Wendalinusbasilika

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Wendalinusbasilika

Die Wendalinusbasilika, auch Wendelsdom genannt, ist eine in der Oberstadt von St. Wendel gelegene spätgotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert mit dem Grabmal des heiligen Wendelin. Die Basilika mit ihren Gewölbemalereien zählt zu den herausragenden Sakralbauten des Saarlandes und ist eine bedeutende Pilgerkirche. Die letzte große Wallfahrt mit der Zurschaustellung der Gebeine des Heiligen Wendelin fand im Mai 2010 statt.

Als Vorgängerkirche wurde im 9. oder frühen 10. Jahrhundert eine Kirche am Standort der heutigen Basilika errichtet, in die im Laufe des 11. Jahrhunderts die Reliquien des heiligen Wendelin gebracht wurden. 1338 wird erstmals neben der Kirche ein Pfarrhof erwähnt.

Allgemein wird die Wendalinusbasilika - nicht ganz zutreffend - als Dom bezeichnet. So gibt es zum Beispiel in unmittelbarer Nähe das Parkhaus am Dom, das Dom-Hotel oder die Dom-Galerie.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Man geht davon aus, dass der Bau der Kirche durch den Trierer Kurfürsten Balduin von Luxemburg initiiert wurde (er war seit 1328 weltlicher Herr der Stadt St. Wendel), Belege gibt es dafür nicht. Nach Brower soll sein Nachfolger, Bischof Boemund, mit den St. Wendeler Bürgern die Kirche gebaut haben, die dann 1360 eingeweiht wurde (Brower unterscheidet nicht zwischen Chor und Kirche, das Datum "Pfingsten" ist eine moderne Beifügung). Dendrochronologischen Proben zufolge wurde das Dach des Chors nicht vor 1408 errichtet.

Nach dem Chor wurde das Mittelschiff in spätgotischer Bauweise errichtet. Es erhielt schlanke Säulen, und in großer Höhe spannt sich ein Netzgewölbe über dem Langhaus. 1462 war der Bau mit Fertigstellung des Schiffs beendet; jüngste (2011) dendrochronologische Proben ergeben eine Fällzeit des verwendeten Holzes im Jahre 1460.

Inwieweit das Westwerk bei den über hundertjährigen Umbau- und Neubaumaßnahmen verändert wurde, ist unbekannt. Der Turmunterbau ist quadratisch und stämmig und besitzt drei Türme: rechts und links die gotischen Seitentürme, dazwischen der 1753 mit einer barocken Welschen Haube gekrönte (meist Zwiebelturm genannte) Mittelturm. Er erreicht damit eine Höhe von 69 m.

Die Kirche ist 52 m lang, das Mittelschiff 17 m hoch.

Ausstattung und Bedeutung[Bearbeiten]

Die Kanzel wurde 1462 vermutlich von Nikolaus von Kues gestiftet, zu dessen Pfründen Sankt Wendel gehörte. Sie trägt sein Wappen und gilt als die zweitälteste Steinkanzel Deutschlands. Als bedeutendstes Kunstwerk der Kirche gilt das Heilige Grab an der Nordostecke des Chores, eine Gruppe von acht Tonfiguren, die um 1480 geschaffen wurden. Unter kunsthistorischen Aspekten weist die Grablegungsgruppe spätgotische Elemente, aber auch Stilmittel der Renaissance auf.

Das Hochgrab, das die Lade mit den Gebeinen des hl. Wendelin enthält, wurde um das Jahr 1500 geschaffen und befindet sich hinter der Retabel des Hochaltars. Die ungewöhnliche Anordnung ermöglichte es den Pilgern, bei Prozessionen das Grab zu unterqueren. In der Chormitte steht eine um 1400 entstandene Tumba, die bei besonderen Anlässen als Schautisch für die Aufstellung der Lade mit den Gebeinen Wendelins dient (die Tumba stand bis 1803 in der Magdalenenkapelle und wurde erst nach deren Profanierung als Schulgebäude in die Basilika gebracht). Sie besitzt eine bronzene Deckplatte, die 1924 von dem Bildhauer Georg Busch geschaffen wurde. Dargestellt ist Wendelin, um dessen Kopf sich seine Schafe gruppieren. Auf den beiden Seitenteilen der Tumba sind sehr schön herausgearbeitete Apostelfiguren dargestellt.

Die Kirche erhielt 1612 eine neue Orgel, gebaut durch die Meister Niklas und Florence Houque aus Trier. 1672 erfolgte die Weihe von drei Glocken, dieses Geläut blieb bis 1794 bestehen. 1782 wurde von Friedrich Carl Stumm eine neue Orgel erbaut, 1934 fand die Einweihung der neuen Klais-Orgel statt. Das heutige Glockengeläut stammt aus dem Jahr 1951. Die Weihe der vier Glocken erfolgte 1954 durch Dechant Johannes Barth. Die Wendelinusglocke wiegt 2.880 kg, die Sebastianusglocke 1.650 kg, die Marienglocke 1.150 kg und die Josefglocke 850 kg.[1]

Im linken Seitenschiff befindet sich ein barocker Seitenaltar mit Motiven aus dem Leben des Heiligen Sebastian. Im rechten Seitenschiff findet man dessen Pendant, einen Seitenaltar aus derselben Zeitepoche, der der Mutter Jesu gewidmet ist. Neben dem Marienaltar ist eine im neugotischen Stil geschaffene, sehr schön herausgearbeitete Pietà platziert.

1960 wurde die Kirche durch Papst Johannes XXIII. zur Basilica minor erhoben. 1979 bis 1981 erfolgte eine Renovierung der Basilika.

Die Basilika ist Ausgangspunkt für einen 15 km langen, angelegten Pilgerweg zur Abtei Tholey, deren Abt Wendelin gewesen sein soll. In der Kirche findet jährlich im August und September die Reihe Orgelmusik am Abend statt.

Orgeln[Bearbeiten]

Klais-Orgel der Basilika (Zentraler Stumm-Prospekt)

Die Orgel der Wendelinus-Basilika wurde 1933 bis 1934 von der Orgelbaufirma Klais (Bonn) hinter dem historischen Prospekt der Orgel von Friedrich Carl Stumm (Sulzbach) aus dem Jahr 1782 nachgebaut. Das Instrument verfügt über 47 (57) Register. Die Trakturen sind elektrisch.[2]

Seit 1994 befindet sich eine Truhenorgel der Firma Mühleisen (Leonberg) im Chor der Basilika (I/4).

Hauptorgel[Bearbeiten]

I Hauptwerk C–g3

1. Principal 16′
2. Principal 8′
3. Holzflöte 8′
4. Salicional 8′
5. Praestant 4′
6. Rohrflöte 4′
7. Quinte 22/3
8. Superoktav 2′
9. Mixtur IV–VI 11/3
10. Bombarde 16′
11. Trompete 8′
12. Kopftrompete 4′
II Linkes Seitenwerk C–g3
13. Diapason 8′
14. Nachthorngedackt 8′
15. Principal 4′
16. Singendgedackt 4′
17. Flageolett 2′
18. Terzian II 13/5′ + 11/3
19. Scharff IV 11/3
20. Dulcian 8′
III Schwellwerk C–g3
21. Lieblich Gedackt 16′
22. Geigenprincipal 8′
23. Quintatön 8′
24. Zartflöte 8′
25. Schwebung 8′
26. Oktav 4′
27. Querflöte 4′
28. Waldflöte 2′
29. Mixtur IV–V 11/3
30. Trompette harm. 8′
31. Oboe 8′
Tremulant
IV Rechtes Seitenwerk C–g3
32. Rohrflöte 8′
33. Gemshorn 8′
34. Principal 4′
35. Blockflöte 4′
36. Schwegel 2′
37. Nasard 11/3
38. Nachthorn 1′
39. Nasard 22/3
40. Terz 13/5
41. Cymbel III 1/3
42. Rankett 16′
43. Krummhorn 8′
Tremulant
Röhrenglockenspiel [Anm. 1]
Pedalwerk C–f1
44. Untersatz (Ext. Subbaß 16') 32′
45. Principalbaß 16′
46. Subbaß 16′
47. Zartbaß (Windabschwächung) 16′
48. Quinte (Ext. Subbaß 16') 102/3
59. Oktavbaß (Ext. Principalbaß 16') 8′
50. Bassflöte (Ext. Subbaß 16') 8′
51. Choralbaß (Ext. Principalbaß 16') 4′
52. Gedacktbaß (Ext. Subbaß 16') 4′
53. Flachflöte (Ext. Subbaß 16') 2′
54. Mixtur IV–V
55. Posaune 16′
56. Baßtrompete (Ext. Posaune 16') 8′
57. Schalmey (Ext. Posaune 16') 4′

Anmerkungen:

  1. Befindet sich im Linken Seitenpositiv, wird jedoch vom IV. Manual aus angespielt

Truhenorgel[Bearbeiten]

Manual
1. Bourdon 8'
2. Rohrflöte 4'
3. Principal 2'
4. Quinte 11/3

Chronologische Übersicht[Bearbeiten]

  • 617 Todesjahr von Wendelin (Überlieferung)
  • 950 Baubeginn des Hofes "Basonevillare" (St. Wendel) mit Grabkapelle des Heiligen. Er entwickelte sich zu dem Wirtschaftszentrum einer Verduner Grundherrschaft. Der deutsche König Otto I. traf sich hier mit dem westfränkischen König Ludwig IV.
  • 1180 Erste urkundliche Erwähnung "zweyer presbyteri des wendelino"
  • 1291 Urkundliche Bestätigung einer Pfarr- und Kapitelskirche St. Wendalinus
  • 1328 Der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg wird Landesherr von St. Wendel
  • 1332 St. Wendel erhält von Kaiser Ludwig von Bayern das Stadtrecht. Baubeginn der neuen Wallfahrtskirche (der heutigen Basilika) an Stelle einer kleinen romanischen Vorgängerkirche
  • 1360 Weihe des hochgotischen Ostchors durch Erzbischof Boemund von Saarbrücken
  • 1400 Entstehungszeit der Westturmanlage sowie der Wendelinus-Tumba im Ostchor
  • 1442/43 Nikolaus von Kues wird nach dem Tod des Weihbischofs de MonteKommendatarpfarrer von St. Wendelin

1446 Nikolaus von Kues wird durch Urkunde einer päpstlichen Delegation zum Reichstag als Pfarrer von St. Wendel bestätigt und erhält besondere Absolutionsvollmachten.

  • 1460 Vollendung des dreischiffigen gotischen Langhauses mit Netzgewölbe
  • 1461 Die Pfarrei geht aus der geistlichen Zuständigkeit des Bischofs von Metz in die des Trierer Erzbischofs über
  • 1462 Nikolaus von Kues stiftet seiner ehemaligen Pfarrkirche die Kanzel
  • 1464 Deckenmalerei des Mittelschiffgewölbes (symbolische Darstellung des Zusammenwirkens geistlicher und weltlicher Amtsträger)
  • 1465 Anbau der südlichen Vorhalle als Versammlungsraum für das bischöfliche Sendgericht und Bau des Hauptportals
  • 1480 Stiftung des "Heiligen Grabes" an der linken Chorwand
  • 1506 Errichtung des Hochgrabes in der Chorapsis als Geschenk des Erzbischofs Jakob II. von Baden
  • 1512 Kaiser Maximilian I. (genannt Der letzte Ritter) besucht die Grabeskirche von St. Wendelin
  • 1753 Erneuerung des mittleren Turmhelms als barocker Zwiebelaufsatz
  • 1781 Aufbau der Orgelbühne und der Barockorgel. Die St. Wendeler Zünfte stellen Figuren ihrer Patrone an den Wänden der Seitenschiffe auf
  • 1894-1899 Einbau der Chorfenster
  • 1934 Einbau einer neuen Klais-Orgel (56 klingende Register)
  • 1960 Erhebung der Kirche zur päpstlichen "Basilika minor" durch Papst Johannes XXIII..

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Lauer: St. Wendel in alten Ansichten, Reihe Archivbilder, Sutton Verlag, 2004
  2. Vgl. die Informationen zur Klais-Orgel auf sankt-wendelin.de.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anton Dörrer: St. Wendel in Kult, Kunst, Namen und Wirtschaft von der Saar bis Südtirol. Ein Beitrag zum Cusanus Gedenkjahr (1464-1964), in: Deutsche Akademie der Wissenschaft. Forschungen und Fortschritte [Berlin] 39 (1965), S. 11-15; auch in: Tiroler Heimatblätter 39 (1964), S. 18-24.
  • Walter Hannig: Die Deckenmalerei der Wendelinus-Basilika, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel. Ein Volksbuch für Heimatkunde, Naturschutz und Denkmalpflege 16 (1975-76), S. 41-44.
  • Werner Martin: Cusanus und seine Beziehungen zu St. Wendel. Teil I: Werdegang des Nikolaus von Kues bis zum Erhalt der Pfarrkirche St. Wendel. St. Wendel 2010.
  • Werner Martin: Cusanus - ein Pythagoreer und Vorläufer des Galilei. Teil II seiner Beziehungen zu St. Wendel. Vom Erlangen der Pfarrkirche St. Wendel bis zu seiner Erhebung zum Kardinal. St. Wendel 2011.
  • Werner Martin: Cusanisches Nachwirken. Teil III seiner Beziehungen zu St. Wendel. Die Umwandlung des hl. Wendelin zum Vorbild für den Pastor. Betrachtung zum Besuch des Kaisers Maximilian in St. Wendel im Jahre 1512. St. Wendel 2012.
  • Max Müller: Kardinal (Nicolaus) Cusanus und die Pfarrkirche St. Wendel. Neubearbeiteter Auszug aus dem Nachlaß, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel. Ein Volksbuch für Heimatkunde, Naturschutz und Denkmalpflege 17 (1977-78), S. 52-54.
  • Gerd Schmitt: Das Cusanus-Wappen in den Deckenmalereien der Basilika St. Wendalinus in St. Wendel, in: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 15 (1982), S. 86-91.
  • Gerd Schmitt: Die Wappenmalereien der Basilika St. Wendelin, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel. Ein Volksbuch für Heimatkunde, Naturschutz und Denkmalpflege 19 (1981-82), S. 109-120.
  • Alois Selzer: Kardinal Nicolaus Cusanus und St. Wendelin. Gedanken zu einem Wendelinus-Tafelbild um 1520, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel. Ein Volksbuch für Heimatkunde, Naturschutz und Denkmalpflege 10 (1963-64), S. 9-14.
  • Alois Wein: Nikolaus Cusanus parochus commendatarius an der Pfarrkirche St. Wendel. in: Vereinigung St. Wendelin (Hg.): 600 Jahre Grab- und Wallfahrtskirche St. Wendalin in St. Wendel, St. Wendel 1960, S. 12-18.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wendalinusbasilika – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

49.467949757.1709501666667Koordinaten: 49° 28′ 4,6″ N, 7° 10′ 15,4″ O