Werner Berges

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Werner Berges bei seiner Ausstellung 2007 im Pan Kunstforum, Emmerich

Werner Berges (* 7. Dezember 1941 in Cloppenburg) ist ein deutscher Pop-Art-Künstler. Für eine Reihe zeitgenössischer Kritiker reifte Berges schon sehr früh zu einem der wichtigsten Vertreter der Pop-Art in Deutschland heran.

Leben[Bearbeiten]

Werner Berges wurde 1941 in Cloppenburg geboren. Von 1960 bis 1963 studierte er an der Kunstschule Bremen Gebrauchsgrafik mit dem Schwerpunkt Mode-Design.

Ab 1962 schuf Berges eine Reihe abstrakter Arbeiten, die den Amerikaner Cy Twombly als Inspirationsquelle vermuten lassen. Berges interessierte sich schon früh für das Werk von Cy Twombly, aber er lehnt ab, von einer direkten Beeinflussung zu sprechen.[1]

Von 1963 bis 1968 folgte ein Studium der freien Malerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Alexander Camaro. 1965 wandte sich Berges langsam der figurativen Malerei zu. Werke aus dieser Zeit zeigen Anthropomorphe Figuren, die sich auf der Leinwand verteilen und auf den ersten Blick oft nicht als solche zu erkennen sind. Die einzelnen Figuren präsentieren sich in den mannigfaltigsten Formen, schlängeln sich über die Bildfläche und lassen so einen surrealen Eindruck entstehen, der das Figurative noch dominiert.

1966 wurde Berges Mitglied der 1964 gegründeten Ausstellungsgemeinschaft Großgörschen 35. Eine seiner frühen Einzelausstellungen fand 1966 in den Räumen der Ausstellungsgemeinschaft statt.[2][3]

1967 fand Berges zu seinem Hauptthema: der Frau. Kein anderes Motiv fasziniert ihn so sehr wie der weibliche Körper: Eine schöne Frau ist für mich immer noch das Vollkommenste, das ich mir vorstellen kann: Der ideale Gegenstand der Kunst.[4] Berges präsentiert den aus der Werbung bekannten Typus der Frau, aber er entfernt die Werbefigur aus ihrem Kontext und präsentiert sie dem Betrachter in einem völlig neuen Licht. Er emanzipiert die Werbe-Mannequins, indem er sie von ihrer künstlich auferlegten Erotik befreit und sie dem Betrachter gleichrangig gegenüberstellt.

Berges-Skulpturen vor dem Rathaus Cloppenburg
Berges-Skulptur in Lohne

Werner Berges gilt als einer der Hauptvertreter der deutschen Pop Art, aber er selbst steht dieser Einordnung eher kritisch gegenüber. Im Gegensatz zu den amerikanischen Pop Art Künstlern, wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein, verfremdet Berges seine Motive. Das Anonyme spielt im Werk Berges' eine bedeutende Rolle. Auch er selbst bleibt gerne im Hintergrund und signiert seine Werke nur auf der Rückseite. Berges befreit die Frauen aus ihrem Werbekontext und setzt sie in einen völlig neuen Bildzusammenhang. Er reduziert die weiblichen Körper auf einfache Formen und kombiniert sie mit verschiedenen Mustern, wie Kreisen, flachen Farbstreifen oder ersetzt die Körperlinie durch lose Konturpunkte.[5]Er selbst sagt, dass seine Raster nichts mit denen von Roy Lichtenstein gemein haben, denn er benutzt sie nicht zur Steigerung, sondern zur Verfremdung des Motivs.[6] Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich bei Berges' Frauen auch nicht um berühmte Persönlichkeiten.

Der Künstler fertigt nicht nur Bilder, sondern auch Skulpturen an. Insbesondere sein Motiv „Jede Menge Leute“ ist in verschiedenen Varianten im öffentlichen Raum mehrerer Städte zu sehen, z.B. vor dem Rathaus seiner Geburtsstadt Cloppenburg und in der Mitte eines viel befahrenen Kreisverkehrs in Lohne (Oldenburg).

Berges ist Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und des Künstlerbundes Baden-Württemberg. Er lebt und arbeitet in Schallstadt bei Freiburg und Cadaqués/Spanien.

Bilder[Bearbeiten]

Typisch für Berges Arbeiten sind leuchtende Primärfarben, klare Konturen, die Verwendung von Rasterpunkten und Streifen, die den Gemälden auf spielerische Art und Weise den Charakter von Reproduktionen verleihen.

Inhalt seiner Werke sind immer wieder der Werbung entnommene Frauen, Modells und Stars aus Reklame und Modephotographie, denen der Künstler allerdings durch seine Darstellung einen neuen Stellenwert gibt. Erotische Körper, verführerische Blicke und strahlende Gesichter setzt er mit kräftigen Farben, Rasterpunkten, Streifen und Collagen um. Berges Arbeiten ist ein "graphisches Liniengerüst" unterlegt. Dieses Liniengerüst besteht unabhängig von farbigen Zonen und Rasterpunkten.[7]

Im Werk von Werner Berges sind auch einige trompe-l’œil-artigen Bilder zu entdecken, die das Auge des Betrachters hinters Licht führen wollen.

So vermitteln manche auf den ersten Blick den Eindruck, als würde es sich um eine Collage handeln. Sieht man jedoch genauer hin, so sind die Flächen nur gemalt. Andere vermitteln den Eindruck, als seien einzelne Zonen von der Oberfläche der Leinwand abgerissen. Dieser Effekt erinnert an die abgerissenen Plakatwände der Affichisten, ist jedoch hier nur eine Täuschung.[8]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Eröffnung der 16. Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Haus des Bundespräsidenten am 20. Juni 1973 (vl.n.r.: Hilda Heinemann, Brigitte Stamm, Werner Berges)

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1965: Museumsdorf Cloppenburg
  • 1984: Galerie Eude, Barcelona
  • 1999: Kunsthaus Grenchen
  • 1998: Kunstforum Zürich
  • 2002: Stadtmuseum Oldenburg
  • 2008: Morat-Institut
  • 2011: Neuffer am Park Kunsthalle, Pirmasens
  • 2011: The Artist's Cut, DavisKlemmGallery Frankfurt
  • 2012: Kunst+Kultur-Kreis Damme e.V., Damme, Lohne, Steinfeld
  • 2013: No Paint, DavisKlemmGallery, München
  • 2014: Hackstück # 4 Werner Berges: Das druckgrafische Werk, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen
  • 2014: Mal gestreift, DavisKlemmGallery, Wiesbaden

Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1972: Museo d'arte, Buenos Aires
  • 1995: Norwegian International Print Triennale
  • 1997: Galerie Moderne, Bad Zwischenahn
  • 2000: Kunsthaus Hannover
  • 2010: Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden, DavisKlemmGallery Frankfurt
  • 2012: Punkt.Systeme. Vom Pointillismus zum Pixel, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen
  • 2014: German Pop, Schirn Kunsthalle Frankfurt

Werner Berges stellte seine Werke in über 200 In- und Auslandsausstellungen aus. Außerdem gestaltete er das Cover zu Mousse T.'s Album „Gourmet de Funk“.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke in Museen (Auswahl)[Bearbeiten]

Ausstellungskataloge (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Berges in Berlin : Bilder, Aquarelle und Zeichnungen 1963 - 1977. Markgräfler Museum, Müllheim 1998. Ausstellungskatalog, 78 S.
  • Berges in Baden : Bilder, Aquarelle und Zeichnungen 1977 – 1998. Markgräfler Museum, Müllheim 1998, ISBN 3-00-002733-5. Ausstellungskatalog, 84 S.
  • Werner Berges. Pop Art. Arbeiten 1965 – 1977. Ausstellung Museum der Stadt Ratingen vom 26. März bis 1. Mai 2000 und Kunstverein Münsterland e. V. vom 5. Mai bis 23. Juli 2000. Kunstverein Münsterland, Coesfeld 2000, ISBN 3-926538-36-8.
  • Erika Davis-Klemm (Hrsg.): Katalog zur Ausstellung „Jede Menge Leute“. DavisKlemmGallery - Verlag, Frankfurt 2008.
  • Erika Davis-Klemm (Hrsg.): Werner Berges: The Artist's Cut. DavisKlemmGallery - Verlag, Frankfurt 2011, ISBN 978-3-9814872-0-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tobias Kaufhold: Auf der Suche nach der verlorenen Form. Werner Berges und die Pop-Art. Depelmann, Langenhagen 1998, ISBN 3-928330-25-X. Zugleich: Bochum, Universität, Dissertation.
  • Werner Berges. Bilder, Aquarelle und Zeichnungen 1982 – 1990. Edition Domberger, Freiburg 1990, ISBN 3-922646-08-5.
  • Werkverzeichnis der Grafik. Isensee Verlag, Oldenburg 2002, ISBN 3-89598-876-6.
  • Künstler – Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. ZEIT Kunstverlag, München 2010, KLG - 2010, Ausgabe 92, 4. Quartal
  • Wolfgang Klika: Werner Berges 23.9. bis 4.11.2012 - Dokumentation zur Ausstellung in Damme – Lohne – Steinfeld. Verlag Wolfgang K. Klika (klikabook.de), Damme 2012, ISBN 978-3-937561-05-9
  • Astrid Ihle: Werner Berges. Die Pop-Art-Jahre in: Werner Berges. Druckgrafik der 1960er und 1970er Jahre, Ludwigshafen 2014, ISBN 978-3-86832-236-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marie Luise Otten in: Werner Berges. Pop Art. Arbeiten 1965 – 1977. Kunstverein Münsterland e.V., 2000.
  2. Retrospektive Großgörschen 35. Großgörschen 35 Berlin und der Senator für Wissenschaft und Kunst, Berlin 1968. ([56 Bl.]). In den Räumen der Galerie des 20. Jahrhunderts 31. Oktober – 24. November 1968.
  3. Großgörschen 35 hat Geburtstag: 1964–1989, Galerie Eva Poll Berlin. Galerie Poll, Berlin 1989. ([20 Bl.]) (POLLeditionen; Bd. 21).
  4. Stefan Tolksdorf in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. Werner Berges. München 2010.
  5. Stefan Tolksdorf in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. Werner Berges. München 2010.
  6. Interview mit Werner Berges in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst. München 2010. Darin: Stefan Tolksdorf: Werner Berges.
  7. Tobias Kaufhold: Auf der Suche nach der verlorenen Form. Werner Berges und die Pop-Art. Depelmann, Langenhagen 1998
  8. Marie Luise Otten in: Werner Berges. Pop Art. Arbeiten 1965 – 1977. Kunstverein Münsterland e.V., 2000.