Welzow

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Welzow
Welzow
Deutschlandkarte, Position der Stadt Welzow hervorgehoben
51.58138888888914.171666666667123Koordinaten: 51° 35′ N, 14° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Spree-Neiße
Höhe: 123 m ü. NHN
Fläche: 39,57 km²
Einwohner: 3731 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 94 Einwohner je km²
Postleitzahl: 03119
Vorwahl: 035751
Kfz-Kennzeichen: SPN, FOR, GUB, SPB
Gemeindeschlüssel: 12 0 71 408
Adresse der
Stadtverwaltung:
Poststraße 8
03119 Welzow
Webpräsenz: www.welzow.de
Bürgermeisterin: Birgit Zuchold (SPD)[2]
Lage der Stadt Welzow im Landkreis Spree-Neiße
Burg Briesen Dissen-Striesow Döbern Drachhausen Drehnow Drebkau Felixsee Forst Groß Schacksdorf-Simmersdorf Guben Guhrow Heinersbrück Hornow-Wadelsdorf Jämlitz-Klein Düben Jänschwalde Kolkwitz Neiße-Malxetal Neuhausen Peitz Schenkendöbern Schmogrow-Fehrow Spremberg Tauer Teichland Tschernitz Turnow-Preilack Welzow Werben WiesengrundKarte
Über dieses Bild

Welzow, niedersorbisch Wjelcej, ist eine Stadt im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße in der Niederlausitz. Auf dem Höhepunkt der städtischen Entwicklung wohnten etwa 7.500 Menschen in Welzow, heute sind es noch rund 4000. Zur Stadt gehört der Ortsteil Proschim (Prožym).

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Südosten des Landes Brandenburg westlich der Spree. Die Region ist geprägt durch die Lausitzer Heidelandschaft: Seen, Flüsse, Flachmoore, ausgedehnte Kiefernwälder, aber auch durch Laub- und Mischwälder. Trugen ursprünglich Urstromtäler und Endmoränen der vergangenen Eiszeit zur Gestaltung der Landschaftsform wesentlich bei, so stellen sich heute große Teile der Region infolge des seit Jahrzehnten intensiv betriebenen Braunkohleabbaus als zerstörte Landschaften dar, die im Zuge der Neugestaltung wieder aufgewertet werden sollen. Durch die zahlreichen Tagebaurestseen entstand Deutschlands größte Rekultivierungsbaustelle, die Lausitzer Seenlandschaft. Direkt in der Nachbarschaft der Stadt Welzow findet man den Tagebau Welzow-Süd mit der größten beweglichen Arbeitsmaschine der Welt, der Förderbrücke F60.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Braunkohlentagebau Welzow-Süd wurde ein Zentrum germanischer Eisenproduktion nachgewiesen – neben Wolkenberg in der Oberlausitz. Die 36 Fundplätze mit rund 1300 Rennöfen, Ambosssteinen, Grubenmeilern und Erzaufbereitungsplätzen lagen an den Hängen des Endmoränenrückens und entlang des Petershainer Fließes. Zahlreiche Scherben von Töpfen und Kümpfen in der Verfüllung zweier Grubenmeiler, die zu drei Ofenbatterien bei Klein Görigk gehörten waren eine Besonderheit, da zeitgleiche Keramik nur selten an Verhüttungsplätzen auf tritt. Die grobe Siedlungsware datiert die Eisenproduktion in die spätrömische Kaiserzeit (3./4. Jahrhundert). Auf allen drei Fundplätzen fanden sich neben Schlackengruben, maximal 20 cm tiefe Packungen von gebranntem Lehm mit etwa 40 cm Durchmesser. An manchen Öfen gab es eine, an anderen zwei Gruben, die auf die Anzahl und Anordnung der Düsenlöcher schließen lassen, die sich nachweislich 10 cm über Bodenniveau befanden. Im verziegelten Bruchstück der Ofenwand war der Rest eines Düsenloches von 1,5 cm Durchmesser zu erkennen. Bei einem der Verhüttungsplätze spricht das Arrangement der Öfen in Gruppen für mehrmaliges Aufsuchen des Platzes und eine saisonale Eisenerzeugung. Vermutlich betätigte sich hier eine Gemeinschaft aus der Umgebung. Im direkten Umfeld fehlen ebenso wie bei den anderen Verhüttungsplätzen des Reviers die Siedlungsspuren,

Der Name Welzow (Welcze) wird erstmals am 12. Dezember 1547 in den Spremberger Stadtbüchern erwähnt. Oft ist noch fälschlicherweise die Jahreszahl 1280 zu finden, die sich nach wiederholten Überprüfungen als unwahr erwies.[3]

Die Stadt war geprägt vom Lausitzer Braunkohlerevier. Bis zum Ende der DDR existierten noch weitere größere Industriebetriebe wie die Baumaschinen Welzow und Braunkohlenbohrungen und Schachtbau. Heute finden sich in Welzow hauptsächlich Dienstleistungs-, Bau- und Handwerksgewerbe. Auf dem Flugplatz Welzow lagen 1944 - 1945 zahlreiche Jagd-Einheiten der Luftwaffe, die bei der Reichsluftverteidigung eingesetzt wurden.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und Frankreich sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: in der Zentralwerkstatt, in der Germaniahütte und in der alten Brikettfabrik, dem späteren Alfred-Scholz-Werk. Viele von ihnen gingen an der unmenschlichen Behandlung zugrunde.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Proschim wurde am 26. Oktober 2003 eingemeindet.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Mit der Entwicklung der Braunkohlenindustrie gegen Ende des 19.Jahrhunderts begann auch die Einwohnerzahl des Gebiets des heutigen Welzows stark zu wachsen. Seit Mitte des 20.Jahrhunderts geht die Bevölkerung jedoch zurück. Auch für die nächsten zwei Jahrzehnte wird ein weiterer Rückgang prognostiziert. Dieser geht bei einer deutlichen Erhöhung der Zahl der Senioren mit einem drastischen Rückgang der Erwerbsbevölkerung einher.

Welzow:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen (2013)
Jahr Einwohner
1875 630
1890 684
1910 5 549
1925 6 962
1933 7 513
1939 7 815
1946 8 078
1950 8 235
1964 7 685
1971 7 481
Jahr Einwohner
1981 6 277
1985 6 354
1989 5 937
1990 5 602
1991 5 361
1992 5 219
1993 5 152
1994 5 088
1995 5 071
1996 5 063
Jahr Einwohner
1997 5 038
1998 4 997
1999 4 909
2000 4 838
2001 4 674
2002 4 553
2003 4 394
2004 4 294
2005 4 183
2006 4 116
Jahr Einwohner
2007 4 059
2008 4 057
2009 3 973
2010 3 806
2011 3 866
2012 3 827
2013 3 731

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons.[5]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl vom 28. Oktober 2008 ergab sich bei einer Wahlbeteiligung von 53,0 % folgendes Ergebnis für die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung:

Partei /Wahlbewerber Stimmenanteil Sitze
CDU 14,2 % 2
SPD 16,5 % 3
Die Linke 09,9 % 1
BiZW – Bürgerinitiative Zukunft Welzow 16,8 % 3
WGP 04,0 % 1
BFSW – Bürgerforum „Stadtumbau Welzow“ 26,1 % 4
BZPW 12,1 % 2

Linke, BiZW, WGP und BZPW haben sich zur Fraktion „Zukunft Welzow Proschim“ zusammengeschlossen.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. Juli 2005 genehmigt.

Blasonierung: „In Rot zwei schräggekreuzte silberne Berghämmer, oben bewinkelt von einer silbernen Glasschale, unten von drei gestürzten silbernen Fruchtähren.“[6]

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Partnerschaftliche Beziehungen pflegt Welzow mit den Gemeinden Schiffweiler im Saarland und Maszewo in Polen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Kirche Welzow

Welzow mit seiner bergbaulich beeinflussten Umgebung ist mit dem Projekt Nr. 4 – „Landschaft im Wandel“ Bestandteil der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land: Während der Rekultivierung des Tagebaus Welzow wird in der wandernden Wüste des fortschreitenden Tagebaus eine innenliegende Fläche als Oase kultiviert.

Bauwerke[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Welzow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Als bemerkenswerte Bauten sind die beiden Kirchen zu nennen. Die Evangelische Kirche wurde 1740 errichtet. Das Kirchenschiff wurde aus Stein gesetzt, der Glockenturm erhielt eine Holzkonstruktion. 1908 wurde der hölzerne durch einen Zwei-Glocken-Turm aus Stein ersetzt. Die kleinere Glocke wurde wahrscheinlich um 1430 gegossen. Die katholische Kreuzkirche Welzow ist mit ca. 150 Sitzplätzen eine eher kleine Diasporakirche des Bistums Görlitz.

Museen[Bearbeiten]

  • Flugplatzmuseum Welzow, Flugplatz Welzow - ganzjährig
  • Museum „Alte Mühle“ im Ortsteil Proschim - ganzjährig
  • Im Industriegebiet der Stadt ist eine Freilichtpräsentation mit original wiederaufgebauten Straßenabschnitten, Feldsteinkellern und einem Brunnen entstanden. Hinzu kommt das Hausgerüst einer Feldscheune. Diese ist der erste vollständig erhaltene und damit rekonstruierbare mittelalterliche Pfostenbau der Niederlausitz.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

  • Sowjetischer Ehrenfriedhof innerhalb des Friedhofs der Stadt für Soldaten sowie 44 (nach anderen Angaben 68) umgekommene Kriegsgefangene aus der Sowjetunion
  • Ehrengrabanlage für fünf Welzower Bürger, die dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Vor einer Gedenkwand erinnert ein Gedenkstein an sie
  • Erinnerungstafel in der Gaststätte Kumpelklause in der Spremberger Straße 77 an den Arbeitersportler Alfred Scholz, der hier 1928 von Streikbrechern ermordet wurde
  • Gedenktafel für Alfred Scholz an der Förderschule Slamer Höhe 22, die zu DDR-Zeiten nach ihm benannt war
  • Gedenkstätte auf dem Friedhof des Ortsteils Altwelzow am Ende des Liesker Weges für vier umgekommene Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion und Polen, die namentlich genannt werden

Filmstudio BuS[Bearbeiten]

Das Filmstudio BuS (Braunkohlenbohrungen und Schachtbau) existierte vom 7. Mai 1963 bis zum 7. Mai 1988. Es entstanden 110 Kurzfilme zu Themen des Bergbaus und der Lausitzer Region, überwiegend im 16-mm-Format. Beim Weltwettbewerb der UNICA 1981 in Bad Aachen gewann der Spielfilm „Hilfe, ich bin eine Frau“ eine Silbermedaille. Der kombinierte Real-Trick-Film „Waldpirouette“ (1979) wurde im Weltarchiv der UNICA in Zürich archiviert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Welzow erreicht man über die Bundesautobahn 13 bzw. Bundesautobahn 15 sowie über die Bundesstraße 156 oder Bundesstraße 169. Welzow lag an der Bahnstrecke Neupetershain–Hoyerswerda, die inzwischen stillgelegt ist.

Flugplatz[Bearbeiten]

Der Verkehrslandeplatz Welzow ist als Flugplatz seit 1996 als ziviler Verkehrslandeplatz zugelassen. Ab 1925 erfolgte seine Nutzung als Segel- und Motorflugplatz, ab 1935 als deutscher Militärflugplatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand er bis zur Wende unter Befehl der sowjetischen Armee in der DDR. Bekannt in der Umgebung ist das Welzower Flugplatzfest, welches alljährlich im Sommer stattfindet. Besonders lohnt sich dabei ein Besuch des Flugplatzmuseums Welzow, welches seit dem Jahr 2002 seine Pforten geöffnet hat.

Im März 2009 wurde bekannt, dass Vattenfall Europe im Dezember 2008 große Teile des Verkehrslandeplatzes vom Land Brandenburg erworben hat. Nach Aussage eines Firmensprechers des Unternehmens wird Vattenfall jedoch keine Anteile der Flugplatzbetreibergesellschaft erwerben. Diese Anteile werden, mit Stand vom 1. Oktober 2010, zu je 16 % von der Stadt Spremberg, Welzow und dem Landkreis Spree-Neiße gehalten. Weiterhin halten die Städtischen Werke Spremberg 6 %, die Gemeinde Neu-Seeland 1 % sowie die Flugplatzbetreibergesellschaft selbst 45 % dieser Anteile. Im Dezember 2011 gaben die Stadt Spremberg, die Städtischen Werke Spremberg, der Landkreis Spree-Neiße und die Gemeinde Neu-Seeland, aus wirtschaftlichen Erwägungen, ihren Austritt aus der Flugplatzbetreibergesellschaft zum 31. Dezember 2012 bekannt.[7]

Braunkohle-Tagebau[Bearbeiten]

Der Energiekonzern Vattenfall plant, in einem Gebiet namens Welzow-Süd II ab 2027 fast 2000 Hektar (= 20 Quadratkilometer) abzubaggern. Das Dorf Proschim sowie Teile von Welzow müssten dann dem Tagebau weichen.[8] Über 800 Menschen müssten ihre Heimat verlassen.[9]

Ein Entwurf des Plans aus dem Jahr 2011 musste wegen gravierender Mängel überarbeitet werden; Mitte 2013 wurde eine neue Fassung des Plans öffentlich ausgelegt. Im Zusammenhang mit der Einwendungsphase zum neuen Planverfahren für Welzow-Süd II wurden von Gegnern des Vorhabens mehrere Protestaktionen organisiert.[10] [11]

Teile des Verkehrslandeplatz Welzow [12] sollen (Stand 2009) mittelfristig durch den Tagebau Welzow-Süd weggebaggert werden. [13] Die Gesamtfläche des Verkehrslandeplatzes von 600 Hektar gehört nun 3 Eigentümern. Dies sind mit 523 Hektar Vattenfall Europe, 57 Hektar die Flugplatzbetriebsgesellschaft Welzow und mit 20 Hektar die Stadt Welzow selbst.[14] Die Gesamtfläche der Start- und Landebahn sowie der notwendigen Rollwege beträgt etwa 250 Hektar.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe: Welzower Persönlichkeiten

Literatur[Bearbeiten]

  • Fliegerhorst Welzow, 1935–1945, Einsatz- und Ausbildungsstätte der deutschen Luftwaffe.
  • Tim S. Müller, Gosda/Niederlausitz. Landnutzungswandel einer ostelbischen Gutsherrschaft zwischen „Ökonomischer Aufklärung“ und anbrechendem Industriezeitalter (1790-1860), Waxmann-Verlag, Münster/New York/München/Berlin 2012 (= Die Niederlausitz am Anfang des 21. Jahrhunderts. Geschichte und Gegenwart 2).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Welzow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.wahlen.brandenburg.de/bmwahlen/1207140800/s
  3. Autor: Joachim Schneider, Hans Gorgk von der Wolfsgegend, 2005, Dresden, Broschüre
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  5. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  6. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  7. Bekanntgabe Austritt aus FBG Welzow Lausitzer Rundschau vom 22. Dezember 2011
  8. Ex-Linken-Abgeordneter Neskovic: Volkstribun im Land der verschluckten Dörfer
  9. www.allianz-fuer-welzow.de Pressemitteilung vom 12. September 2013
  10. „Kein weiteres Dorf abbaggern!“ (Gemeinsame Aktion mehrerer Umweltverbände)
  11. Aktivisten aus 15 Ländern fordern: „Proschim soll leben“. Greenpeace. 20. Juni 2013. Abgerufen am 9. August 2013.
  12. www.flugplatz-welzow.de
  13. Vattenfall kauft Verkehrslandplatz Welzow. In: LR-Online, 21. März 2009
  14. Artikel der Lausitzer Rundschau vom 30. März 2009