Werdum

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Werdum
Werdum
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Werdum hervorgehoben
53.6566666666677.71972222222222Koordinaten: 53° 39′ N, 7° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Wittmund
Samtgemeinde: Esens
Höhe: 2 m ü. NN
Fläche: 18,45 km²
Einwohner: 705 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26427
Vorwahlen: 0 49 74
Kfz-Kennzeichen: WTM
Gemeindeschlüssel: 03 4 62 017
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Webpräsenz:
Bürgermeister: Friedhelm Hass
Lage der Gemeinde Werdum im Landkreis Wittmund
Wangerooge (zu Landkreis Friesland) Landkreis Wittmund Niedersachsen Spiekeroog Langeoog Baltrum (zu Landkreis Aurich) Wilhelmshaven Landkreis Friesland Landkreis Leer Landkreis Aurich Friedeburg Wittmund Holtgast Esens Neuharlingersiel Werdum Stedesdorf Nenndorf Eversmeer Neuschoo Blomberg Dunum Moorweg Utarp Ochtersum Schweindorf WesterholtKarte
Über dieses Bild
St.-Nicolai-Kirche der ev.-luth. Kirchengemeinde Werdum
Werdumer Mühle 2008

Werdum ist eine Gemeinde und Luftkurort in der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund in Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Werdum liegt im Harlingerland in Ostfriesland nur wenige Kilometer hinter dem Nordseedeich. Der Küstenort Neuharlingersiel liegt etwa 4 Kilometer nördlich, und Esens etwa 7 Kilometer westlich von Werdum.

Werdum ist über die Kreisstraße 14 östlich von Esens zu erreichen.

[Bearbeiten] Geschichte

Schon 1191 wurde östlich des Dorfes im Ortsteil Edenserloog eine Burg der Herren von Werdum errichtet, die bis heute bewohnt ist. Laut einer Überlieferung stand schon vorher eine Burg des einflussreichen Häuptlingsgeschlechtes auf der Warft der St.-Nikolai-Kirche. Urkundlich erwähnt wird die auf Warften errichtete Siedlung erstmals 1297. Damals lag Werdum am Meer und besaß einen Hafen. Man vermutet, dass am Ort des heutigen Hofes Kapkehörn das Werdumer Siel gelegen hat. Der Ort Werdumer Altendeich weist darauf hin, dass in der Nähe seiner Reihe von Höfen, vermutlich am Verlauf der heutigen Landstraße, einst ein Deich Werdum vor dem Meer schützte.

[Bearbeiten] Die Burg

Aus dem Dreißigjährigen Krieg gibt es Überlieferungen, die besagen, dass die Burg von den Mansfeldern belagert war. Die Werdumer in der Burg wollte man durch Aushungern zur Übergabe dieser zwingen. Doch mit der List, ihren letzten Schinken mit einer Stange aus dem Schornstein zu zeigen, um zu suggerieren, man habe noch genügend Lebensmittel, zogen die Mansfelder ab. Sie glaubten nämlich dann, dass in der Burg noch genügend Nahrung vorhanden sei. Es soll noch heute ein Teil dieses Schinkens in der Burg verwahrt werden.

[Bearbeiten] Werdumer Mühle

Der Werdumer Ulrich von Werdum schrieb auf lateinisch die Geschichte der Familia Werdumana. Darin berichtet er auch über den zur Burg in Edenserloog gehörenden Erdholländer, der Kornmühle, die der Burgherr 1748 auf einer Warft bauen ließ. Doch bereits vorher Stand hier ein Bockwindmühle, die wahrscheinlich schon vor dem 16. Jahrhundert von den Burgherren errichtet worden war. Dazu gibt es zumindest einen Hinweis in einem Testament aus dem Jahre 1491, in dem ein Mühlenhaus vermacht wurde. Und ein Vertrag von 1549 besagt, dass zwei Brüder je die Hälfte des Ertrages der Mühle bekommen. Im Harlingerland wurde damals bevorzugt Gerste angebaut, was den Bau von Mühlen nötig machte. Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts gab es immer wieder Streitigkeiten, wer in welcher Mühle sein Korn mahlen lassen soll. Doch Fürstin Christine Charlotte setzte sich für das gemeinschaftliche Nutzen aller Mühlen aller Einwohner gleichermaßen durch.

Die Werdumer Mühle musste nach einem schweren Sturmschaden 1802 komplett neu aufgebaut werden, so dass sie daher heute nicht die gleiche ist, die 1748 errichtet wurde. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mühlen war die Werdumer Mühle bis 1929 im Familienbesitz der Burgherren, die sie auch finanzierten. Man vermutet, dass der Erdholländer Werdums eine der ersten Mühlen in Ostfriesland war, die zum Mahlen errichtet worden war. Die meisten Mühlen hatten nur eine Genehmigung zum Pelden (schälen). Hier wurden mit einem Stein die Spelze von der Gerste gepellt, nicht aber zwischen zwei Steinen das Korn geschrotet. Ein Stein zum Pelden ist jedoch auch noch vorhanden, so dass vielleicht einmal nachträglich ein Peldegang eingebaut worden war. Auch sind 1828 Einkünfte als Peldelohn erwähnt.

Seit 1929 ist die derzeitige Mühle in Besitz der Familie Post, die heute die zugehörige Bäckerei betreibt. Nachdem ein Orkan ein Flügelpaar abriss, erneuerte der neue Besitzer 1930 beide Flügelpaare. 1960 wurde der windbetriebene Mühlbetrieb eingestellt. 1967 sanierte man daraufhin die Mühle erstmals. Im November 1972 bricht ein Orkan erneut einen Flügel ab. Der Schaden konnte mit Hilfe von Spenden behoben werden. Die heute direkt an der Straße stehende Mühle ist nun frei zu besichtigen und seit 1976 als kleines Heimatmuseum eingerichtet. Seitdem wird immer im Sommer ein Mühlenfest veranstaltet, dessen Erlöse der Erhaltung zugute kommen. 2001 erreichte Eigentümer und Gemeinde die Nachricht, dass der Erdholländer vor dem endgültigen Verfall stehe, wenn nicht sofort entsprechende Restaurationsmaßnahmen ergriffen würden. Vorstand des Heimat- und Verkehrsverein sowie der Gemeinderat beauftragten Bürgermeister Friedhelm Hass, die Restauration zu organisieren. Diesem gelang es in kurzer Zeit Zuschüsse vom Landkreis Wittmund in Höhe von 107,50 DM und vom Land Niedersachsen weitere 215.000 DM einzuloben. 20.000 DM konnte der Heimat- und Verkehrsverein aus den angesammelten Spendengeldern und Erlösen der vergangenen Mühlenfeste beisteuern. Weiterhin entwickelte der Bürgermeister Mühlenaktien, die bis zum heutigen Tage als Spendenbeitrag für die Mühle zu erwerben sind. Die Sanierung erforderte insgesamt einen Betrag von 425.000 DM, und so wurde die Mühle dann zuletzt 2002 grundsaniert. Sie ist von der Gemeinde für 35 Jahre in Pacht genommen und der Öffentlichkeit voll zugänglich. Seit September des Jahres 2002 kann wieder mit Windkraft gemahlen und die Brote in der Bäckerei Post gekauft werden. Neben der Mühle wurde 1993 die alte Schmiede der Familie Eden originalgetreu wieder aufgebaut, nachdem sie an der Hoogewarfstraße abgebaut worden war.

[Bearbeiten] St.-Nicolai-Kirche

Ins 13. Jahrhundert zurück geht auch die Geschichte der auf einer Warft errichteten St.-Nicolai-Kirche. Sie ist die Kirche der ev.-luth. Kirchengemeinde Werdum, zu der auch Neuharlingersiel gehört. Namensgebend war Bischof Nikolaus von Myra, der zu dieser Zeit als Schutzpatron von Schiffern und Kaufleuten verehrt wurde. Südlich der Kirche schließt sich der Friedhof an. Erste Kirchweihe ist für das Jahr 1327 bezeugt. 1476 ist der östliche gotische Chor, der heutige Altarraum, angebaut worden. Die privat gestiftete Kanzel kam 1670 hinzu. Der Turm wurde erst 1756 bis 1763 errichtet. 1796 wurde das Altarbild gemalt und 1897 die Orgel eingebaut. Zwischen 1982 und 1989, sowie 2002 wurden umfangreiche Restaurierungen vorgenommen.[1]

[Bearbeiten] Politik

Werdum ist staatlich anerkannter Luftkurort. Der Gemeinderat besteht aus 9 Ratsmitgliedern. Nach dem Krieg hatte Werdum drei Bürgermeister. Der erste war der in Nordwerdum wohnende Wilhelm Janssen, erst von der englischen Besatzung eingesetzt und bei Wahlen bis 1972 bestätigt. Von 1972 bis 1994 wurde die Gemeinde von Bürgermeister Ferdinand Eden geführt. Im August 1994 trat Eden aus gesundheitlichen Gründen vom Amt zurück. Der Rat der Gemeinde Werdum wählte Friedhelm Hass am 19. August 1994 zum Ratsvorsitzenden, ehrenamtlichen Gemeindedirektor und Bürgermeister.

[Bearbeiten] Wappen

Das Wappen der Gemeinde zeigt im oberen Teil des Schildes die Burg Edenserloog auf gelben Grund. Darunter befindet sich ein Mühlstein und symbolisiert die noch erhaltene und 2002 durch die Gemeinde restaurierte Kornwindmühle von 1748. Eingerahmt wird der Mühlstein von zwei Getreideähren, die auf die Bedeutung der Landwirtschaft in der Vergangenheit hinweisen. Mühlstein mit Ähren im unteren Teil sind auf blauem Grund abgebildet, wobei das Blau auf die Nähe des Meeres hinweist. Das Blau zu dem im oberen Teil gelben Untergrund verläuft wellenförmig.

[Bearbeiten] Gemeindegliederung

Zur Gemeinde gehören neben Werdum die Ortsteile Edenserloog und Gastriege. Weitere Teile sind Groß Husum, Klein Husum, Anderwarfen, Wallum und das kleine Warfdorf Nordwerdum. Der Ortskern Werdum ist seit dem Jahr 2000 prädikatisierter Luftkurort. Der Außenbereich ist seit 1993 staatlich anerkannter Erholungsort.

[Bearbeiten] Heutiger Charakter

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Windmühle aus dem Jahre 1748 mit 1976 darin eröffnetem Heimatmuseum und die St.-Nicolai-Kirche aus dem 13. Jahrhundert sind Zeugen der Geschichte Werdums, ebenso wie die in Privatbesitz befindliche Burg im Ortsteil Edenserloog aus dem 12. Jahrhundert mit noch älterem Gewölbe. Werdum besitzt einen kostenfrei zugänglichen Haustierpark, in dem hauptsächlich vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gezeigt werden. Des Weiteren gibt es eine kostenfrei zugängliche Kneipphalle, eine Brauerei mit Bierstube sowie weitere Freizeitanlagen wie Tennisplatz, Fitnesscenter, einen Minigolf- und einige Spielplätze. Außerdem verfügt Werdum über eine Freiwillige Feuerwehr.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Der ländliche Ort Werdum lebt von etwas Landwirtschaft und in hohem Maße vom Tourismus. Es gibt ganze Ferienhaus-Siedlungen mit entsprechender Infastruktur wie beispielsweise einer Touristinformation, Kuranlagen, Geschäften und Lokalitäten. Als Luftkurort erhebt Werdum eine Kurtaxe, für die man eine Kurkarte erhält, die auch an mehreren anderen Orten an der Nordseeküste gilt.

[Bearbeiten] Sport

Der SV Werdum ist der größte Sportverein im Ort. Er zählt nahezu so viele Mitglieder wie Werdum Einwohner hat. Als Sportarten werden Fußball, Tischtennis, Fitness, Jiu-Jitsu, Turnen, Kegeln und vieles mehr angeboten.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Kirchengemeinde St.-Nicolai Werdum
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