Werner Boie (Ingenieur)

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Grab von Werner Boie auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden.

Werner Boie (* 26. September 1901 in Dresden; † 6. Oktober 1978 in Dresden) war ein deutscher Ingenieur und Hochschullehrer, der vor allem auf dem Gebiet der Verbrennung, Feuerungstechnik und Wärmetechnik tätig war.

Leben[Bearbeiten]

Werner Boie wurde 1901 in Dresden geboren. Von 1908 bis 1912 besuchte er die Bürgerschule in Dresden, anschließend von 1912 bis 1921 das Realgymnasium in Dresden. Nach dem Schulabschluss studierte er von 1921 bis 1926 Maschinenbautechnik an der Technischen Hochschule Dresden.

Nach dem Studium war er zunächst viele Jahre in der Industrie tätig als Versuchsingenieur, Bauleiter, Oberingenieur, stellv. Betriebsdirektor bzw. Betriebsdirektor bei der AG Sächsische Werke Böhlen, bzw. im Kraftwerk Espenhain. Hier wirkte er an einigen bedeutenden technischen Neuentwicklungen mit, wie z.B. dem ersten Strahlungsüberhitzer der Welt (1931), dem ersten "Schotten"-Überhitzer der Welt (Kraftwerk Böhlen, 1939) und dem ersten hyperbolischen Kühlturm in Deutschland.[1] Seine Promotion 1935 erfolgte berufsbegleitend.

Am 1. April 1950 übernahme Boie den Lehrstuhl für Wärmetechnik und Wärmewirtschaft an der Fakultät Maschinenwesen der TH Dresden und wurde Direktor des gleichnamigen Institutes. Diesen Lehrstuhl behielt er 16 Jahre lange bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1967. In diese Zeit fiel seine Forschungstätigkeit, vor allem auf dem Gebiet der Verbrennung und Verbrennungsrechnung. Anknüpfend an die Arbeit von Richard Mollier entwickelte Boie auf Basis der wissenschaftliche Grundlagen allgemeingültige, nicht auf einen bestimmten Brennstoff zugeschnittene, dimensionslose Formeln und Diagramme sowie statistisch erfasste, empirische Kennwerte die insbesondere dem praktischen Anwender in der Industrie die Arbeit wesentlich erleichterten.[1] Als besonders anwendungsnahes Werkzeug entwickelte er spezielle Rechenschieber für die Verbrennungstechnik.[2][3]

Sein 1957 herausgegebenes Buch Vom Brennstoff zum Rauchgas entwickelte sich schnell auch in Westdeutschland zu einem Standardwerk der Verbrennungstechnik. Daneben tätigte Boie nahezu 100 weitere Veröffentlichungen, darunter Beiträge für das Taschenbuch Maschinenbau und die Wärmetechnische Arbeitsmappe des VDI.

Von 1959 bis 1961 war Boie Dekan der Fakultät Maschinenwesen der TU Dresden. Er war auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Besondere Anerkennung wurde ihm 1968 durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Magdeburg zuteil.

Boie verstarb nach kurzer Krankheit 1978 in Dresden. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Annenfriedhof der Stadt.

Zitate[Bearbeiten]

„Obwohl die Menschheit das Feuer als Segen oder Schrecken seit Jahrtausenden kennt, ist der physikalisch-chemische Vorgang der Verbrennung noch recht wenig wissenschaftlich durchdrungen.“

Werner Boie, 1957, in einer Abhandlung zu den Aufgaben der Wissenschaft auf dem Gebiet der Dampferzeugung

Werke[Bearbeiten]

  • Vom Brennstoff zum Rauchgas: Feuerungstechn. Rechnen mit Brennstoffkenngrössen u. seine Vereinfachung mit Mitteln d. Statistik. Teubner, Leipzig 1957.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b TU Dresden: Info über Werner Boie
  2. Historische Entwicklung der Energietechnik an der TU Dresden und ihre Einordnung in die Technikgeschichte (PDF-Datei; 3,7 MB)
  3. Bernstein, W.; Sturm, A,: Werner Boie – ein Pionier der Kraftwerkstechnik. In: VGB Kraftwerkstechnik 77 (1997) 12, S. 1001-1007