Werenfried van Straaten

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Darstellung von Pater Werenfried auf dem Denkmal Kirchenväter in Königstein
Grab von Werenfried van Straten

Pater Werenfried Philipp van Straaten OPraem (* 17. Januar 1913 in Mijdrecht, Niederlande; † 31. Januar 2003 in Bad Soden), bekannt als Speckpater, war ein niederländischer katholischer Ordenspriester und Begründer des internationalen Hilfswerkes Kirche in Not (ehemals Kirche in Not/Ostpriesterhilfe).

Leben[Bearbeiten]

Philipp van Straaten entstammte einer niederländischen Lehrerfamilie. Obwohl er zur Malerei neigte, entschied er sich auf Wunsch seines Vaters, Lehrer zu werden und studierte an der Universität von Utrecht ab 1932 klassische Philologie. Dort war er auch Redakteur in einer Studentenzeitung und Mitbegründer einer politischen Partei, die nur kurz Bestand hatte. Völlig überraschend für seine Umgebung trat er 1934 in die flämische Prämonstratenserabtei Tongerlo (Provinz Antwerpen/Belgien) ein und erhielt den Ordensnamen Werenfried.[1] Eine Tuberkuloseerkrankung verhinderte seinen Einsatz in der Mission, deshalb wurde er Sekretär des Abtes.

Im Jahre 1947 verfasste er zu Weihnachten einen Artikel, in dem er zur Hilfe für die vierzehn Millionen Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten aufrief. „Hilfe“ verstand er nicht als abstrakten Begriff: „Ich brauche kein Geld von euch, denn mit Geld kann man sich in Deutschland nichts kaufen. Ich verlange Speck!“[2] Er sammelte bei den niederländischen und belgischen Bauern in erster Linie Nahrungsmittel für die häufig unterernährten Heimatvertriebenen und hungernde Kinder in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands. Dies trug ihm seinen Spitznamen „Speckpater“ ein. Seine nächste Sorge galt der seelsorgerlichen Betreuung der sechs Millionen vertriebenen Katholiken, die zum Teil in rein evangelischen Gebieten ohne eigene Kirchen und Pfarrer untergebracht waren. Mit der Aktion „Ein Fahrzeug für Gott“ ließ er gebrauchte Busse und Lkws zu fahrbaren Altären umbauen.[3] 1953 rief van Straaten den Internationalen Bauorden ins Leben, um Studenten zu motivieren, in Deutschland Flüchtlingen und Vertriebenen beim Bau von Eigenheimen zu helfen.[4]

Nachdem die Not der Heimatvertriebenen in der neugegründeten Bundesrepublik um 1950 weitgehend gelindert war, galt seine Sorge der verfolgten Kirche im nunmehr kommunistisch beherrschten Osteuropa. Dies führte 1952 zur Gründung des Hilfswerks Kirche in Not mit Sitz in Königstein. Später wurde es der einzige Lebensinhalt des Paters. Nach dem Zerfall des Sowjetregimes versuchte er durch großzügige Hilfe an die Russisch-Orthodoxe Kirche die Gräben zur katholischen Kirche zu überbrücken. Werenfried van Straaten gelang es, soziales Engagement mit dem Einsatz für die Glaubensverkündigung zu verbinden; für sein Lebenswerk wurde er auch vielfach von kirchlicher und staatlicher Seite geehrt und ausgezeichnet. Er beschreibt das Wesentliche seiner Aufgabe damit, dass er überall auf der Welt, wo Gott weint, dessen Tränen trocknen müsse.

Pater Werenfrieds Markenzeichen war der berühmte „Millionenhut“, mit dem er ein Leben lang gebettelt hat. Selbst als dieser Hut alt und löcherig war, sammelte er damit weiter Spenden ein; allerdings mit dem Hinweis, dass es besser sei, Scheine zu spenden als Münzen, da diese durch die Löcher fallen würden.[5]

Wie Christus in Palästina umhergezogen ist, Hungernde gespeist, Kranke geheilt hat, sei es auch Aufgabe der Kirche, menschliche Not zu mildern, so Van Straaten. Die Verkündung des Heils und der Liebe sei, in den eigenen Worten des Speckpaters, keine rein akademische Angelegenheit. Er dachte dabei an die humanitären Verpflichtungen der besitzenden Völker mit ihrer hochgerühmten Technik und Naturwissenschaft, ihrem bis auf den Mond hinauf ragenden Organisationstalent und an seine Vermutung, dass immer noch 15 Prozent aller Kinder der besitzlosen Völker an Hunger oder Unterernährung sterben müssten, bevor sie fünf Jahre alt seien.

Werenfried van Straten ist auf dem Friedhof von Königstein begraben.

Ehrungen[Bearbeiten]

Pater Werenfried ist eine der drei Figuren auf dem Denkmal für die Königsteiner Kirchenväter in Königstein im Taunus. Das Denkmal wurde von Christoph Loch entworfen und am 1. September 2011 eingeweiht.

Pater-Werenfried-Preis[Bearbeiten]

Auf dem 3. Internationalen Kongress Treffpunkt Weltkirche vom 11. bis 13. April 2008 in Augsburg wurde erstmals der Pater-Werenfried-Preis verliehen und an den Förderverein der St. Clemens-Kirche Berlin vergeben. Dieser mit 1000 Euro dotierte Preis wurde gemeinsam mit der Katholischen Sonntagszeitung ausgelobt.

Werke[Bearbeiten]

  • Sie nennen mich Speckpater, Paulus Verlag K.Bitter K.G., Recklinghausen 1961.
  • Wo Gott weint, Georg Bitter Verlag, 1991, ISBN 3790300128.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werenfried van Straaten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eva-Maria Kolmann: Danke, Pater Werenfried! Königstein im Taunus, 2005, S. 8.
  2. Eva-Maria Kolmann: Danke, Pater Werenfried! Königstein im Taunus, 2005, S. 11.
  3. Eva-Maria Kolmann: Danke, Pater Werenfried! Königstein im Taunus, 2005, S. 17.
  4. Eva-Maria Kolmann: Danke, Pater Werenfried! Königstein im Taunus, 2005, S. 34.
  5. Eva-Maria Kolmann: Danke, Pater Werenfried! Königstein im Taunus, 2005, S. 15.
  6. Pater Werenfried van Straaten. Website von Kirche in Not, abgerufen am 14. September 2014.