Werben (Elbe)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Werben (Elbe)
Werben (Elbe)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Werben (Elbe) hervorgehoben
52.86111111111111.982528Koordinaten: 52° 52′ N, 11° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Verbandsgemeinde: Arneburg-Goldbeck
Höhe: 28 m ü. NHN
Fläche: 53,39 km²
Einwohner: 1166 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 22 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 39615,
39539 (Neuwerben),
39606 (Behrendorf)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 039393, 039391
039390 (Giesenslage)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 610
Stadtgliederung: zwei Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: An der Zuckerfabrik 1
39596 Goldbeck
Webpräsenz: www.werben-elbe.de
Bürgermeister: Jochen Hufschmidt
Lage der Stadt Werben (Elbe) im Landkreis Stendal
Aland Aland Altmärkische Höhe Altmärkische Wische Arneburg Bismark (Altmark) Bismark (Altmark) Eichstedt Goldbeck Hassel Havelberg Hohenberg-Krusemark Hohenberg-Krusemark Iden Kamern Klein Schwechten Klietz Osterburg Rochau Sandau (Elbe) Schollene Schönhausen (Elbe) Stendal Stendal Stendal Stendal Seehausen Seehausen Tangerhütte Tangermünde Werben (Elbe) Wust-Fischbeck Zehrental Sachsen-AnhaltKarte
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Die Hansestadt Werben (Elbe) ist eine Stadt im äußersten Norden des Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt und gehört zur Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Werben war bis Ende 2009 die kleinste Stadt in Sachsen-Anhalt und ist eine der kleinsten Städte in Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Werben (Elbe) liegt am linken Ufer der Elbe nordwestlich von Havelberg an der Südroute des Elberadweges. Im Ortsteil Räbel quert bei Stromkilometer 422,2 eine kombinierte Gier-Motorfähre die Elbe und schafft eine Verbindung nach Havelberg.

Zu Werben (Elbe) gehören die Ortsteile Behrendorf, Berge, Giesenslage und Räbel sowie die Wohnplätze Neu Werben und Roggehof.

Nachbargemeinden von Werben (Elbe) sind Legde/Quitzöbel und Plattenburg im Norden, Havelberg im Osten, Iden im Süden, Osterburg (Altmark) im Südwesten. Werben liegt im Osten der Wische.

Geschichte[Bearbeiten]

Marktplatz Werben mit Johanniskirche

Der Ort erscheint als Wiribeni iuxta Albim (Werben an der Elbe) erstmals in den schriftlichen Quellen, und zwar verhandelte dort nach der Chronik Thietmars von Merseburg († 1018) König Heinrich II. mehrmals mit Slawen. Der Bischof nennt dafür kein Datum; die Forschung setzt diese Zusammenkünfte in die Zeit zwischen Dezember 1005 und April 1006. Der Ort war aufgrund seiner Lage an einem Elbübergang bereits früh von Bedeutung für Handel und Handwerk. Bei der in der Nähe der Stadt befindlichen Burg Pritzlawa fand 1056 eine Schlacht zwischen Sachsen und den Liutizen statt, in der das sächsische Kontingent fast gänzlich vernichtet wurde. Hier fiel auch der Markgraf der Nordmark, Wilhelm. Im Jahr 1358 wurde sie Mitglied der Hanse und blieb es bis zum Bierkrieg mit dem Kurfürsten Johann Cicero 1488. In dieser Zeit wurde das Elbtor erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Werben aufgrund seiner strategischen Lage von den Schwedischen Truppen in Besitz genommen, und Schwedenkönig Gustav-Adolf ließ die berüchtigte Schwedenschanze errichten. Mit ihr beherrschte man die Haveleinfahrt und die Elbe als wichtigste Transportader – siehe auch: Schlacht bei Werben.

Von 1898 bis 1971 war Werben über die Kleinbahn Goldbeck–Werben (Elbe) an das Eisenbahnnetz angebunden.

Zu einer Namensänderung kam es am 23. Dezember 1997, als sich die Stadt von Werben in Werben (Elbe) umbenannte.[2] Seit dem 1. Juni 2008 trägt die Stadt den Namenszusatz Hansestadt.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der Gemeinde Behrendorf (am 5. Mai 2009) und der Hansestadt Werben (Elbe) (am 26. Mai 2009) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Werben (Elbe) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[3]

Johanniterorden[Bearbeiten]

Die Stadt verfügt über die älteste Gründung des Johanniterordens auf norddeutschem Boden. Nach einer Pilgerfahrt in den Jahren 1158 und 1159 nach Jerusalem übertrug Markgraf Albrecht der Bär dem Orden die Kirche St. Johannis samt allem Zubehör einschließlich sechs Hufen Land. Er bedingte sich aus, dass der aus der Schenkung resultierende Ertrag „den im Spitale zu Jerusalem weilenden Armen alljährlich überschickt würde“.[4]

Neben der Kirche entstand in der Folge eine Komturei. Ältestes Zeugnis der Bautätigkeit des Ordens ist die Lamberti-Kapelle. Die Komturei war anfänglich für Sachsen, die Mark Brandenburg, Pommern und das Wendland zuständig. Später war sie die Verwaltungszentrale für die Balley Brandenburg.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Bei den Gemeinderatswahlen am 29. November 2009 gab es folgende Ergebnisse:

  • Unabhängige Wählergemeinschaft 46,3 %
  • CDU 18,4 %
  • SPD 11,2 %
  • Wählergruppe Bürger in Behrendorf 10 %
  • Einzelbewerber 3,8 %
  • Landwirtschaft, Gartenbau, Forst 10 %

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 30. April 1997 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt. Blasonierung: „In Silber ein golden bewehrter roter Adler, über seinem Kopf ein steigender goldener Mond, überhöht von einem sechsstrahligen goldenen Stern.“ Die Farben der Stadt sind rot-weiß.

Der rote Adler im Wappen von Werben ist der märkische Adler. Auf welche Weise Halbmond und Stern ins Wappen gelangten, ist unbekannt, auch ihre Bedeutung ist umstritten. Die einen sprechen diesen Zeichen jegliche Bedeutung ab, andere bringen sie mit der Johanniter-Komturei in Verbindung. Den roten Adler enthält bereits das erste Wappen aus dem 13. Jahrhundert. Halbmond und Stern erscheinen im Wappen erst nach der Reformation.[5]

Der Gemeinderat der neugebildeten Hansestadt Werben (Elbe) hat am 19. Januar 2010 beschlossen, das Wappen und die Flagge der eingeflossenen Stadt Werben (Elbe) anzunehmen und weiterzuführen. Dies wurde am 1. Februar 2010 durch den Landkreis genehmigt.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde am 19. Oktober 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Die Flagge ist rot-weiß-(1:1)gestreift (Querformat: Streifen waagerecht verlaufend, Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt. [6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fachwerkhaus am Markt
Salzkirche Werben mit Storchennest
Johanniskirche Werben

In die Storchenstadt kehren im Frühling bis zu 20 Storchenpaare ein, die regelmäßig ihre Horste auf den Dächern der alten Stadt beziehen. Werben bezeichnet sich als die storchenreicheste Stadt Deutschlands. Zwar gibt es u.a. mit dem nahegelegenen Rühstädt Orte mit mehr Brutpaaren, diese sind jedoch keine Städte[7].

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Von der mittelalterlichen Stadtmauer mit ihren fünf Toren sind nur noch wenige Reste erhalten. Prächtig, wenn auch im Zinnenbereich stark restauriert, zeigt sich am Nordostrand der Stadt das um 1460/70 aus Backstein gemauerte Elbtor mit seiner spitzbogigen Durchfahrt neben dem runden, zinnenbekrönten Turm (heute Heimatmuseum mit Aussichtsplattform). Bedeutendstes Baudenkmal ist die mittelalterliche Pfarrkirche St. Johannes mit ihrer bemerkenswerten Ausstattung.

Siehe dazu den Hauptartikel St. Johannes (Werben).

Von den Bauten der Komturei verblieb nur eine (inzwischen profanierte ) Kapelle; der schlichte Bau des 13. Jahrhunderts zeigt in den Giebeln das Johanniterkreuz. Auch die Kapelle des Hl.-Geist-Spitals aus dem frühen 15. Jahrhundert wurde weltlichen Zwecken zugeführt: von ihrer Rolle als Warenlager im 18. Jahrhundert verblieb ihr der Name "Salzkirche". Zahlreiche Wohnbauten des 18. und 19. Jahrhunderts prägen das Stadtbild, doch viele der unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser drohen zu verfallen.

Am Sportplatz erinnert eine Gedenktafel an den kommunistischen Arbeitersportler Heinz Steyer aus Dresden, der in das Strafbataillon 999 gepresst und wegen Kooperation mit Partisanen 1944 ermordet wurde.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Seit 2006 findet am ersten Juliwochenende der Biedermeier-Sommer statt. Hintergrund ist, dass die mittelalterliche Hansestadt durch Kriege weitgehend zerstört wurde und der heutige Ort das Erscheinungsbild des 18. und 19. Jahrhunderts weitgehend bewahrt hat.[8][9]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Stadt Werben ist durch Abwanderung und hohe Arbeitslosigkeit geprägt. Lokale Handwerksbetriebe sind vorhanden. Die Stadt setzt auf Tourismus und Zuzügler. Am Rande der Stadt befinden sich ein kleiner Sportboothafen und ein Freibad.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Busso V. von Alvensleben (erwähnt 1393–1432), Herrenmeister des Johanniterordens und Komtur in Werben
  • Gottfried Arnold (1666–1714), deutscher Theologe, war von 1704 bis 1707 Pfarrer in Werben
  • Friedrich Schorlemmer (* 1944), evangelischer Theologe, wuchs in Werben auf und lebt mit Nebenwohnsitz in Werben (Stand 2012)
  • Curt Pomp (* 1932), Restaurator und Architekt, hat den Anstoß zu alljährlichen Biedermeiermärkten gegeben und macht sich im Arbeitskreis Werbener Altstadt für den Erhalt der historischen Stadt stark

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Heinrich Wollesen: Chronik der altmärkischen Stadt Werben und ihrer ehemaligen Johanniter-Komturei. Werben an der Elbe 1898.
  • Lutz Partenheimer: Die Johanniterkomturei Werben in der Altmark zwischen 1160 und 1542. Ein Beitrag zur 1000-Jahr-Feier Werbens 2005 und zum 850. Geburtstag der Mark Brandenburg am 11. Juni 2007. Berlin 2005.
  • Christian Gildhoff: Die kleinste von den 7 Land=Staedten in der alten Marck Brandenburg: Archäologische Aufschlüsse zu den Anfängen der Stadt Werben an d. Elbe, Ldkr. Stendal. In: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 90 (2006) S. 315-384.
  • Lutz Partenheimer (mit Peter Knüvener (Mitarbeit an den Gliederungspunkten 6.2.1. und 6.2.7.)): Werben. Kommende des Johanniterordens. In: Heinz-Dieter Heimann/Klaus Neitmann/Winfried Schich mit Martin Bauch/Ellen Franke/Christian Gahlbeck/Christian Popp/Peter Riedel (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts (2 Bde.) (Brandenburgische Historische Studien 14). Berlin-Brandenburg 2007, S. 1289–1304.
  • Lutz Partenheimer: Die Johanniterkommende Werben (Altmark) von 1160 bis zur Reformation. In: Christian Gahlbeck/Heinz-Dieter Heimann/Dirk Schumann (Hg.): Regionalität und Transfergeschichte. Ritterordenskommenden der Templer und Johanniter im nordöstlichen Deutschland und in Polen (Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte 9 = Schriften der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg, Neue Folge 4). Berlin 2014, S. 173-203.
  • Peter KNÜVENER/Dirk SCHUMANN: Die Werbener Johanniskirche und ihre mittelalterliche Ausstattung. In: Christian GAHLBECK/Heinz-Dieter HEIMANN/Dirk SCHUMANN (Hg.): Regionalität und Transfergeschichte. Ritterordenskommenden der Templer und Johanniter im nordöstlichen Deutschland und in Polen (Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte 9 = Schriften der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg, Neue Folge 4). Berlin 2014, S. 357-393.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werben (Elbe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Werben (Elbe) – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997.
  3. Amtsblatt des Landkreises Nr. 17/2009 S. 201–204 (PDF-Datei; 6,78 MB).
  4. Zeitschrift „Johanniter“, Heft 2/2007.
  5. Lexikon Städte und Wappen der DDR (1979).
  6. Amtsblatt des Landkreises Nr. 24/2009 S. 330 (PDF-Datei; 3,57 MB).
  7. www.werben-elbe.de: Werben-die storchenreichste Stadt Deutschlands
  8. werben-elbe.de: Biedermeier in Werben
  9. Bericht über den MDR-Beitrag Biedermeier an der Elbe
  10. Ausführlich: Blazek, Matthias: „Der Scharfrichter des Norddeutschen Bundes kam aus der Altmark – Wilhelm Reindel war der Scharfrichter aus Werben (Elbe)“, Altmark-Blätter vom 2. April 2011. Ders.: „Der Scharfrichter des norddeutschen Bundes Wilhelm Reindel kam aus der Altmark – 40 Hinrichtungen im norddeutschen Raum während der Jahre 1852 bis 1870“, Sachsenspiegel 2, Cellesche Zeitung vom 14. Januar 2012.