Werkleitz Gesellschaft

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Die Werkleitz Gesellschaft wurde 1993 als Verein zur Unterstützung und Realisierung von Film-, Kunst- und Medienprojekten gegründet. Der Name bezieht sich auf den ersten Vereinssitz und Gründungsort Werkleitz bei Tornitz im Dreieck Dessau, Halle und Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Inzwischen ist der Vereinssitz in Halle (Saale). Durch intensive Netzwerkarbeit, eigenes Kunstschaffen der Mitglieder und Schaffung neuer Projekte etablierte sich die Werkleitz Gesellschaft als institutionell gefördertes Zentrum für künstlerische Bildmedien Sachsen-Anhalt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde von 27 Studenten und Kulturschaffenden aus den alten und neuen Bundesländern im gleichnamigen Dorf gegründet. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte 1993. Das erste Ergebnis der Vereinsarbeit war die erste Werkleitz Biennale 1993 mit dem Titel "Tapetenwechsel", der programmatisch für den Aufbruch in ein neues Konzept eines Medienkunstfestivals stand: die gemeinsame und gleichwertige Präsentation von Film/Video, Bildender Kunst, Computerkunst und Performance in einer (kulturell wie finanziell) strukturschwachen ländlichen Gegend.

Im Jahr 2004 wurde die Werkleitz Gesellschaft von der Stadt Halle eingeladen, ihren Sitz dort einzurichten. Vor allem aus logistischen und strukturellen Gründen folgten die Verantwortlichen der Einladung; mit Vereinsbeschluss vom 24. Oktober 2004 verließ man Werkleitz und operiert seitdem von Halle aus.

Tätigkeitsfelder[Bearbeiten]

Die Gesellschaft leistet die Arbeit eines Medienbüros sowie einer Medienwerkstatt bei der Realisierung von Projekten im Bereich des Bewegtbilds und der digitalen Medien. Weitere Angebote umfassen diverse Förderstipendien (EMARE, EMAN), Künstlerpräsentationen (Visiting Artist, Supported Artist), Workshops zu den Themen Filmprojektvorbereitung, Aufnahme, Postproduktion und Film- und Medientheorie, sowie die Erstellung und Betreuung der weltweit ersten umfangreichen Internet-Datenbank für Experimentalfilm und Videokunst, Cinovid (seit 1996). Darüber hinaus organisiert die Werkleitz Gesellschaft unterschiedliche Veranstaltungen teils allein, teils mit Kooperationspartnern; so zum Beispiel das von der Europäischen Union geförderte und zusammen mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt durchgeführte Projekt "Import Export", bei dem es um die Dynamik der gegenseitigen Wahrnehmung Indiens/Europas im Globalisierungszeitalter ging.

Werkleitz Biennale[Bearbeiten]

Eines der Aushängeschilder waren die Werkleitz Biennalen, die alle zwei Jahre als ein topografische und kategorielle Grenzen übergreifendes Forum durchgeführt wurden, welches stets aus einem aufwendig kuratierten Filmprogramm und einer entsprechenden Ausstellung bestanden. Die Besonderheit, dies in ländlicher Umgebung durchzuführen, machte Werkleitz sowohl als Ort als auch als Medienkunstprojekt nicht nur für Fachkreise bekannt, spätestens nachdem Ulrich Wickert in den Tagesthemen von der "documenta des Ostens" gesprochen hatte (31. Juli 2002).

Werkleitz Festival[Bearbeiten]

Seit 2008 findet anstelle der Werkleitz Biennalen ein jährliches Werkleitz Festival statt, welches im Stadtraum Halle durchgeführt wird.

Die Feuilletons der regionalen und überregionalen deutschen Presse berichten regelmäßig über die Werkleitz Biennale und das Werkleitz Festival, u.a. weil es diesen Veranstaltungen gelingt, mit Thema und Präsentationsweise Aufmerksamkeit und Gemüter zu erregen. Die wechselnden Verantwortlichen konzentrieren sich dabei jeweils auf ein konkretes, gesellschaftlich relevantes Thema und hinterfragen dieses mithilfe künstlerischer Positionen.

Die Biennalen:

  • Tapetenwechsel (1993)
  • Cluster Images (1996)
  • Sub Fiction (1998)
  • [real]work (2000)
  • Zugewinngemeinschaft (2002)
  • Common Property/Allgemeingut (2004)
  • Happy Believers (2006)


Die Festivals:

  • AMERIKA (2008)
  • .move (2009)
  • Angst hat große Augen (2010)
  • ZOO (2011)
  • .move forward (2012)
  • Werkleitz Jubiläums Festival 2013 Utopien vermeiden (2013)

Projekte und Kooperationen[Bearbeiten]

Ein Teil des Charmes, Kunst auf dem Dorf zu inszenieren, ging mit dem Umzug nach Halle verloren, gleichzeitig eröffneten sich neue Projektmöglichkeiten. So wächst die Zahl der nationalen und internationalen Kooperationen, z.B. mit dem Theater der Welt 2008, im Rahmen der EU-geförderten Stipendien (2007 etabliertes European Media Art Network zusammen mit Impakt!-Festival Utrecht/Niederlande, VIVID Media Arts Centre Birmingham/UK und Interspace Medienkunstzentrum Sofia/Bulgarien) oder auch durch Personalaustausch mit der Ars Electronica Linz/Österreich.

1995 initiiert die Werkleitz Gesellschaft das European Media Artists in Residence Exchange (EMARE) Programm mit wechselnden europäischen Medieneinrichtungen als Partner, das mit mehrfacher EU-Förderung bis heute 150 europäische Künstler unterstützen konnte.

2011 startet die Werkleitz Gesellschaft mit Unterstützung des European Social Funds und der Mitteldeutschen Medienförderung die Professional Media Master Class (PMMC) – eine hochkarätige halbjährige Weiterbildung für mitteldeutsche Medienschaffende im Dokumentarfilmbereich. Die 10 Teilnehmer produzieren 5 kurze Dokumentarfilme. Parter sind die Dokwoche Leipzig, das Dokfest Kassel, sowie das Bandits-Mages Festival in Bourges und Labomedia in Orléans. Die PMMC erzielt bereits im ersten Jahr einiges Aufsehen und Topbewertungen bei der externen Evaluierung. Zu den Dozenten zählen internationale Spitzenkräfte wie die Gründer des Internationalen Forums des Jungen Film der Berlinale, Erika Gregor und Ulrich Gregor, der international berühmte Filmessayist Harun Farocki, sowie die mehrfach mit dem deutschen und internationalen Kamerapreisen ausgezeichnete Kamerafrau Sophie Maintigneux, die bereits in jungen Jahren mit Eric Rohmer und Jean-Luc Godard gearbeitet hat.

Preise[Bearbeiten]

Im Rahmen des Voeux de lʹInternet Europe 2007 wird EMARE-Koordinator und Werkleitzgründungsmitglied Peter Zorn im Haus der europäischen Parlamentarier in Straßburg mit dem Golden @ Award in der Kategorie Kunst ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten]