Wendel Dietterlin

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Wendel Dietterlin

Wendel Dietterlin (* um 1550 oder 1551 in Pfullendorf; † 1599 in Straßburg) war Maler, Baumeister und der bedeutendste deutsche Bautheoretiker des ausgehenden Manierismus bzw. frühen Barocks. Erhalten haben sich nur seine theoretischen Arbeiten.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Dietterlin ließ sich in Straßburg nieder und erwarb 1571 das Bürgerrecht dieser Stadt, nachdem er ein Jahr zuvor geheiratet hatte. Er gehörte der örtlichen Zunft der Künstler, Dekorateure und Maler an, in die keine Maurer und Architekten mit eingeschlossen waren. Dietterlin betätigte sich als Maler von Fresken und Dekorateur von Fassaden, Wänden und Decken. Er führte mehrere Werke an städtischen Häusern und am Lusthaus des Herzogs von Württemberg in Stuttgart aus. Dietterlin starb 1599 nach langer Krankheit.

Sein Traktat Architectvra. Von Außtheilung, Symmetria vnd Proportion der Fünff Seulen, und aller darauß volgender Kunst Arbeit, von Fenstern, Caminen ... (Nürnberg 1598) übte nachhaltigen Einfluss auf die deutsche Bau- und Dekorationskunst aus. Dieses Werk steht in der Tradition des Musterbuches, verzichtet also weitgehend auf eine Kommentierung und theoretische Einordnung der zahlreichen Abbildungen. Jedoch finden sich die vielen Stichvorlagen für Tore, Fenster, Kamine, usf. in einer durch die fünf Säulenordnungen gegebenen Abstufung, wobei jede Säulenordnung eine „Seinssphäre“ zugeordnet wird. So steht die Toskanische Ordnung für das Bäuerlich/Rustikale, die Dorische für das Soldatische, usw.

Werke[Bearbeiten]

  • Architectura. Von Außtheilungs-Symmetria und Proportion der fünff Seulen, und aller daraus volgender Kunst Arbeit, von Fenstern, Caminen, Thürgerichten, Portalen, Bronnen und Epitaphien. Wie dieselbigen auss jedweder Art der fünff Seulen Grundt auffzureissen, zuzurichten, und ins Werck zubringen seyen. Allen solcher Kunst Liebhabenden zu einem bestendigen und ergreiffenden Underricht erfunden, in zweyhundert Stuck gebracht, gesetzt und an Tag gegeben: Durch Wendel Dietterlin, Maler zu Strassburg. Cum gratia et privilegio caes. Maiest. Ad decennium. Getruckt zu Nürnberg 1598. (Wendel Dietterlin: Architectvra..., Nürnberg 1598, Digitales Facsimile der UB Heidelberg)
  • [1] Website "Architectura", Centre d'études supérieures de la Renaissance, Tours.
  • Architectura. Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1598 aus der Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt. Mit einer Einführung von Hans Gerhard Evers. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 1965. (Nachdruck der Einführung in: Hans Gerhard Evers, „Schriften“, Technische Hochschule Darmstadt, 1975)

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Martin: Dietterlin, Wendel. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 702 f. (Digitalisat).
  • Adolf K. Placzek: „Introduction to the Dover Edition“, in: WENDEL DIETTERLIN: The Fantastic Engravings of Wendel Dietterlin. With an introduction by Adolf K. Placzek. Dover Publications, Inc. New York 1968.
  • John Summerson: The Classical Language of Architecture. University Paperbacks. Methuen & Co. Ltd. London 1966.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wendel Dietterlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien