Weltspartag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wir sparen froh mit Sparefroh, Werbung der Zentralsparkasse Wien zum Weltspartag, Zeichnung von Heinz Traimer, um 1960

Der Weltspartag findet alljährlich in der letzten Oktoberwoche statt. Die Idee für diesen Tag geht auf den 1. Internationalen Sparkassenkongress (First International Thrift Congress) im Oktober 1924 zurück. Ursprünglich der Förderung des Spargedankens gewidmet, hat sich der Charakter des Weltspartags in der Vergangenheit in Teilen der Welt deutlich gewandelt. In einigen der ursprünglichen Gründungsländer spielt der Tag keine Rolle mehr. Gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern gewinnt der World Thrift Day dagegen auch im 21. Jahrhundert an Bedeutung und spiegelt hier das zunehmende Bewusstsein für finanzielle Bildung und Finanzerziehung wider.

Sparschwein
(1970er-Jahre)

Geschichte des Weltspartags[Bearbeiten]

In Mailand kamen vom 26. Oktober bis 31. Oktober 1924 insgesamt 354 Delegierte aus 27 Ländern zum First International Thrift Congress zusammen. Beschlossen wurde hier unter anderem die Gründung des International Savings Banks Institute (heute World Savings and Retail Banking Institute). Den Schlusstag des Kongresses erklärte der italienische Professor Filippo Ravizza und spätere Direktor des International Savings Banks Institute zum „World Thrift Day“. Dabei stellte die 2. Resolution des Kongresses den Weltspartag unter den Leitgedanken

„Not a day of rest, but of work and conduct inspired by the ideal of Thrift with the view to propagating its principles by example, by word and by pictorial demonstration."[1]

Zu den Ländern, die an der Gründungsinitiative zum Weltspartag beteiligt waren, gehörten:

  • Australien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Tschechoslowakei, Dänemark, Finnland, Griechenland, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Niederlande, Ungarn, Frankreich, Italien, Lettland, Luxemburg, Polen, Rumänien, Spanien, Schweiz, Jugoslawien, Argentinien, Brasilien, Chile, USA, Uruguay, Japan.

Einladungen zum Kongress erhielten darüber hinaus Vertreter aus:

  • Estland, Zypern, Irland, Norwegen, Portugal usw

Der erste Weltspartag wurde von den europäischen Sparkassen am 31. Oktober 1925 begangen. Obwohl als internationales Datum gefeiert, blieben Vorbereitung und Umsetzung weitgehend den nationalen Sparkassenverbänden überlassen. Für das International Savings Banks Institute stand in den Anfangsjahren die Verbreitung des Weltspartags und Spargedankens im Vordergrund. Hierfür wurde sogar ein Hilfegesuch an den Papst diskutiert. Nach Ende des 2. Weltkriegs erlebte der Weltspartag seine Blütezeit ab den 1955er Jahren, hat in den vergangenen 30 Jahren aber deutlich an Bedeutung verloren.

Inzwischen ist er in einigen Ländern nahezu komplett verschwunden. Unter Federführung der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation wächst dessen Bedeutung dagegen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Beispielsweise wurde der Weltspartag in den letzten Jahren in:

  • Aserbaidschan, Georgien oder Mexiko und Mosambik

eingeführt.

Der Weltspartag wird heute allgemein am 31. Oktober, in Deutschland allerdings bereits am letzten Arbeitstag vor dem 31. Oktober begangen, weil in einigen Bundesländern der Reformationstag am 31. Oktober ein gesetzlicher Feiertag ist. Auch in Österreich ist er zwar offiziell am 31. Oktober, wird aber gegebenenfalls auch auf den letzten Arbeitstag davor verschoben. Zudem hat sich bei einigen Banken/in einigen Ländern eingebürgert, gleich alle Tage in der Woche des Weltspartages als Sparwoche zu begehen.

Zweck und Bedeutung des Weltspartages[Bearbeiten]

Die Initiative zum Weltspartag wollte nicht einfach nur das Sparen fördern. Vielmehr stand bereits zu Beginn der pädagogische Aspekt im Vordergrund. Vor dem Hintergrund der Finanzerziehung wollte man nicht nur die unteren Einkommensschichten erreichen, das Sparen sollte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden.

Heute werden vielfach anlässlich des Weltspartags von Banken und Sparkassen Werbegeschenke verteilt, insbesondere Spardosen oder auch Kuscheltiere, Spiele und Bücher. Dies soll als Anreiz dienen, regelmäßig die gefüllten Spardosen zur Leerung zu den Kreditinstituten zu bringen, um das Geld anschließend anzulegen. Kritik an dieser Sichtweise auf den Weltspartag kommt unter anderem von Verbraucherschützern, welche teilweise die Art und Weise der angebotenen Sparprodukte kritisieren. Kritik entzündet sich unter anderem an der Eignung verschiedener Finanzprodukte – wie Versicherungen - für die anvisierte Zielgruppe.[2]

Die reine Finanzerziehung breiter Bevölkerungsschichten – wie ursprünglich durch die 2. Resolution des Sparkassenkongresses postuliert – als pädagogischer Kern bzw. Dreh- und Angelpunkt des Weltspartages ist zumindest in der Gruppe der Industrienationen in den Hintergrund getreten. Diese Aussage gilt allerdings nicht für die Schwellen- und Entwicklungsländer, hier spielt die Zielsetzung der finanziellen Bildung nach wie vor eine große Rolle.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bulletin of the International Thrift Institute, 1926, No. 1. International Thrift Institute, Mailand 1926, 35 pages

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bulletin of the International Thrift Institute, 1926, No. 1, S. 4
  2. Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Kritik an Versicherungsprodukten als Anlageinstrument