Wer die Nachtigall stört (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Wer die Nachtigall stört
Originaltitel To Kill a Mockingbird
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1962
Länge 129 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Robert Mulligan
Drehbuch Horton Foote
Produktion Alan J. Pakula
Musik Elmer Bernstein
Kamera Russell Harlan
Schnitt Aaron Stell
Besetzung

Wer die Nachtigall stört von 1962 ist ein Film des Regisseurs Robert Mulligan. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman der Amerikanerin Harper Lee.

Handlung[Bearbeiten]

Das aufgeweckte kleine Mädchen Jean Louise, genannt Scout, wächst mit ihrem älteren Bruder Jem in Maycomb, einer kleinen Stadt in Alabama der 1930er Jahre, auf. Scout erzählt die Geschichte, die in einem Sommer begann und im darauf folgenden Sommer endete.

Es ist die Zeit der Depression, aber trotz der wirtschaftlichen Not im heißen Sommer des amerikanischen Südens wachsen die Kinder vergnügt und behütet auf. Die Welt der beiden Geschwister wird von ihrem alleinerziehenden Vater, dem Abgeordneten und Anwalt Atticus Finch, zusammengehalten. Atticus ist für die Kinder Freund, Vertrauter, Lehrer und Autorität. Bereichert wird die Gedankenwelt der Kinder durch den mysteriösen Nachbarn Arthur Boo Radley, der nie das väterliche Haus verlässt und den die Kinder daher noch nie zu Gesicht bekommen haben. Das regt die Phantasien der Kinder an. Als Mutprobe gilt es, an sein Haus anzuklopfen. Doch immer wieder finden sie kleine Geschenke in einem hohlen Baumstamm nahe Boos Haus.

In diese Kindheitsidylle dringt langsam die intolerante Welt des Rassismus ein. Atticus Finch, aufrecht und vorurteilslos, wird vom Richter zum Pflichtverteidiger des schwarzen Farmarbeiters Tom Robinson berufen, der beschuldigt wird, die weiße Mayella Ewell, Tochter des bitterarmen Landarbeiters Bob Ewell, vergewaltigt zu haben. Bereits vor Prozessbeginn belästigt und bedroht Bob Ewell Atticus Finch und beschimpft ihn als "Niggerfreund" Die Mehrheit der Weißen nimmt Tom nur als Teil der abgelehnten schwarzen Minderheit wahr. Atticus wird von vielen seiner Mitbürger aufgrund seiner Einstellung, dass ein Schwarzer die gleichen Rechte wie ein Weißer besitze, angefeindet. Diese Ablehnung bekommen auch seine Kinder zu spüren. Atticus beschwört seine Kinder, sich nicht provozieren zu lassen. In diesem Umfeld von Vorurteilen und Intoleranz versucht Atticus, seinen Kindern auf dem Weg ins Erwachsenwerden beizustehen. Vor dem Prozess kann Atticus einen Lynchmob davon abhalten, das Gefängnis zu stürmen und Robinson zu ermorden. Die Polizei ist während dieses Versuchs nicht zugegen. Während des Prozesses sitzen Schwarze und Weiße getrennt im Zuschauerraum. Atticus kann die Unhaltbarkeit der Vorwürfe relativ leicht nachweisen. Tom sagt aus, dass der Vater selber Mayella regelmäßig missbraucht und an jenem Tag brutal verprügelt hat, nachdem diese versucht hatte, den jungen Farbigen zu verführen. Dennoch beugt sich die Jury, die nur aus weißen Männern besteht, dem ungeschriebenen Gesetz, dass der Aussage eines Schwarzen gegenüber der eines Weißen nicht zu glauben sei, und spricht den Angeklagten schuldig. Atticus will in die nächste Instanz gehen. Robinson wird kurz darauf bei einem angeblichen Fluchtversuch auf der Flucht erschossen.

Aufgrund seines engagierten Einsatzes für Tom Robinson hat sich Atticus Finch den Hass des im Prozess bloßgestellten Bob Ewell zugezogen. Nachdem der friedliebende Atticus sich von dem hasserfüllten Mann nicht provozieren lässt, versucht dieser, sich schließlich an den Kindern zu rächen. Er lauert ihnen eines Abends im Dunkeln auf, wird aber im Gerangel von einem Unbekannten erstochen, der den Kindern zu Hilfe geeilt ist. Es stellt sich heraus, dass der menschenscheue Boo Radley der Retter ist. Um ihn nicht der kollektiven Neugier der Kleinstadt auszusetzen, beschließen Atticus und der Sheriff, dass der Tod Ewells als Sturz des Täters ins eigene Messer dargestellt werden soll.

Scout kommentiert dieses Verschweigen mit der Bemerkung, dass Boo genau wie eine Nachtigall nicht gestört werden darf. Dieser späte Bezug auf den Filmtitel stammt vom Verbot Atticus' an seine Kinder, die Nachtigall (im Original allerdings ein „Mockingbird“, eine Spottdrossel) zu jagen, weil „sie nur schön singt und niemandem etwas zu Leide tut“.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film entstand 1962, zwei Jahre nach Erscheinen des Romans. Der Schwarz-Weiß-Film folgt dem Roman und stellt die Ereignisse ganz aus Sicht der Kinder dar. Die Rollen der Kinder, Jem und Scout, wurden an zwei bislang nicht schauspielerisch aufgefallene Kinder vergeben, wodurch nach Ansicht des Regisseurs eine sehr natürliche Inszenierung gelang. Robert Duvall gab in der Rolle des Boo sein Filmdebüt.

Die Außenaufnahmen des Films wurden in einem in Hollywood nachgebauten Straßenstück gedreht; die Kulisse konnte dabei zeitgenössische Häuser aus der Gegend nutzen, die zum Abbruch bestimmt waren und umgesetzt wurden. Die Stadt „Maycomb“ in Alabama ist fiktiv. Die 6.500 Einwohner zählende Kreisstadt Monroeville ist die Geburtsstadt von Harper Lee und beherbergt ein altes Gerichtsgebäude, in dem Harper Lee als Kind ihren Vater als Anwalt beobachtete. Es diente als genaues Vorbild für die Kulisse des Films. Heute ist das „Old Courthouse“ in Monroeville ein Museum und dient auch als Theater, in dem regelmäßig „To Kill A Mockingbird“ aufgeführt wird. Der erste Akt spielt im Freien, der zweite Akt im Gerichtssaal.

Das Drehbuch stammt von Horton Foote; Harper Lee würdigte es als getreue Übertragung ihres Romans. Harper Lees Arbeit am Roman, seine Veröffentlichung und der Erfolg der Verfilmung sind auch Thema des Spielfilms Capote. Harper Lee wird hier von Catherine Keener dargestellt.

Mary Badham und Gregory Peck blieben eng verbunden und nannten sich bis zu Pecks Tod im Jahre 2003 stets „Scout“ und „Atticus“.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des Internationalen Films: Eine menschlich bewegende, gelungene Literaturverfilmung mit hoher ethischer Haltung, die überzeugend gegen Rassismus und für Toleranz eintritt.
  • Filmstarts.de: Eine zentrale Aussage des Films charakterisiert die Geschichte vielleicht am besten. Als Scout sich mit einem Jungen geprügelt hat und nicht mehr in die Schule gehen will, weil die Lehrerin mit ihr geschimpft hat, sagt Finch zu seiner Tochter:
    „Ich werde dir jetzt einen schönen Trick sagen. Damit kommst du mit allen möglichen Leuten viel besser aus. Du verstehst einen Menschen erst richtig, wenn du die Dinge oder was es gerade ist, auch mal von seinem Standpunkt aus betrachtest, wenn du mal in seine Haut kriechst und darin herum spazierst.”
    Diese Aussage und die Tatsache, dass der Film in einer Zeit gedreht wurde, in der die Diskriminierung der afroamerikanischen Einwohner der Staaten ganz andere Ausmaße hatte als heute, machen „To Kill a Mockingbird” zu einem mutigen Zeugnis der amerikanischen Filmgeschichte, dessen Aussagen allerdings über die konkrete Geschichte hinaus auch heute noch Gültigkeit besitzen.
  • Prisma Online: Gregory Peck brilliert als aufrichtiger Bürger, der, vom Sinn für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung getrieben, den Rassismus schließlich am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Peck bekam für seine großartige Leistung zu Recht einen Oscar.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde für acht Oscars nominiert, und erhielt drei Auszeichnungen:

Nominiert waren ferner

Im Jahr 1995 wurde Wer die Nachtigall stört in das National Film Registry der USA aufgenommen.

In den Top-Listen des American Film Institute ist dieser Film viermal vertreten:

  • Die 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten: Platz 34
  • Amerikas beste Filmmusik: Platz 17
  • Amerikas am meisten beeindruckende Filme: Platz 2
  • Die größten Helden des amerikanischen Films: Platz 1 für Atticus Finch

Im August 2008 erschien eine Liste im US-amerikanischen American Bar Association Journal über die besten Justizfilme aller Zeiten. "Wer die Nachtigall stört" wurde auf Platz eins gewählt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harper Lee: Wer die Nachtigall stört … Roman. (OT: To Kill a Mockingbird). Deutsch von Claire Malignon. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-24182-X

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The 25 Greatest Legal Movies - Magazine. ABA Journal. 1. August 2008. Abgerufen am 22. August 2011.