Werkraum Bregenzerwald

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Werkraum Bregenzerwald
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Zweck: Kompetenz-, Service und Vermittlungszentrum für das Handwerk
Vorsitz: Anton Kaufmann (Obmann), Renate Breuß (Geschäftsführung)
Gründungsdatum: 1999
Mitgliederzahl: 80
Sitz: Andelsbuch
Website: werkraum.at

Der Werkraum Bregenzerwald ist eine 1999 gegründete Kooperation von Handwerkern im Bregenzerwald. Organisiert in einem Verein bietet der Werkraum Bregenzerwald für seine Mitglieder institutionalisierte Hilfestellung in den Bereichen Mitgliederservice, Produkt- und Designinnovation, Aus- und Weiterbildung sowie Baukultur. Der Verein ist heute als Modell für neues Handwerk international anerkannt.

Vereinsziele[Bearbeiten]

Der Werkraum Bregenzerwald initiiert und organisiert Projekte zu den Themen Gestaltung und Ausbildung, seien es Wettbewerbe, Ausstellungen oder andere gemeinsame Aktionen. Die Initiative versteht sich als Impulsgeber und Plattform für das Handwerk. Sie zeigt neueste Entwicklungen und aktuelle Themen im Spiegel des regionalen kulturellen Erbes auf und macht sie öffentlich. Als Motor für Innovationen und Wachstum stellt der Werkraum die Verbindung von Handwerk mit Design und neuen Technologien, die Stärkung projektbezogener und betriebsübergreifender Kooperationen ins Zentrum seiner Tätigkeiten.

Die Arbeiten der Vereinsmitglieder werden für eine gemeinsame „eigene Formensprache, die auf sehr vorsichtige Weise mit dem Vokabular gestalterischer Tradition umgeht“[1], und die „formale Konsequenz und Strenge“[2] gelobt, und werden, was Baudesign betrifft, der Neuen Vorarlberger Bauschule zugeordnet.[3] Arbeiten wie die der Designmarke schmidinger.modul[4] (z. B. am Massachusetts Institute of Technology[5], Österreichisches Kulturinstitut New York) oder des Industriedesigners Robert Rüf haben internationale Beachtung gefunden.

Neben der ständigen Ausstellung im eigenen Rahmen (Werkraum Depot) und Sonderausstellungen ist der Werkraum auch international präsent, in Ausstellungsbeteiligungen und Messeauftritten, und eigene Ausstellungen wie möbel für alle.

Mitglieder[Bearbeiten]

Aktuell (Sommer 2013) zählt der Werkraum Bregenzerwald 80 Mitglieder. Nach Branchen verteilt, liegt der Anteil der holzverarbeitenden Branchen bei 41 %. 59 % sind aus dem Baugewerbe und Bauhandwerk, der Sanitär- und Elektrotechnik, dem Metall- und Glasbau, aus den Branchen Bekleidung, Schuhe und Schmuck. Weitere Vertreter sind Maler, Küfer, Ofenbauer, Polsterer, Steinmetz und Neue Dienstleister.

Handwerk+Form[Bearbeiten]

Handwerk+Form ist ein im Dreijahresrhythmus ausgetragener Wettbewerb in Andelsbuch, der seit Beginn zum Kerngeschäft des Werkraums gehört. Die Austragung erfolgt zusammen mit dem Handwerkerverein Andelsbuch, welcher den Wettbewerb und die Ausstellung im Jahre 1991 initiierte. Die hohen Ansprüche an die Ausführung, Gestaltung und an den optimierten Gebrauch von Einrichtungsgegenständen werden so alle drei Jahre auf die Probe gestellt und Neuentwicklungen angeregt.

Handwerk+Form zeichnet Exponate und Gegenstände rund ums Bauen, Einrichten und Wohnen aus. Hergestellt werden sie in Bregenzerwälder Handwerksbetrieben, die Entwicklung erfolgt zusammen mit Architekten und Designern aus dem In- und Ausland. Einreichungen kommen aus den einschlägig besetzten Branchen. Branchenübergreifende Arbeiten werden angeregt. Aus den gemeinsam entwickelten Gebrauchsgegenständen wählt eine Jury die Auszeichnungen und Anerkennungen aus. In einer Ausstellung öffentlich zugänglich gemacht, werden die Exponate in alten Werkstätten und Stadeln ausgestellt und sind so in Form eines Rundgangs durch Andelsbuch zu erkunden. Sammelpunkt ist ein im Kollektiv aufgestellter Pavillon aus vorgefertigten Elementen, vorübergehend aufgebaut für die Veranstaltungen, um unmittelbar danach wieder demontiert zu werden.

Werkraum Lädolar[Bearbeiten]

Die Vermittlung von Handwerk an Kinder und Jugendliche ist wesentlicher Bestandteil im Programm des Werkraums. Der Werkraum Lädolar ist ein Schau- und Lernmobil für Lehrberufe im Handwerk. Die Entwicklung und Herstellung dieser mobilen Lehrcontainer liegt in den Händen von Lehrlingen, Meistern und Gestaltern. In gemeinsamer Arbeit machen sie die Vielfalt der Materialien Techniken und Anwendungen im Handwerk sicht- und begreifbar und öffnen neue Zugänge zu Beruf und Lehre. Der Lädolar ist überall einsetzbar, wo gebündeltes und erfahrenes Wissen zu den handwerklichen Berufen gebraucht wird. Mit dem Werkraum Lädolar erhielt der Werkraum Bregenzerwald eine Nominierung zum Österreichischen Staatspreis Design 2009.

Werkraum Haus[Bearbeiten]

Das 2013 fertiggestellte Haus

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor erhielt 2008 den Planungsauftrag für einen Versammlungsort und für ein Schaufenster zur Handwerkskultur des Werkraum Bregenzerwald. Die Handwerker aus dem Bregenzerwald haben beim Bau vom Kunsthaus Bregenz (1990–1997) Zumthor kennengelernt. Seither arbeitet er mit Betrieben der Talschaft zusammen. 2006 war er Juryvorsitzender des Wettbewerbs „Handwerk+Form“.

Der Werkraum Haus hat ein weit ausladendes Dach aus Holz und eine Fassade aus Glas. Die Trennung zwischen Innen und Außen ist aufgehoben. Die Landschaft scheint durch das Haus hindurch zu fließen. Das Gebäude wurde von den Werkraum-Handwerkern gebaut und ist eine Bühne für das Handwerk mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Die offene und flexibel bespielbare Halle bietet auf 700 Quadratmetern ausreichend Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Werkraum Bregenzerwald – Design trifft Handwerk. designforumMQ, Museumsquartier Wien, 24. März–24. April 2009[6]
  • möbel für alle: Design Initiative Werkraum Bregenzerwald. Ausstellungszentrum im Ringturm (Ausstellungszentrum der Wiener Städtischen Allgemeinen), Wien, 17. April - 28. Juni 2002[7], dann internationale Wander-Ausstellung (Paris, München und Saint-Étienne)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Florian Aicher, Renate Breuß: eigen + sinnig. Der Werkraum Bregenzerwald als Modell für ein neues Handwerk. Ökom Verlag, München 2005, ISBN 3-936581-88-6 (Besprechung, Alpenallianz, 28. Juli 2005).
  •  Roland Gnaiger, Adolph Stiller (Hrsg.): möbel für alle. Designititiative Werkraum Bregenzerwald. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Ringturm Wien. Anton Pustet Verlag, Salzburg 2002.
  •  Claudia Schwartz: Werkraum Bregenzerwald. Nicht nur der Form halber. In: Landschaft des Wissens (Hrsg.): Strategien des Handwerks. Sieben Porträts außergewöhnlicher Projekte in Europa. Bern/Stuttgart/Wien 2005, S. 34–36 (Leseprobe, pdf).
  •  Werkraum Bregenzerwald, Gasthof Krone (Hrsg.): Werkraum Krone. Vom Neuen Handwerk und dem Umbau eines alteingesessenen Gasthofs im Bregenzerwald. Bucher, Hohenems 2008.
  •  Renate Breuß: Werkraum Bregenzerwald. Vom Umgang mit elementaren Dingen. In: Zuschnitt. Mai 2002 (Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOnline. In: Werke aus Holz / Holzrealien /. pro:Holz, abgerufen am 17. September 2009. pdf-Dokument, archbuero.com).
  •  Gabriele Kaiser: Werkstück statt Stückwerk - Zwei Initiativen des Werkraum Bregenzerwald. In: Zuschnitt. 26 2007, ISSN 1608-9642.
  •  Mathias Irle: Jenseits des Tellerrands. In: brand eins. Hamburg September 2006, ISSN 1438-9339.
  •  Kurt Greussing: Design-Produktion in Vorarlberg - Spektakulär, doch kein Spektakel. In: designforumWIEN MQ (Hrsg.): 360° Design Austria #2 - Artificial Atlas of Austrian Design. 2009, ISBN 978-3-900364-18-2.

Medien[Bearbeiten]

  • Neues Handwerk. Der Werkraum Bregenzerwald. Karin Guldenschuh, ORF Vorarlberg, Erstausstrahlung Österreich Bild am Sonntag; DVD 2005
  • Lädolar - neue Wege der Berufsvermittlung. Dokumentation, Ingrid Bertel, ORF Vorarlberg, Erschienen in: Sendereihe Erlebnis Österreich, DVD 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zit.  Michael Hausenblas: werkraum bregenzerwald. Bodenständig abheben. In: der katalog. 2006/2007 (Webdokument, dasmöbel, abgerufen am 17. September 2009).
  2. Zit. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDieter Horchler: Werkraum Bregenzerwald. Bregenzerwald - die Talschaft. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Handwerk der Zukunft. IPF Hamburg, o.D., ehemals im Original, abgerufen am 17. September 2009. (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.ipf-hamburg.net
  3. Otto Kapfinger: Vorarlberger Bauschule – Zur Entstehung und Wirkung einer Schule, die nie eine war. (Webdokument. In: vai > Bauszene, abgerufen 2009)
  4. schmidinger möbelbau, Schwarzenberg
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSimmons Hall MIT Undergraduate Residence. In: Architectural Record → Project Portfolio. The McGraw-Hill Companies, abgerufen am 17. September 2009 (engl.).
  6. Werkraum Bregenzerwald – Design trifft Handwerk. In: Ausstellungen. Design Austria Berufsverband der Grafik-Designer, Illustratoren und Produkt-Designer, archiviert vom Original am 31. März 2009, abgerufen am 2009.
  7. Designinitiative Werkraum Bregenzerwald. In: Architektur im Ringturm. Wiener Städtische, abgerufen am 2009.

47.4131719.894913Koordinaten: 47° 24′ 47″ N, 9° 53′ 42″ O