Wendebach-Stausee

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Wendebachstausee
Wendebachstausee mit Liegewiesenbereich am Nordostufer, 2007
Wendebachstausee mit Liegewiesenbereich am Nordostufer, 2007
Lage: Bei Niedernjesa und Reinhausen, Landkreis Göttingen, Niedersachsen
Zuflüsse: Wendebach
Abflüsse: Wendebach mit Mündung in den Fluss Leine
Größere Städte in der Nähe: Göttingen
Wendebachstausee (Niedersachsen)
Wendebachstausee
Koordinaten 51° 28′ 12″ N, 9° 56′ 43″ O51.47019.9451583333333Koordinaten: 51° 28′ 12″ N, 9° 56′ 43″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: bis 1973
Höhe über Gründungssohle: 15 m
Bauwerksvolumen: 70.000 m³
Kronenlänge: 260 m
Daten zum Stausee
Wasseroberfläche 8,5 hadep1
Speicherraum 1,52 Mio. m³

Der Wendebach-Stausee ist ein Stausee mit zwei Erddämmen, der in Niedersachsen im Landkreis Göttingen etwa 10 km südlich von Göttingen und 2 km östlich von Niedernjesa liegt. Der 1973 angestaute See diente lange dem Hochwasserschutz. Da er im Falle bedeutender Hochwasserereignisse als nicht mehr sicher angesehen wird, werden seine Dämme in den Jahren 2014 und 2015 erniedrigt. Der Stausee und sein Umfeld haben inzwischen die Funktion eines Naherholungsgebietes.

Gefahrenhinweis[Bearbeiten]

Nach dem Ablassen des Wassers vom Wendebach-Stausee hat sich dort ein lebensgefährlicher Sumpf gebildet, in dem eine Sechzigjährige mit zwei elfjährigen Jungen am 7. Dezember 2014 steckenblieben. Nur ein Junge konnte sich aus eigenen Kräften befreien. Dreißig Feuerwehrleute waren nötig, um die Steckengeblieben zu befreien.[1] Vor dem Betreten des Sumpfes wird gewarnt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Wendebach entspringt bei Bremke an der Grenze zu Thüringen und mündet südlich von Niedergandern in die Leine. Sein Einzugsgebiet ist 36 km² groß. Aufgrund der Oberflächengestalt des Einzugsgebietes werden dem Wendebach bei Starkregenereignissen in kurzer Zeit erhebliche Wassermengen zugeführt. Das Rückhaltebecken sollte vor allem die Leine entlasten und zugleich als Sicherung der B 27 dienen, die 1956 durch Hochwasser weggerissen worden war. Die Stauanlage staut seit 1973 den Wendebach, einen Zufluss der Leine. Sie liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Gleichen und Friedland.

Der Staudamm steht im Eigentum des Landes Niedersachsen. Es handelt sich um eine landeseigene Anlage, die in der Zuständigkeit der Betriebsstelle Süd des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit Sitz in Göttingen und Braunschweig liegt. Die Errichtung des Hochwasserrückhaltebeckens Wendebach war eine Baumaßnahme des Landes Niedersachsen und wurde von ihr finanziert. Für die Unterhaltung des entstandenen Stausees wurde ein Zweckverband unter Vorsitz des Landkreises Göttingen gegründet. Die angestaute Wasserfläche gehört zum Naherholungsbereich des Zweckverbandes Erholungspark Wendebach.

Den angestrebten Hochwasserschutz für die Bundesstraße 27 und den Ort Niedernjesa erreichte der Wendebachstausee nur teilweise, da seine beiden 15 Meter hohen Erddämme einer hohen Flutwelle nicht hätten standhalten können. Ihre Standsicherheit war trotz mehrfacher Sanierung nicht gewährleistet.

Der See dient auch der Naherholung. Er wurde durch einen Parkplatz und einen Rundweg erschlossen. Auf dem Gelände befinden sich verschiedenen Freizeiteinrichtungen, wie Informationstafeln, Spielwiesen, Grillplatz, Grillhütte und eine DLRG-Wachstation. Während der Schulferien im Sommer und bei gutem Wetter wird der Badebereich des Sees von Rettungsschwimmern der DLRG beaufsichtigt. Im und am See kann man baden, Boot fahren, angeln und grillen. Häufig findet FKK und Nacktbaden statt, was toleriert wird. Der See wurde bislang im Winter regelmäßig entschlammt.

Geschichte[Bearbeiten]

Zum Schutz vor Hochwasser wurde auf Betreiben der damaligen Gemeinde Niedernjesa im Herbst 1967 oberhalb von Niedernjesa mit dem Bau des Rückhaltebeckens am Wendebach begonnen, nachdem Anfang 1964 der Planfeststellungsbeschluss ergangen war. Die Bauzeit dieses ersten Hochwasserrückhaltebeckens im Leinegebiet dauerte von 1970 bis 1973.

Das Hochwasserrückhaltebecken wurde mit einem Stauvolumen von 1,52 Millionen m³ errichtet. Die beiden Staudämme besaßen zusammen eine Dammoberkante von 260 m Länge, eine Höhe von 15 m und eine Krone von 5 m Breite. Die Entlastung erfolgte durch einen mit einem Schieberschacht regelbaren Grundablass im Zuge des Wendebaches selbst. Bei höherem Stau als 180 m ü. NN sprang an der Nordseite des Beckens ein Überlauf an. Bei Hochwasser konnte der Wendebach auf einer Länge von 2 km, auf einer Breite von 400 m und auf einer Fläche von 28 ha angestaut werden. Die Oberfläche des Stausees lag dann auf einer Höhe von 180 m über NN, und der Stausee fasste dann 1.520.000 m³ Wasser.

Am See richteten folgende Institutionen den Landschaftserlebnispfad Wendebach-Stausee ein:

  • Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e. V.
  • Zweckverband Erholungspark Wendebach
  • Regionales Umweltzentrum (RUZ) Reinhausen

Im Laufe des Erlebnispfades rund um den Stausee fanden sich vielfältige Lebensräume dicht nebeneinander. An verschiedenen Stationen im Gelände wurden markante Objekte errichtet, die in direktem Zusammenhang zu einem dieser Lebensräume stehen. Eine Insel inmitten des Sees war Nistplatz für Vögel und durfte nicht betreten werden.

Der Badesee
Blick vom Staudamm
Beschilderung "Baden auf eigene Gefahr" am Nordostufer
Angabe der Badegewässerqualität nach EU-Richtlinie (August 2014)
Detailaufnahme der Schilder
Insel im See als Naturschutzgebiet, vom Staudamm aus gesehen
Graugänse und Nilgänse grasen auf der Liegewiese

Der "Zweckverband Erholungspark Wendebach" wurde am 5. August 1974 gegründet.[2] Am 1. Januar 2006 trat eine Neufassung der Verbandssatzung in Kraft, seitdem führt der Verband den Namen "Zweckverband Erholungsgebiet Wendebachstausee". Träger des Zweckverbandes sind der Landkreis Göttingen sowie die Gemeinden Gleichen und Friedland, die je zu gleichen Teilen stimmberechtigt sind. Zu den Aufgaben gehören die Unterhaltung von Erholungseinrichtungen, der fremdenverkehrsfördernden Einrichtungen sowie die Pflege der Kulturlandschaft und der Lebensräume. Nach erfolgtem Umbau wird der Wendebachstausee komplett dem Zweckverband übertragen.

Umbau des Wendebach-Stausees[Bearbeiten]

Durch den am 6. Oktober 2014 begonnenen Umbau verspricht man sich mehr Sicherheit für die Region. Dadurch ist die Gemeinde Friedland gezwungen, Niedernjesa durch weitere eigene Deiche zu schützen. Während der Zeit des Umbaus ist der Badesee geschlossen. Nach dem Umbau sind die beiden Abschlussdämme in der Mitte etwa sieben Meter niedriger als vorher, der Wasserstand des Badesees liegt nach wie vor bei 4,65 Meter (gemessen an der Sperrstelle), und eine Hochwasserentlastungsanlage sorgt dafür, dass auch ein sehr großes und seltenes Jahrtausend-Hochwasser die Talsperre so sicher passieren kann, wie es die aktuellen technischen Regelwerke vorsehen, nach denen heute solche Anlagen wie der Wendebach-Stausee geplant, gebaut und betrieben werden.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die beiden Erddämme waren undicht geworden und deshalb für den Hochwasserschutz nicht geeignet. Das Land Niedersachsen befürchtete, dass bei extremem Hochwasser die beiden Erddämme brechen und die Hochwasserflut den Ort Niedernjesa sowie die Bundesstraße 27 zerstören könnten.

Das Land plante den Rückbau des Stausees, weil er seine geplante Staufunktion nicht erfüllte und bei Hochwasser Gefahr bestand. Dieses Vorhaben war vor allem wegen der Erholungsbedeutung des Sees vor Ort umstritten[3] [4]. Die Bedenken gegen den Rückbau des Stausees waren bis 2010 ausgeräumt[5] [6].

Umbaupläne[Bearbeiten]

Anfang Juli 2011 bestätigte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander bei einer Ortsbesichtigung, dass der Wendebachstausee als Naturparadies und Naherholungsgebiet erhalten bleibe und dass der Haushaltsausschuss des Landtages die erforderlichen 5,5 Millionen Euro für den Umbau freigegeben habe. Der See werde im Badebereich für 180.000 Euro entschlammt, und das Land Niedersachsen trage die jährlichen Unterhaltungskosten von 26 .000 Euro. Der 15 Meter hohe Damm werde auf sieben Meter gekappt, und in der Mitte bekomme er eine neue Überlaufrinne, die bei Starkregen so viel Wasser durchlasse, dass der Damm halte, Unterlieger aber nicht gefährdet würden. Die Hochwasserentlastungsanlage solle dafür sorgen, dass ein Jahrtausend-Hochwasser gefahrlos den Stausee passieren kann. Sander ist sich allerdings „nicht ganz sicher, ob in den 5,5 Millionen auch ein besserer Hochwasserschutz für Niedernjesa mit drin ist“.[7]

Umbau zum Badesee[Bearbeiten]

Anfang Oktober 2014 ließen Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) über die beiden Staudämme den Seeinhalt mit 130.000 Kubikmeter Wasser ab. Muscheln und Fische wurden vom Sportangelklub Göttingen in andere Gewässer umgesetzt. Danach wird der See für den Badebetrieb entschlammt.

Im Frühjahr 2015 werden die Abschlussdämme um rund sieben Meter abgetragen und mit einer neuen Hochwasserentlastungsanlage versehen; gleichzeitig wird die bisherige Hochwasserentlastungsanlage verfüllt. Diese Arbeiten werden voraussichtlich im Oktober 2015 beendet sein. Nach allen Restarbeiten, nach dem Befüllen des Sees und seinem Neubesatz mit Fischen könnte die Gesamtmaßnahme im Frühjahr 2016 beendet werden. Zu einem späteren Zeitpunkt wird der See als Badesee wieder freigegeben. [8][9]

Für die Entschlammung stellt das Land Niedersachsen 180.000 Euro zur Verfügung. Das reicht nur für den Badebereich und die angrenzenden Bereiche. Aus Leader-Mitteln soll es einen Zuschuss von 22.000 Euro für den Badesteg geben; die Kosten insgesamt sind hier 50.000 Euro.[10]

Nach allen Restarbeiten, nach dem Befüllen des Sees und seinem Neubesatze mit Fischen könnte die Gesamtmaßnahme im Frühjahr 2016 beendet werden. Zu einem späteren Zeitpunkt wird der See als Badesee wieder freigegeben. [11][12]

Windparkpläne[Bearbeiten]

Südlich des Wendebachstausees befindet sich ein Gebiet in der Größe von 24,42 ha (einschließlich des Landschaftsschutzgebietes (LSG) im Norden), auf dem drei bis vier Windenergieanlagen gebaut werden könnten. Der Rat der Gemeinde Groß Schneen berät darüber ab Oktober 2014. Der Entwurf für einen neuen Flächennutzungsplan wird nach der Beschlussfassung für einen Monat öffentlich ausgelegt. Auch Bürger können dann Einwände vorbringen. [13]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Panoramabild vom Nordostufer über den See mit Liegewiese, in der Höhe des von der Schwimmleine abgegrenzten Badebereichs (August 2014)
Blick über den See von der gegenüber liegenden Südostseite auf den Badebereich mit Liegewiese (August 2014)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgruppe Dorfchronik der Ortschaft Niedernjesa (Hrsg.): Unser Dorf. Niedernjesa gestern und heute. Selbstverlag 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wendebachstausee – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 07.12.2014 - Personenrettung am Wendebachstausee
  2. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Hildesheim Nr. 17, S. 363
  3. wiki-goettingen.de
  4.  Paradies bleibt erhalten. In: Extra-Tip. 31. Mai 2009 (pdf; 877 kB, goettingen.dlrg.de, abgerufen am 26. Januar 2014).
  5. GT vom 18. August 2010
  6. GT vom 17. November 2010
  7. Ulrich Schubert: Minister bestätigt Rettung des Wendebachstausees. In: Göttinger Tageblatt. 8. Juli 2011, abgerufen am 26. Januar 2014.
  8. Per Schröter: Der Wendebach-Stausee bei Niedernjesa läuft leer. 8. Juli 2011, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  9. Jürgen Gückel: Wendebachstausee läuft leer. 3. Oktober 2014, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  10. Sitzung am 30. Januar 2014 vom Ortsrat Stockhausen, Öffentlicher Teil: Tagesordnungspunkt 9.
  11. Per Schröter: Der Wendebach-Stausee bei Niedernjesa läuft leer. 8. Juli 2011, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  12. Jürgen Gückel: Wendebachstausee läuft leer. 3. Oktober 2014, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGerald Kräft: Wenig Raum für Windräder in Gemeinde Friedland. In: Göttiner Tageblatt. 26.September 2014, abgerufen am 7. Oktober 2014.