Werner Herzog

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Regisseur, Produzenten und Schauspieler. Zum gleichnamigen österreichischen Skirennläufer siehe Werner Herzog (Skirennläufer).
Werner Herzog bei den 66. Filmfestspielen von Venedig 2009

Werner Herzog (* 5. September 1942 in München, Bayern; eigentlich Werner Herzog Stipetić) ist ein deutscher Filmregisseur, Opernregisseur, Filmproduzent, Schauspieler und Schriftsteller. Herzog ist ein bedeutender Vertreter des „Neuen deutschen Films“ Westdeutschlands bzw. des Autorenfilms. Das Time Magazine rechnete ihn 2009 zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt.[1]

Leben[Bearbeiten]

Werner Herzog wuchs in dem bayerischen Dorf Sachrang, unweit der Grenze zu Österreich auf; die Familie war dorthin vor den Bombenangriffen auf München geflohen. Mit zwölf Jahren zog er mit seiner aus einem kroatischen[2] Offiziersgeschlecht stammenden Mutter Elisabeth Herzog (geborene Stipetić, 1912–1984) nach München. Sein Vater war Dietrich Herzog (1910–1989). Sein Großvater war der Philologe Rudolf Herzog, der Bekanntheit durch die Ausgrabung des Asklepieions auf der Insel Kos erlangte. Werner Herzog hat einen älteren Bruder Tilbert Herzog und einen jüngeren Halbbruder Lucki Stipetić, der bis heute mit ihm als Produzent zusammenarbeitet. In seiner Kindheit war ihm die Existenz des Kinos lange nicht bewusst, bis er im Alter von elf Jahren in der Dorfschule seinen ersten Film sah.

Kurzzeitig bewohnte er mit seiner Familie in München eine Pension in der Elisabethstraße mit Klaus Kinski, der bereits zu dieser Zeit mit exzentrischen Allüren auffiel. Während der Gymnasialzeit arbeitete Herzog in Nachtschicht als Punktschweißer in einer Stahlfabrik. Am Maximiliansgymnasium in München machte er sein Abitur und studierte neben seinen ersten Filmproduktionen Geschichte und Literatur- und Theaterwissenschaften. Ein Stipendium, das er aber bereits nach einer Woche abbrach, brachte ihn nach Pittsburgh (Vereinigte Staaten von Amerika).

Im Jahre 1962 veröffentlichte Herzog, 19-jährig, seinen ersten Film, den zwölfminütigen Kurzfilm Herakles. 1963 gründete er seine eigene Produktionsfirma Werner Herzog Filmproduktion in München. Seinen ersten abendfüllenden Spielfilm Lebenszeichen drehte Herzog im Alter von 24 Jahren. Für diesen Film erhielt er finanzielle Unterstützung vom Kuratorium junger deutscher Film. In der Kategorie Bester erster Film wurde ihm dafür ein Deutscher Filmpreis verliehen. Der Film erschien 1968.

1967 heiratete Herzog Martje Grohmann. Ihr Sohn Rudolph Amos Achmed wurde 1973 geboren.

Ende 1974 ging er in 22 Tagen zu Fuß von München nach Paris, um die kranke Filmkritikerin Lotte Eisner zu besuchen und sie damit – in seiner Sichtweise – zu retten; darüber schrieb er das Buch Vom Gehen im Eis.[3]

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin 2010 bekleidete Herzog das Amt des Jurypräsidenten.[4] 2012 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.[5]

Zusammen mit Eva Mattes hat er eine Tochter (* 1980). 1987 heiratete Herzog Christine Maria Ebenberger, mit der er einen Sohn (* 1989) hat. Die Ehe wurde 1994 geschieden. Er ist seit 2006 mit der Fotografin Lena Herzog (geborene Pisetski) verheiratet. Seit 1995 lebt er in den Vereinigten Staaten.

Werke[Bearbeiten]

Herzog in Brüssel, 2007

Viele seiner Filme drehte Werner Herzog auf Englisch. In fünf seiner bekanntesten Filme besetzte er die Hauptrolle mit Klaus Kinski. Über die oftmals schwierige Beziehung der beiden drehte er 1999 den Dokumentarfilm Mein liebster Feind.

Werner Herzogs Werk beinhaltet neben seinen Spielfilmen auch zahlreiche dokumentarische Arbeiten. Nach Cobra Verde drehte er nur wenige Spielfilme, aber zahlreiche Dokumentationen für Fernsehen und Kino. Auch in früheren Jahren drehte er regelmäßig Dokumentarfilme. Der vielleicht bemerkenswerteste davon, Gasherbrum, über eine Doppel-8000er-Besteigung von Reinhold Messner und Hans Kammerlander, in dem Herzogs Verständnis vom Dokumentarfilm Ausdruck findet: Er verweigert sich dem Cinéma vérité und der Einschätzung, dass Kameras Authentizität reproduzieren könnten. Vielmehr geht es in den dokumentarischen Arbeiten auch immer um die eigene Perspektive auf den Gegenstand, um Herzog selbst also. Dies geht so weit, dass er manchen dokumentierten Personen gar Wörter und Aussprüche in den Mund legt und die Arbeiten zudem stark ästhetisiert.

Der Kurzfilm Werner Herzog Eats His Shoe dokumentiert Herzogs Einlösen einer Wette. Herzog ermutigte damit Errol Morris, seinen ersten Film Gates of Heaven tatsächlich fertigzustellen. Herzog kochte seine Schuhe und aß einen bis auf die Sohle auf. Regie führte Les Blank, der auch später eine vielgerühmte Dokumentation über die beschwerlichen Dreharbeiten von Fitzcarraldo drehte (Burden of Dreams).

Mitte der achtziger Jahre wandte er sich der Oper zu und debütierte 1985 mit der Inszenierung von Ferruccio Busonis Doktor Faust am Teatro Comunale in Bologna. Bekannt wurde er durch seine Aufführungen von Wagner, insbesondere Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen im Jahr 1987, und Beethovens Fidelio an der Mailänder Scala.

2009 erhielten Herzogs Spielfilme Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen und My Son, My Son, What Have Ye Done Einladungen in den Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig. Damit ist Herzog der zweite Filmemacher, der mit zwei Werken um den Goldenen Löwen konkurrierte.[6]

Am 18. September 2012 führte Herzog bei einem Konzert der amerikanischen Rockband The Killers in New York Regie. Das Konzert wurde live im Internet übertragen.[7]

Trivia[Bearbeiten]

Im Rahmen der Arbeiten an seinem Film Aguirre, der Zorn Gottes hatte sich Herzog am 24. Dezember 1971 am Flughafen von Lima mit allen Mitteln bemüht, für sich und ein Drehteam Plätze auf dem später verunglückten LANSA-Flug 508 zu bekommen, allerdings vergeblich: Nachdem am Vortag alle Flüge auf dieser Strecke wetterbedingt ausgefallen waren (auch er und sein Team waren ursprünglich für den 23. gebucht), und es am 24. nur diesen einzigen Flug nach Pucallpa gab, war der Flug so überlaufen, dass er keine Plätze mehr bekam und um Haaresbreite der Katastrophe entging.[8] Jahrzehnte später dreht er nach persönlichen Gesprächen mit Juliane Koepcke, der einzigen Überlebenden dieses Fluges, seinen 1999 erschienenen Dokumentarfilm Julianes Sturz in den Dschungel über dieses Unglück und Koepckes Rettung.

In Die Simpsons (englisch) lieh er in der 15. Folge der 22. Staffel einem deutschen Pharmaunternehmer im englischen Original und in der deutschen Synchronisation seine Stimme.

Der niederländische Autor und Biologe Maarten 't Hart warf Werner Herzog 2010 Tierquälerei vor. Herzog hatte 't Hart für den Film Nosferatu als Berater beigezogen, jedoch gegen dessen Rat eine Massenszene mit Ratten durchführen lassen. Die Tiere wurden auf Wunsch Herzogs schwarz gefärbt. Beim Färbungsverfahren wurden sie in kochendes Wasser getaucht. Gemäß 't Hart kamen dabei 50% der Ratten um. [9]

Filmografie[Bearbeiten]

Filme von Werner Herzog[Bearbeiten]

Filme über Werner Herzog[Bearbeiten]

  • 1978: Christian Weisenborn und Erwin Keusch – Was ich bin sind meine Filme
  • 1980: Les Blank – Werner Herzog eats his Shoe
  • 1982: Les Blank – Burden of Dreams
  • 1987: Steff GruberLocation Africa
  • 1988: Peter Buchka – Bis ans Ende… und dann noch weiter. Die ekstatische Welt des Filmemachers Werner Herzog

Filme mit Werner Herzog[Bearbeiten]

Bücher von Werner Herzog[Bearbeiten]

Bücher über Werner Herzog[Bearbeiten]

  • Eric Ames: Ferocious Reality. Documentary according to Werner Herzog, Minn. [u.a.] : University of Minnesota Press, 2012
  • Emmanuel Carrère: Werner Herzog. Ediling, Paris 1982, ISBN 2-85601-017-2.
  • Moritz Holfelder: Werner Herzog. Die Biografie. "Jeder Film ist eine Eintrittskarte zur Welt." LangenMüller, München 2012, ISBN 978-3-7844-3303-5. (Mit 50 Schwarz-Weiß-Fotografien)
  • Brad Prager (Hrsg.): A companion to Werner Herzog, Chichester [u. a.]: Wiley-Blackwell, 2012, ISBN 978-1-405-19440-2
  • Paul Cronin (Hrsg.): Herzog on Herzog, Faber&Faber, London 2002.
  • Chris Wahl (Hrsg.): "Lektionen in Herzog. Neues über Deutschlands verlorenen Filmautor Werner Herzog und sein Werk", edition text+kritik, München 2011, ISBN 978-3-86916-118-1

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Stern von Werner Herzog auf dem Boulevard der Stars in Berlin

Academy Awards

  • 2009: Nominiert in der Kategorie Dokumentarfilm für Encounters at the End of the World

Berlinale

British Academy Film Award

  • 1983: Nominiert für den BAFTA Award in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film (für Fitzcarraldo)

BBC Four World Cinema Awards

  • 2009: World Cinema Achievement Award

Bayerischer Filmpreis

  • 1988: Produzentenpreis (für Cobra Verde)

Boulevard der Stars

Cannes Film Festival

  • Cannes 1975: FIPRESCI-Preis, Grand Prix der Jury, Preis der Ökumenischen Jury sowie Nominierung für die Goldene Palme (für Jeder für sich und Gott gegen alle)
  • Cannes 1979: Nominierung für die Goldene Palme (für Woyzeck)
  • Cannes 1982: Preis für den besten Regisseur sowie Nominierung für die Goldene Palme (für Fitzcarraldo)
  • Cannes 1984: Nominierung für die Goldene Palme (für Wo die grünen Ameisen träumen)

César

  • 1976: Nominiert in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film (für Aguirre, der Zorn Gottes)

Directors Guild of America

  • 2006: Directors Guild of America Award (für Grizzly Man)

Emmy

  • 1999: Nominiert für den Emmy Award in der Kategorie Outstanding Non-Fiction Special (für Little Dieter Needs To Fly)

Europäischer Filmpreis

  • 1999: Nominiert in der Kategorie Bester Dokumentarfilm (für Mein liebster Feind - Klaus Kinski)

International Documentary Film Festival Amsterdam

  • 1997: Spezialpreis der Jury (für Little Dieter Needs To Fly)

Festival International de Programmes Audiovisuels, Biarritz

  • 1999: Silberner FIPA-Preis (für Little Dieter Needs To Fly)

Krakowski Festiwal Filmowy

  • 2002: Dragon of Dragons Ehrenpreis

Deutscher Filmpreis

  • 1968: Filmband in Silber (für Lebenszeichen)
  • 1975: Filmband in Silber (für Jeder für sich und Gott gegen alle)
  • 1978: Filmband in Silber (für La Soufrière - Warten auf eine unausweichliche Katastrophe)
  • 1984: Filmband in Gold (für Wo die grünen Ameisen träumen)
  • 2013: Ehrenpreis für hervorragende Verdienste um den Deutschen Film

Gotham Award

  • 2005: Nominiert in der Kategorie Bester Dokumentarfilm (für Grizzly Man)

Gilde-Filmpreis

  • 1980: Gilde-Filmpreis in Silber in der Kategorie Deutscher Film (für Woyzeck)
  • 1983: Gilde-Filmpreis in Gold in der Kategorie Deutscher Film (für Fitzcarraldo)

Internationale Hofer Filmtage

  • 1993: Preis der Stadt Hof

Independent Spirit Award

  • 2006: Nominiert in der Kategorie Bester Dokumentarfilm (für Grizzly Man)

International Documentary Association

  • 1998: IDA Award in der Kategorie Feature Documentaries (für Little Dieter Needs To Fly)

Las Vegas Film Critics Society Awards

  • 2000: Nominiert für den Sierra Award in der Kategorie Bester Dokumentarfilm (für Little Dieter Needs To Fly)

Internationales Filmfestival von Locarno

Los Angeles Film Critics Association Award

  • 2011: Bester Dokumentarfilm (für Die Höhle der vergessenen Träume 3D)

Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg

  • 1971: Interfilm-Preis (für Land des Schweigens und der Dunkelheit)

Melbourne International Film Festival

  • 1993: Grand Prix (für Lektionen in Finsternis)

National Society of Film Critics

  • 2012: Bester Dokumentarfilm (für Die Höhle der vergessenen Träume 3D)

New York Film Critics Circle Award

  • 2011: Bester Dokumentarfilm (für Die Höhle der vergessenen Träume 3D)

San Francisco International Film Festival

  • 1999: Golden Spire (für Little Dieter Needs To Fly)

Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián

  • 1982: OCIC-Preis (für Fitzcarraldo)

Sundance Film Festival

  • 2005: Alfred P. Sloan Feature Film Prize und Nominierung für den Grand Jury Prize (für Grizzly Man)

São Paulo International Film Festival

  • 1999: Publikumspreis (für Mein liebster Feind - Klaus Kinski)

Association Française de la Critique de Cinéma

  • 1976: Kritikerpreis (für Aguirre, der Zorn Gottes)

Filmfestspiele von Venedig

  • 1991: Nominiert für den Goldenen Löwen (für Cerro Torre: Schrei aus Stein)
  • 2005: FIPRESCI-Preis (für The Wild Blue Yonder)

Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

  • 2012: Verdienstkreuz 1. Klasse

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werner Herzog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The 2009 TIME 100. In: Time Magazine. Abgerufen am 12. Oktober 2014.
  2. Paul Laster: Werner Herzog Comes Out of the Cave. In: New York Observer. 25. Juli 2011. Abgerufen am 15. August 2013.
  3. Das Wissen kommt von den Sohlen – Buchkritik aus der Zeit
  4. Werner Herzog wird Jury-Präsident der 60. Berlinale. In: Internationale Filmfestspiele Berlin, 19. November 2009. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
  5. Bundesverdienstkreuz für Werner Herzog. In: Focus, 4. Mai 2012. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
  6. vgl. Venezia: E' die Herzog anche il film sorpresa. ANSA, 4. September 2009 7:13 PM CET, Venedig
  7. [1]
  8. Koepcke, Juliane: Als ich vom Himmel fiel: Wie mir der Dschungel mein Leben zurückgab. Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-27493-7, S. 83.
  9. Maarten ’t Hart in der Fernsehsendung „Zomergasten“ (VPRO, NL), 1. August 2010.