen den Ländern des Südens und des Nordens beizutragen. Um dieses Ziel zu erreichen, verkaufen Weltläden Produkte aus Fairem Handel, beteiligen sich an politischen Kampagnen und leisten Informations- und Bildungsarbeit zu Fragen des Fairen Handels.

Name[Bearbeiten]

Früher wurden diese Läden als „Dritte-Welt-Laden“ bezeichnet, aber der Name „Weltladen“ und die Bezeichnung „Eine-Welt-Laden“ haben sich heute etabliert.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Auf internationaler Ebene wurde der Ruf nach einem anderen, gerechteren Handel auf der UNCTAD-Konferenz 1964 laut. Dabei wurden von Seiten der Entwicklungsländer unter dem Motto „Fairer Handel statt Almosen“ Forderungen an die Industrieländer gestellt. Unter diesem Motto leisteten die Weltläden in der Folge die Pionierarbeit zur Verbreitung der Idee des Fairen Handels. 1969 wurde der erste Weltladen in den Niederlanden eröffnet, von dort breitete sich die Bewegung über ganz Westeuropa aus. Heute sind über 2400 Weltläden im europaweiten Weltladen-Netzwerk Network of European World Shops organisiert. Wie in den Anfangszeiten ist die Bewegung aber auch weiterhin stark basisorientiert.

Funktionen[Bearbeiten]

Weltläden verkaufen nicht nur Waren, sondern informieren die Öffentlichkeit über die Produkte, die Besonderheiten des Herkunftslandes, die Menschen, die sie erzeugen, deren Ideen und Leistungen, aber auch deren Rückschläge.

Weltläden zeigen auf, dass die Menschen im Süden und im Norden von ungerechten Welthandelstrukturen betroffen und an ihnen beteiligt sind. Sie arbeiten mit wirtschaftlich und politisch benachteiligten Produzent/Produzentinnen vornehmlich in den Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zusammen. Die drei Säulen ihrer Arbeit sind Warenverkauf, Information und Bildungsarbeit, sowie Kampagnen und Lobbying.

Um die Öffentlichkeit zu mobilisieren und zu sensibilisieren, werden Kampagnen zu Welthandelsprodukten sowie zu entwicklungs- und gesellschaftspolitischen Themen durchgeführt. Informationsarbeit erfolgt außerdem durch die Arbeit mit Schulklassen und Jugendgruppen, Veranstaltungen und einem regelmäßigen Austausch- und Dialogprogrammen mit Produzenten des Fairen Handels.

Produzenten[Bearbeiten]

Partner der Weltläden sind vor allem kleinbäuerliche Betriebe, Genossenschaften, Handwerker, Plantagenarbeiter, Kleinfirmen und Selbsthilfegruppen in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Das Mehreinkommen aus dem Fairen Handel wird von den Produzenten für Sozialprojekte, Bildungsprogramme, ökologische Investitionen, Verbesserung der Infrastruktur usw. verwendet.

Das Sortiment[Bearbeiten]

Das typische Sortiment eines Weltladens umfasst einerseits die klassischen agrarischen Produkte des Südens wie Kaffee, Tee, Kakao, Honig, Gewürze, Zucker, Fruchtsäfte und getrocknete Früchte, andererseits auch (Kunst-)Handwerk aus diesen Ländern, etwa Körbe, Taschen, Musikinstrumente, Dekorationsfiguren, Kleidung und Hängematten.

Weltläden in Deutschland[Bearbeiten]

Weltläden entstanden zuerst aufgrund der Aktion Dritte-Welt-Handel, die 1970 von der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend zur Betreuung entwicklungspolitischer Aktionsgruppen gegründet wurde.

Jahr geschätzte Zahl von
Weltläden in der Bundesrepublik Deutschland
1987 350
1995 700
2004 800
2007 836

In Deutschland gibt es mittlerweile über 800 Weltläden. Dazu kommen einige tausend Aktionsgruppen ohne festen Laden, die fair gehandelte Waren auch bei Festen und Märkten anbieten und oft ein enges Verhältnis zu einem Weltladen haben. Deutsche Weltläden beziehen ihre Verkaufsware in der Regel von den auf Fairen Handel spezialisierten Importorganisationen GEPA - THE FAIR TRADE COMPANY (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH), dwp eG (Dritte Welt Partner) oder der El Puente GmbH - oder aber auch direkt von Kleinbauernkooperativen und Genossenschaften in den Entwicklungsländern. Neben der GEPA, dwp und El Puente gibt es noch weitere Importorganisationen im Fairen Handel. Die meisten von ihnen sind im ATO-TÜV des Weltladen-Dachverbandes anhand von Konventionen bewertet worden.

Weltläden in Österreich[Bearbeiten]

Jahr Gesamtumsatz* Anzahl der
Weltläden
1987 0,8 k.A.
1992 2,9 k.A.
1997 4,5 57
1999 4,9 61
2000 5,2 62
2001 5,9 62
2002 6,5 64
2003 7,5 74
2004 8,4 81
2005 k.A. k.A.
*aller Weltläden in Österreich, netto in Mio. Euro;
Quelle: ARGE Weltläden

In Österreich gibt es im Jahr 2010 schon knapp 90 Weltläden sowie zwei Weltcafés. Die meisten werden von Vereinen geführt. Einige wenige werden von Privatpersonen, GmbHs oder Importorganisationen geführt. Sie beschäftigen rund 140 hauptamtliche und 1800 ehrenamtliche Mitarbeitern, hauptsächlich Frauen. Eine neue, aktuelle Entwicklung sind Weltcafés, die gastronomische Schiene der Weltläden, in der biologische und fair gehandelte Produkte angeboten werden. Die ARGE Weltläden ist die Dachorganisation der Weltläden und der Weltcafés.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein wichtiger Schritt für die Etablierung des Fairen Handels in Österreich war die Gründung der Firma EZA Dritte Welt (heute EZA Fairer Handel GesmbH.) als Importeur für fair gehandelte Produkte. Ohne Verkaufsstellen war deren Aktionsradius aber praktisch auf den Versandhandel beschränkt, ein starkes Handicap, galt es doch, die Menschen vor Ort von der neuen Idee zu überzeugen. 1977 wurde der erste eigenständige 3. Welt Laden in Innsbruck eröffnet, weitere Weltläden in anderen Gemeinden folgten bald. Gehandelt wurde zunächst hauptsächlich mit kunstgewerblichen Waren, ehe Mitte der 1970er Jahre so genannte „politische Waren“ immer mehr an Bedeutung gewannen. Den Akteuren der Fairhandelsbewegung ging es zu dieser Zeit in erster Linie darum, über die Thematik zu informieren und das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme der Dritten Welt zu schärfen. 1982 beschlossen die Betreiber mehrerer 3. Weltläden, den „Verein zum besseren Verständnis für die Probleme der Dritten Welt" (kurz ARGE-Dritte-Welt-Läden, heute ARGE Weltläden) zu gründen. Die Bewegung war stark politisch ausgerichtet, es folgten eine Reihe von Informationskampagnen wie etwa „Hunger ist kein Schicksal“, „Kauf kritisch“, „Frontstaatenkampagne“ (Unterstützung der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika), aber auch Informationsveranstaltungen wie die „Nicaragua-Wochen“ anlässlich des zehnten Jahrestages des Sturzes der Somoza-Diktatur. Die Themen Umwelt und Umweltzerstörungen waren und sind ebenfalls ein wichtiges Anliegen.

Ab den 1990 begannen sich immer mehr 3. Welt-Läden zu professionalisieren: Neben den ehrenamtlichen Mitarbeitern wurden auch bezahlte Angestellte eingestellt, die Läden übersiedelten in besser frequentiertere Lagen, die Gestaltung der Läden und die Warenpräsentation wurde verbessert, ein einheitliches und klares Erscheinungsbild sowie Marketing und Umsatzsteigerung wurden stärker forciert. 1993 war die ARGE Dritte Welt zentral an der Gründung des Vereins Transfair Österreich (heute Fairtrade Österreich) beteiligt. Ziel war es, fair gehandelte Produkte mit Hilfe eines Gütesiegels auch in die Supermärkte zu bringen. In diese Zeit fiel auch die Umbenennung von „Dritte Welt Läden“ in Weltläden, um den Gedanken der EINEN Welt stärker zum Ausdruck zu bringen. 1995 gab es bereits 50 Fachgeschäfte für Fairen Handel in Österreich, mittlerweile sind es 88 Weltläden und zwei Weltcafés(Stand März 2010). Neben der Verkaufstätigkeit ist ein wichtiger Schwerpunkt nach wie vor die Bildungs- und Kampagnenarbeit. Zentrale Aktion ist dabei der Weltladentag, der immer am zweiten Samstag im Mai stattfindet. Aktuelle Informationen dazu finden sich unter Weblinks.

Kriterien für Weltläden und Fairen Handel[Bearbeiten]

Die Definition des Fairen Handels für die Weltläden in Österreich ist in einem Grundsatzpapier festgehalten. Darin werden Kriterien für die Arbeit der Weltläden als auch und die Auswahl der Handelspartner (sowohl der Importorganisationen als auch der Produzentenorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika) festgelegt.

Es definiert Standards für Transparenz, Sozialverträglichkeit, Umweltverträglichkeit, demokratische Organisationsformen, Bezahlung eines fairen Preises, Informations- und Bildungsarbeit sowie Kontinuität.

Monitoring[Bearbeiten]

Österreichische Weltläden führen Lebensmittel mit dem Fairtrade-Gütesiegel sowie Kunsthandwerk und Textilien aus fairem Handel, die sie ausschließlich von anerkannten und spezialisierten Fairhandels-Importorganisationen beziehen. Anerkannte Lieferanten der Weltläden müssen somit die Kriterien für Fairen Handel, die im Grundsatzpapier definiert sind, erfüllen. Die Einhaltung der Kriterien wird im Rahmen eines regelmäßigen Monitorings geprüft. Zu den anerkannten Lieferanten gehören beispielsweise die Importorganisationen EZA Fairer Handel, Eine Welt Handel, dwp eG, CONA Gerechter Nord Süd Handel, Li Cok u.a.

Somit gibt es für die Weltläden in Österreich zwei Monitoring-Systeme:

  • Für die anderen Produkte (dies betrifft in erster Linie das in den Weltläden angebotene (Kunst-)Handwerk) aus Afrika, Asien und Lateinamerika gibt es das System der anerkannten Lieferanten (Fair-Handels-Importorganisationen), die regelmäßig durch einen unabhängigen Prüfer auf die Kriterien der Weltläden und die Standards der International Fair Trade Association (IFAT) geprüft werden. Der Prüfer wird durch die ARGE Weltläden bestellt.

Diesem Prüfer ist volle Einsichtnahme in Bilanz, Geschäftsgebaren, Ziel und Arbeitsweise des Lieferanten zu gewähren. Der Lieferant verpflichtet sich ferner, dass er Berichte über Verstöße gegen die Kriterien des Fairen Handels bei seinen produzierenden Partnern an die ARGE Weltläden weiterleitet. Bei einem Verstoß des Lieferanten gegen die Kriterien des Fairen Handels hat die ARGE Weltläden jederzeit die Möglichkeit, mit einer Frist von drei Monaten den Vertrag zu kündigen, wodurch der Lieferant aus dem Kreis der anerkannten Lieferanten ausscheidet und die Weltläden keine Produkte mehr von ihm beziehen.

Weltläden in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz firmieren die Weltläden unter dem Namen Claro. Sie sind in den grösseren und kleineren Städten sowie teils sogar in Dörfern zu finden. Die erste Aktion für fairen Handel fand 1973 in Frauenfeld statt. Im Anschluss daran wurden die ersten Weltläden gegründet.[1] Die Dachgesellschaft Claro Fair Trade AG wurde 1977 unter dem Namen Claro AG gegründet. Sie betreibt laut ihrer Statuten keine Gewinnmaximierung und verfolgt auch gemeinnützige Zwecke. Erwirtschaftete Gewinne werden zur Bildung von Reserven oder für die gezielte Unterstützung von Projekten, die dem Gesellschaftszweck entsprechen, verwendet. Die Gesellschaft erzielte im Geschäftsjahr 2008/09 mit 36 Mitarbeitern einen Umsatz von 21.912.646 Schweizer Franken (14.957.703,3 Euro). Sie verfügt über 136 Vertragsläden und beliefert mehr als 500 weitere Geschäfte mit ihren Produkten.

Kritik[Bearbeiten]

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zunächst fehlt eine Beleg für die hier angebrachte Kritik. Was aber viel interessanter ist: warum wird der Hinweis Fairer Handel aufgeführt? (s. letzter Satz)

Dem Modell der Weltläden wird Ineffizienz bei der Erreichung seiner Ziele vorgeworfen, da der Umsatz der Läden so gering ist, dass er keinen wirklichen Effekt auf den Welthandel habe. Zur Verteidigung des Modells wird entgegnet, dass trotz der marginalen Weltmarktbedeutung den Handelspartnern der Läden in der Dritten Welt konkret geholfen werde und sich ihre Lebensbedingungen verbesserten. Außerdem sei der Vorwurf, die Betreiber sollen sich nicht der Illusion einer Veränderung hingeben, indem sie versuchten, konkret etwas dagegen zu unternehmen, ein paradoxer – kritisiert werde somit die tatsächliche Arbeit damit, dass sie (noch) nicht ausreichend sei.

Mittlerweile werden mit dem TransFair-Siegel zertifizierte, fair gehandelte Waren auch in Supermärkten und Kaufhäusern verkauft, so dass die Absatzkanäle erweitert sind. Sowohl in den Weltläden als auch in den Supermärkten steigen seit Jahren die Umsätze mit fair gehandelten Waren.

Andere Aspekte und weitere Kritik werden unter Fairer Handel#Bewertung behandelt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Agenda 2010 der Aktion Brot für alle/Fastenopfer

Literatur[Bearbeiten]

  • Katharina Perkonig: Die Professionalisierung der Weltläden. Von politischer Visionsarbeit zu marktorientiertem Handeln. Vdm Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-639-12668-6.
  • Markus Raschke: Fairer Handel. Engagement für eine gerechte Weltwirtschaft. Matthias-Grünewald-Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7867-2764-4.
  • Konrad J. Kuhn: Fairer Handel und Kalter Krieg: Selbstwahrnehmung und Positionierung der Fair-Trade-Bewegung in der Schweiz 1973–1990. Edition Soziothek, Bern 2005, ISBN 3-03796-085-X.

Weblinks[Bearbeiten]